Jagdbanngebiete

Die eidgenössischen Jagdbanngebiete (EJ) wurden im 19. Jahrhundert zur Hebung der damals fast ausgerotteten Wildhuftiere eingerichtet. Mit der neuen Verordnung über die eidgenössischen Jagdbanngebiete (VEJ) von 1991 wurden die allgemeinen Bestimmungen (Art. 5 VEJ) auch auf die Freizeitnutzung erweitert. Dabei sind für den Schweizer Alpen-Club SAC insbesondere die Einschränkungen für den Wintersport relevant.

 

Teilrevision Jagdgesetz – Stellungnahme SAC

Ende November 2016 hat sich der SAC im Rahmen der Vernehmlassung zur Teilrevision des Jagdgesetzes (JSG) mit einer Stellungnahme geäussert. Der SAC ist zunehmend mit der Jagdgesetzgebung konfrontiert, weil seine Aktivitäten zunehmend über aus diesem Gesetz abgeleitete Wildruhezonen und Jagdbanngebiete reglementiert / eingeschränkt werden.

 

Für den SAC besonders relevant war die Umsetzung der Motion Landolt („Jagdbanngebiete in Wildtierschutzgebiete umbenennen“) (vgl. auch die Alpen 08-2016). Hier fordert der SAC, dass mit der geplanten Umbenennung keine Ausweitung der Schutzbestimmungen für Bergsport und andere Natursportarten einhergehen darf (z.B. auf Sommerbergsport). Diese Haltung liegt einerseits in den gemachten Erfahrungen bzgl. Wintersport begründet. Andererseits ist das Konfliktpotenzial zwischen sanften Freizeitaktivitäten und Wildtierschutz in anderen Jahreszeiten viel tiefer. Weiter fordert der SAC, dass bei der Ausscheidung, Aufhebung und Ersatz von Jagdbanngebieten Nutzergruppen frühzeitig einzubeziehen sind und Rechtsmittelmöglichkeiten vorzusehen sind. Diese Forderung entstammt der 2013 erfolgten Teilverlegung des Jagdbanngebiets Hutstock aus dem Skigebiet Titlis in das Tourengebiet der Bannalp. Dieses Beispiel darf keine Schule machen. Es ist bekannt, das es noch weitere Banngebiete mit viel benutzten Infrastrukturanlagen gibt. Weiter beantragt der SAC im Hinblick auf die anstehende Revision der Verordnung zu den Jagdbanngebieten (VEJ) diverse Änderungen, um eine Differenzierung der Regelungen für den Wintersport zu erreichen und Partizipation der betroffenen Kreise sicherzustellen.

 

Insbesondere mit Bezug auf Waldverjüngung (welche aufgrund der hohen Schalenwildbestände in weiten Teilen der Schweizer Wälder unter Druck ist) und Waldbiodiversität hat sich der SAC auch zu weiteren Artikeln des JSG geäussert. So fordert der SAC, dass bei der Planung der Jagd auch Forstanliegen berücksichtigt werden.  

 

Das Kernstück der Vorlage, die Erleichterung der Bestandesregulierung des Wolfes gemäss Motion Engler, hat der SAC nicht kommentiert. Hingegen hat er sich kritisch geäussert zur geplanten Regulierung des Luchses: Die Schäden an Nutztieren durch den Luchs pro Jahr sind sehr stark begrenzt und von einer Gefährdung des Menschen ist nicht auszugehen. Und vor allem hat der Luchs als Teil des Ökosystems einen positiven Einfluss auf Waldverjüngung und Waldbiodiversität. Schliesslich hat der SAC beantragt, Birkhahn und Schneehuhn als jagdbare Arten zu streichen oder zumindest den Jagddruck zu reduzieren. Diese Jagd ist ökologisch kaum begründbar (gerade beim durch den Klimawandel gefährdeten Schneehuhn sind die Bestände rückläufig). 

 

 

Neuer Name, neue Einschränkungen?

Die eidgenössischen Jagdbanngebiete werden in Wildtierschutzgebiete umgetauft. Der SAC befürchtet neue Einschränkungen beim freien Zugang. > Artikel "die Alpen" 08/2016. 

 

Bis 30.11.2016 läuft die Vernehmlassung des eidg. Jagdgesetzes, in welche die Umbenennung eingebettet ist.

 

 

Übersicht der eidgenössischen Jagdbanngebiete

Factsheet eidgenössische Jagdbanngebiete

Der SAC akzeptiert und schätzt die EJ als Faunavorranggebiete. Er steht aber für ein Nebeneinander von wirkungsvollem Schutz und naturverträglicher Nutzung ein, denn für den Bergsportler sind sie wegen ihrer Abgelegenheit und Wildheit enorm wichtig: Viele klassische Skitouren-, Kletter- und Hochtourengebiete mit Gipfeln wie Piz Bernina, Diablerets oder Campo Tencia befinden sich in diesen Gebieten.

 

Der SAC findet es beispielsweise schade, dass die seit 1991 geltenden Bestimmungen für den Wintersport pauschal sind und keine Rücksicht nehmen auf die topographische und landschaftliche Vielfalt der EJ. Ende 2014 hat der SAC seine Anliegen an eine allfällige Überarbeitung der VEJ in einem Factsheet zusammengestellt.

 

 

Teilverlegung Jagdbanngebiet Huetstock

Die Stellungnahme wurde gemeinsam mit den lokalen Sektionen Titlis, Pilatus und Engelberg erarbeitet. Hintergrund der Verlegung waren Bauprojekte der Titlis Bergbahnen im Gebiet Trüebsee-Jochpass (neue Gondelbahn mit Kapazitätserhöhung), welche innerhalb des Jagdbanngebiets nicht bewilligt worden wären. Der Zentralverband sprach sich in der Stellungnahme gegen die Teilverlegung im vorgesehen Umfang in das Gebiet Walenstöcke-Bannalp aus, weil

  • der Widerstand der vor Ort betroffenen Akteure sehr breit abgestützt ist und der bestehende sanfte Tourismus in der Bannalp stark eingeschränkt würde
  • sie den SAC-Grundsätzen betreffend Einschränkungen des freien Zugangs widerspricht
  • sie aus einem schutzzielfremden Zweck heraus (Bauvorhaben) vorgeschlagen wird
  • es sich um eine Einzelfallbehandlung ohne gesamtheitliche Evaluierung handelt, bei welcher ein Präjudiz für ähnlich gelagerte Fälle geschaffen würde
  • derzeit seitens BAFU die Verordnung zu den Jagdbanngebieten (VEJ) von 1991 überprüft wird und der Zeitpunkt daher ungünstig ist.

Der SAC sprach sich aufgrund seiner Stellungnahme nicht grundsätzlich gegen eine Teilverlegung des Jagdbanngebiets und somit auch nicht gegen einen Ausbau des touristisch bereits stark belasteten Gebiet Trüebsee-Jochpass aus, sondern zeigte mögliche Alternativen sowie Handlungsspielraum und Koordinationsbedarf auf.

 

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Im Herbst 2013 unterbreiteten die Kantone NW und OW dem Bundesrat dennoch die Verlegung des eidg. Jagdbanngebietes Hutstock wie ursprünlich geplant. Dieser stimmte am 20. November 2013 dem Antrag der Kantone zu. Damit war das Geschäft gelaufen: gegen bundesrätliche Entscheide ist (derzeit) kein Rechtsmittel vorgesehen (vgl. auch SAC Factsheet eidg. Jagdbanngebiete >>).

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Biancograt gesperrt - ökologischer Irrsinn bei den Eidgenossen

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