Alpenfolio: Hans Peter Jost Den Bruch im Blick

Eines ist Hans Peter Jost bestimmt nicht: ein typischer Alpenfotograf. Spätestens im Buch Feste im Alpenraum machte er sich mit drei, vier Beiträgen auch einen Namen als Porträtist des Berggebiets. Doch seine Wurzeln liegen woanders: 1981 begleitete er für das Buch Die Angst der Mächtigen vor der Auto­nomie die Zürcher Jugendkrawalle fotografisch – und liess keine Zweifel daran, auf wessen Seite seine Sympathien standen. Hergebrachten Begriffen von Heimat gegenüber ist er kritisch geblieben, wie die Bilder in seinem neuen Buch alpen-blicke.ch auf eindrucksvolle Weise zeigen. Archaisch wirkende, einfühlsame Porträts von Älplern stehen hier gnadenlos neben Fotos von Touristenmassen auf Berggipfeln, monumentalen Staumauern und dem auch in den Bergen ewig rauschenden Verkehr. Dabei gibt er auch jenen ein Gesicht, die man eher selten mit den Alpen in Verbindung bringt: dem Chauffeur auf der Transitachse, dem Asylbewerber im Bergdorf. Das Nebeneinander von Idyll und Indus­triekulisse, von Kraftort und Kraftwerk bricht den Blick auf die Alpen von Bild zu Bild. Fern von Verklärung und Verurteilung liefern Josts Fotografien ein realistisches, weil unzusammenhängendes und nur scheinbar widersprüchliches Bild der Alpen.

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