Die Geschichte der Skitourenrennen
von Claude Défago, Monthey
Skitourenlauf ist eine sehr alte Fortbewegungsart. Bereits 3000 Jahre vor Christus wurde in Russland eine Form von Skitourenrennen praktiziert.
Heute ist das mehr oder weniger schnelle Vorwärtzskommen auf Skiern ein populärer Freizeit- und Wettkampfsport.
Von 1924, den erste Olympischen Winterspielen in Chamonix, bis zur Austragung von 1948 in St. Moritz waren die militärischen Patroullenläufe auf Skiern, also Skitourenrennen, eine Olympia-Disziplin.
Während des zweiten Weltkriegs und kurz danach entstehen legendäre Rennen wie die «Patrouille des Glaciers» im Wallis, der «Trofeo Mezzalama» in Italien und in den Waadtländer Alpen die «Trophée du Muveran». Jedes Land, in dem Skirennen im Hochgebirge überlebt haben, organisiert Wettkämpfe entsprechend seinen Traditionen; Gebirgs-Langlaufrennen in Italien, Patrouillenrennen in der Schweiz, «esquì de montanya» in Spanien und Katalonien, «ski-alpinisme» in Frankreich, «rallyes» in Bulgarien und der Slowakei...
In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts werden in mehreren Ländern im Alpenbogen Skitourenrennen ins Leben gerufen. Sie geben den Impuls zur modernen Sportart. Anfangs der 90er Jahre gründen einige passionierte Skitouren-Rennläufer aus Frankreich, Italien, Spanien, Andorra, der Slowakei und der Schweiz, die CISAC, die internationale Skitourenrennen-Wettkampf-Kommission. Der erste Europacup und eine Europameisterschaft entstehen unter der Initiative des französischen Journalisten und Alpinisten Volodia Shashahani. 1992 findet die erste Austragung statt. Die Schweiz beteiligt sich erstmals 1993 mit der «Trophée du Muveran», 1995 folgt «Alpiniski des Dents-du-Midi».
1995 setzen sich die Wettkampforganisatoren zusammen. Sie verabschieden einen Wettkampfkalender, Materialanforderungen, ein Reglement, Sicherheitsbestimmungen; die Schweizermeisterschaft entsteht. Auch der Umweltschutz und die Sportethik sind wichtige Themen. Dank diesen Anstrengungen werden die Skitourenrennen vor allem in der Westschweiz populär. Die Schweiz hat am meisten eingeschriebene und aktive Wettkämpferinnen und Wettkämpfer. Dies wohl auch, weil die Rennstrecken zwar technisch anspruchsvoll und alpin aber trotzdem für jedermann zugänglich sind.
1997 integriert der Schweizer Alpen-Club SAC die Kommission Skitourenrennen in der Abteilung «Wettkampfsport». Es entstehen neue Wettkämpfe, jetzt ausserhalb der Westschweiz: Bivio (GR), Diemtigtal (BE), Grindelwald (BE). Wenige Jahre später kommen Stoos (SZ), Pizol (SG) und Tris Rotondo (TI) dazu. Im Jahre 2005 figurieren im nationalen Wettkampfkalender zum ersten Mal mehr Rennen in der Deutschschweiz als in der Westschweiz.
Gleichzeitig nehmen die Einzelrennen zu. Meist sind es «nocturnes», Nachtrennen, oft auf Wintersportpisten. Die Zeitmessung erfolgt am Ende des Aufstiegs. «Cracks» und «Funpop» finden daran gleichermassen Gefallen. Der grossartige Erfolg dieser Veranstaltungen ist beste Werbung für die Skitourenrennen.
Noch werden einige Rennen ausserhalb des SAC organisiert. Das bekannteste ist die Patrouille des Glaciers. Seit ihrem Wiederaufleben 1984 untersteht die Organisation der Schweizer Armee. 2004 gewann zum ersten Mal eine ausländische Equipe das Rennen. Im 2008 wurde dort der Team-Langstrecken-Weltmeistertitel vergeben. Erfreulicherweise sowohl bei den Damen wie Herern an ein Schweizer Team.
Das SAC Swiss Team ist die Nationalmannschaft der Skitourenrennen und besteht seit 1999. 2004 erreicht die Nationalmannschaft in Spanien die absolute Weltspitze: das Swiss Team ist die beste Skitourenrenn-Nation der Welt. Die Weltmeisterschaft 2006 fand in Italien statt und diejenige 2008 in der Schweiz.
Auf internationaler Ebene kümmert sich der internationale Verband ISMF um die Rennen. 23 Nationen sind dort vertreten, davon einige ausserhalb Europas. Es ist ein grosses Ziel, die Skitourenrennen wieder als olympischen Sport zu etablieren.
Die Skitourenrennen haben sich zu einem modernen Sport entwickelt. Modernste Technik, leichtes Material, Ästhetik. Oft in der Nähe von Skipisten ausgeübt, fasziniert er das Publikum in der Nähe des Publikums und der Medien.