Als der Gletscher ein Pass war Funde vom Schnidejoch in einer Ausstellung

1000 Jahre vor Ötzi waren in den Schweizer Alpen Menschen im Hochgebirge unterwegs. Dies belegen Waffen- und Kleiderfunde vom Schnidejoch (2756 m). Sie erlauben neue Rückschlüsse auf die Geschichte des Klimas in den Alpen. In Bern werden sie nun erstmals ausgestellt.

Die Ausstellung empfängt den Besucher mit alpinem Ambiente. Ein ­Panoramabild vom Schnidejoch mit Chilchligletscher und Wildhorn dominiert den Raum, aus dem Hintergrund pfeift leise der Bergwind. Mittendrin: «Schnidi», die Rekonstruktion eines Jägers aus dem dritten

Übergang versperrt

Dass die Funde vom Schnidejoch im Zentrum der

Zeitfenstern. Dazwischen liegen Jahrhunderte, aus denen es keinerlei Funde gibt.

Hafners Schlussfolgerung: «Es gab Zeiten, in denen das Schnidejoch ein viel begangener Pass war. Und es gab Zeiten, in denen es unpassierbar war.»

Die letzte solche Zeit ging erst im 20.

­jenen des Berner Geologen Christian Schlüchter zusammen. Dieser kommt aufgrund von Holz- und Torffunden zum Schluss, dass die Alpen in den letzten 10 000 Jahren immer wieder praktisch eisfrei waren («Die Alpen» 4/2014). Auch vor rund 5000 Jahren, als Schnidis Bogen unter dem Schnee verschwand. «Unsere Funde fallen grob in dieselben Zeiträume wie jene von Schlüchter», sagt Hafner.

Gleichzeitig wirft der Pfeilbogen aber auch neue Fragen auf. Wenn es in der Zwischenzeit mehrmals wärmer war, warum taute das Holz erst im Hitzesommer 2003 aus dem Eis? «Wir gehen davon aus, dass das Eis die ganze Zeit überdauert hat», sagt Hafner. Die Situation vor Ort sei aber schwierig zu beurteilen. «Das Eisfeld liegt in einer Mulde, in die im Winter oft sehr viel Schnee eingeblasen wird», sagt er. Die Verhältnisse in der schattigen Senke unterhalb des Passes müssten nicht unbedingt mit dem regionalen Klima übereinstimmen. Mit anderen Worten: Während der Chilchligletscher über die Jahrtausende immer wieder vorstiess und zurückschmolz, könnten Wind und Triebschnee am Fundort für stabile Verhältnisse gesorgt haben. Genaue­

Vieh weidete. Die ersten Bauern siedelten damals aber vor allem im klimatisch günstigen Wallis. Hafner vermutet, dass diese ihr Vieh im Sommer über hoch gelegene Passübergänge ins heutige Berner Oberland trieben. «Vielerorts ist das bis heute so geblieben», sagt Hafner. Bekanntestes Beispiel:

Ausstellung

Die Ausstellung «Die Pfahlbauer – am Wasser und über die Alpen» im Bernischen Historischen Museum ist offen bis am 26. Oktober 2014.

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