André Roch – ein Leben als «Premier de cordée»

Nach der Ausbildung zum Ingenieur und zum Bergführer feierte der 1906 geborene Roch internationale Erfolge als Skifahrer und -trainer. Nach dieser « ersten Karriere » fühlte sich der Genfer zum Alpinismus hingezogen – und in dieser Sparte war er einer der Pioniere des 2O. Jahrhunderts, dem nicht nur in den Alpen, sondern auch im Ausland Erstbegehungen und -besteigungen gelangen. Dazu gehören auch seine Touren im indischen Garhwal-Himalaya (2).

« Vorsteiger » zeitlebens André Roch schmökert bei unserem Besuch gerade im Roman « Premier de cordée ». Der Blick geht von der Couch, wo der 94-Jährige im Wohnzimmer seines Hauses liegt, auf den Salève, das traditionsreiche Klettergebiet nahe bei Genf. An diesen Kalkklippen wurden Alpinisten wie Lambert und Roch gross. « Seilgefährten » heisst das erwähnte Buch von Roger Frison-Roche in der Übersetzung – doch eigentlich bedeutet sein Titel « Vorsteiger, Seilerster ».

Ein Vorsteiger war André Roch zeitlebens – als Bergführer, als glänzender Alpinist, dem weltweit 52 Erstbegehungen und -besteigungen gelangen, sowie als erfolgreicher Ingenieur, der während seiner 30-jährigen Tätigkeit beim Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung auch auf beruflicher Ebene über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde.

Ein Blick auf die Unternehmungen von Roch zeigt seine Rolle als Pionier: im Jahre 1934 Baltoro und Sia Kangri

1 Vgl. Beitrag über Ulrich Inderbinen ( ALPEN 12/2000 ) 2 Vgl. den Beitrag auf S. 34 dieses Heftes André Roch im Messezelt während der Schweizer Garhwal-Expedition 1947 in der Gangotri-Gruppe des indischen Garhwal-Himalaya.

DIE ALPEN 6/2001

( Pakistan ), beide mit Ski, beide über 7000 m; dann 1938 Mount Forel ( Grönland ); 1939 folgen mit Dunagiri und Ghori Parbat und 1947 mit Satopanth und Kedarnath Sechs- und Siebentausender in Indien. 1950 gelang ihm die Zweitbesteigung des Mount Logan ( 5959 m ), des höchsten Berges von Kanada. Am Dhaulagiri stieg Roch 1953 bis auf 7200 m. Und in den Alpen machte er Erstbegehungen wie Dent du Requin ( erste Winterbegehung 1926 ), Dent Blanche, Westwand ( 1944 ), Zinal Rothorn, direkte Ostwand ( 1945 ). Dazu finden sich in seinem Palmarès grosse Touren wie die dritte Begehung des Jungfrau-Ostgrates ( 1928 ), die zweite Begehung der Dent Blanche ( 1943 ), die siebte Begehung der Matterhorn-Nord-wand ( 1949 ).

Erinnerungen wie Sonnenstrahlen Im Gespräch mit André Roch brechen Erinnerungen wie Sonnenstrahlen durch den Nebel. Er erzählt von Alexander Graven, der sich 1947 bei der Erstbesteigung des Satopanth in Indien am ausgesetzten Grat Stufe um Stufe hochgearbeitet hat. Oder vom Tod einer seiner Töchter, die bei einer gemeinsamen Tour tragisch verunglückte.. " " .Vor zwei Jahren nahm Roch in einem berührenden Brief Abschied von seinen Freunden: « Ich denke immer noch an meine schönen Besteigungen, und abgesehen von ein paar Schwierigkeiten habe ich insgesamt viel Glück gehabt. Ich weiss nicht, wie viel ich noch zu leben habe, aber solange ich noch hier bin, freue ich mich daran, an die Freunde zu denken, die mich empfangen haben. » Umgeben ist André Roch von seinen Malereien, mit denen er die Berge auf Leinwand festhielt. Viele Bilder zeigen Landschaften im Himalaya, den Roch besonders liebte. 1952 gehörte er der Genfer Everest-Ex-pedition an, bei der Lambert und Sherpa Tenzing bis 300 Meter unter den Gipfel gelangten. Roch sagte bei der Rückkehr: « Der Everest ist nicht schwierig, er ist nur etwas zu hoch !» Typische Worte für einen, dessen Lebensschnur zielstrebig nach oben führte. a

Christine Kopp, Unterseen Ein Bild von André Roch von der Schweizer Garhwal-Expedition 1947: Die Sherpas rasten im Aufstieg zum Weissen Dom ( 6832 m ); im Hintergrund die wilde Bhagirathi-Gruppe. Der Satopanth ( 7075 m ) auf einem Bild von André Roch während der Schweizer Garhwal-Expedition 1947, bei der die Erstbesteigung dieses massigen Siebentausenders der Gan-gotri-Gruppe gelang Momentaufnahme während einer der Touren der Schweizer Garhwal-Expedition 1947: Annelies Lohner, Alfred Sutter, André Roch, René Dittert und Alexander Graven gelangen dabei nicht weniger als fünf grosse Erstbesteigungen in der Gangotri-Gruppe.

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