DE | FR
Print Page

Patagonien-Expedition 07

 

Im Januar 2007 organisierte der SAC eine vierwöchige Expedition nach Chile, an der 20 motivierte und leistungsfähige Nachwuchsbergsteigerinnen und -bergsteiger teilnahmen. Die Expedition im Nationalpark Torres del Paine war für den SAC ein Pilotprojekt zur Förderung des Leistungsalpinismus für Jugendliche.



Der Film zur Expedition: Höhenflug – Eine Expedition ans südliche Ende der Welt.


Zwölf begnadete Nachwuchsalpinistinnen und -alpinisten, fünf Geologen der Uni Lausanne und vier Spitzenbergführer gehen ein beispielloses Wagnis in Patagonien ein. Die Jugendlichen, gecoacht von den Klettergrössen Ralf Weber, Ueli Steck, Denis Burdet und David Fasel, bergen im Auftrag der Wissenschaft Gesteinsproben aus den bis zu 1000 Meter hohen Granitwänden der Paine-Türme.
Die Herausforderungen sind gewaltig: Bigwall-Klettern im höchsten Schwierigkeitsgrad, launisches Wetter, ein unerbittlicher Wind, der an Material und Nerven zerrt – und ein Ernstfall, der die Gruppe auch an emotionale Grenzen bringt.

"Höhenflug" dokumentiert nicht nur ein aussergewöhnliches Unterfangen, sondern zeigt hautnah, was geschieht, wenn das eintritt, was nach jedem erkletterten Höhenmeter geschehen kann: der Fall.

Fr. 29.50 (Fr. 25.- für SAC-Mitglieder)

DVD BESTELLEN

TRAILER



Bilder


Das FOTOALBUM von Jürgen Michel (Uni Lausanne) mit vielen Bildern der Expeditionsteilnehmenden.



Expeditions-Tagebuch


26. Januar 2007 Ankunft Zürich

Nach einem letzten freien Tag und einem tollen Abschlussabend in Punta Arenas  flog die Expeditionscrew am 25. Januar früh morgens ab Richtung Schweiz, wo sie am 26. Januar gegen Mittag in Zürich landete. Nebst den Eltern, die ihre Söhne und Töchter abholten, wurden wir auch von einem Team des SAC und der Rega empfangen. Als besondere Überraschung war Christian Schmidheiny mit seiner Familie gekommen um uns zu begrüssen, was uns alle natürlich ganz besonders freute!


22. Januar 2007

Die letzten Tage der Expedition liegen vor uns. Damit wir noch einen gemeinsamen letzten Tag im Basecamp verbringen konnten, wurde am 19. Januar ein Bouldertag organisiert. Wir fanden schöne riesige Granitblöcke ca. eine halbe Stunde vom Basecamp entfernt und eine Gruppe hat 26 Boulder definiert. Somit gab es fuer jedes Kletterniveau diverse Probleme zu lösen und alle wurden entsprechen gefordert. Sogar das Wetter machte mit und man konnte für einmal die patagonische Sonne in vollen Zügen geniessen!

Die nächsten zwei Tage wurden dann dominiert vom Zusammenpacken des Materials im Basecamp und heruntertragen der restlichen Gesteinsproben sowie des persönlichen Materials. Zweimal wurde die Strecke Campo Britanico - Pehoe (die wir nun mittlerweile wohl alle auswendig kennen) mit wiederum viel Gewicht am Rücken gelaufen. Nun heisst es, das Material alles wieder zu verpacken, damit wir die Fracht, welche in den Fässern verschickt wird, vorbereiten können.

Wir werden noch einen halben Tag in Puerto Natales verbringen und am Abend des 23. Januar mit dem Bus nach Punta Arenas fahren, wo wir am 25. am morgen früh abfliegen.


18. Januar 2007

Trotz starker Winde und tiefen Temperaturen konnte eine Gruppe bis rund 300 Meter unter den Gipfel der „Fortolezza“ aufsteigen. Hier mussten die Kletterer aber den Rückzug antreten. Zu heftig wurden die Winde und die Fortsetzung der Route hätte durch sehr brüchiges Gelände geführt.  Dazu kam, dass keine Wetterbesserung in Sicht war. Eine zweite Gruppe war an der Route „Caveman“ erfolgreich. Mehrere, bisher nur mit technischen Hilfsmitteln gekletterte Längen, konnten in freier Kletterei bewältigt werden. Auch dieses Team musste dann aber abseilen und in tieferen Lagen Schutz vor den stürmischen Winden suchen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die jeweils nicht mit Klettern beschäftigt waren, unterstützten die Geologen beim Sammeln der geologischen Profile. Das heisst, dass etwa alle hundert Höhenmeter Gesteinsproben gesammelt werden. Zurzeit liegen mehr als eine halbe Tonne Proben zum Abtransport bereit.

In den vergangenen zwei Tagen hat sich das Wetter massiv verschlechtert. Starke Stürme, Kälte und Niederschlag dominieren. Da der Neuschnee in den Wänden kleben bleibt, ist vorläufig nicht an Klettern zu denken. Es bleibt Zeit, die Proben zu beschriften und einzupacken.

Nach den erfolgreichen Tagen ist die Stimmung im Lager sehr gut. Dies auch dank der Nachricht, Christian Schmidheiny, unternehme, zwar noch im Spital, bereits wieder die ersten Gehversuche.

 

 


12. Januar 2007

Der Schreck der vergangenen Tage ist noch nicht ganz verflogen. Im Basecamp aber wurde die Arbeit wieder aufgenommen und das Team ist dabei abzuklären, wo die noch fehlenden Gesteinsproben zu finden sind. Gemeinsam mit den Bergführern unternehmen die Teilnehmer wieder leichte Touren in der tollen Umgebung der Torres del Paine.

Der verunfallte Christian Schmidheiny wird in den nächsten Tagen mit Hilfe der Rega in die Schweiz zurückgebracht. Er wird zu Beginn der kommenden Woche hier eintreffen.

 


9. Januar 2007

Unfall trübt Freude
Leider wurde die allseits herrschende Euphorie und die Freude über die bereits gelungenen Projekte durch einen Unfall überschattet. Am 7. Januar stieg eine Gruppe von zwei Kletterinnen, einem Kletterer und einem Bergführer morgens sehr früh in die neu fixierte Route am Cuerno Alteta de Triburón ein, um sie zu klettern. Etliche Stunden später, beim Abseilen, stürzte Christian Schmidheiny nach einem Seilhandhabungsfehler mehrere Meter in die Tiefe und verletzte sich dabei. Durch den Bergführer und sein Team wurde er bis an den Wandfuss gebracht. Via Funkspruch konnten die andern Teammitglieder im Basecamp benachrichtigt werden, die sofort zur Unfallstelle aufstiegen und mithalfen, den Verletzten an einen für den Helikopter erreichbaren flachen Ort zu transportieren. Am Morgen des 8.Januar um 9.30 Uhr war dann der Rettungshelikopter des Spitals von Punta Arenas vor Ort und so konnte Christian unter ärztlicher Begleitung ins Regionalspital geflogen werden. Die Rettung war um einiges komplizierter und langwieriger, als wir uns dies in der Schweiz gewohnt sind. Dank der Hilfe der einheimischen Bevölkerung hat es jedoch sehr gut geklappt. Christian hat sich das Handgelenk und die Nase gebrochen und hat einige Prellungen, glücklicherweise aber keine inneren Verletzungen. Er wird voraussichtlich am Wochenende unter ärztlicher Begleitung nach Hause fliegen können.
Im Basecamp hat sich allmählich die grosse Aufregung etwas gelegt und man hat sich dazu entschlossen, mit dem Klettern langsam wieder anzufangen. In den nächsten Tagen werden wieder Gesteinsproben in einfachem Gelände genommen, damit der Alltag zurückkehren kann. Jeder versucht, auf seine Weise das Geschehene zu verarbeiten und es wird viel zusammen diskutiert.
Wir alle wünschen Christian (Joke) von Herzen gute Besserung!


7. Januar 2007

In den letzten vier Tagen war uns das Wetter doch recht gut gesinnt! Verschiedene Projekte konnten in Angriff genommen werden und eine Erstbegehung wurde letzte Nacht kurz vor Mitternacht bereits erfolgreich beendet! Es hat sich bewährt, dass die Gruppen jeden Abend neu eingeteilt werden. So können die jungen Kletterinnen und Kletterer jeweils selber wählen, was sie am nächsten Tag machen möchten, je nach Empfehlung der Führer. Bisher war das Wetter so gut, dass beinahe niemand einen Ruhetag einschalten wollte, obschon die meisten mittlerweile doch recht erschöpft sind. Zum Teil sind die Gruppen sehr lange unterwegs, oft verlassen sie bereits morgens um vier Uhr das Camp und kehren Abends erst im Dunkeln wieder zurück – das sind dann extrem harte und lange Tage, wenn man bedenkt, dass als Zwischenverpflegung lediglich 2 Riegel pro Person und etwas Trockefrüchte mitgenommen werden!
Die erste Route, die mit Fixseilen bis auf den Grat ausgerüstet wurde und als Erstbegehung gilt, befindet sich am Cuerno Aleta de Triburón und besteht aus 12 Seillängen. Verschiedene Gruppen werden in den nächsten Tagen versuchen, diese Route zum Teil frei zu klettern.
Am Cuerno Principal wurden Steinproben bis ca. vier Seillängen unter den Gipfel genommen. Das ist vor allem alpine Gratkletterei, jedoch ist der Fels oben so brüchig dass die Tour schlussendlich aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden musste. Nun wird versucht, am Cuerno Fortaleza ein Profil bis möglichst auf den Gipfel zu nehmen, falls dort der Fels etwas kompakter ist. 
Am Cuerno Norte wurde die Route Cave Man bis eine Seillänge unter den Gipfel mit Fixseilen versehen. Diese Kletterroute wurde vorher bereits geklettert, jedoch gibt es keine bestehenden Stände oder Zwischensicherungen. Eine der Gruppen hat eine Seillänge unter dem Gipfel auf einem Felsband bei schönstem Wetter biwakiert um am nächsten Morgen die verbleibenden Meter bis auf den Gipfel zu klettern. Leider hat ihnen aber der Wind, der in den Morgenstunden aufkam, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er blies so stark, dass nur noch ein Rückzug in Frage kam. Somit wird wohl in den nächsten Tagen versucht, auch diese Route bis nach oben abzusichern und frei zu klettern.
Nun, die Projekte gehen hier in den Torres del Paine noch nicht aus! Es gibt noch mindestens zwei komplette Profile durch die hohen Granitwände, die für die Geologie gemacht werden müssen. Aber immerhin konnten bereits die ersten ca. 60 Kilogramm Steine nach unten getragen werden!     

 







4. Januar 2007

Bevor wir alles Material in das Basislager bringen konnten, erreichte uns die Nachricht, dass ein Fass verloren gegangen war. Wie sich rasch herausstellte, war es ausgerechnet das Fass, welches wohl eines der wichtigsten war (wie könnte es auch anders sein...) mit dem ganzen Klettermaterial um die Erstbegehung einrichten zu können. Nach etlichen Versuchen, das verlorene Gut doch noch irgendwo im Park finden zu können, gaben wir die Hoffnung schliesslich auf. Das einzige was uns übrigblieb, war, den Schaden in Grenzen zu halten und zu schauen welches Material in Punta Arenas aufzutreiben ist. Also fuhr ein 4-köpfiges Team die sechs Stunden zurück in die Stadt. Da Chile jedoch nicht gerade bestens mit Klettermaterial ausgerüstet ist (insbesondere Bohr- und Schlaghaken findet man gar keine) wird man improvisieren müssen um die Routen einrichten zu können. Glücklicherweise lernten wir noch lokale Kletterer kennen, die uns mit ihrem Material so gut es ging aushelfen konnten. Mittlerweile sind wir alle wieder guten Mutes und wir hoffen, dass nun definitiv nichts mehr im Wege steht, baldmöglichst in die Wände einzusteigen.


1. Januar 2007 Campo Italiano-Campo Britanico

Am Morgen früh um 7 Uhr stiegen wir in den Bus, welcher uns in 7 Stunden via Puerto Natales zum Eingang des Nationalparkes fuhr. Dort gings dann mit dem Catamaran in das Camp Paine Grande von wo aus wir in 2 Stunden in das Campo Italiano marschierten. Jeder hatte gegen 30 kg am Rücken, was den Weg recht erschwerlich machte. Abends um 21 Uhr kamen wir dort an und mussten feststellen, dass es dort wie im Camping Piccolo Paradiso im Tessin während den Pfingsttagen aussah: alles völlig überfüllt mit Zelten und sehr lärmig! Wir waren uns einig, dass wir so rasch wie möglich in das Campo Britanico aufsteigen wollen um dort das Basecamp einzurichten. Also gings am 1. Januar früh morgens 2 weitere Stunden rauf ins Camp, welches uns schon viel besser gefiel.

Im Moment sind wir dort die einzigen auf dem Areal und wir können uns richtig gut einrichten. Nun gilt es noch, die verbleibenden ca. 1000 kg Material in das Camp zu bringen! Die naechsten 2 Tage werden mit Materialtragen ausgefüllt sein. Wahrscheinlich werden wir zum Teil von Pferden unterstützt, welche für einen Teil der Strecke eingesetzt werden können. Das Wetter ist im Moment recht "patagonisch", das heisst mit Regen und Wind versetzt. Wir hoffen aber, dass wir die Felsen schon bald aus nächster Nähe betrachten können!


30. Dezember 2006 Ankunft Punta Arenas

Nach ca. 25-stündiger Reisezeit ab Zürich sind wir endlich in Punta Arenas angekommen. Das Gepäck, welches wir vorausgeschickt hatten, wurde bereits von David Fasel abgeholt. Somit konnten wir uns nun noch dem Einkauf von Lebensmitteln und den Kochern inkl. Gas und Benzin widmen.

Und das war doch auch nicht zu unterschätzen, denn es kamen doch weitere 500 kg Material dazu: 1000 Riegel, 30 kg Pasta, 20 Kg Reis, 20 kg Schoggi, 40 kg Benzin um nur einige Dinge zu nennen, die eingekauft und verpackt werden mussten. Wir hatten dafür einen ganzen Tag eingeplant und alles klappte wie am Schnürchen, so dass wir am Abend alles neu verpackt auf die Autos laden konnten, welche dann die Fracht in den Torres del Paine Nationalpark bringen werden.


9. Dezember 2006 Packtag in Bern

Am 9. Dezember hat auf der Geschäftsstelle des SAC der Packtag stattgefunden. Unter Anleitung der Bergführer wurden Seile, Schlingen, Reepschnüre, Bohrhaken, Keile und Friends, Zelte, Esswaren und vieles mehr in die Expeditionsfässer verpackt. Das Material wird vorher Cargo verschickt und wird dann (hoffentlich!) am 29. Dezember am Flughafen von Punta Arenas auf die Expeditionscrew warten.


14.-19. August 2006 Ausbildungswoche Urner Alpen

Während der Ausbildungswoche haben die Jugendlichen Teilnehmer von den erfahrenen Bergführer 1:1 gelernt, wie eine Expedition vorbereitet wird und was die wichtigsten Faktoren sind. Ausserdem wurde das technische Klettern an den Granitwänden in den Urner Alpen und im Tessin gelernt und angewendet.





Fleissig werden die Klettertechniken geübt und angewendet

4.+ 5. Juni 2006 Selektion in Grindelwald

Von rund 50 eingegangenen Anmeldungen wurden 20 Jugendliche zwischen 17 und 23 Jahren aus der ganzen Schweiz an das Selektionswochende nach Grindelwald eingeladen. Dort wurde ihr Können unter Beweis gestellt. Einen Tag verbrachten sie auf dem Gletscher, wo sie im Eis eine über-hängende Route im Vorstieg kletterten. Der zweite Tag fand in Isenfluh statt, wo zwei Routen im Fels geklettert werden mussten. Ausserdem wurden verschiedene seiltechnische Erfahrungen wie improvisierten Stand einrichten, Flaschenzug und Seilverlängerung geprüft. Die Auswahl fiel den Bergführern nicht leicht, hatten doch alle Jugendlichen ein sehr gutes Niveau. Nach einigen Diskussionen wurden zwölf ausgewählt, darunter vier Frauen und zwei Teilnehmende aus der Westschweiz. 

Folgende TeilnehmerInnen bilden das Team:
Aaron Richiger, Simon Riediker, Samuel Anthamatten, Matthias Barendregt, Annina Walter, Anita Kolar, Christian Schmidheiny, Christian Fascendini, Lucile Seydoux, Sébastien Pochon, Nina Caprez, Thomas Bossert





Die Teilnehmenden auf dem Grindelwaldgletscher und in den Felsen bei Isenfluh

Projektidee

Mit einem Pilotprojekt will der SAC das Expeditionsbergsteigen für Jugendliche fördern. Zusammen mit der Uni Lausanne wurde ein spannendes Konzept entwickelt, welches 12 alpinistisch starken Jugendlichen die Möglichkeit bietet, zusammen mit vier Spitzenbergsteigern für einen Monat nach Patagonien zu reisen. Dort sind einerseits Erstbegehungen geplant und andererseits werden Gesteinsproben für wissenschafltiche Untersuchungen mitgenommen. Mehr Infos gibt es auf der Expeditionshomepage der Uni Lausanne. 

 


Bericht der Uni Lausanne

Aktuelle Informationen sind ebenfalls auf der Homepage der Uni Lausanne ersichtlich: www2.unil.ch/patagonia


Downloads

Topo "Iron Joke" 184 K
Kurzbeschrieb Projekt 46 K
Pressemitteilung 341 K

Bericht Swissinfo.ch


Projektpartner




Hauptsponsor




Stiftung




Sponsoren











Materialsponsor