19 Tage in der Dawn Wall

Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson schreiben am El Capitan Geschichte

Als Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson über die fast 1000 Meter hohe Dawn Wall den Gipfel des El Capitan erreichten, waren sie zu Berühmtheiten geworden. Medial fast rund um die Uhr begleitet, wurde der erste freie Durchstieg der Route am 15. Januar in der Weltpresse gefeiert – nicht ohne Stilblüten: «... nur mit ihren Händen und Füssen» hätten sie die Wand bezwungen, schrieben mehrere Zeitungen, gerne wurde auch erwähnt, die Dawn Wall sei «glatt wie Alabaster und steil wie die Schlafzimmerwand». Leser diskutierten lebhaft, ob es in Ordnung sei, in einem Nationalpark «von der Wand zu pinkeln» – und natürlich, was die Aktion den Steuerzahler koste. Mit der Schlagzeile «Zwei Idioten besteigen aus irgendeinem blöden Grund ein grosses Ding» brachte die britische Satireseite The Daily Mash die Reak­tio­nen überspitzt auf den Punkt.

Die Route ist zurzeit wohl die schwierigste frei gekletterte Bigwall-Linie weltweit. Um die 32 Seillängen erstmals frei zu klettern, hatten sich Caldwell und Jorgeson strenge Regeln auferlegt. Sie verboten sich, sich beim aktuellen Versuch zwischenzeitlich aus der Wand zurückzuziehen. Und sie wollten das Ziel gemeinsam erreichen: So musste Caldwell zehn Tage warten, bis sein Partner Jorgeson die 15. Seillänge (8c+) gemeistert hatte. Fünf Jahre hatten die beiden am Projekt gearbeitet. Die Dawn Wall hat damit eine neue Heldengeschichte. Schon die Erstdurchsteigung im Jahr 1970 durch Warren Harding und Dean Caldwell (nicht verwandt mit Tommy Caldwell) hatte für Aufsehen gesorgt: 27 Tage verbrachten sie in der Wand. Kultstatus erlangte das Duo, als ein Sturm aufzog und die Parkverwaltung eine Rettungsaktion startete: Die Kletterer schickten die Retter unverrichteter Dinge zurück.

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