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Familienbergsteigen 7. bis 11. Juli 1997, Lidernenhütte Schon zum zweiten Mal wurde das von der SAC-Jugendkommis-sion vorbereitete Lager, bei dem sich Kinder und Eltern Grundlagen für richtiges und gefahrloses Verhalten beim Klettern aneignen, durchgeführt. Ausgangsbasis für die familiengerechte tägliche Exkursion in den Fels bildete die Lidernenhütte im Riemenstaldner Tal. Mit diesem Kurs wurde Kindern und Eltern ein spielerischer und gleichzeitig anspruchsvoller Zugang zum Alpinismus erschlossen.1 Dreieck Eltern - Bergführer - Kind Am letzten Abend erzählte Ursula Baumann beim traditionellen « Gut-nachtgschichtli » von einer Schar Zwerge, die im Riemenstaldner Tal ein munteres Leben führten. Ernst und Mut zeigten nicht nur die früheren Bewohner aus dem Märchen, sondern auch die zwölf Schulkinder im Durchschnittsalter von acht Jahren, die am liebsten schon vor Bezug der Zimmer den Klettergarten vor dem Hütteneingang erobert hätten.

Familienbergsteigen ist, wie dieser Kurs zeigte, mit ganz speziellen Gefühlen verbunden: Loslassen und Sichern. Die Nabelschnurzwischen Eltern und Kinder ist gelöst, gleichzeitig wird eine neue, intensive Form von Eltern-Kind-Bindung durch das Kletterseil geschaffen. Es ist wirklich ein besonderes Gefühl, den Nachwuchs vor oder hinter sich über einen schmalen Grat oder durch schroffen Fels zu führen und zu sichern. Aber wieviel Autonomie dürfen in einem solchen Lager die Kursleiter den Familien zugestehen? Wann sind Weisungen angebracht? Wer soll die Kinder zu verantwortlichem Klettern und Sichern hinführen, Eltern oder Leiter? Diese und ähnliche Fragen wurden unter der Leitung von Ruedi Meier in einfühlsamer Art aufgegriffen und beantwortet.

Eltern sichern Kind Zu rekapitulieren, was sich auf dem Gebiet der Sicherungstechniken verändert hat, tat auch den Erwachsenen gut, um ohne Angst abseits von vorgegebenen Wegen ins Klettergelände vorzudringen. Die Kursleiter bildeten aus den quirligen Anfängern in fünf Tagen eine Gruppe von Kindern, die die Grundbegriffe der Felstechnik, der Knotenkunde und der Selbstsicherung beherrschten und spontan anwendeten. Dank dem Umstand, dass sich ihre Sprösslinge in der Obhut ausgewiesener'Vgl .auch den Beitrag in den ALPEN 9/97 ( S. 52 ff. ) « Familienbergsteigen ( FaBe ) im SAC », in dem über den Verlauf des nachfolgenden dritten FaBe-Kurses vom 14. bis 18. Juli 1997 ( bzw. des zweiten Kurses im Jahr 1997 ) berichtet wird.

Ruedi Meier, der mit viel Einfühlungsvermögen und Geschick die beiden Famili-enbergsteigerlager 1997 in der Lidernenhütte leitete.

Fachleute befanden, konnten sich die Eltern auf ihre Aufgabe konzentrieren. Mit dieser optimalen Vorbereitung werden die Familien später losziehen und das Gelernte unter grösstmöglicher Sicherheit vertrauensvoll anwenden können. So bereitet Familienbergsteigen allen Freude: Bei den Jugendlichen ist es der Spass an der Bewegung und am Kraxeln, bei den Eltern die Genugtuung und der Stolz über die Kletterversuche ihrer Kinder.

Kinderklettern hat Kinderschuhe verlassen Die Diskussion über die Erfahrungen von Eltern und Leitern am letzten Abend zeigte, dass ausser dem strahlenden Wetter nichts dem Zufall überlassen worden war. Das Kurskader hatte aber schon während der täglichen Besprechungen viele Fragen aufgegriffen. Diskutiert wurde beispielsweise, ob Kinder leistungsorientierte Seilschaften bilden sollen oder die Zusammensetzung auch zufällig sein kann; ob das Begehen von exponierten Stellen als Mutprobe für die Kinder ( und Eltern ) aufzufassen ist und welchen didaktischen Wert es Jugend-Infos,Berichte,Aktivitäten hat. Aus den Antworten ging klar hervor, dass mit dem Kinder- und Fa-S milienbergsteigen des SAC ein ausge-^ reiftes Angebot zur Verfügung steht. = Nicht zuletzt liegt eine von Ruedi 5 Meier verfasste Anleitung zum Fami-„ lienbergsteigen2 vor, gewissermassen ö das Buch zum Kurs.

Höhepunkt des Kurses war das Abseilen über drei Seillängen amSchmal-stöckli, dem markanten Felsaufbau unweit der Hütte. Bei der Erkundung des Aufstiegs und dem probeweisen Abseilen am Vortag und bei der Vorstellung, dass sich auch die Jüngsten eine senkrechte Wand hinunterlassen würden, machte sich vor allem bei den Erwachsenen ein etwas flaues Gefühl in der Magengegend breit. Zum Glück wagen sich die Kinder und Jugendlichen in einer Gruppe spontan und unkompliziert an Neues heran, lassen sich in die Tiefe gleiten und drängen gleich auf Wiederholung.

Familienromantik Die einzelnen Familien wuchsen schliesslich zu einer eigentlichen Grossfamilie zusammen. Dazu trugen Spiele und Präsentationen vor einer grandiosen Kulisse bei: Blüemberg und Kaiserstock auf der einen. Urner See und Mittelland auf der anderen Seite. Und wenn Hampi Schoop jodelnd und barfuss mit der Bauch-bremse den Hausfelsen hinunterju-belte, stieg die Begeisterung quer durch die Generationen auf den Höhepunkt.

Nachwirkungen Die Arbeit mit Kindern ist für einen routinierten Bergführer ungewohnt. Trotzdem spürte man bei allen Leitern Freude über diese ungewohnte Beschäftigung, was nicht ohne Wirkung auf gross und klein blieb. Ob für die siebenjährige Anna oder den zwölfjährigen Michael, für alle Kinder wurde eine Grundlage geschaffen, mit der in Zukunft die Bergwelt auf besondere Art erlebt werden kann, die aber auch den Nachwuchs für den SAC sichert. Die Sektionen sollten ihre Jugendorganisationen vielleicht um eine Kinder-sektion erweitern!

Peter Engelhardt, St. Gallen

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