Als «Versuchskaninchen» dabei (Schweizer Forschung Höhenlungenödem)

Die Capanna Margherita, 4559 m ü. M., war während drei Sommern auch Forschungsstation für Arbeiten rund um das bei Alpinisten gefürchtete Höhenlungenödem.

Tommy Dätwyler:

Als « Versuchskaninchen » dabei

Unter den Probanden auf der Capanna Margherita war auch der Autor des vorangehenden Beitrags, Tommy Dätwyler. Die ALPEN haben ihn nach seinen Erfahrungen rund um diese höhenmedizinischen Untersuchungen befragt.

ALPEN: Wie kamen Sie dazu, als Proband an diesen Versuchen auf der Capanna Margherita teilzunehmen?

Tommy Dätwyler: 1999 suchte Projektleiter Marco Maggiorini mit einem Inserat in den ALPEN Testpersonen für seine Studienreihe. Ich meldete mich aus persönlichem und journalistischem Interesse – und einem Kribbeln im Bauch! Das Auswahlverfahren ( Alter, Geschlecht und Krankengeschichte ) verlief positiv, ich wurde als Testperson ins Forschungsprogramm aufgenommen.

Welche Vorkehrungen mussten Sie für diese Teilnahme treffen?

Abgesehen von der eintägigen Vor-untersuchung im Zürcher Uni-Spital waren keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Um die Testergebnisse nicht zu verfremden, durften wir uns einzig kurz vor dem Aufstieg in die Capanna Margherita nicht in Höhen über 2500 m aufgehalten haben. Eine gute körperliche Konstitution und der Wille, im Interesse der Wissenschaft nicht nur angenehme Untersuchungen über sich ergehen zu lassen, genügten.

Wie muss man sich eine Versuchssequenz vorstellen?

Das Testprogramm war zweiteilig: Zuerst wurde in Zürich getestet, dann auf der Hütte, und zwar die genau gleichen Untersuchungen. Nur so konnten die gesammelten Daten vom Tiefland und von der Höhe ( über 4500 m ) miteinander verglichen werden. Neben der klinischen Untersuchung gab es ein spezielles Untersuchungsprogramm für Herz und Kreislauf mit Hilfe von Ultra-schall. Nuklearmedizinisch ( mit Mar-kierflüssigkeit im Blut und einem aufwändigen Kontrastmessverfahren ) wurde zudem die Durchlässigkeit der Lun-gengefässe getestet. Eine vor allem in der Höhe schmerzhafte Lungenspülung, zahlreiche Röntgenaufnahmen und weitere, mehrmalige Untersuchungen rundeten das mehrstündige Testprogramm ab. Was in Zürich noch als unangenehm empfunden wurde, erforderte in der Capanna Margherita eine gewisse Leidensbereitschaft. In der Hütte war dazu eine improvisierte medizinische Intensivstation eingerichtet. Die Probanden wurden von den anwesenden Ärzten laufend medizinisch überwacht. Sauer-stoffinhalationen linderten die grössten höhenbedingten Beschwerden. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war ich nach einem wetterbedingten Direktaufstieg von Alagna ( 1119 m ü. M. ) in die Margherita-Hütte an akuter Bergkrankheit erkrankt.

Hat sich diese Teilnahme auf Ihre alpinistische Tätigkeit ausgewirkt?

Nur bedingt. Dank der allgemeinen Ergebnisse, vor allem aber wegen der persönlichen Daten und Aussagen kenne ich meine körperliche Konstitution besser. So weiss ich auf Grund der im Mon-te-Rosa-Massiv erhobenen Daten, dass ich für das Höhenlungenödem nicht speziell anfällig bin. Hingegen entwickle ich beim schnellen Aufstieg in Höhen über 4000 Meter rasch Symptome der Bergkrankheit. Das ermöglicht eine individuell angepasste Planung von Hoch-touren. a

Margrit Sieber

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