Tourenplanung

Die Tourenplanung ist der Schlüssel zum erfolgreichen und sicheren Bergsteigen. Sie erspart uns viele gefährliche Situationen und Schindereien. Es lohnt sich, dafür genügend Zeit zu investieren.

Ziel der Tourenvorbereitung ist unter anderem, eines der folgenden Urteile zu erhalten:

  • Ja, die Tour sollte (aus jetziger Sicht!) problemlos möglich sein.
  • Ja, aber nur mit Einschränkungen (z. B. Fixseil anbringen, nachfolgende Seilschaften in der Schlüsselseillange von oben sichern).
  • Nein, diese Tour geht nicht. Wir müssen jetzt schon eine andere Tour suchen.
  • Noch kein Entscheid möglich (weil wir z.B. noch nicht wissen, ob in einer Firnflanke auch tatsächlich Trittschnee liegt). Den Entscheid dürfen wir nur dann aufschieben, wenn alle folgenden Fragen zufriedenstellend beantwortet werden können. Sonst müssen wir auf die Tour verzichten.

- An welcher Stelle oder bis wann müssen wir uns entschieden haben?

- Haben wir die nötigen Zusatzinformationen bis dahin zur Verfügung?

- Welche Alternativen haben wir, wenn die Tour nicht geht?

Neben den sicherheitsrelevanten Aspekten gilt es, in die Tourenplanung auch die Umwelt- und Naturaspekte miteinzubeziehen. Ziel ist es, nicht nur sicher sondern auch naturverträglich unterwegs zu sein.

Ablauf der Tourenplanung

Folgendes Vorgehen hat sich als Ablauf der Tourenplanung bewährt:

Grobplanung

In einer ersten Phase planen wir folgende Schritte:

1) Informationen sammeln

Route, Verhältnisse, Mensch

Passen in einem ersten Vergleich Route, Verhältnisse und Mensch zusammen, planen wir weiter. Sonst suchen wir schon jetzt ein geeigneteres Ziel.

Naturverträglichkeit: Je nach Sportart und Gebiet sind Schutzbestimmungen, Lenkungsmassnahmen oder zeitliche Sperrungen zu beachten.

2) Schlüsselstellen

Wir suchen die ganze Tour systematisch nach Schlüsselstellen ab und überlegen uns für jede dieser Stellen, ob und wie wir sie bewältigen können, und welches Material wir dazu benötigen.

3) Varianten und Entscheidungspunkte

Was machen wir, wenn die Verhältnisse schlechter sind als angenommen, wenn eine Bedingung zum Begehen einer Schlüsselstelle nicht erfüllt oder ein Teilnehmer überfordert ist? Damit wir in solchen Fällen nicht mangels Alternativen an unserem ursprünglichen Plan festhalten, planen wir verschiedene Varianten. Das kann z.B. eine leichtere Route am selben Berg sein oder ein einfacheres Tourenziel im gleichen Gebiet.

Feinplanung

Kurz vor der Tour gehen wir die Schritte 1 bis 3 detailliert durch und berücksichtigen dabei die momentanen Verhältnisse und tatsächlichen Teilnehmer. Zusätzlich planen wir die Schritte 4 und 5.

4) Touren- und Zeitplan
Wann starten wir, wann müssen wir zurück sein und wieviel Zeit benötigen wir für die Tour?

5) Kontrolle
Wir gehen die gesamte Tour nochmals durch. Wir kontrollieren, ob wir das nötige Material eingeplant haben und überlegen, was alles schief gehen könnte und was wir dagegen unternehmen müssen. 

Rollende Planung

Mit dem Tourenstart geht die Feinplanung in die rollende Planung unterwegs über. Bei der Planung haben wir Annahmen getroffen. Unterwegs überprüfen wir diese mit den angetroffenen Verhältnissen und wir ziehen die nötigen Konsequenzen.

Tourenauswertung

Ein Vergleich der durchgeführten Tour mit unserer Planung hilft, Erfahrungen zu sammeln. Die Tourenauswertung hilft, unsere Planung immer weiter zu perfektionieren. Ohne Tourenauswertung sammeln wir nur wenig Erfahrung.

Ausführliche Informationen zur Tourenplanung finden Sie in unseren Lehrbüchern Bergsport Sommer und Bergsport Winter.

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