Ätna «à gogo!»
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Ätna «à gogo!»

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

John Nussbaum, I..i Cliaux-de-Konds

( Bilder 32 und 33 ) Man möge uns den vertraulichen Ausdruck « à gogo » nicht übelnehmen, gehört er doch zum alten « Bestand » der französischen Sprache, da man ihn schon um die Mitte des ^.Jahrhunderts findet, und ist doch damit eben das ausgedrückt, was gemeint ist: à son aise ( Littré - nach Belieben ) ,'en abondance, autant qu'on peut prendre ( Dictionnaire de l' Académie française — im Überfluss, soviel man will ), à discrétion, à souhait ( Robert — nach Belieben, nach Wunsch ). Er passt auch vorzüglich zum Ätna, der heutzutage so « präpariert » ist - sei 's nun zu seinem Vor- oder Nachteil -, dass für jedermann eine Besteigung möglich ist, es sei denn, man vertrage die schnelle Überwindung der Höhendifferenz von etwa 3000 Metern nicht.

Dazu gehören auch ein erster Anlauf mit Auto ( privat oder im öffentlichen Verkehrsmittel ) auf einer guten, in den Jahren 1929 bis 1934 angelegten Strasse, einige Minuten Drahtseilbahnfahrt und eine letzte Etappe im Jeep auf einer staubigen, durch ein ödes Lava-Plateau führenden Piste. Dem Touristen verbleibt von da an lediglich noch der Anstieg zu Fuss auf einem Zickzackweg über etwa hundert Meter am Gipfelaufschwung. Ganz nah dabei steigt aus dem Berg ( 3323 m ) dichter Rauch, dessen Richtung unablässig wechselt, je nach Wind.

Wir werden uns in der Folge mehrmals auf das Werk von Haroun Tazieff, « L' Etna et les volcanolo-gues»1, beziehen. Hören wir zum Beispiel, was dieser unbestrittene Meister der Vulkanologie zum Thema dieses modernen Abenteuers in ziemlich zynischen Worten sagt: Heutzutage, wo dieser Berg eine touristische Attraktion unter vielen anderen geworden ist, bringt man die etwa 25 Kilometer, die seinen 2300 Meter hohen Gipfel von Catania, der grossen Stadt am Ionischen Meer, trennen, nicht mehr zu Fuss oder auf dem Maulesel hinter sich. Autos oder Cars auf den unteren zwei Dritteln, weiter oben Drahtseilbahn oder Jeeps führen bis auf die letzten hundert oder zweihundert Meter eine ständig wachsende bizarre Menschenmenge heran, die gewöhnlich auf solche Örtlichkeiten wenig vorbereitet ist. Ich hoffe für diese « tapferen » Leute, dass sie trotz der Kälte, die sie hier oben oft durchdringt, trotz des Lava-staubs, der ihnen mit den Windböen in die Augen getrieben wird, trotz der Rauchschwaden, die ihnen den Atem 1 Arthaud, Paris 197a.

nehmen und in den Augen brennen, trotz ihrer offensichtlichen Überraschung, sich plötzlich mit einer eher feindlichen als freundlichen Umwelt konfrontiert zu sehen, dennoch von ihrem Besuch in diese unwirtlichen Gefilde eine Erinnerung behalten, die nicht nur in Abscheu besteht z. » Man würde zögern, nach einer so geharnischten und in bissigem Ton gehaltenen Rede über dieses Thema zu schreiben, wenn nicht die letzten Worte der zitierten Stelle die Möglichkeit of-fenliessen, dass es in dieser « faune humaine»menschlichen Tierwelt ) doch eine leise Hoff-nungundso etwas wieeine Sündenvergebung gebe. Auch wollen wir - vom Standpunkt des gewöhnlichen Wanderers aus, den eine archäologische Studienreise in Sizilien zufällig auf den Ätna geführt hat - unsere kurze Besteigung auf diesen Gipfel eingehend nachzuzeichnen versuchen, um zu zeigen, wie sie selbst als solche die tiefen Wandlungen symbolisieren kann, die der Alpinismus in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hat.

Man sollte den Ätna, bevor man ihn angeht, von einem ganz bestimmten Ort aus betrachten, nämlich von der kleinen Stadt Taormina aus, die auf 205 Meter Meereshöhe an der Ostküste Siziliens, etwa 50 Kilometer südlich von Messina gelegen ist. Sie hat zweifellos durch den Tourismus manchen Reiz eingebüsst, doch hält sie dem Besucher immer noch zwei oder drei aussergewöhnliche Aussichtspunkte zum Ätna bereit. Da gibt es zum Beispiel auch ein griechisches Theater, jene hübsche Oase voller Poesie und Erinnerungen an eine prunkvolle Vergangenheit; die Piazza San Domenico und, auf der Anhöhe, besonders die Madonna della Rocca auf dem Monte Tauro. Sowohl tagsüber als auch nachts ist hier die Sicht wahrlich faszinierend. Während sich im Süden die grossen und kleinen Buchten des Ionischen Meeres abzeichnen, deren intensives Blau sich mit dem Azur des Himmels vermischt, erhebt sich im Südwesten der Ätna, und aus der Distanz kann man sich gar nicht vorstellen, dass der obere Ab- 2 Ebenda Seite 14.

schnitt eines in seiner Form so harmonischen Berges eine schwarze, graue, braune oder grünliche Einöde mit erstaunlich bizarrem Relief aus erstarrter Lava und unzähligen erloschenen Kratern ist, gekrönt von der Gipfelhaube mit ihrer Rauchsäule. Der Sockel des Vulkans, oberhalb der weiträumigen Ebene von Catania, ist ein irdisches Paradies - wenigstens für den Besucher - mit seinen grandiosen Rebenkulturen, Orangen-(Paterno ist ganz in der Nähe ), Zitronen- und Mandelhainen. Diese Fruchtbarkeit ist auf die Anwesenheit von ursprünglich basaltischem Boden zurückzuführen, wo Kalk, Pottasche und Phosphor unvergleichlich reichhaltiger vorkommen als anderswo, eine Fruchtbarkeit, die jede Eruption von frischer Asche neu hervorbringt und die das sizilianische Klima auf diesen massigen Höhen noch steigert3.

Hervorzuheben ist auch, dass das Regenwasser, das weit oben in dem äusserst porösen Boden versickert, am Fuss des Ätna als Quelle wieder austritt und diese fast übernatürliche Südfrüchtekul-tur ermöglicht.

Und nachts ist der Blick von Taormina aus erst recht aussergewöhnlich; keiner der vielen Touristen wird das unaufhörliche Aufsteigen und das darauffolgende parabolische Fallen der geschmolzenen Lava in einem gigantischen Feuerwerk jemals vergessen. Diese entfesselten Naturelemente sind auch der Grund, weshalb die Geschichte und die Mythologie in der Vergangenheit des Ätna einen so wichtigen Platz eingenommen haben. Mehrere römische und griechische Schriftsteller erzählen, dass dieser Berg in der Antike ein geweihtes Stück Erde darstellte, über welches viele Legenden zirkulierten, und dass es sogar ein Ort der Läuterung war. Hatte sich nicht Empedokles, der berühmteste Bürger von Agri-gent,ein avantgardistischer Philosoph und sizilia-nischer Geisteswissenschafter, lebendigen Leibes in den Schlund des Ätna gestürzt? Der Turm des Philosophen, « Überrest eines Satellitenkegels, dessen letzte Kraterspuren längst von Asche zugedeckt worden 1 Seiten 15 und 16.

sind»4, gemahnt auf etwa 3000 Meter Meereshöhe an den grossen Gelehrten des 5.Jahrhunderts vor Christus. Auch soll der römische Kaiser Trajan gemäss einer Überlieferung auf den Gipfel des Ätna gestiegen sein, um den Sonnenaufgang zu betrachten. War das für die Menschen der Antike überhaupt möglich? Dies ist sehr fragwürdig, zumal die « schrecklichen » Berge den Menschen bis ins 18.Jahrhundert einen Heidenschrecken einjagten.

Aber wie dem auch sei - kommen wir auf unseren Ausflug vom Oktober 1972 zurück, der etwa anderthalb Jahre nach dem grossen Ausbruch vom 4. April 1971 ( dieser dauerte damals bis Mitte Juni desselben Jahres ) unternommen wurde. Übrigens berichtet Tazieff von dieser Eruption in seinem oben erwähnten Buch und auch in einem eindrücklichen Farbfilm.

Ob sich nun aber die « Besteigung » des Ätna zu Fuss, wie einst, oder mit Hilfe der verschiedenen Verkehrsmittel vollziehe, die Route bleibt mehr oder weniger dieselbe. Ausgangspunkt ist die kleine, auf etwa 700 Meter und an der Südseite des Berges gelegene Stadt Nicolosi, die man mühelos von Catania oder Taormina aus erreicht. Von dort geht 's fast geradlinig, im oberen Teil mit ein paar Kehren hinauf, mit zu Anfang eindrück-lichem Anblick zu den Monti Rossi, mächtigen kegelförmigen Erhebungen, die bei dem im Jahre 1660 unmittelbar oberhalb Nicolosi erfolgten Ausbruch, dessen Lavaströme bis ins Mittelmeer bei Catania flössen, entstanden sind. Weiter oben, etwa auf 1900 Meter, gelangt man zur Casa Cantoniera, dem ersten Etappenziel der unzähligen Karawanen, die während der günstigen Jahreszeiten und bei schönem Wetter täglich auf den Ätna ziehen. Man hat bereits die üppige Grünzone verlassen, bald auch die der Kastanienhaine, der Eichen und Kiefern, und plötzlich, fast ohne Übergang, befindet man sich in einer « Mondlandschaft »; nur die Farben sind anders. Da steht man dann neben den Bocche Silvestri, merkwürdigen erloschenen Kegeln von schöner grünlicher »Seite 61. 122 Farbe ( entstanden während der Eruption von 1892 ). Schon weiter unten treten mächtige erstarrte Lavaströme, eigentliche « versteinerte » Flüsse mit bizarrer Oberfläche, auf beiden Seiten des Weges ins Blickfeld des Touristen. Bei der Casa Cantoniera, dem heute sehr belebten Treffpunkt, beginnt der zweite Abschnitt der Besteigung. Er besteht in dem imposanten und äusserst steilen Kegel der Montagnola, in deren unmittelbaren Nähe sich die Talstation der Drahtseilbahn befindet. Diese letztere endigt bei einer ehemaligen Unterkunft, dem Piccolo Rifugio. Damit sind wir schon auf fast 2500 Meter, und hier beginnt auch das weiträumige Plateau, Piano del Lago, das heute gewöhnlich mit dem Jeep durchfahren wird. Die Fahrpiste hat man wegen der beim Ausbruch von 1971 entstandenen Lavaströme von teilweise 20 Metern Breite nach Osten verlegen müssen. Jene Eruption hat im übrigen auch den oberen Abschnitt der Drahtseilbahnanlage zerstört, des weitern auch - gemäss dem lebhaft geschriebenen Katastrophenbericht von Tazieff, Seiten 142-146 - das in der Nähe gelegene ehemalige Observatorium, nachdem es noch drei Tage lang dem Lavastrom standgehalten hatte.

Was die Drahtseilbahn betrifft, haben wir eine Information gefunden, die sich weiterzuverbrei-ten lohnt. In seinem hübschen Werk « Les Montagnes de la Terre»5 schreibt Roger Frison-Roche folgende Zeilen: Seit einigen Jahren ermöglicht eine Drahtseilbahn einen mühelosen Anstieg zum Gipfelplateau. Sie wurde von denselben Ingenieuren konstruiert wie jene auf die Aiguille du Midi ( 3843 m ) im Mont-Blanc-Massiv. Letztere gilt als die kühnste auf der ganzen Welt, und ihr Bau wird ein Wunder der Technik bleiben. Und doch! Ihre Erbauer haben mir nicht verheimlicht, dass ihnen die Atna-Drahtseilbahn, deren Anlage keinerlei Schwierigkeiten bot, die grössten Probleme stellte, was den Unterhalt betrifft. Besonders die Vereisung der Kabel, die im kalten, aber trockenen Klima an der Aiguille du Midi praktisch wegfällt, bewirkt am Ätna aussergewöhnliche Erscheinungen. Gar nicht selten s 2 vol. Flammarion, 1964.

kommt es vor, dass die Kabel enorme Lasten auszuhalten haben, fast bis zur ReissgrenzeKaum haben wir die Drahtseilbahn verlassen, werden wir von einer Gruppe etwas verwilderter, aber im Grunde gutmütiger Fahrzeuglenker « aufgeschnappt ». Diese bugsieren ihre Kunden, nachdem man sich über den Fahrpreis geeinigt hat, in ihre Wagen und lassen sie auf einem eigentlichen Parkplatz am Fusse des Gipfelkraters wieder aussteigen. Damit ist der Ausflug, wenn man diesen Ausdruck gebrauchen will, eigentlich schon fast beendet.

Nachdem nun die verschiedenen Etappen einer heutigen Ätna-Besteigung dargestellt sind, erscheint es uns interessant zu erfahren, wie eine solche vor der technischen Erschliessung dieses Berges vonstatten gegangen ist. Machen wir einen kleinen Sprung in die Vergangenheit, und zwar in eine nicht allzu ferne, um die verschiedenen Stadien in der Entwicklung der Art der Besteigung festzuhalten. Zu diesem Zweck haben wir die Guides bleus ( Hachette ) von 1924, 1962 und 1968 konsultiert. Die Differenzen vom ersten zu den beiden späteren sind merklich und symptomatisch. Im Führer von 19246 atmet man noch wirkliche Bergluft. Da ist noch von einem Maultierpfad, von warmer Kleidung, geeigneten Bergschuhen und Schutzbrillen wegen der Vulkanaschedie Rede. In Nicolosi könne man Bergführer engagieren; Maulesel würden dann das Gepäck, wenn nicht die Touristen selbst, hinauftragen. Das Ufficio delle Guide del CAI enthält eine Liste dieser Bergführer, von denen jeder sein « livret » hatte und die die Eintrittskarten bei der Schutzhütte des Observatoriums abgaben. Letzteres, auf 2902 Meter gelegen, enthielt zwei Zimmer für die Touristen und eine kleine Küche. Für diese erste Etappe musste man sieben Stunden rechnen.

Erinnern all diese kleinen Angaben nicht an eine Zeit, wo der Anmarsch an die Besteiger noch gewisse Anforderungen stellte, vergleichbar etwa mit den ehemaligen und zum Teil noch heutigen 6 Italie, 2e volume: Rome, L' Italie méridionale et les ( les.

« Hüttenwegen ». Man brauchte also vier Stunden bis zur Casa Cantoniera und weitere drei bis zum Observatorium, jenem massiven Bau aus dem Jahr 1804, von dessen Verschwinden im Jahre 1971 uns, wie wir bereits erwähnt haben, Haroun Tazieff berichtet, wobei er im übrigen nicht unerwähnt lässt, dass sein Standort nicht schlechter hätte gewählt werden können ( die Erfahrung hat dies ja auch bewiesen ). Von dort zum Gipfel - der Guide bleu gibt ihm die Kote 3274 - habe der Bergsteiger nur noch von Westen, nachher geradeaus den Gipfelkrater anzugehen. Darauf folgt eine begeisterte Beschreibung der Aussicht, vor allem bei Tagesanbruch auf die feurige Lava des Kraters, wenn der Bergsteiger sich zwei Stunden vor Sonnenaufgang auf den Weg gemacht habe. Bei dieser Lektüre fühlt man sich auf die Rigi oder das Torrenthorn versetzt im Gedanken an ähnliche Schilderungen, die im übrigen durchaus der Wirklichkeit entsprechen.

Was der Guide bleu von 1924 da beschreibt, kann man also in guten Treuen noch als eine Besteigung des Ätna bezeichnen.

Wie aber wird derselbe Ausflug in der Ausgabe von 1962 oder derjenigen von 1968, die sich von der ersteren wenig unterscheidet, dargestellt? Zitieren wir nur die ersten Zeilen davon: Ausgezeichneter und malerischer Weg von Catania zur Casa Cantoniera ( 34 kmvon da Drahtseilbahn ( ißMin .) und schliesslich 45 minütiger Marsch bis zum Krater; von der Casa Cantoniera zu Fuss bis zum Krater benötigt man etwa drei oder vier Stunden. Die Nüchternheit des Berichtes ist geradezu augenfällig, verglichen mit der Beschreibung von 1924; es fehlt ihr nur die Erwähnung der Jeeps. Indessen gibt dann der Guide bleu von 1962 einige Details über die Bedingungen für eine Besteigung bekannt, indem er von der alten Ausgabe die Erwähnung warmer Kleidung, guter Schuhe und Schutzbrillen übernimmt, aber alles in Verbindung mit « Grand Hotel Ätna, mehreren Restaurants bei der Casa Cantoniera, Schutzhütte Sapienza, Hütte Menza des CAI, Wintersport etc. » bringt.

Unser knapper Bericht von einem flüchtigen Besuch auf dem Ätna und der Vergleich zweier verschiedener Arten der Besteigung scheint uns ein Problem aufzuwerfen, das weitere Kreise zieht. Es handelt sich dabei um die Beziehungen des Menschen zur Natur im allgemeinen und zum Berg im speziellen, also um Fragen von brennender Aktualität, die sich in ganz konkreten Begriffen ausdrücken lassen, wie Umweltschutz, Lebenserhaltung, Kampf gegen die Verschmutzung usw. Schon sind nicht wiedergutzuma-chende Fehler begangen worden, und noch werden solche heute in verschiedenen Berggegenden gemacht, in Dörfern, die ihren ursprünglichen Charakter infolge hässlicher Bauten verloren haben. Was die Verhältnisse am Ätna betrifft, so hat Tazieff mit scharfer Feder alle Einrichtungen, mit denen dieser Vukan ausgestattet worden ist, bedacht. Es scheint ihm ein Gefühl der Befriedigung zu bereiten, wenn er mit harten Worten « die Reiseagenturen, die gierigen Immobiliengesellschaften, die Erbauer der Drahtseilbahnen, die Touristen und diejenigen, welche von ihnen leben », geisselt. Weiter unten spricht er von den Seilbahnen, « deren Masten die weiten Hänge des Berges verunstalten»%, und von einem Chalet-Hotel aus Beton. An einer andern Stelle seines Werkes hebt er dann allerdings wieder - und darin liegt ein gewisser Widerspruch -«die materiellen und geistigen Vorteile dieses über ein Land von alter Kultur hereingebrochenen Vulkans hervor samt all den verschiedenen Möglichkeiten, angefangen bei den Laboratorien und Handelsunternehmungen der Grossstadt, bis zu den Erleichterungen des Aufstiegs, den Höhenwegen, Strassen und vor allem dem Flugplatz ( Catania ), der den Ätna bis auf zwei oder drei Stunden an Paris heranbringt»9. Der Stein und die Metall-bauten können also doch ihr Gutes haben - wir persönlich glauben dies -, auch wenn der Autor wünscht, « diese zur Ausbeutung der Touristen errichteten Greuel aus Beton und Eisen » I0 mögen verschwinden.

7 Ebenda Seite 15.

K Seite 50.

5 Seiten 97 und 98.

10 Seite 179.

Diese Zitate eines Schriftstellers, der, wie wir bereits erwähnt haben, zugleich ein grosser Gelehrter und begeisterter Naturfreund ist, sollen unsere Aufmerksamkeit auf das Problem der Erschliessung der Bergwelt lenken. Man könnte einwenden, dieses habe schon längst bestanden, es habe mit der Erstellung von Wegen und Strassen begonnen, mit den einfachen steinernen Schutzhütten der Schäfer oder mit den ersten SAC-Hüt-ten. Doch dann hat sich mit der enormen technischen Entwicklung, die seit einem Jahrhundert stattgefunden hat, auch die Erschliessung der Gebirgswelt in ungeahntem Masse gesteigert; es kam zu Überbordungen, die wir zutiefst bedauern und gegen die wir uns mit dem letzten Funken Energie wehren müssen -aber auch mit Einsicht und Verstand. Es ist zum Beispiel sonnenklar, dass es absurd wäre, eine Seilbahn aufs Matterhorn, aufs Kleine Matterhorn ( oje, bewilligt !) usw. zu bauen; andrerseits ist gegen die Erschliessung manch anderer Berge, besonders wenn eine solche auch im Interesse der Gebirgsbevölkerung liegt, nichts einzuwenden. Über dieses Thema haben wir in den « Alpen » mit Interesse einen Bericht von Ruedi Horber ( 3.Quartal 1974, S. 150: « Die Erschliessung der Alpen durch Luftseilbahnen » ) gelesen. Diese aufschlussreiche Studie, die auch auf oft ignorierte Tatsachen hinweist, zieht Schlussfolgerungen, denen wir voll und ganz zustimmen und von denen wir die uns am wichtigsten erscheinenden wiedergeben: « Das eigentliche Hochgebirge, grössere Gipfelmassive und markante Einzelgipfel ( z- B. über 3000 m ) sowie alle schutzwürdigen Landschaften von nationaler Bedeutung sind grundsätzlich vor jeder weiteren Erschliessung zu schützen. In den übrigen Gebieten sollen Konzessionen nur erteilt werden, wenn eine rechtsmässige und zweckmässige Gesamtplanung vorliegt. Dabei sind neben den im Raumplanungsgesetz vorgesehenen Zonen auch angemessene Schutzgebiete auszu-scheiden11. » 7j\i den Vorteilen, die durch die Seilbahnen in manchen Gebieten geschaffen worden sind, geArtikel R. Horber, « Die Alpen » 1974., S. 155.

hört - am Rande sei vermerkt: auch in sozialer Hinsicht -, dass diese technischen Hilfsmittel mancherorts für den Bergsteiger langweilige Streckenabschnitte abkürzen, unnötige Anstrengungen verringern und weniger jungen und kräftigen Menschen den Kontakt mit der Bergwelt ermöglichen. Wer von uns war nicht schon einmal gerührt, wenn er sah, wie ein Invalider in seinem kleinen Wagen aus der Kabine der Seilbahn und zu einem Aussichtspunkt gefahren wurde, von wo aus er die Berggipfel betrachten konnte, die er früher vielleicht selbst einmal bestiegen hat? Wir glauben auch, dass man dem Ätna in dieser Beziehung einen eigenen Platz einräumen muss; denn ohne alle die erwähnten Erleichterungen an diesem Berg könnten ihn nur einzelne und bevorzugte Bergsteiger besuchen. So aber steht er vielen offen, und viele kommen in den Genuss der aussergewöhnlichen Empfindungen, die, nach « vollbrachter Tat », die Lektüre von Tazieffs « Ätna » oder die seines neusten Werks, « Vingt-cinq ans sur les volcans du globe » 12, in der Erinnerung nochmals aufleben lässt.

( Übersetzung R. Vögeli )

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