Alpenfolio: Ester Vonplon Raum für die Leere

Das Eis ist die Welt von Ester Vonplon. Ob in der Arktis, in den Alpen oder ganz im Kleinen, im Winter vor der Tür: Im kalten Element sieht sie Geschichten, wo andere es nur kalt und öde finden. In ihren Bildern spielt Vonplon mit den Strukturen des Eises, vor allem aber mit seiner Kargheit, seiner Armut an Farbe und Form. Wie durch Nebel gesehen muten viele ihrer Fotografien an, das Abstrakte tritt in den Vordergrund, zwischen die Zufälligkeit der Strukturen tritt Raum für die Leere, in der die Kälte, das Fehlen von Wärme, fühlbar wird.

Dabei ist Ester Vonplons Kunst aber alles andere als reine Abstraktion oder blosse Faszination für den ästhetischen Minimalismus. Sie versteht ihre Werke durchaus auch als politische Zeugnisse. Denn das Eis, das sie so fasziniert, schmilzt. Und das hat etwas zu tun mit einer Welt, die der Leere den Raum genommen hat, ihn auffüllt mit der Energie der Autos, Bahnen, Handys, des Kohlendioxids. Und so zeigt Vonplon auch das Sterben des Eises. Etwa dort, wo dieses mit einem Vlies abgedeckt wird, einem industriell gefertigten Material, und sich der eigenwillige Umgang mit der Natur verdeutlicht, der typisch ist für unsere Zeit: Aus der bedrohlichen Urnatur, die der Gletscher war, wird ein fragiles Relikt, sorgsam behütet mit dem ganzen Arsenal einer technisch hochgerüsteten Zivilisation.

Für ihre Arbeit hat der SAC Ester Vonplon den Kunstpreis 2017 in der Höhe von 10 000 Franken verliehen. Die 37-jährige Künstlerin ist damit die achte Trägerin des Preises, der alle drei Jahre vergeben wird.

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