Als Grenzwächter im Wallis. Vielseitig aktiv an der frischen Luft

Als Grenzwächter im Wallis

Ambroise Vuigner, 51 Jahre alt, ist Grenzwächter – ein Bubentraum, den er sich vor mehr als 20 Jahren erfüllen konnte. Bergführer zu sein, seine zweite Leidenschaft, kommt ihm in seinem Berufsalltag in den westlichen Walliser Grenzalpen zugute.

Ambroise Vuigner ist seit jeher vom weiten Feld der Polizeiarbeit fasziniert, und so entscheidet er sich, 1980 die vierjährige Ausbildung zum Grenzwächter anzutreten. Nach deren Abschluss hofft er, für Patrouillen an der Walliser Grenze eingesetzt zu werden. Seine Bewerbung für den mobilen Posten von Martigny ist erfolgreich. Und so kann der seit 1978 bre-vetierte Bergführer mit seinem neuen Beruf zwei Passionen vereinigen: seine Liebe zu den Bergen und die Faszination der Grenzwacht.

Von Saint-Gingolph bis zur Tête Blanche Seine Aufgabe, wie die seiner elf Kollegen in Martigny und fünf weiterer Beamter in Orsières, besteht darin, die Landesgrenze von Saint-Gingolph am Ufer des Genfersees bis zum Gipfel der Tête Blanche zuhinterst im Val d' Hérens zu überwachen. Der Deutschschweizer Teil bis zum Nufenenpass wird von 16 weiteren Grenzwächtern übernommen, während für die Kontrolle der Strassenübergänge 70 Beamte zum Einsatz kommen.

Wie sieht der Arbeitsplan eines mobilen Grenzwächters aus? In der Regel verlassen Ambroise Vuigner und seine Kollegen ihre Basis in Martigny und begeben sich an einen Ort, der auf Grund der vorliegenden Informationen als kritisch eingestuft wird. Sie patrouillieren in der

Ambroise Vuigner in Champéry, im Hintergrund die Dents du Midi Sankt-Bernhard-Pass: Die Computerdatenbasis erlaubt eine schnelle und effiziente Arbeit.

Kontrolle auf dem Sankt-Bernhard-Pass im Juni 2004. Die Autos werden manchmal durchsucht – die Hilfe eines Hundes kann sich dabei als sehr wertvoll erweisen.

Fo to s:

St éph ane Ma ire DIE ALPEN 12/2004

Region, manchmal begleitet von Hunden, die für die Verteidigung, die Suche nach Drogen oder nach Lawinenverschütteten ausgebildet sind. Im Winter verbringen sie die meiste Zeit auf den markierten Skipisten von Portes du Soleil oberhalb von Champéry-Morgins.

Verdächtige Spuren und Schmuggler Wegen der Verbindungen zwischen den französischen und den schweizerischen Skiorten ist in Portes du Soleil vor allem der Drogenschmuggel intensiv. Deshalb nehmen hier die Grenzwachtbeamten häufig Kontrollen vor – meist in Zivil. Willkommene Hilfe leistet dabei der Helikopter, erlaubt er doch den Zugang zu abgelegenen Orten. Spuren von Schneetöffs in Grenznähe sind ein Anzeichen dafür, dass eine Route illegal für den Grenzübertritt verwendet worden ist, und sie geben den Patrouilleuren oft die wichtigen Hinweise. Ein mobiler Grenzwächter kann auch zu einem überraschenden Besuch an den Grenz-übergängen aufgeboten werden, vor allem nachts ausserhalb der Öffnungszeiten des Zollbüros. Obschon die Aufgabe der Grenzwächter vor allem darin besteht, gesuchte Personen zu kontrollieren, entgehen auch Bauten – Seilbahnen, Skilifte, Hochspannungsleitungen, Strassen usw. – ihrer Wachsamkeit nicht. Als Bergführer vermittelt Ambroise Vuigner ausserdem sein berufliches alpinistisches Wissen an seine Kollegen.

Auch nach den vielen Dienstjahren strahlt Ambroise Vuigner noch immer Enthusiasmus aus, obwohl er die schwierigen Aspekte seines Berufs nicht verhehlt: Neben den sehr unregelmässigen Arbeitszeiten, die das Familienleben erschweren, sind es die Gefahren und Risiken, denen ein Grenzwächter ausgesetzt ist, vor allem, wenn er verdächtige Personen zu kontrollieren hat. Aber die Vielfalt der Tätigkeiten, die Möglichkeit, sich in den Bergen zu bewegen, und die gute Stimmung innerhalb seines Teams sind für ihn Elemente, die seinen Beruf attraktiv machen und ihn voll befriedigen. Schliesslich gibt es noch die kleinen Ereignisse, die anekdotischen Begebenheiten, die sich im Lauf der Zeit ansammeln und die seinen Berufsalltag bereichern.

Schinken im Pistenfahrzeug versteckt Einige dieser Episoden sind amüsant: So erinnert sich Ambroise an einen deutschen Skifahrer in Morgins, der nach der Kontrolle durch die Grenzwacht sich grad selber als Grenzwächter ausgab und – einen gefälschten Ausweis vorzeigend – seinerseits Skifahrer zu kontrollieren begann. Ein anderes Mal entdecken sie bei einem Ausflug unter Kollegen auf Testa Grigia bei Zermatt einen Fahrer, der mit zwei Beinschinken aus seinem Pistenfahrzeug aussteigt. Der Mann will nicht glauben, dass er es mit Zöllnern zu tun hat, bis diese ihn den uniformierten Oberwalliser Kollegen übergeben. Aber es kommt auch vor, dass er als Grenzwächter Zeuge eigentlicher Tragödien wird, wie jener der fünf illegalen Flüchtlinge, die er völlig durchnässt mitten in einem Unwetter am Fuss des Col du Saint-Bernard aufgreift.

Doch immer strahlt Ambroise die Ruhe und Leidenschaft des Berggängers aus, ein Wesenselement, das bei ihm von den Härten der Bergwelt sowie von deren Schönheit und Faszination geprägt wird. Daraus ergibt sich eine tiefe, freudige Verbundenheit mit der Natur, die Grenzwächter Ambroise zu einer Art Inbegriff des Berglers macht. a

Stéphane Maire, Orsières ( ü ) Der Grenzwächter wird von vielen Besuchern auch als Auskunftsperson angegangen, um Informationen über das Skigebiet einzuholen.

Im weitläufigen Skigebiet von Portes du Soleil finden täglich nicht weniger als 10 000 Grenzübergänge zwischen der Schweiz und Frankreich statt.

DIE ALPEN 12/2004

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