100 Jahre SAC-Sektion Rorschach

Die am 19. Februar 1899 gegründete Sektion Rorschach ging als die 45. Sektion in die Geschichte des SAC ein. Ihr 100-Jahr-Jubiläum hat sie mit verschiedenen Aktivitäten gefeiert: Auf der Rosswies wurde ein Gipfelkreuz errichtet, in historischer Bekleidung gemeinsam zur vereinseige-nen Fornohütte SAC gewandert, die Direttissima Goldach-Fornohütte während des Sommers in Etappen zurückgelegt und in einem offiziellen Festakt des Jubiläums gedacht. Die dazugehörige Ausstellung1 ist dem Thema « Alpine Meisterwerke -Topographische Karten und Fotografien » gewidmet.

Ramon Meier, Goldach 1 Die Ausstellung im Technischen Zentrum Marmor-säge Goldach ist bis 3. Oktober 1999 täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet; Eintritt frei.

Der Mount McKinley im Abendlicht, vom Lager 2 der Normalroute ( West Buttress ) aus; 1961 leitete Riccardo Cassin die erfolgreiche Erstbegehungs-Expe-dition der Cassin-Ridge.

für Skitourenfahrer, Bergsteiger und -wanderer

! Per l' alpinista, lo sciatore I e l' escursionista

I Pour l' alpiniste, le skieur let le randonneur

soll grösser werden

Bergsteigen und Skitouren im erweiterten Nationalpark Bekanntlich soll der Schweizerische Nationalpark im Engadin massiv vergrössert werden. Das Projekt « SNP 2000 » sieht vor, den bestehenden Nationalpark mit einer Fläche von 169 km2 auf 500 km2 zu erweitern. Der Park mit einer sogenannten Kern- und einer Umgebungszone würde praktisch das gesamte mittlere und untere Engadin rechts des Inns umfassen.

Als erste Gemeinde stimmte Lavin Ende Mai 1999 dem Erweiterungs-projekt auf seinem Gemeindegebiet zu und hat damit ein positives Signal für ein äusserst heikles Unterfangen gesetzt, denn betroffen sind Tourismus und Wirtschaft, Landwirte, Wald- und Alpbesitzer, Wanderer, Skitouristen, Pilzsammler und Jäger, deren unterschiedliche Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen.

Notwendigkeit und Probleme einer Vergrösserung Der 1914 gegründete Schweizerische Nationalpark ( SNP ) ist zwar der älteste Nationalpark in den Alpen und hat das strengste Parkreglement, mit seinen 169 km2 ist er aber auch der zweitkleinste. In den nächsten Jahren soll nun die Fläche des Nationalparks verdreifacht werden. Vorgesehen ist eine Erweiterung in zwei Zonen. Die Kernzone, die, wie bisher das angestammte Parkgebiet, ganz der Natur überlassen bleibt, erfährt eine Vergrösserung auf 200 km2, während der grösste Teil der Erweiterung ( 300 km2 ) die sogenannte Um-gebungszone umfasst, in der eine sinnvolle Nutzung durch Land- und Forstwirtschaft, durch Jagd und Fischerei sowie durch einen sanften Tourismus weiterhin möglich wäre. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Vergrösserung des Nationalparks Abendlicher Blick aus dem einzigen Nationalpark der Schweiz über die Unterengadiner Berge nicht ohne Widerstände von den verschiedensten Seiten vor sich gehen kann. Die Gemeinden müssen eine eingeschränkte bzw. kontrollierte Nutzung in beträchtlichen Teilen ihres Gemeindegebiets in Kauf nehmen. Dem Entscheid von Lavin müssten - zur Realisierung des Gesamt-projekts - aber noch 20 Gemeinden im Engadin und im Münstertal folgen. Im Idealfall würde sich der Nationalpark praktisch über das ganze mittlere und untere Engadin rechts vom Inn bis Pontresina, Tschlin und das Val Mora erstrecken.

Qualitative Verbesserung Die Erweiterung und Unterteilung in zwei Zonen bringt nach Ansicht der Eidgenössischen Nationalpark-Kommission eine wesentliche qualitative Verbesserung des Parkgedan-kens - und eine zeitgemässe Lösung für das neue Jahrtausend, indem in der Umgebungszone kein rigider Naturschutz besteht: Der Mensch kann sich im nachhaltigen Wirtschaften üben. Den rund 150000 Besuchern, die sich pro Jahr mehr oder weniger lange im Park aufhalten, soll nicht nur eine Naturinsel präsentiert werden. Chancen bringt das Projekt nach Ansicht des Parkdirektors auch in wirtschaftlicher Hinsicht. « Es ist ein Beitrag zu einer differenzierten Überlebensstrategie im Tal », ist Park-direktor Haller überzeugt. Der Tourismus, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Engadin, stagniert. Der Parkdirek-tor ist offen für Schulterschlüsse in gegenseitigem Respekt. So sind Besu-cherbeschränkungen trotz grosser Touristenströme kein Thema: « Es ist ein wesentliches Ziel des National- parks, den Kontakt zwischen Mensch und Natur zu fördern und die Besucher sensibel zu machen für die Belange der Natur, wodurch ihnen auch mancherlei Anstösse vermittelt werden sollen, die sie nach Hause nehmen können. Das aber ist nur möglich, wenn man die Leute nicht ausschliesst. » Gewisse Einschränkungen notwendig Nicht nur die genaue Ausdehnung des neuen Nationalparks ist Gegenstand der Verhandlungen mit den Gemeinden, sondern auch der Umfang der Nutzungsmöglichkeiten in der Umgebungszone, wo ja kein rigi-der Naturschutz gelten soll. In welchem Ausmass und wo sollen zum Beispiel Klettern, Skitourenfahren und Biken möglich sein? Ursprünglich war für das Gebiet der neuen Umge-bungszone eine Skitourenkarte nach bekanntem Muster mit eingezeichneten Routen und Sektoren geplant, an die man sich zu halten hat. In zahlreichen Gesprächen, auch mit den SAC-Sektionen Engiadina Bassa und Bernina und den regionalen Bergführern, kristallisierte sich heraus, dass dieses Modell aus Gründen der Rechtssicherheit ( örtliche und saisonale Lawinengefahr usw. ) und aus Gründen des Naturschutzes ( zu viele Routen ergäben zu viele Möglichkeiten, was zu einer zu grossen Attraktivität führen und das Gebiet zu stark belasten würde ) nicht sinnvoll ist. Die Arbeiten an der neuen Skitourenkarte gehen nun dahin, dass wichtige und heikle Wildeinstandsgebiete mit einem Betretungsverbot belegt wer- Die vorgesehene neue Kernzone Macun auf Gemeindegebiet von Lavin. Die Karseen und der kristalline Untergrund können die Naturwerte im Schweizerischen Nationalpark wesentlich ergänzen und bereichern.

den, wie das in vielen Gebieten der Schweiz bereits üblich ist. Alle nicht bezeichneten heissen Insidertips sind zum Begehen und Befahren frei. Die klassischen, schönen und für Wald und Wild unproblematischen Routen werden empfohlen. Parkdirektor Heinrich Haller ist überzeugt, damit dem Massentourismus entgegenzuwirken und im Sinn einer positiven Planung eindrückliche Naturerlebnisse zu ermöglichen, was heisst: Der Mensch ist Gast in der Natur und passt sich ihr an. Seine Rücksicht beschert ihm ursprüngliche Wälder und seltene Tierbeobachtungen.

Wirtschaftliche Vorbehalte der Bergbevölkerung Diese Lösung hat die Parkverwaltung mit den einheimischen Bergführern und SAC-Verantwortlichen diskutiert. Der Präsident der SAC-Sektion Engiadina Bassa, Jon-Andrea Könz aus Zernez: « Ich bin zufrieden, was sowohl die Diskussionen mit der Parkdirektion als auch die nun getroffene Lösung betrifft. » Gesamthaft gibt es in der Sektion Engiadina Bassa allerdings Vorbehalte gegen das Projekt der Erweiterung. Jon-Andrea Könz erklärt sich das so: « Die Sektionen des SAC, die in den Bergen beheimatet sind, stellen einen Querschnitt durch die ansässige Bevölkerung dar. Dabei werden wirtschaftliche Interessen stärker gewichtet als in den meisten Unterländer Sektionen, wo es unter den SAC-Mitglie-dern überdurchschnittlich viele Naturfreunde gibt, die den Schutzgedanken über wirtschaftliche Faktoren stellen. » Der Vorstand der Sektion Engiadina Bassa, der mehrheitlich für das Erweiterungsprojekt ist, hat an der letzten Generalversammlung die Sektion informiert und sich auch dem Der Biologe Heinrich Haller setzt sich als Direktor des Schweizerischen Nationalparks für mehr Naturverständnis ein.

< ö Foto: Peter Donatsch Keine Beeinträchtigung Eine Lösung für die Bergsteiger und Skitouristen im Gebiet des erweiterten Nationalparks scheint möglich. Auch der Betrieb der Lischana-Hütte, die der Sektion Engiadina Bassa gehört, würde nicht beeinflusst, wenn das Gebiet dereinst in die Um-gebungszone des Nationalparks zu liegen käme. Trotz der Einigkeit der Beteiligten wird die neue Skitourenkarte noch eine geraume Weile auf sich warten lassen. « Die Karte kann erst publiziert werden, wenn die gesamte Umgebungszone definitiv etabliert ist », erklärt der Nationalpark-direktor, « und das kann noch einige Jahre dauern. » Peter Donatsch, Bad Ragaz SNP-Erweiterungsfahrplan Ausgangslage Lavin stimmte am 25.5.1999 dem Vorschlag für ein neues National-park-Gesetz und eine neue Natio-nalpark-Verordnung zu, angenommen wurde ebenso der neue Park-vertrag über die Kernzone « Macun » und die Umgebungszone « Zeznina » sowie die Nutzungsbestimmungen über das Gebiet « Zeznina ».

Die Zustimmung der übergeordneten Instanzen ( Bund und Kanton ) zu den Gesetzesvorlagen bleibt vorbehalten; die Gemeindeabstimmung zu der Umgebungszone hat somit nur konsultativen Charakter.

Die weiteren Schritte Ab Juli 1999: Detailplanung in und zusammen mit weiteren Gemeinden: Zunächst im Raum S-chanf - Scuol - Tschierv über die Umgebungszone und zusätzliche kleinere Kernzonen.

1. August 2000: Wunschtermin für die Grundsteinlegung des erweiterten Nationalparks.

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