Alpine Rettung 2004. Rückläufige Einsatzzahlen und Zunahme der RHS-Einsätze

Rückläufige Einsatzzahlen und Zunahme der RHS-Einsätze

Alpine Rettung 2004

Nach dem in allen Belangen extremen Sommer 2003 nahmen die Zahl der Einsätze sowie die Anzahl der Geretteten wie erwartet ab. Am meisten Einsätze fallen in den Bereich Rettungsspezialist Helikopter ( RHS ). Erstmals wurden auch die Einsatzzahlen der Rettungsgeräte erfasst.

Die Einsätze von SAC-Rettern haben gegenüber dem Vorjahr um rund 20% abgenommen und liegen nun wieder im langjährigen Mittel von 420 Einsätzen – der extreme Bergsommer 2003 kann als « Ausreisser » bezeichnet werden. Im Jahr 2004 wurden 591 Personen durch SAC-Retter gerettet. Verändert hat sich das Verhältnis der Anzahl Einsätze zur Anzahl geretteter Personen: Mit weniger Einsätzen wurden mehr Personen geborgen.

Einsatzarten

Weitaus am meisten Einsätze werden seit einigen Jahren durch unsere RSH in Zusammenarbeit mit Flugrettungsorganisationen ausgeführt. Diese meist kurzen Einsätze haben zu einer erheblichen Reduktion der verrechneten Einsatzstunden geführt. Abgenommen hat in den letzten Jahren dagegen der Anteil der zeitintensiven Suchaktionen. In die Rubrik « Andere Einsätze » fallen die bergsportfremden Rettungen wie Jagd, Pilzsuchen, Flugzeugabsturz, voralpines Wandern. Und unter « präventiv » werden Einsätze erfasst, mit denen ein Unfall verhindert werden konnte wie die Rettung infolge Blockierungen oder Evakuationen. Die Verteilung der Einsätze übers Jahr liegt im Bereich der meteorologischen Schwankungen. Die meisten Einsätze fielen erwartungsgemäss in die Monate Juli bis September. Die stabilen Schnee- und Wetterbedingungen sorgten in der Skitourensaison von März bis Mai für weniger Unfälle.

Fallbeispiel: folgenreiche Variantenabfahrt

Mitte Februar unternimmt ein Bergführer im Bündnerland bei besten Pulver-schneeverhältnissen mit einer Gruppe eine längere Variantenabfahrt. Auf ca. 2350 m stürzt eine Teilnehmerin und zieht sich gravierende Knieverletzungen zu. Wegen der tiefen Wolkendecke kann die vom Bergführer alarmierte Rega nicht bis zum Unfallort fliegen. Sofort werden SAC-Retter aufgeboten, um mit terrestrischen Mitteln die unter starken Schmerzen leidende Frau zu Tale zu bringen. Auf ca. 1740 m kann die Frau, nach einem Kräfte raubenden Transport auf dem Schlitten, in den Rega-Helikop-ter geladen werden. Für die SAC-Retter steht noch der lange Abstieg mit all dem mitgeführten Rettungsmaterial ins Tal bevor. Terrestrische Rettungen sind auch in der heutigen technisierten Welt noch aktuell und aus der Rettungskette nicht wegzudenken.

Rettungstätigkeit in den Zonen

Die regionale Verteilung der Unfälle liegt im langjährigen Mittel, abgesehen von der Zone 9, dem Kanton Tessin, wo sich mehr Unfälle als in den Vorjahren ereigneten. Am meisten Unfälle hatten die Gebirgskantone Bern, Graubünden und Tessin zu verzeichnen. Einsätze auf dem Kantonsgebiet des Wallis ereigneten sich hauptsächlich im Jungfrau- und Oberaargebiet. Einsätze im grenznahen Ausland erfolgten hauptsächlich im Bergell ( auf italienischem Boden ) und im Raum Genf. Dank der neuen Software Navision konnten erstmals die eingesetzten Hilfsmittel ausgewertet werden, was für die Materialbeschaffung bedeutsam ist. An erster Stelle stand dabei der Einsatz von Lawinenhunden, gefolgt von Beleuchtung, Gebirgstrage und Geländesuch-hunden.ätze BeteiligteAnzahl Beteiligte und Rettungseinsätze 2000–2004 Aufteilung der Einsatzstunden Anzahl Einsätze nach Monaten

Nicht kostendeckende Einsätze

Der Anteil « Bergsportunfälle » im Verhältnis zu « Andere Notfälle » bewegt sich im normalen Verhältnis von ca. 3 / 4 zu 1 / 4. Der SAC erfüllt mit seiner Alpinen Rettung einen Service public. Dazu muss festgehalten werden, dass die Kantons- und Gemeindebehörden nicht in der Lage wären, effizient und im Sinne der Verunfallten eine adäquate Rettungsorganisation aufrechtzuerhalten.

2004 hat aber auch die seit einigen Jahren festgestellte Tendenz hin zu kurzen, aber aufwändigen Einsätzen bestätigt. Einerseits ist diese Entwicklung sehr begrüssenswert und dient der schonungsSeilbahnkabel stellen für Gleitschirmflieger ein grosses Risiko dar. Die Rettung gestaltet sich meist sehr heikel.

Foto: HP. Gr edig Anzahl Bergnotfälle und andere Notfälle Nach Tätigkeit unterteilte Notfälle Einsatz nach Zonen vollen präklinischen Behandlung von Patienten. Andererseits muss dadurch die Alpine Rettung mit sinkenden Einnahmen immer professionellere Einsätze leisten. Dies wirkt sich negativ auf die finanzielle Situation der Alpinen Rettung und damit des SAC aus, sind doch die derzeitigen Tarife bei weitem nicht kostendeckend. Sollte die Alpine Rettung durch die Verursacher finanziert werden, müsste ein viermal höherer Stundenan-satz angewendet werden. Ob aber heute, mit den konstant steigenden Gesund-heitskosten und gleichzeitig grossen Sparanstrengungen der öffentlichen Hand sowie dem zunehmenden Trend, Eigenverantwortung abzuwälzen, eine Erhöhung des Tarifs drinliegt, ist zu bezweifeln.

Mehr gerettete SACler

Was nachdenklich stimmt, ist die Zunahme des Anteils der geretteten SAC-Mitglieder, inkl. JO. Er liegt im Berichtsjahr 2004 mit 13das sind 80 Personen – über dem langjährigen Mittel von 10%. Hat sich das Verhalten der SAC-Bergsportler verändert? Oder liegen die Gründe für die 13% darin, dass sich deutlich mehr SAC-Mitglieder in den Bergen aufhalten? Diesen und weiteren Fragestellungen soll und muss sich der Schweizer Alpen-Club SAC stellen. Prävention ist letztlich nicht die Aufgabe der Rettung, sondern muss vom gesamten SAC betrieben werden. a Hans Jaggi, Rettungskommission SAC Je nach Wetter- und Wolken-lagen sind auch in der heutigen technisierten Welt terrestrische Rettungen aktuell. Blick vom Studergletscher Richtung Walliser Alpen Der Rettungsspezialist Helikopter RSH ist bei Bergsport-unfällen ein wichtiges Mitglied in der Helikopter-Crew. Oft ist er der Erste bei den Verletzten. Foto: Ar chiv SA C Foto: H. Jaggi

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