Alpinist und Topograph — ein Herz und eine Seele

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E. Imhof

Seit alters her waren einige unserer grossen Alpenpässe bekannt und begangen. Die Bergwelt abseits der Passwege aber, die Stein- und Gletschereinöden hoch über Wald- und Weideland, interessierten bis zum Beginn der Neuzeit weder Bergbauern noch andere Leute. Dort oben war ja ausser einigen Gemsen und Munggen nichts zu holen. Von den Berner Hochalpen beispielsweise wusste man nicht viel mehr, als dass sich zwischen den lieblichen Matten von Grindelwald und jenen im Goms ein gewaltiges Eismeer erstrecke. Erst im 16. Jahrhundert begann es zu tagen. Der Zürcher Gelehrte Konrad Gessner ( 1516-1565 ) strebte, getrieben durch wissenschaftliche Neugier, hinauf in höhere Regionen. Er entdeckte dabei nicht nur unbekannte Einöden, sondern auch den Zauber einer bisher nie geschauten wilden Welt. Auch sein Freund Josias Simmler ( 1530-1576 ) beschrieb die Alpen. Als Gichtkran-ken aber beeindruckten ihn dort vor allem die schauerlichen Gefahren.

Noch verstrich mehr als ein Jahrhundert, bis sich Nachfolger fanden. Ein solcher war der Zürcher Arzt und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer ( 1672-1733 ). Auch ihn lockte brennender Erkenntnisdrang. Als erster beobachtete er gekrümmte Gesteinsfalten an Berghängen, kartierte er die Seen auf der Gotthardpasshöhe und anderes mehr; ja er ruhte nicht, bis auf Grund eigener und anderer Rekognoszierungen und Kartierungen zwar nicht die früheste, wohl aber eine neue, grosse und inhaltsreiche Karte der Schweiz zu Papier gebracht war. Der Naturforscher, der Topograph und der Alpenwanderer waren in ein und derselben Person vereinigt. Der Trieb, Unbekanntes zu erhellen, war erster Anstoss zum Alpinismus. Bald begannen auch Philosophen, Kulturkritiker und Künstler für die Bergwelt zu schwärmen. Der Genfer Jean-Jacques Rousseau ( 1712-1778 ) rüttelte eine in städtischer Scheinkultur versunkene Menschheit auf und wies den Weg zu einfacherem Leben. Albrecht von Haller ( 1708-1777 ) pries in seiner berühmten Dichtung « Die Alpen » die Hirten als Musterkna-ben. Caspar Wolf ( 1735-1798 ) drang als erster Hochalpenmaler hinaufin die Bergwildnis, malte Felsen, Gletscher und tosende Wasserfälle - und er tat es grossartig. Während sich im Gebirge solches und ähnliches zutrug, wurde die ganze Schweiz zum bevorzugten Reiseland, zum Eldorado für kulturbeflissene und geldgesegnete Ausländer. Landkarten und Andenken mussten beschafft werden. So hatten unsere grossen und kleinen Kunstmaler und die Landkartenzeichner alle Hände voll zu tun.

Seit 1760 durchstreifte der Genfer Naturforscher Horace Benedict de Saussure ( 1740-1799 ) die Westalpen und vor allem das Mont-Blanc-Massiv. Durch ihn veranlasst, erstiegen Paccard und Balmat im Jahre 1786 erstmals den höchsten Berg Europas. Im darauffolgenden Jahre wiederholten de Saussure und seine Begleiter die Besteigung. Dieses Ereignis wirkte als alpinistisches Fanal: es leitete den Alpinismus des 19.Jahrhun-derts ein. Weitere Unternehmungen folgten nun Schlag auf Schlag. Vieles, sehr vieles hierüber ist in Büchern und Zeitschriften zu lesen. Hier greifen wir nur weniges heraus. Uns geht es darum, das intensive und andauernde Zusammenspiel von Alpenforschern, Topographen und Alpinisten hervorzuheben.

Der erste Bergsteiger im Gebiet des Vorder- und Hinterrheins war Pater Placidus a Spescha ( 1752-1833 ) in Disentis. Er war einer der frühesten Alpinisten und begründete die Topographie jener Gegenden. Zwischen 1782 und 1824 bestieg er als erster gegen zwanzig höhere Gipfel, worunter Rheinwaldhorn, Scopi, Badus und Oberalpstock. In hohem Alter erreichte er, beim Versuch, den Tödi zu besteigen, die Lücke, die seither den Namen Porta da Spescha trägt. Von dort aus beobachtete er, wie seine beiden Begleiter den Gipfel bestiegen. Als Ergebnis seiner Rekognoszierungen zeichnete Spescha eine topographische Karte, die erste jenes Gebietes. Er war in einer Person Alpinist und Topograph. Und weiter: In der Denkschrift « Die ersten fünfzig Jahre des Schweizer Alpen-Club », Bern 1913, schreibt Heinrich Dübi: « Die hervorragendsten Leistungen für den Alpinismus im Anfang des ig.Jahr-hunderts sind ausgegangen von der Familie Meyer in Aarau. » —Johann Rudolf Meyer ( 17391813 ), ein Textilfabrikant, liess auf seine privaten Kosten durch den Ingenieur Johann Heinrich Weiss ( 1759-1826 ) aus Strassburg und Joachim Eugen Müller ( 1752-1833 ) aus Engelberg die ganze Schweiz topographisch aufnehmen und kartieren. J. E. Müller war Schreinerei- und Mul- lereigehilfe im Stift Engelberg. Er begleitete einst J. R.M.eyer als Träger auf den Titlis. Dabei entdeckte dieser die ausserordentliche topogra-phisch-zeichnerische Begabung seines Begleiters; er nahm ihn als Messgehilfen in seine Dienste. Bald aber bearbeitete Müller selbständig vor allem die alpinen Gebiete. Auf Grund dieser Aufnahmen modellierte er ein grosses, heute in Paris verschollenes Relief der Schweiz und ein solches der Schweizer Alpen, letzteres etwa im Massstab 1:38000. Es ist seit kurzem im Gletschergarten Luzern aufgestellt. Diese Aufnahmen dienten zur Bearbeitung des « Atlas Suisse », eines Kartenwerkes, bestehend aus 16 Blättern etwa 1:108000, von J.R.M.eyer herausgegeben 1796-1802 ( Karte 1 a ). Es waren in Kupfer gestochene Schraffenkarten. Zum ersten Male wurden hierbei die Berge des ganzen Gebietes nicht mehr in der früher üblichen schrägen Vogelschau dargestellt, sondern mit Blick senkrecht von oben, d.h. im Grundriss. J. R.M.eyer, J. H. Weiss und J. E. Müller hatten im Laufe ihrer Aufnahmen manchen Alpengipfel als erste erreicht. Als erste durchstöberten und kartierten sie insbesondere auch die Eisgefilde der Berner Alpen. Die Söhne Meyers, Johann Rudolf und Hieronymus Meyer, erstiegen im Jahre 1811 mit zwei Fiescher Führern als erste die Jungfrau. Ein Jahr später gelang den Führern von Dr. Rudolf Meyer ( einem Enkel des älteren Johann Rudolf Meyer ) die Erstersteigung des Finsteraarhorns, während Meyer selbst infolge Erschöpfung den Gipfel nicht erreichte. Topographischer Forscherwille und alpinistischer Sturm und Drang waren bei allen diesen und ähnlichen Unternehmungen miteinander im Bunde.

Aufsehen erregte vor einigen Jahren die Herausgabe der Bergpanoramen des zürcherischen Naturforschers und Erbauers des Linthkanals, Hans Conrad Eschers « von der Linth » ( 1767-1823 ). Auch er hatte um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert die Schweizer Alpen durchwandert und hierbei unentwegt Bergansichten und Panoramen gezeichnet. Er tat es als topographischer Forscher, weil ihm die damals vorliegenden Karten als Grundlage für seine geologischen Aufzeichnungen nicht genügen konnten.

Topographische und naturwissenschaftliche Erkundung hochalpiner Regionen, besonders auch die Gletscherforschung, reissen von dieser Zeit an in den Schweizer Alpen, ähnlich wie auch in den Ost- und Westalpen, nicht mehr ab, damit steigern sich auch die alpinistischen Pionierfahrten zu erstaunlichen Erfolgen. Herausgegriffen aus vielen grossen Namen seien Gottlieb Studer ( 1804-1890 ) in Bern, Melchior Ulrich ( 1802-1893 ) in Zürich und Johann Jakob Weilenmann ( 1819-1896 ) in St. Gallen. Sie zählen zu den bedeutendsten Alpinisten und alpinen Schriftstellern des 19.Jahrhunderts. Gottlieb Studer, von Beruf Regierungsstatthalter, zeichnete viele Panoramen und bearbeitete unter Mitverwendung eidgenössischer Aufnahmen erstmals höchst beachtenswerte Karten des Tödi-Gebietes und der Walliser Alpen. Solches geschah viele Jahre vor der Gründung des SAC und bevor dieser und hierauf der Staat entsprechende Karten publizierten. An solche und andere Pioniere des Alpinismus erinnern in unsern heutigen Karten Berg-und Passnamen wie Scheuchzerhorn, Studerhorn ( letzteres freilich nach Gottlieb Studers Vetter, dem berühmten Berner Geologen Bernhard Studer, 1794-1887 ), Hugisattel, Agassizjoch, Ulrichshorn und andere. Der Dom, dieser erhabene, zweithöchste Berg der Schweiz, trägt seinen schönen Namen zur Erinnerung an den Mann, der 1831-1837 erstmals Triangulationsmessun-gen im Wallis durchführte. Dies war der « Domherr » Joseph Anton Berchtold ( 1780-1859 ) von Sitten.

Heute bei uns fast vergessen ist Friedrich Wilhelm Delkeskamp ( 1794-1872 ), ein zeitweilig in der Schweiz tätiger Vedutenkünstler und Kupferstecher aus Frankfurt am Main. Er machte zwar nicht topographische Messungen, zeichnete und skizzierte aber unentwegt auf vielen beschwerlichen Reisen durch die innerschweizerische Bergwelt und sammelte alles, was er an Bildern und Karten erhaschen konnte. Solches Material verarbeitete er zu neun grossen, detailreichen und höchst anschaulichen Vogelschaukarten. Er publizierte sie von 1830 bis 1835 unter der Bezeichnung « Malerisches Relief des Klassischen Bodens der Schweiz ».

Während der ersten Hälfte des 19.Jahrhun-derts hatte sich das politische und kulturell-gesell-schaftliche Bild Europas und damit auch der Schweiz völlig verändert. Wachsende Ansprüche an Inhalt und Genauigkeit der Karten steigerten den Aufwand für ihre Herstellung so sehr, dass die bisherigen privaten Anstrengungen nicht mehr ausreichten. Kartenaufnahmen wurden zu einer Aufgabe des Staates. Einige Kantone, vor allem jene ausserhalb der Hochalpen, liessen erstmals kantonseigene amtliche topographische Karten herstellen, meist solche im Massstab 1:25000 oder i :50000 ( z.B. Genf, Karte ib ).

Auf Weisung der Eidgenössischen Tagsatzung ( vor 1848 schweizerische Zentralinstanz ) fasste der Genfer Guillaume-Henri Dufour ( 1787-1875 ) als eidgenössischer Oberstquartiermeister ( was der Stellung eines Generalstabschefs entsprach ) alle solchen Bestrebungen zusammen und liess sie auf der Grundlage neu aufgebauter Triangulationen durch topographische Aufnahmen der Hochgebirgsregionen im Massstab 1:50000 ergänzen. Erstmals wurde dabei das Geländerelief durch Höhenkurven festgelegt ( Karte 2 ). Für die ganze Schweiz in einheitlicher Form herausgegeben aber wurden diese Aufnahmen als Schraffenkarten 1: 100 000. So entstand von 1842 bis 1864 in 25 grossen brillanten Kupferstichblättern die « Topographische Karte der Schweiz », später bekannt unter dem Namen « Dufour-Karte » ( Karte 4 ). Durch die Reliefanschaulichkeit der alpinen Gebiete begründete sie den Weltruf der schweizerischen Kartographie. Indessen hatte sich anno 1848 der bisherige Staatenbund in einen straffer zusammengefassten Bundesstaat umgeformt. Die Landesregierung, der Schweizerische Bundesrat, setzte dem Schöpfer dieses ersten nationalen Kartenwerkes ein unvergängliches Denkmal, indem er der höchsten Erhebung der Schweiz den Namen « Dufourspitze » gab. Den Naturforschern und Bergsteigern aber genügte bald auch dieses kartographische Wunderwerk nicht mehr.

Im Jahre 1863 war der Schweizer Alpen-Club gegründet worden. Damit wurde nun auch im Alpinismus private Initiative ergänzt und gestärkt durch solche einer grösseren Gemeinschaft. Schon das erste Zentralkomitee ersuchte den Bundesrat, dem Alpen-Club einige Aufnahmeblätter 1:50000 zur Publikation zur Verfügung zu stellen. Diesem Gesuch wurde entsprochen, und so entstand im Jahre 1863 die erste vom SAC herausgegebene Karte für das Exkursionsgebiet ( Clubgebiet ) Tödi-Clariden im Massstab 1:50000, eine einfarbige Karte mit Gebirgsdarstellung durch Schraffen. 1864 folgte in gleicherweise die Karte des Triftgebietes. Dieses Vorgehen wiederholte sich nun für jedes nächste Clubgebiet, wobei aber seit 1865 die Karten mehrfarbig gestaltet wurden und das Gelände durch Höhenkurven ( Karte 5 ), zum Teil auch durch beigefügte Schattentöne zur Darstellung gelangte. Erstes Beispiel solcher Art: die « Karte der Gebirgsgruppe zwischen Lukmanier und La Greina, Exkursionskarte des Schweizer Alpen-Club für 1865 ». Ein Ausschnitt daraus ist auf Photo 8 wiedergegeben '.

1 Ein vierfarbiger Faksimiledruck der ganzen Karte ( 40 x 50 cm ) ist bei der Eidgenössischen Landestopographie, 3084 Wabern, zum Preis von Fr. io. erhältlich.

Herausgegeben wurde sie i 865 zusammen mit der Silvrettakarte.

In den ersten und in allen revidierten Statuten des SAC wurden als eine Aufgabe des Clubs die Bemühungen um gute Gebirgskarten besonders hervorgehoben. Schon vorher hatten aber Jakob Melchior Ziegler ( 1801-1883 ) in Winterthur, Arnold Escher von der Linth jun. ( 1807-1872 ) sowie Geologen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft durch Eingaben an den Bundesrat die Herausgabe der alpinen Aufnahmen 1:50000 gefordert. Dufours Nachfolger als Leiter des Eidgenössischen Topographischen Büros war Oberst Herrmann Siegfried ( 1819-1879 ). Ihm ist es im wesentlichen zu verdanken, dass dann im Jahre 1868 die Herausgabe der Aufnahmeblätter durch die eidgenössischen Behörden beschlossen wurde.Vor der Herausgabe mussten freilich die zum Teil bereits veralteten topographischen Aufnahmen einer Revision unterzogen werden. Auch hatten während der ersten Jahre Kantone und Gesellschaften - auch der SAC - Beiträge an die Reproduktionskosten zu leisten. So entstand von 1868 bis gegen Ende des Jahrhunderts das zweite grosse nationale Kartenwerk, der « Topographische Atlas der Schweiz », die sogenannte « Siegfried-Karte », bestehend aus 604 kleinen Blättern, für das Gebirge im Massstab 1:50000, für die übrigen Landesteile 1:25000 ( Karte 6 ). Bis zum Jahre 1903 aber setzte der SAC die Herausgabe eigener Exkursionskarten für seine Clubgebiete fort. Es waren Zusammensetzungen von Siegfried-Karten-Blättern, zum Teil bereichert durch Relieftöne. Bis 1903 waren es 35 Karten. Der SAC verzichtete dann auf die Bezeichnung besonderer Club-Exkursionsgebiete und damit auf die Herausgabe entsprechender Karten. Nur ausnahmsweise publizierte er auch später noch diese oder jene Karte; denn jetzt standen ja jedem Bergwanderer die Blätter des Sieg-fried-Atlas zur Verfügung. Dieses Kartenwerk ermöglichte von nun an ein sicheres, vielenorts führerloses Wandern im Gebirge und ebnete damit grossen Bevölkerungskreisen die Wege zu den Wundern der Alpenwelt.

Viele hervorragende Mitarbeiter an diesen frühesten eidgenössischen Kartenwerken gerieten, wie es so geht, längst in Vergessenheit. Nur wenige Namen sind, zumindest bei Fachleuten, heute noch lebendig, so etwa Isaak Christian Wolfsberger ( Karte 3 a ) ( 1812-1876 ), Adolphe Marie-François Bétemps ( 1813-1888 ), Johannes Eschmann ( 1808-1852 ), Johannes Wild ( 1814-1894 ) und Rudolf Leuzinger ( 1826-1896 ). Auch Johann Wilhelm Fortunat Coaz ( 1822-1914 ) wäre wohl bei vielen Alpinisten vergessen, hätte er nicht als Topograph im Jahre 1850 den Piz Bernina und vor- und nachher Dutzende von anderen Bündner Bergen als erster erstiegen. An Bétemps erinnert die Clubhütte am Monte Rosa. Rudolf Leuzinger gestaltete als Lithograph und Kartenstecher fast alle im 19.Jahrhundert vom SAC herausgegebenen Karten ( Photo 8, Karte 5 ) und auch viele Blätter 1:50000 des Siegfried-Atlas. Durch solche Tätigkeit wurde dieser Sohn der Glarner Berge zum hervorragendsten Kartographen seiner Zeit. Johannes Wild war der Schöpfer der ersten amtlichen Zürcher Kantonskarte 1:25000, eines Werkes, das in mancher Hinsicht der Siegfried-Karte zum Vorbild wurde ( Karte 3 b ). Unvergessen bleibt, nicht nur bei den Geologen, Professor Dr. Albert Heim ( 1849-1937 ), der « alte Heim ». Als Achtzehnjähriger zeichnete er auf dem Grossen Mythen, zwar noch recht kratzig, eines seiner frühesten Bergpanoramen. Als alter Mann, um 1924, zeichnete er dort oben nochmals die Rundsicht, nun aber ein Meisterwerk. Zu seinen Schülern am Polytechnikum in Zürich zählten neben vielen Geologen auch die Topographen Xaver Imfeid, Fridolin Becker und Simon Simon, spätere Koryphäen am schweizerischen Topographenhimmel. Xaver Imfeid ( 1853-1909 ) von Sarnen nahm zahlreiche Sieg-fried-Karten-Blätter aus dem Gebiet der Walliser Alpen auf ( Photo 3 a ). Berühmtheit erlangte er aber auch durch sein Mont-Blanc-Panorama, viele andere Bergpanoramen und Reliefs. Fridolin Becker ( 1854-1922 ), ein Mitbegründer der farbenplastischen Reliefkartographie, in seiner Glarner Heimat bekannt als Charebegger ( Karrenbecker ), wurde später Professor am Polytechnikum in Zürich und träufelte dort einer jungen Topographengeneration Bergbegeisterung in die Ohren. Ein hervorragender Berufsgenosse von Imfeid und Becker war Leonz Held ( 1844-1925 ) von Zizers GR. Er hatte unter Coaz seine Sporen abverdient und widmete sich dann während Jahrzehnten topographischen Aufnahmen in den Alpen. Berühmt wurde er auch durch seine von 1882 bis 1901 durchgeführten Rhonegletscher-Vermessungen ( Photo 2 a ). Später, als Direktor der Eidgenössischen Landestopographie, schuf er bereits wesentliche Grundlagen für die Neuvermessungen unserer Zeit. Der bereits genannte S. Simon ( 1857-1925 ) wurde vor allem durch sein grosses Relief des Berner Oberlandes 1: 10000 ( heute im Schweizerischen Alpinen Museum in Bern ) bekannt. Becker, Simon und ihr Schüler Leo Aegerter ( 1875-1953 ) waren als Gebirgstopographen mit Erfolg auch für den Deutschen und Österreichischen Alpenverein tätig und halfen dort schweizerischen Kartenformen zum Durchbruch. Nicht vergessen sei auch der grosse Alpinist und Himalaya-Chronist Marcel Kurz ( 1887-1967 ), ein Neuenburger. Auch er war von Beruf Topograph und arbeitete einige Jahre bei der Eidgenössischen Landestopographie.

So waren Topographen und Landkartenma-cher zu allen Zeiten Diener und Pioniere des Alpinismus; nicht wenige erfreuten sich der Ehrenmitgliedschaft des SAC oder einzelner seiner Sektionen. Aber auch umgekehrt erwiesen sich immer wieder Alpinisten als grosse Förderer der Gebirgstopographie. Der Schweizer Alpen-Club hat sich wiederum mächtig ins Zeug gelegt, als um 1930 die Diskussionen um die neuen topographischen Landeskarten der Schweiz die Gemüter der Eidgenossen bewegten. Hiervon sei in einem anderen Aufsatz dieses Heftes die Rede.

Immer wieder aber galt und auch heute gilt: Alpinist und Topograph - ein Herz und eine Seele!

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