Bergwelt im Wandel

Wer über Jahre oder Jahrzehnte hinweg in den Bergen unterwegs ist, wird mit eigenen Augen den steten Wandel in der Landschaft entdecken. Oft passiert er schleichend und wird kaum wahrgenommen. Wir leben mit ihm und tragen unseren Teil dazu bei. 

Manchmal fällt uns eine Veränderung plötzlich auf oder wir werden per Zufall darauf aufmerksam gemacht. Staunend erkennen wir sie; sie rüttelt uns wach und vielleicht regt sie uns zum Nachdenken an. 

Die hier vorliegenden Bildvergleiche sollen genau das tun: den vielfältigen Wandel in unserer alpinen Umgebung aufzeigen und zum Nachdenken anregen. Sie sollen animieren, Beispiele aus der eigenen Umgebung zu entdecken und sich damit zu befassen.

DER KLIMAWANDEL trägt zu massiven Landschaftsveränderungen bei. Permafrost taut auf, die Stabilität nimmt ab. Die Gletscher ziehen sich zurück, so dass Jahrzehnte lang begangene Wege, Hüttenzugänge und Routen schwieriger, gefährlich oder gar unbegehbar werden. Sichere Alternativen lassen sich nicht immer finden – Ideen für Tunnel und Hängebrücken entstehen. Auch die Wasserversorgung vieler SAC-Hütten ist «gefährdet».

INFRASTRUKTUREN DES MASSENTOURISMUS UND DER ENERGIEPRODUKTION greifen stark in die Landschaft ein. Wir müssen uns auch hier die Frage stellen: Wie viel Erschliessung wollen wir in der bisher noch unerschlossenen alpinen Landschaft zulassen? Wie können wir den Hochgebirgsraum erhalten und gleichzeitig naturverträglichen Bergsport betreiben?

DER GESELLSCHAFTLICHE WANDEL ZU IMMER MEHR MOBILITÄT MACHT UNS MITVERANTWORTLICH FÜR DEN KLIMAWANDEL. Der Bergsport galt früher als abenteuerlich und war exklusiv auf «Entdeckung» ausgelegt. Heute wird uns der Berg als rasch und bequem erreichbar präsentiert und die Alpen mutieren zum «Tummelplatz».

DER SAC ist stark von Veränderungen aufgrund des Klimawandels betroffen. Er engagiert sich seit 150 Jahren für den Erhalt der alpinen Landschaften sowie für eine umwelt- und naturverträgliche Nutzung der Gebirgswelt. Gleichzeitig setzt er sich ein, dass der weitgehend freie Zugang auch zukünftigen Generationen erhalten bleibt.





Karten zeigen den Wandel

1862/63 – die legendäre Dufourkarte. «Höchste Spitze» 4638 m ü.M. (links) 
Die Initiative zur topographischen Wiedergabe der Schweiz kam aus dem militärischen Bereich. Die Arbeit begann im Jahr 1809 und wurde durch das Team General Dufour ausgeführt. Der SAC hat die Kartographie stets stark beeinflusst; auf SAC-Wunsch wurde die «Höchste Spitze» 1863 zur «Dufourspitze».

Höchstes Niveau. «Dufourspitze» 4634 m ü.M. (rechts)
Beim Vergleich der heutigen Karte mit der Dufourkarte von 1863 wird neben dem Gletscherschwund der Vorstoss der Bahn-Erschliessungen bis ins Hochgebirge sowie die Nutzung der Berge für die Wasserkraft deutlich. Auch wird heute die Dufourspitze 4 m weniger hoch angegeben als in der Karte von 1863.

Hütten im Wandel der Zeit

1863 – die erste von 152 SAC-Hütten steht am Grünhorn. 2448 m ü.M. Foto: J. Ganz. (links)
Der Standort wurde hoch oben gewählt, «um dem Tödi in der ersten Tagesetappe möglichst nahezukommen». Die Schutzhütte bot dicke Mauern, Giebelbretter und ein «Cabrioverdeck» in Form einer schweren mobilen Harzdecke. Darum wurde meistens die Version «Firmament» bevorzugt.

2013 – Grünhornhütte, hochalpines Baudenkmal. Foto: W. Luchsinger. (rechts)
Hier scheint die Zeit fast stillgestanden. Viele der SAC-Hütten wurden im Laufe der Zeit den breitgefächerten Anforderungen angepasst. Der SAC geht mit der Zeit und unterstützt innovative Projekte in Sachen Architektur, Energieeffizienz sowie Wasserver- und -entsorgung.

Landschaft durch Energie im Wandel

Göscheneralp 1927, 1750 m ü.M. Foto: E. Götsch. (links) 
Das ganze Jahr lebten rund 70 Bewohner, weitgehend Selbstversorger, hier. Im Sommer brachten Bergsteiger etwas Leben ins Dörfli «Hinteralp», das leicht erhöht errichtet wurde, um es vor Überschwemmungen der Göschenerreuss zu schützen. 1960 ist es durch die gewollte Überflutung dem Untergang geweiht. 

Göscheneralpsee 2012, 1792 m ü.M. Foto: R. Kundert. (rechts)
Die alpine Naturlandschaft steht durch die Nutzung von erneuerbaren Energien zunehmend im Fokus. Neue Wasserkraftwerke, Windturbinen und Solarpanels bringen Veränderungen. Wie stark darf die zukünftige Energieversorgung die Landschaft verändern?  

Landschaft im Wandel

Saas Fee 1883, 1832 m ü.M. Foto J. Beck. (links)
Alphubel mit nördlichem und südlichem Feegletscher. Das Gletscher-Dorf verdankt seinen Ruf diesen zwei faszinierenden Gletscherzungen. Mit einer Fläche von über 16 km2, verteilt über ein 7,5 km breites Gebiet. Eine imposante Machtdemonstration der Natur. Noch kaum Tourismus, der Mensch schaut noch von weitem zu.

Saas Fee 2010, Foto U. Kneubühl. (rechts)
Der Siedlungsraum hat sich ausgedehnt und auch im Hochgebirge verändert sich die Landschaft: Karges Moränenmaterial ist heute bewaldet, der nördliche Feegletscher zog sich einen Kilometer zurück. Dafür ist der Tourismus in die alpinen Gebiete vorgestossen. Die Furcht vor der Natur ist weg, heute werden die Gletscher intensiv touristisch genutzt. 

Bergsport im Wandel

Klettern unter der Büttlassenlücke, 25. Aug. 1901, Foto: P. Montandon (Selbstauslösung, Belichtungszeit ca. 2 Min.) (links)
Sich selber oder andere «eifrige Gebirgsreisende mit lebhaftem sympathischem Charakter» zu fotografieren, galt als eine Art Statussymbol. Heute sind es «Zeitzeugen» und wir geniessen die sprichwörtliche Ausdruckskraft dieser Lichtzeichnungen.

Nordgrat Piz Roseg, Foto: R. Bösch, 2011 (Belichtungszeit 1/125) (rechts)
Nicht nur die Belichtungszeiten haben sich stark verändert, auch die Ausrüstung und das z’Bärg ga. So auch im SAC: vom exquisiten Hobby zum Trend- und Breitensport. Lange waren Frauen Exotinnen am Berg. Seit 1980 sind sie sogar als Mitglieder willkommen. Wie gehen wir wohl in 100 Jahren z‘Bärg? 

Berge im Klimawandel

Petit Dru, 1890, Bild auf Glasplatte: G. Tairraz. (links)
Die Aiguille du Dru im Montblanc-Gebiet übt mit ihrer 1100 m hohen Westwand seit jeher weltweit eine starke Anziehungskraft auf die Klettergilde aus. So schrieb 1955 Walter Bonatti mit seinem legendären Alleingang auf einer neuen Route über den Südwestpfeiler Geschichte. Die rote Linie zeigt den gewählten Weg. 

Petit Dru 3733 m ü.M. 2005, Foto: M. Moss. (rechts)
Seit dem epochalen Bergsturz von 2005 ist der 750 m hohe «Bonattipfeiler» Geschichte. Solche Naturgefahren wie auch Steinschlag und Murgänge werden durch das Auftauen des Permafrostes und des Gletscherrückgangs begünstigt: Begehungen werden schwieriger und gefährlicher. 

Transport im Wandel

Skiträgerinnen 1928, Foto: CAS Sezione Ticino. (links)
Die lokale Bevölkerung arbeitet gestern wie heute für die Touristen; nur der «Einsatzbereich» hat sich gewandelt. Bidogno im Val Colla galt als Ausgangspunkt zum Aufstieg auf den Monte Bar (1816 m ü.M.). Tessiner Frauen trugen den wohlbetuchten Gästen die Skis mit einem «Huttli» an den Berg.

Skifahrertransport 2011, Idalp, 2320 m ü.M. Foto: L. Hechenblaikner. (rechts)
Wer Ruhe und Stille sucht, hat es zunehmend schwerer. Unerschlossene Landschaften sind selten geworden. Im modernen Tourismusgebiet lockt die Berg- Unterhaltungsindustrie die Gäste immer höher hinauf. Wie viel Infrastruktur wollen wir und wie sehen naturintensive Bergerlebnisse in der Zukunft aus?

Weitere Informationen

Möchten Sie mehr Informationen zu einem der Themen im Leporello?

Die Links und Dokumente in den jeweiligen Boxen unten erläutern die Themen und zeigen das Engagement und die Positionen des SAC.

Mehr Info Karten

swisstopo Zeitreise: Historische Karten

map.geo.admin.ch: Karten, Luftbilder und weitere Informationen

 

Der SAC und die Kartografie. DIE ALPEN 10/2009

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Position SAC Erneuerbare Energien im Alpenraum

 

Beispiele aktueller Energieprojekte im Alpenraum

Solarkraftwerk St. Antönien

Linthal 2015

Nant de Drance

Windpark Surselva:
Initianten und Projekt-Gegner

Mehr Info Landschaft

SuissEduc - Glaciers online

Mehr Info Bergsport

SAC Bergsport & Naturschutz

SAC Unterwegs Tipps für Tourenplanung und Sicherheit

www.klettergebiete.ch

Respektiere deine Grenzen

150-Jahre-Jubiläum Besteigung Blüemlisalp Bericht Tagesschau 27.8.2010

Mehr Info Berge und Klimawandel

PERMOS - Swiss Permafrost Monitoring Network Publikationen, z.B. jährliche Kryosphärenberichte aus DIE ALPEN, und weitere Informationen zu Permafrost (englisch, Berichte d/f)

Jungfrau Klimaguide

BAFU - Klimawandel: Folgen für die Schweiz

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