Anmerkungen

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Methoden zur Rekonstruktion von Gletscherschwankungen 1 Der Massenhaushalt von Gletschern setzt sich zusammen aus Akkumulation ( Einnahmen ) und Ablation ( Ausgaben ). Als Akkumulation werden alle Vorgänge gewertet, die dem Gletscher Material zuführen ( Schneefall, Lawinenablagerungen, Treibschneesedimentation, Reifbildung, Wiedergefrieren von Schmelzwasser ). Unter Ablation versteht man alle Prozesse, durch die Eis- und Schneeverlust an Gletschern eintritt ( Schmelzen mit Abfluss, Verdunstung, Winddrift ). Die Akkumulation geht stets positiv, die Ablation negativ in die Haushaltsrechnung ein ( aus: Willhelm 1975: 197 ).

Man unterscheidet Jahre mit positiver und Jahre mit negativer Massenbilanz. Für das Verhalten des Gletschers ist nicht so sehr das Einzeljahr als vielmehr eine Folge von gletschergünstigen ( positive Massenbilanz über mehrere Jahre, Gletschervorstoss ) bzw.ungünstigen Jahren ( negative Massenbilanz über mehrere Jahre, Gletscherschwund ) bedeutend. Die Reaktionszeit eines Gletschers auf veränderte klimatische Bedingungen hängt in hohem Masse von seiner Grösse und dem Relief ab. Kleinere Gletscher reagieren schnell, grössere entsprechend langsamer.

2 Über Landeskarten s. Imhof 1927 und ( Unsere Landeskarten ) ( Verlag des SAC 1979 ). Was Reliefs betrifft, s. Gygax 1937, Kreisel 1947 und Imhof 1946, 1974, 1981.

3 Im Zusammenhang mit alten, überschütteten Böden und Hölzern aus dem Gletschervorfeld wird der Zusatz « fossil » verwendet. Es handelt sich bei den Hölzern aber keinesfalls um Fossilien im Sinne von Versteinerungen.

4 Das wahre Alter einer 14C-Probe liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,7% innerhalb des angegebenen Feh-lerbereichs. Verdoppelt man den Fehler, so steigt die Wahrscheinlichkeit auf 95,5%. Zum Beispiel bedeutet ein 14C-Datum von 62080 yBP, dass die Probe mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,7% zwischen 540 und 700 Jahre und mit einer solchen von 95,5% zwischen 460 und 780 Jahre alt ist.

Um eine Radiokarbondatierung vornehmen zu können, wird mindestens 20 g getrocknetes Holz benötigt. Bei Bodenproben sind je nach organischem Kohlenstoffgehalt ein bis mehrere Kilogramm erforderlich. Heute besteht allerdings die Möglichkeit, auch kleinste Mengen organischer Reste ( Milligramm-Bereich ) mit dem AMS-Tandem-Beschleuniger an der ETH-Zürich ( Leiter: Prof. Dr. W. Wölfli ) zu datieren.

Man spricht von konventionellen Daten, wenn sie nach der Halbwertszeit ( hwz, Zerfallsgeschwindigkeit des 14C-Atoms ) von Libby ( 5568 Jahre ) berechnet wurden. Für die hwz liegen heute genauere Schätzungen vor, und oft werden Radiokarbondaten mit der neuen hwz ( 573040 Jahre ) korrigiert, was aber ausdrücklich erwähnt werden muss. Bei den in diesem Buch vorliegenden Daten handelt es sich ausschliesslich um konventionelle 14C-Daten ( weiterführende Literatur: Geyh 1971, 1980, 1986 ). Bei der Entwicklung der Radiokarbonmethode ging man von einem konstanten Gehalt an radioaktivem Kohlenstoff ( 14C ) in der Atmosphäre aus. Dies ist jedoch nicht der Fall; der l4C-Gehalt der Atmosphäre war und ist Schwankungen unterworfen. Es existieren daher sogenannte Korrekturkur-ven, mit denen die Radiokarbondaten korrigiert werden können. Sie entstanden mit Hilfe der Dendrochronologie ( s. Suess 1969; Radiocarbon 1986 ).

5 In der Dendrochronologie werden die Jahrringbreiten, die je nach Witterungsverlauf schmal oder breit ausfallen können, gemessen und zu Jahrringkurven verbunden. Weisen Kurven verschiedener Bäume über weite Strecken eine grosse Ähnlichkeit auf ( hohe Gleichläufigkeit ), dann sind die Bäume im selben Zeitraum gewachsen. Ist von einer dieser Kurven bekannt, wann die Jahrringe gebildet wurden ( in Kalenderjahren ), so lassen sich auch die altersmässig noch nicht bestimmten Kurven zeitlich einordnen. Mit Hilfe von absoluten Chronologien, die aus datierten und sich überlappenden Einzelbaumkurven bestehen ( ( endloser Baum> ), lassen sich fossile Bäume jahrgenau datieren, vorausgesetzt, sie stammen aus dem gleichen Zeitraum. Weiterführende Literatur s. Schweingruber 1983.

Neben dem Messen der Jahrringbreite für Datierungs-zwecke wird heute auch die Jahrringdichte ( in g/cm3 ) mit röntgentechnischen Mitteln erfasst ( Radiodensitometrie ). Ein Jahrring setzt sich aus weitlumigen Frühholz- und eng-lumigen Spätholzzellen zusammen. Das Spätholz wird zur Hauptsache in den Sommermonaten August/September gebildet. Die maximale Spätholzdichte steht in enger Beziehung mit den entsprechenden Sommertemperaturen. Spätholzdichtekurven aus vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden können somit klimageschichtlich ausgewertet werden ( Dendroklimatologie s. Schweingruber et al. 1978; Bircher 1982; Renner 1982 ).

6 Unter einem Gletscherstand'(oder Stand ) versteht man einen Gletschervorstoss oder einen längeren Gletscherhalt mit Moränenbildung. Gletscherhochstand ( oder Hochstand ) bezieht sich auf einen Gletscherstand in der Grössenordnung von 1850. Als Gletscherausdehnung ( oder Ausdehnung ) wird der momentane Umriss eines Gletschers, ohne Moränenbildung, verstanden ( Furrer et al. 1978: 77 ). Werden Gletscherschwankungen nur im Ufer-moränenbereich erfasst ( bei fehlenden Endmoränen ), so sind diese Begriffe nicht immer sinnvoll und müssen etwas freier gehandhabt werden ( Röthlisberger F. 1986:

14-15 ).

Unter Neuzeitwird der Zeitraum ab 1500 n.Chr.

verstanden.

7 Der Beginn der Kleinen Eiszeit ist nicht genau festgelegt: Die verschiedenen in der Literatur anzutreffenden Angaben können insofern auf einen einheitlichen Nenner gebracht werden, als dass alle Zeitmarken sich im Bereich des Spätmittelalters bewegen.

Die folgende Tabelle gibt diesbezüglich eine Übersicht:

Autor Beginn/Dauer der Kleinen Eiszeit Steensberg ( 1951:672-674 ) Gribbin and Lamb ( 1978: 70 ) Lamb ( 1981: 302 ) Lamb ( 1982: 202 ) Pfister inZUMBÜHLet al.

( 1983:8 ) Holzhauser ( 1983:131; 1984a ) Autor Lamb ( 1982: 204 ) Pfister ( 1984, 1:127 ) Nach Lamb ( 1977: 435 ) ist der Klimaverschlechterung um 1300 eine 100-200 Jahre dauernde günstige Klimaphase vorangegangen, das sog. ( Little Optimum ) von 1150 bis 1300.

Die oben erwähnten Angaben gelten jedoch nur für westeuropäische Verhältnisse, denn nach Dansgaard et al. ( 1975: 26 ) war die mittelalterliche Warmphase ( ( Little Optimum ) nach Lamb ) in Island 100-150, in Grönland gar 250-300 Jahre früher zu Ende, und entsprechend früher zeichnet sich eine Kaltphase, vergleichbar mit der Kleinen Eiszeit, von 1150 bis 1400 ab. Aufgrund ihrer Ergebnisse kommen Dansgaard et al. ( 1975: 26 ) zu dem Schluss, dass zumindest in den letzten tausend Jahren langfristige Klimaschwankungen in Westeuropa rund 250 Jahre später eingesetzt haben als in Grönland.

s Siehe Welten ( 1978: 10, 11 ), Frenzel ( 1980: 51 ), Hantke ( 1978-1983 ) und Maisch ( 1981, 1982 ).

9 Siehe Matthes ( 1939: 520 ): ( ...we are living in an epoch of renewed but moderate glaciation - a'little ice-age ', that already has lasted about 4000 years. ) Später weist Matthes ( 1940: 398 ) darauf hin, dass der Begriff ( little ice-age> im Grunde genommen durch einen Journalisten zum Schlagwort geworden ist ( ( ...that the present age is witnessing a mild recrudescence of glacial conditions - that it is, as a clever journalist has suggested, a separate'little ice-age ' .) )

10 Siehe Matthes ( 1939: 520; 1940: 403; 1945: 1181; 1949:207 ).

Heute trifft man im amerikanischen Sprachraum auf die Bezeichnung ( Neoglacial ). Häufig wird der Zeitraum des ( Neoglacials ) äquivalent mit dem ( little ice-age ) von Matthes verwendet ( die letzten rund 4000-5000 Jahre umfassend, s. Porter and Denton 1967 ). Röthlisberger F. ( 1986: 14 ) setzt den Beginn des ( Neoglacials ) auf 3500 Jahre vor heute fest.

11 Schon Le Roy Ladurie ( 1967: 211 ) schrieb von einer ( distorsioni dieses Begriffes und schlug vor, die letzte grosse Vorstossphase ( phase multiséculaire ultime de crue des glaciers ) oder, in Anlehnung an Kinzl ( 1929: 103 ), kurz ( Fernau ) zu nennen. Kinzl bezeichnet die Hochstandsmoränen des 17. Jahrhunderts nach der Typlokalität am Femau-gletscher ( Stubai, Österreich ) als sogenannte ( Fernau-moränem. Auch Patzelt ( 1980: 16 ) bemerkt: ( Die Bezeichnung einer'Kleinen Eiszeit'für diese Periode, wie sie in der englischen Literatur üblich ist und vielfach übernommen wurde, ist in keiner Weise gerechtfertigt. ) Pfister ( 1984, 1: 149 ) erachtet es als angebracht, die ge-samtalpin nachweisbaren Vorstösse am Ende des 16. Jahrhunderts und um 1820 nach Typlokalitäten zu benennen. Er schlägt vor, in Anbetracht des hervorragenden Datenmaterials, welches für die beiden Grindelwaldgletscher aus dem 16. Jahrhundert zur Verfügung steht, den Zeitraum 1570-1630 als ( Grindelwald-Schwankung> zu bezeichnen.

Klimawende um 1300 1430-1850 frühe Phase: 1300-1450 ( 1190 ?) 1420-1850/1900 Spätmittelalter bis 1860 letzte Hälfte des 13. Jh. bis 1850/60 Kernstück der Kleinen Eiszeit 1570-1600 1690-1740 1688-1701 Aletschgletscher 1 Aellen und RÖthlisberger H. ( 1981 ) in: 50 Jahre Hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch. Herausgegeben durch den Wirtschaftsdienst der Kantonalbank von Bern. Fliessgeschwindigkeiten auf dem Grossen Aletschgletscher ( Jahresdurchschnittswerte):m ü.M. m/Jahr Jungfraufirn E Sphinx 350025- 30 Jungfraufirn S Joch 335035- 40 Jungfraufirn ob Konkordiaplatz 2900 100-120 Grosser Aletschgletscher bei Konkordiahütte 2710 185-195 Grosser Aletschgletscher 0,5 km unterhalb ( Max. ) 2675 195-205 Grosser Aletschgletscher bei Märjelen 2410 136-144 Grosser Aletschgletscher beim Aletschwald177074- 86 2 Der Oberaletschgletscher ( früher auch Jägigletscher genannt; Siegfriedkarte, Blatt 493, 1882 ) wies während eines Hochstandes zwei Gletscherzungen auf: Die linke Zunge zwängte sich durch die enge Oberaletschschlucht und vereinigte sich beim Tälli mit dem Eis des Grossen Aletschgletschers. Die rechte Gletscherzunge floss über den Felsriegel der Obfliejeregga und reichte nahe an die Hütten im Üsseren Aletschji ( Oberaletsch ) heran; sie war bedeutend weniger mächtig, dafür breiter als die Zunge in der Schlucht und schmolz deshalb nach dem Hochstand schnell ab. Auf dem Panorama von Chr.Gugolz ( AL 34 ), das im Zeitraum nach 1865 ( s. AL 32 und AL 33 ), aber vor 1880 aufgenommen wurde ( vermutlich um 1870 ), reicht die rechte Zunge des Oberaletschgletschers noch weit gegen das Üssere Aletschji hinunter, hat aber bereits an Breite, Länge und besonders an Mächtigkeit stark eingebüsst. Zwischen 1870 und 1880 ist dann ein Grossteil der rechten Gletscherzunge abgeschmolzen. Auf der Siegfriedkarte aus dem Jahre 1882 ( Blatt 493, Gletscherausdehnung 1880/81, AL 37 ) ist sie weitgehend zurückgebildet und vermag nur noch den oberen Teil des Felsriegels der Obfliejeregga zu bedecken. Forel ( 1881: 38/39 ) schreibt: ( Glacier d' Aletsch supérieur ( Jäggi-Gletscher ). En retraite depuis 1870 ( A. Minnig ). La branche de droite ne vient plus jusqu' au grand glacier d' Aletsch; la branche de gauche s' arrête au haut de la paroi de rochers ( F.A. Forel 1880 ). ) ( Forel bezeichnet die orographisch rechte Zunge als linke Gletscherzunge und umgekehrt ).

3 Für Märjelen trifft man in den alten Schriftquellen die Bezeichnung ( 1351; L' Abbé Gremaud 1884, Tome V:11 ) und

Die Voraussetzung für die Bildung des Märjelensees war erst im ausklingenden Spätglazial gegeben, als das die Mulde von Märjela ausfüllende Aletschgletschereis allmählich abschmolz. Während des Postglazials stieg und sank der Wasserspiegel mit dem Anwachsen bzw. Abschmelzen des Grossen Aletschgletschers: Bei Gletscherhochstand reichte das Wasser nahe an die Alphütten von Märjela heran, der See war dann etwa 1,6 km lang, bis zu 500 m breit und bis zu 77,3 m tief ( LÜTSCHG 1915: 19, 67 ). Eine geringe Gletscherausdehnung bewirkt ein Absinken des Wasserspiegels; der Märjelensee wird dadurch von einer Geländeschwelle in zwei Becken geteilt, und man unterscheidet dann zwei Seen: den grösseren und tieferen am Gletscherrand, den ( Gletscher- oder Hintersee ), sowie den flacheren, weiter gegen die Hütten der Märjelenalp gelegenen ( Briw 1961: 38 ). Während eines Gletscherhochstandes schwappte das Wasser häufig über in das benachbarte Fieschertal - insbesondere nach starken Regenfällen und während der Schneeschmelze - und richtete teilweise erheblichen Schaden an. Aus diesem Grunde wurde im August 1828 unter der Leitung von I. Venetz ein kleiner Kanal gegraben, der die in den Märjelensee fliessenden Wildbäche aus dem Gebiet des Strahlhorns in das Fieschertal ablenkte. Gegen einen geplanten grösseren Kanal am natürlichen Überfluss bei den Hütten von Märjela, der den See direkt um 3,6 m absenken sollte, erhoben die Fieschertaler zuerst Einspruch, weil sie dadurch noch grösseren Schaden befürchteten. Erst als die Regierung sich anerbot, für allfällige Schäden aufzukommen, wurde 1829 der grössere Kanal gebaut ( s. dazu LÜTSCHG 1915:211-239 ). Der Märjelensee hatte weiter die unangenehme Eigenschaft, sich in kurzer Zeit zu entleeren: Durch eine schnell sich öffnende Grundspalte des Grossen Aletschgletschers flössen bei einem solchen Ausbruch nahezu 10 Millionen m3 Wasser mit lautem Getöse unter dem Gletscher hindurch und richteten bei Naters und in der Rhoneebene verheerende Überschwemmungen an. So stieg beim Ausbruch von 1892 die Rhone bei Brig um 2 m, bei Sitten um 1,5 m an ( Briw 1961: 39 ). Über die Dauer solcher See-Ent-leerungen weiss man beispielsweise folgendes: 1878 dauerte ein Ausbruch 30Y2 Stunden und 1887 etwa 10 Stunden ( LÜTSCHG 1915: 69/70 ). Den Hirten der Märjelenalp oblag die Aufgabe, nach Naters zu eilen und die Bevölkerung zu warnen, sobald sie einen bevorstehenden Ausbruch bemerkten. Derjenige, der die Nachricht zuerst überbrachte, erhielt als Lohn ein paar neue Schuhe ( G. Studer, zit. in E. Desor 1847: 161 ). Die erste beglaubigte Nachricht über eine See-Entleerung datiert von 1813 ( Gösset 1888: 350; s. auch Zusammenstellung bei LÜTSCHG 1915: 66-73 ). Aber schon im 18. Jahrhundert brach der Märjelensee manchmal aus, wie aus einer Textstelle bei Grüner hervorgeht ( 1760, Bd.l: 199; s. auch Anm.6 ).

Diese Wasserausbrüche wurden in einer der ältesten Sagen des Wallis mit dem gleichgesetzt, einem ( Bozen ) in Gestalt eines Bockes mit grossen Hörnern und einem mit Eisschollen behangenen Leib. Sein Aufenthaltsort war der Grosse Aletschgletscher ( Guntern 1979: 655/656, Nr. 1714 ).

Zwischen 1889 und 1894 wurde ein 583 m langer Stollen gegen das Fieschertal hin gebaut, der den Märjelensee endgültig ( entschärfen ) sollte ( LÜTSCHG 1915: 223-239 ). Dieser unterirdische Abflusskanal kam aber nur einmal zum Einsatz, nämlich im Jahre 1896; während sechs Wochen floss damals Wasser durch den Stollen ab. Seither hat der Seespiegel die Sohle des Tunneleingangs nicht mehr erreicht.

( Nähere Angaben zum Märjelensee bei Gösset 1888: 340-354; BONAPARTE 1889; C00LIDGE 1914: 94-102. Eine ausführliche Monographie verfasste LÜTSCHG 1915. Bilddokumente: AL 13.1, AL 13.2*, AL 15 ", AL 20, AL 21, AL 26, AL 27, AL 28.1, AL 28.2, AL 29.1, AL 29.2 ).

4 Das Üssere Aletschji wird in einem Dokument aus dem Jahre 1231 opud Alech ) genannt ( L' Abbé Gremaud 1875, Tome I: 293 ). In einem späteren Schriftstück aus dem Archiv der Gemeinde Naters ( D 25, 9. Oktober 1429 ) taucht die Bezeichnung ( Inferiori Aletz> für das Innere Aletschji auf.

5 Dokument C10 vom 31. Mai 1684, Archiv Bitsch. Es handelt sich um das Urteil, das nach dem ersten Prozess im Streit um die Meder ( s. S. 148-150 ) verfasst wurde und in dem die genauen Gemeindegrenzen beschrieben sind. Dort heisst es unter anderem: ( die Massa ab dem Aletz-gletscher ab aquilone, ...>.

6 Stumpf schreibt beispielsweise 1547 ( S.343b-344 ) bezüglich Abfluss des Grossen Aletschgletschers, der Massa:

( Dise Massa entspringt gegen Mittnacht, gegen den Brienzersee herüber in dem hohen gebirg, laufft aus einem Glettscher... ) Bei Grüner ( 1760, Bd.l: 198/99 ) steht: Der Grosse Aletschgletscher ist von Brig aus, auch während eines Hochstandes, nicht sichtbar. Grüner sah vermutlich, von einem oberhalb Brig bezogenen Standort aus, das Eis des Oberaletsch- und des Driestgletschers sowie des Unnerbächgletschers nordwestlich der Belalp.

7 Der handschriftliche, lateinische Text befindet sich in: Historia Collegii Societatis Jesu Brigae in Vallesia ab Adventu co. Sociorum usque ad Annum 1700 ( Staatsarchiv Sitten, vs; AV L 149: 15 ). Eine deutsche Übersetzung stammt von Hw. Domherr D. Imesch in Sitten ( LÜTSCHG 1926: 387 ):

( Unter den verschiedenen Exkursionen, die gemacht worden, ist besonders jene hervorzuheben, welche veranlasst wurde durch einen gewissen Berg an den Grenzen der Naterser, der sich im Verlaufe vieler Jahre aus zusammenge-wachsenem und aufgehäuftem Eis gebildet hatte. Er hatte eine ausserordentliche Höhe erreicht, mass in der Länge sechs Stunden und bedrohte bereits die benachbarten Weiden der Naterser. Um diesem Verhängnis zu entrinnen, sandten die von Naters Boten nach Siders ( wo die Jesuiten eine Niederlassung hatten ), begehrten hilfreiche Ratschläge, bereit durch Busse und andere gute Werke der christlichen Religion den göttlichen Zorn zu besänftigen. Es wurde der Tag festgestellt, an dem die Väter ( P. Dan. Charpentier und P. Petrus Thomas ) nach Naters kommen sollten. Zur bestimmten Zeit treffen zwei unserer Patres daselbst ein. Nach siebentägiger fruchtbringender Arbeit auf diesem Ackerfelde ( Predigt usw. ) wird ein Bittgang nach dem Eisberge, der vier Stunden entfernt ist, veranstaltet. [...] Und diese Zuversicht auf die Verdienste des Heiligen blieb nicht ohne Frucht. Er hat den Gletscher zum Stehen gebracht, so dass er von nun an sich nicht weiter ausdehnte. Im Monat September 1653. ) 8 Aus dem Wallis sind verschiedene Gletscherbannun-gen bekannt; eine genaue Beschreibung über den Ablauf einer solchen Prozession ist aber nur vom Grossen Aletschgletscher überliefert.

Beispielsweise stiess der benachbarte Fieschergletscher ein Jahr früher, nämlich 1652, bedrohlich vor. Kenntnis von der aus diesem Grunde durchgeführten Gletscherbe-schwörung durch den Erner Pfarrer Michael Feliser haben wir nur dank einer kurzen Eintragung in der Michel-ChrO-nik ( S. 19, Pfarrarchiv Ernen ).

Gletscherbannungen im Wallis sind weiter am Ried- und am Gornergletscher um die Mitte des 19. Jahrhunderts -während der Vorstossphase von 1850 - durchgeführt worden ( TSCHEINEN 1863: 202-205; Tscheinen 1872: 78, Nr.76; Biffiger und Walter 1973: 1-9; Holzhauser 1982:118-120 ).

9 Gerichtsakten von 1684, 1754/55 und 1855/56: Pfarrarchiv Naters: C16 18. Januar 1684 C108. Februar 1684 C17 13. April 1684 C10 31. Mai 1684 C16 27. September 1855 10.Januar 1856 22. März 1856 Pfarrarchiv Mörel: C 31 21.27. November 1754 C32Januar 1755 C334. Februar 1755 C34 12. April 1755 C35 21. April 1755 Plan siehe Katalog ( AL 02.1 und AL 02.2* S. 148/149 ).

10 Auf dem Plan sind ferner Wasserleitungen ( blau ) und Wege ( hellbraun ) deutlich erkennbar. Zwei Wasserfuhren ziehen unterhalb der Nessel durch bis zur Winterna, wo sie zusammenfliessen und als gemeinsame Wasserleitung Richtung Rhonetal nach Oberried führen. Sie sind unter dem Namen ( Oberrieden ) bekannt und im Plan auch als solche gekennzeichnet. Im Zusammenhang mit geländearchäologischen Spuren wird später von dieser Leitung noch die Rede sein ( s. S. 155-159 ). Ein weiterer ( Aquae Ductus ) wird in der Nähe der ( Brugget ( Gibidumbrücke ) von der Massa gespeist. Bis zur Fertigstellung des Riederhornstol-lens im Jahre 1946 floss Wässerwasser in dieser Leitung, der Riederi, auf die Wiesen von Ried-Mörel ( Seiler in: Bür cher-Cathrein 1977: 131-148 ).

" Lütschg ( 1915: 209 ) schreibt:

( Der ehemalige Alpweg von Naters nach Aletsch führte die Hirten mit ihrem Vieh über die Gebidembrücke und dem linken Massaufer entlang bis zum sogenannten'Kohlplatz ', ( 740 m aufwärts der Gebidembrücke ). Von dieser Stelle aus folgte man dem Gletscher bis nach der Alp Aletsch .) und weiter:

( Anno 1875 kam der Gletscher noch bis zum'Kohlplatz ', hernach ging er kontinuierlich zurück. 1886 wurde das Vieh zum letzten Male über den Gletscher geführt. ) Um das Vieh weiterhin ins Üssere Aletschji treiben zu können, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein neuer Weg vom Hotel Belalp aus zum Gletscher hin angelegt; der heutige Wanderweg von der Belalp zur Riederfurka folgt diesem ein kurzes Stück.

12 Im Anschluss an das Gerichtsurteil nach dem Prozess 1754/55 wurde schriftlich festgehalten, dass die Märchen ( auf dem Ort selbst angezeigt und determiniert werden> ( C 35, 21. April 1755, Gemeinde Naters ). Während des Prozesses von 1855/56 wird Bezug auf diese Märchen genommen: 27. September 1855 ( C 16, Gemeinde Naters ):

( 1. Die im Akte oder Urteil vom 12. April 1755 als Ausgangspunkt angenommene Mark vom Hohstock oder Wandstock finde sich wirklich an der im natischerseits vorgelegten Plane oder Abrisse als Wand- oder Hohstock bezeichneten Stelle vor und sei von den Parteien beidseitig anerkannt. ) Unter Punkt 7 im gleichen Dokument steht:

( Dass am obersten Fuss der im Abrisse [Plan; eigene An-merkung] als Tapfernacken angezeichneten Felse die Jahreszahl 1756 eingeschnitten ist ungefähr in der gleichen Entfernung von der Oberriederi als die Mark ob den Mädern. ) Dass das Gericht die 1755 und 1756 in den Felsen geschlagenen Märchen im Gelände aufgesucht hat, geht aus einem anderen Schriftstück hervor ( C 16, 10. Januar 1856, Gemeinde Naters ):

( Am oberen Fuss des auf dem Plan bezeichneten Tapfer-nackens steht wirklich die gleiche Jahreszahl wie auf der Mark ob den Medern, und zwar in einer nicht viel grösseren Entfernung von der Oberriederi, als jene ob den Medern, nur ist die Ziffer'7'umgekehrt /: 1V56:/ und steht kein Kreuz in der Mitte. ) 13 Über Leben und Werk von J. E. Müller siehe Imhof ( 1981 ): Bildhauer der Berge, in: Die Alpen, Zeitschrift des Schweizer Alpen-Clubs, 57. Jahrgang, 3. Quartal ( Sonderheft ).

Auf dem Relief von J. E. Müller ( AL 09, fertiggestellt 1819; DUFNER 1980: 36-40 ), das er aufgrund seiner zwischen 1791/92 und 1812 ( 7 ?) entstandenen Skizzen modellierte ( Ausschnitt Aletschgebiet ), Stirnen die Gletscher im Hochstandsbereich. Da aber E. Müller noch 1817 skizzierte ( AL 08 ), widerspiegelt das Relief nicht unbedingt die Gletscherausdehnung Ende des 18. Jahrhunderts. Erstaunlicherweise gelangt beim Oberaletschgletscher nur die orographisch rechte Zunge zur Darstellung, obwohl J. E. Müller ihn auf seinen Skizzen zweilappig enden lässt. Eine weitere Ungenauigkeit ist der Verlauf des Seebaches: Dieser fliesst von der Märjelenalp in das Vorfeld des Fieschergletschers und vereinigt sich dort mit dem Glingulwasser. Der Seebach fliesst aber im Relief von J. E. Müller weiter talauswärts direkt in das Wysswasser.

14 Koordinaten der Holzkreuze:

Kreuz auf der Baself lie: 643.450/137.950; 1785 m ü. M. Kreuz auf der Obfliejeregga: 644.020/138.770; 2010 m ü. M. Die Jahreszahl des Kreuzes auf der Baselflie ist durch ein modernes, aufgeschraubtes Kreuz verdeckt. Diejenige am Kreuz der Obfliejeregga ist teilweise nur undeutlich erkennbar.

15 Der Fieschergletscher schmolz nach dem Hochstand von 1820 etwa 300-350 m zurück ( Holzhauser 1984a: 345, 364-367 ). E. DESOR ( 1847: 163 ) beobachtete an diesem Gletscher 1839 folgendes:

16 E. Collomb ( 1849a: 34-36/1849b: 7-9 ) schreibt über den Grossen Aletschgletscher folgendes:

Quant à l' âge de ces sapins, il peut être évalué au minimum à 200 ans, ils sont forts, puissants, robustes, et l'on sait combien dans ces hautes régions, à la limite de la végétation arborescente, les sapins restent de longues années avant d' arriver à un fort diamètre. Il y a donc au minimum 200 ans que ce glacier n' a pas atteint la lisière de la forêt qu' il ravage aujourd'hui.

Si, de la rive gauche, nous passons sur la rive droite, nous trouvons encore des preuves de son gonflement séculaire. Sur une anse latérale située un peu en aval de l' affluent d' Unter, existent encore aujourd'hui de riches pâturages, dont les habitants du pays tiraient grand parti autrefois. Pour arriver à cette localité, le chemin longeait le pied de la montagne en laissant le glacier à distance, aujourd'hui la moraine latérale de droite a détruit le chemin et envahi le pied de la montagne, le passage est devenu impraticable. Cependant, comme on n' a pas voulu renoncer entièrement à ces beaux pâturages, on y envoie encore aujourd'hui des chevaux et des mulets, en leur traçant avec la hache un chemin sur le glacier même, mais ce moyen de communication n' est pas praticable pour les vaches.

A quelques kilomètres en aval sur la même rive, il y a une autre anse latérale également riche en pâturages, et sur laquelle on remarque 24 maisons en bois disséminées à distance, autrefois ces maisons étaient habitées, leur ensemble formait un village qui portait le nom d' Aletsch. Depuis quelques années plusieurs de ces maisons ont été détruites par le gonflement latéral du glacier, elles ne servent plus d' habitations permanentes, elles sont transformées en granges, quelques-unes seulement sont encore habitées pendant quelques mois de l' année. Au moment où nous explorâmes les lieux, une de ces maisons n' allait pas tarder à être engloutie par les pierres et les blocs énormes qui se détachaient de temps en temps de la moraine, et qui avaient en partie entamé le frêle édifice. [...]> 17 Die Bildunterschriften von H. Hogard ( 1858: 316, 319 ) lauten:

AL 16 ( S. 316, PI.20/F. 1 ): ( Envahissement du glacier d' Aletsch à sa pente terminale. En 1849 il continuait à couper la chaussée, dite le chemin des Maures, et à s' avancer vers un groupe de sapins qu' il a renversés depuis cette époque. ) AL 17 ( S. 319, PI. 31 ): ( Empiétement du glacier d' Aletsch, sur la forêt peuplée de vieux sapins ( rive droite de la vallée ), près de sa pente terminale. ) AL 18 ( S.319, PI.30 ): ( Envahissement par le glacier d' Aletsch du village situé sur les flancs de Bellalp, rive droite de la vallée. ) 18 Akten betreffend Holzschlag im Aletschwald, Kantonsarchiv Sitten vs:

dtp 47 ( Mörel ) 4. Mai 1851 22. August 1851 17. August 1852 7. Januar 1853 10. Januar 1853 19. Januar 1853 Siehe dazu: MEYER ( 1955: 603-622 ).

:'S Forel ( 1881: 38 ): ( Grand Glacier d' Aletsch. En retraite depuis 1873 ( M. E. Cathrein ), depuis 1870 ( A. Im Hasli, de Fiesch et A. Minnig, de Goppisberg ), depuis 1860 ( J. Tyndall, à Bell-Alp ). ) Forel ( 1882: 139 ): ( Glacier d' Aletsch: Etait en progression en 1826 ( Venetz ), en 1841 ( Escher de la Linth ), de 1853 à 1867 ( Huber ). Contrairement à cette dernière donnée, il était déjà en retraite depuis 1854 ( Fritz ). La retraite a commencé en 1860 environ ( Tyndall ). En 1869 le glacier était fort affaissé ( Ch. Grad ). ) Forel ( 1891: 358 ): ( Glacier d' Aletsch: Au diverses dates que j' ai indiquées dans mon IXe rapport pour l' époque du commencement de la décrue actuelle de ce glacier, je puis ajouter la suivante de M.T.G. Bonney; d' après le géologue anglais, la décrue n' a pas commencé avant 1859, et elle n' a bien été indiquée qu' après 1861. ) 20 E. Collomb ( 1857:44 ):

Über den Untergang des Olmendorfes siehe Guntern ( 1979:327, Nr. 796, und 94, Nr. 176 ).

23 Pfarrarchiv Naters: C C1 27. März 1468 C2 2. Januar 1479 C2 Januar 1480 C4 2. November 1486 C3 22. Februar 1487 C5 21. Februar 1488 D21 21. Mai 1502 C6 17. August 1525 C7 14. Juli 1527 C5 14. März 1531 C6 11.Mai 1531 C7 14. Oktober 1540 H 25 25. März 1584 Pfarrarchiv Mörel: C1 8. Juni 1404 D25 9. Oktober 1429 C5 I. Oktober 1587 24 Messtischblätter sind handgezeichnete Kartenblätter und deshalb nur in einem Exemplar vorhanden ( Alpenraum 1:50000, Mittelland 1:25000 ). Sie wurden um die Mitte des 19. Jahrhunderts aufgenommen und dienten als Grundlage für den ( Topographischen Atlas der Schweiz ), bekannter unter dem Namen Dufourkarte; später wurden sie auch zur Herstellung der Siegfriedkarten herangezogen ( s. dazu: Unsere Landeskarten. Herausgegeben vom Schweizer AlpenClub in Zusammenarbeit mit der Landestopographie [heute: Bundesamt für Landestopographie], Bern 1979 ). Die Messtischblätter wurden in einer Zeit aufgenommen, in der fast alle Alpengletscher hochstandsähnliche Ausmasse aufwiesen. Die Karten sind deshalb für die Abgrenzung der -Ausdehnung ( des letzten Gletscherhochstandes ) äusserst wichtige Dokumente.

25 Freundliche mündliche Mitteilung von M. Zenklusen, Naters.

26 Zum Thema ( Wasserleitungen; im Wallis sei auf die Arbeiten von Blotnitzki ( 1871 ), Rauchenstein ( 1908 ) und Stebler ( 1913, 1921 ) hingewiesen.

27 Pfarrarchiv Naters: F 108. März 1372 H 156 17. November 1408 Pfarrarchiv Mörel: H 222. März 1404 C35. Mai 1483 C210. April 1509 28 Dokument H 156 ( 17. November 1408, Pfarrarchiv Naters ). Auszugsweise Übersetzung aus dem Lateinischen von Dr. B. Truffer, Kantonsarchiv Sitten vs.

29 Häufig ist in den Dokumenten ab 1582 die Wendung ( ...cum fundo vijs, vadijs, aquis aquaeductibus ...> zu lesen.

Das ( aquaeductibus ) deutet aber keinesfalls auf eine bestehende Wasserleitung hin, sondern ist Teil einer ( juristischen ) Floskel, die von zum Teil des Lateinischen nicht mächtigen Schreibern aus früheren Dokumenten einfach übernommen wurde ( freundliche mündliche Mitteilung von Dr. B. Truffer, Staatsarchiv Sitten vs ).

30 Freundliche mündliche Mitteilung von I. Kummer, Ried-Mörel.

31 Bis heute wurde für den täglichen Gebrauch das Regenwasser in Zisternen aufgefangen. Seit 1987 wird Oberried jedoch durch das Märjelensee-Projekt ( Wasserleitung von einem Speicherbecken in der Märjelenalp ) mit dem langersehnten Wasser versorgt.

32 Forel ( 1902: 209 ) zitiert auszugsweise einen Artikel von Correvon aus der ( Gazette de Lausanne ) vom 31. Juli:

(... Nous venons de découvrir sur les confins du glacier d' Aletsch et sur les deux rives de ce glacier, dans sa partie terminale à peu près, les vestiges d' une belle forêt de mélèzes (... ). Nous avons donc là les preuves incontestables qu'autrefois, dans une époque où le glacier d' Aletsch était fort reculé, une forêt de mélèzes existait dans le vaste bassin et sur les pentes qui le dominent, c' est-à-dire à 2000 mètres d' altitude... ) 33 Fossile Baumstämme und Wurzeln, die aus dem Zeitraum von 1860 yBP und 1600 yBP datieren, sind in den frühen 1960er Jahren von Haefeli bei Ze Bächu ( Radiocarbon 1963: 308 ), im Jahre 1975 von Röthlisberger H. ( 1978: 12 ) dicht bei der Gletscherzunge und etwas später von Röthlisberger F. ( in Röthlisberger F. et al. 1980: 47 ) im seitlichen Bereich des Gletschers gefunden worden. Eigene Funde weisen ein 14C-Alter zwischen 1750 yBP und 1480 vbp auf.

Aufgrund dendrochronologischer Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Bäume trotz ihrer verschiedenen 14C-Alter während derselben Vorstossphase vom Gletscher erfasst wurden. Der Vorstoss ereignete sich um 1550100 yBP.

34 Neuerdings konnte dies auch mit dem 14C-Datum eines fossilen Bodens nahe des aktuellen Eisrandes bei Ze Bächu bestätigt werden. Das humose Material wurde mir freundlicherweise von H.P. Liniger ( Bern ) 1984 zur Verfügung gestellt. Im Laufe einer Bodenprofilaufnahme bei Ze Bächu ( Koord.: 646.100/140.250; 1990 m ü. M. ) wurde der fossile Boden aufgeschlossen und geborgen. Bei der Datierung ergaben sich folgende 14C-Alter:

organische Restsubstanz: 150075 yBP ( uz-944 ) Huminsäure:160080 yBP ( uz-945 ) 35 Nach Brockhaus ( 1971 ) wird gemäss früherer Auffassung der Beginn des Mittelalters mit 375 n. Chr. ( Völkerwanderung ) oder mit dem Ende des Weströmischen Reiches ( 476 n. Chr. ) angegeben. Der Einfachheit halber wurde hier der Beginn um 500 n. Chr. angesetzt. Die Neuzeit begann ab 1500 n.Chr.

36 Im folgenden sind Zeitangaben ohne nähere Bezeichnung als Jahre n. Chr. zu verstehen.

37 Als Unterlagen für die Angabe der Gletscherausdehnungen 1926/27 und 1957 wurden folgende Kartenwerke verwendet:

Spezialkarte ( Aletschgletschen, 1:25000. Erschienen 1967 als Beilage zu ( Les variations des glaciers suisses 1965-1966 ), 87e rapport par P. Kasser. Gletscherausdehnungen: 1926/27 und 1957. Spezialkarte ( Aletschgletschen, 1:10000, Blatt 3 von insgesamt 5 Blättern. Herausgegeben von der vaw/ethz, der Eidg. Landestopographie und der gk/sng 1960. Gletscherausdehnung: 1957.

38 Der Wurzelstock ist im Naturschutzzentrum Aletschwald ( Villa Cassel, Riederalp vs ) ausgestellt. Er ist kurze Zeit nach der Probenentnahme vollständig aus dem Moränenschutt herauserodiert und zum Gletscher hinuntergefallen. Der dazugehörige fossile Boden weist ein Alter von 80565yßp(uz-552 ) auf ( organische Restsubstanz ).

39 Hier fehlt leider eine jahrgenaue Datierung für das Erreichen des Maximums. Das Datum beruht lediglich auf dem " C-Alter eines Arvenstammes ( 62060 yBP, uz-333 ), der eingebettet im damals beim Silbersand abgelagerten Hochstandswall gefunden wurde. Der Stamm ist peripher stark abgebaut, so dass bis zu 20 Jahrringe fehlen können. Es wurde deshalb ein Alter von rund 60060 yBP angenommen, was eine Zeitmarke für den Hochstand von 135060 n. Chr. ergibt. Leider konnten bis jetzt mangels geeigneter Proben keine dendrochronologischen Analysen vorgenommen werden, die zur Beantwortung der Frage nach dem genauen Zeitpunkt des Hochstandes notwendig sind.

40 Aufgrund der jahrgenau datierten Bäume wurde versucht, die Vorstoss- bzw. Rückschmelzgeschwindigkeiten des Grossen Aletschgletschers innerhalb der jeweiligen Vorstoss- bzw. Rückschmelzphasen abzuschätzen. Folgende Werte haben sich ergeben:

Abschmelzphase m/Jahr Vorstossphase m/Jahr 1100-1184 15-20 1300-1350 40 1350-1454 23-27 1590-1653 18-25 1856-1987 22 1590-1600 30-40 1892--1987 20 1600-1610 60-70 1610-1653 5-10 * Beginn der Gletschervermessung Es muss jedoch betont werden, dass hier nur Durchschnittswerte vorliegen; ein gewisser Vorbehalt ist deshalb angebracht.

41 Verschiedene fossile Baumreste aus dem seitlichen Randbereich des Gletschervorfeldes mit 14C-Altern zwischen 9560yBP ( modern, UZ-537 ) und 20565yBP ( uz-658 ) scheinen auf die letzten neuzeitlichen Hochstände im 19. Jahrhundert hinzudeuten. " C-Daten innerhalb der Neuzeit sind jedoch wenig zuverlässig. Eine Differenzierung in {Vorstoss um 1820> und ( Vorstoss um 1850 ) ist nicht möglich, ja es kann häufig nicht einmal eindeutig entschieden werden, ob diese Bäume im 19. Jahrhundert oder vielleicht schon im 17. Jahrhundert vom Gletscher umgedrückt wurden. Oft muss anhand der Fundumstände ein Datum einem bestimmten Vorstoss zugeordnet werden. Erst kürzlich gelang die dendrochronologische Datierung einer Lärche aus dem Vorfeld des Grossen Aletschgletschers ( Lärche 2, Fig. 2, Falttafel ). Der Baum ist 1600 vom Gletscher erfasst worden; das 14C-Alter ist mit 17040yBP(uz-412 ) offensichtlich zu jung ausgefallen.

Rhonegletscher 1 ( Nivosum in auras erigunt Alpes iugum a solis ortu et arva Gallici soli intersecantur scrupeo fastigio et anhela semper flabra tempestatibus. effusus ille et ore semet ex-igens hiantis antri vi truci sulcat sola aquarum in ortu et fonte primo naviger. at rupis illud erigentis se latus, quod edit amnem, gentici cognominant solis columnam. ) Von dem Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. entstandenen Werk des Rufius Festus Avienus sind nur die ersten 713 Verse, die eine Küstenbeschreibung von der Bretagne bis Marseille geben, erhalten. Ihr liegt ein um 530 v. Chr. ver-fasster Text zugrunde, der im Laufe der Zeit stark erweitert, wahrscheinlich im I. Jahrhundert v. Chr. in Verse gebracht und endlich von Avienus unter gelegentlicher Benützung einiger anderer Geographen und unter Hinzufügung von Eigenem in lateinische Trimeter übertragen wurde. ( Zit. aus Howald/Meyer 1941: 3/4 ).

2 Weisz 1942: 8/9 ( 5-15 ). Hier Hinweis zur Biographie, der Chronik und den Landtafeln von Johann Stumpf 1547/48 Kap. Grimslen berg, Hinweis auf ( Berg Crystallem die er gefunden habe, ( ...als ich über disen berg wandret. Anno dorn. 1544 ).

Der Chronik waren auch 13 in Holz geschnittene Karten beigegeben. Später wurden diese Karten ohne die 13., ( Uralte Helvetia ), 1552 als Atlas allein herausgegeben.

3 S. Münster hat die Beschreibung des Rhonegletschers vom 4. August 1546 erstmals in der lateinischen Ausgabe der ( Cosmographei ) von 1552: 332 publiziert ( zit. in Le Roy Ladurie 1967: 300/301 ). In der lateinischen Ausgabe ist die Brücke nicht erwähnt. LE ROY Ladurie ( 1967: 301 ) nennt zwei Quellen für seine Angaben der Länge von Spiessen:

- Im Waffensaal des Musée d' Art et d' Histoire von Genf befinden sich zwei Schweizer Infanteriespiesse aus dem 15. Jahrhundert, welche aus der Kaserne Luzern stammen und jeweils 4,6 m lang sind.

- In der Literatur wird für die Länge des Schweizer Spies-ses anfangs des 16. Jahrhunderts 5 m angegeben.

Auf den Schweizer Karten von S. Münster ist, im Gegensatz zum Text, im Gebiet Gotthard-Goms der Rhonegletscher nicht eingezeichnet ( vgl. Weisz 1969: 57-64 ).

4 Bei Kaufmann ( 1950: 3 ) steht folgender Passus: ( 1547 wuchs der Untere Gletscher an und bedrohte den Wallfahrtsort ) ( womit die Petronellen-Kapelle gemeint sein dürfte ). Es ist denkbar, dass sich beim Unteren Gletscher teilweise der Schweif bildete, d.h. dass die Eismassen teilweise über die Schopffelsen hinunter in den Talboden vorstiessen, vergleichbar der Zungenendposition von 1669, 1720, kaum aber derjenigen wie 1778/79 ( vgl. Zumbühl in Holzhauser/Pfister/Zumbühl, in Vorbereitung ).

5 Die Karte des bernischen Staatsgebietes von 1577/78 von Th.Schoepf, bestehend aus 18 Blättern ( 138x 195 cm ) im Massstab 1:85000-1:115000 und gegen Süden orientiert, wurde 1970-72 von Prof. Dr. Georges GROSJEAN, basierend auf zwei Originalen der Burgerbibliothek Bern und der Zentralbibliothek in Zürich, als Faksimile bei J. Stocker, Dietikon/Zürich, herausgegeben.

6 Zu J. J. Scheuchzer vgl. DURST 1971 und vor allem We ber ( 1984: 84, 89-93 ). Scheuchzer wollte die Missverständnisse zwischen wahrer und falscher Rhonequelle mit Text und Tafel RO 02.1 richtigstellen. Nach Meinung der Oberwalliser war der sogenannte ( Rhodanbrunn ), eine klare Thermalquelle ( Bildlegende M/N ), obwohl viel kleiner als der vom Gletscher entspringende Bach, die ( wahre ) Rhonequelle. Scheuchzers Ärger, dass Vorurteile stärker sein können als die Vernunft, spricht deutlich aus den Worten:

( Es wer disen Bergvölckern noch zuverzeihen wann diser Roddanbrunn der höchste wer auf der Furcke oder andere seines gleichen neben ihm daher flüssen. Aber eine kleine Brunnquell sehen nebst einer grossen ein kleines Bächlein nebst einem doppelten zwantzigmal grösseren Bach wel- cher herfliesset aus einem Berggrossen zweyfachen Glettscher und doch jene halten vor den wahren Ursprung des Rhodans dunket mich ein grosse Schwachheit des Ge-müths. Es nette denen Anwohneren sollen die Augen aufthun allein die Milchweisse Färb des Rhodans als welche herkommet von denen Gletscheren. ) ( Scheuchzer 3, 1708: 102, Schweizerische Berg-Reisen Den 29. Jun. 1707 ).

7 Bei der Entzifferung des schwer lesbaren Textes halfen mir freundlicherweise Dr. P. Martig und Herr H. C. Wäber vom Staatsarchiv Bern. Vgl. zu Samuel Bodmer Grosjean KKPB 1960: 34/35 Nr.361; ZUMBÜHL 1980: 21, 91 Anm. 18, 200. Der erläuternde Text steht bei Bödmer 1706: 247.

8 Die älteste Bilddarstellung des Rhonegletschers RO 02.1 stammt aufgrund der in Spiegelschrift angegebenen Signatur und des Datums ( Bez. u. r.: Uoh. Melchior Fuessli fecit Ao 1707 ) ) eindeutig von J. M. Fuessli ( 1677-1736 ).

RO 02.3 stammt aufgrund der Signatur ( Bez. u. I.: ( Gezeichnet nach der Natur von F. Meyer .) ) sowie des Textes von Grüner 1760, 1: 200 ( F. Meyer, dessen Namen unter dem Kupfer stehet, der die Zeichnung gemacht hat, schon vor mehr als 70 Jahren gelebt hat .) ) von F. Meyer ( 1653-1713 ). Aufgrund der unklaren Quellenlage sind allerdings verschiedene Hypothesen denkbar:

a ) RO 02.1 stammt von J. M. Fuessli ( praktisch sicher ).

b ) RO 02.1 ist eine Kopie von Fuessli nach einem Original von F. Meyer ( wenig wahrscheinlich ).

c ) RO 02.3 stammt von F. Meyer, d.h. es existieren zwei praktisch gleichzeitig entstandene Originalansichten.

d ) RO 02.3 ist eine Kopie von F. Meyer nach einer Vorlage von M. Fuessli.

e ) RO 02.3 wird als Kopie irrtümlicherweise F. Meyer zugeschrieben.

Hypothese a ist relativ sicher, Varianten c und d sind denkbar. In allen Fällen kennen wir bis jetzt nur die graphischen Blätter, nicht aber die Originalzeichnungen oder allenfalls Ölgemälde.Vgl. die Diskussion in Zumbühl 1980: 21/22, 91, 132, 202; Zumbühl 1983: 21, 30, 31; Weber 1984: 82-84, 91; Boerlin-Brodbeck/Weber/Zumbühl, zak in Vorbereitung.

9 Vgl. Blumer 1957: 93/94 Nr. 256q; Grosjean kkpb 1960: 5 Nr. 11; Durst 1969; Zumbühl 1980: 136. K 17.1/17.2.

10 LK ca. 671.700/158.125, Höhe ca. 1810 m oder etwas höher am Hang gelegen.

11 H.B. de Saussure 1796, 3:485 1721 ( es geht in diesem Kapitel um die dritte Reise von 1783 ): ( Dans mon voyage de 1770, que j' eus le plaisir de faire avec Milord Palmerston, connu par son goût pour les lettres & pour les beaux arts, nous gravîmes ensemble, par la rive droite du glacier, la montagne de laquelle il descend. On voit de près, en montant, les belles pyramides de glace dont sa pente est hérissée; mais quand on est parvenu à son plateau, on voit la glace, former là une plaine doucement inclinée qui n' est coupée que par quelques crevasses. ) 12 Zu Grindelwald vgl. Zumbühl 1980: 26. ( Es existieren keine Zeichnungen, die zweifelsfrei als während der Reise gezeichnete Skizzen ausgewiesen werden können ...> ( Wilton 1979:38 ).

13 Wüests vorliegendes Gemälde mit dem Rhonegletscher ist eine Replik eines frühestens 1772/73 entstandenen, im November 1772 in Auftrag gegebenen, verschollenen Gemäldes für den englischen Kunstsammler John Strange ( 1732-1799 ). Der Naturforscher, Archäologe und Kunstsammler Lord Strange hielt sich von Frühjahr bis No-vember/Dezember 1772 in Zürich auf. Zu diesem Auftrag von Lord Strange erzählt Wüest in seiner, in einer Abschrift seines Schwiegersohnes Seiler erhaltenen, am 6. Januar 1813 begonnenen Autobiographie ( Kunsthaus Zürich, eingelegt in Studienband O 49 ): ( Um diese Zeit [1772] liess mich der englische Lord Strenge [sie] fragen ob ich für seine Rechnung eine Berg Reyse unternehmen würde, um für ihn den Rohnen-Glätscher u: andere Prospecte aufzunehmen - welches mir sehr erwünscht war,... jedermann zweifelte an gutem Erfolg da im November die Berge schon alzuviel mit Schnee bedekt seyen aber ich liess mich nicht abschreken u: follführte meine Reyse in 12 Tagen unter ganz günstiger Witterung, meine Arbeit war mit dem besten Beyfall von dem Lord aufgenohmen u: ich hatte die Freude nebst einer reichlichen Bezahlung viele grosse Naturereignisse unseres Vatterlandes zu sehen, u: schöne Scizen nach der Nathur zu samlen. ) Zit. nach Boerlin-Brodbeck 1980:89, vgl. zu Wüest auch Weber 1981: 126, 331; Steingräber 1985: 270.

14 LK ca. 672.115/157.605, Höhe ca. 1920 m oder ca. 170-180 m östlich des Thürmbaches auf dem alten Furkaweg, vgl. Mercanton 1916: Plan N° 3, RO91.

15 Azimutmessungen vom Aufnahmestandort S von J.H. Wüest: LK ca. 672.115/157.605, Höhe ca. 1920 m Messung Messung in der Na- auf der turKarte Azimut zwischen S und Gerstengrat ( Bildbegrenzung linksca. 329 "

Azimut zwischen S und Gerstenhörnern Pkt. 3166 mca.337 " ca. 337° Azimut zwischen S und Obersaas Pkt. 2295.6 mca. 0° ca. 355° Azimut zwischen S und Bildmitte ca. 10Azimut zwischen S und Furkahör- nern/v. a. Kleines Furkahornca. 47° ca. 43° Bildwinkel des Gemäldes von J. H. Wüest ca. 74°-78° 16 Zur Bestimmung des Zungenendes auf dem Ölgemälde von J. H. Wüest ( ro 06'S .176 ) vgl. Mercanton 1916: Plan N°3, RO 91:

A: Westlicher, unterster Punkt des graubraungrünen Felsbandes westlich oberhalb des Saasbaches ( Höhe ca. 1900 m ) B: Saasbach erreicht den Talgrund in hellgraugrüner/dun-kelbraungraugrüner Vegetation, Höhe ca. 1790 m C: Felskuppe/Felsrippe, wo der Rhonegletscher in seiner Fliessrichtung von Süden nach Südwesten abbiegt. Hang-wärts bildete sich hinter der Rippe eine natürliche Entwässerungsrinne, die dann weiter unten in den Saasbach mündete. Pkt. C LK ca. 672.030/158.425, Höhe ca. 1935 m. D: Westlichster, unterster Punkt des Felsbandes östlich oberhalb des Saasbaches G: Gletscherzungenende im Talboden 1772 Go: Gletscherrand auf der linken Talseite 1772 S: Aufnahmestandort von J. H. Wüest, LK ca. 672.115/157.605, Höhe ca. 1920 m Das Gletscherzungenende, von C nach G auskeilend, muss nun 1772 wenig ausserhalb einer gedachten Verbindungslinie von B zum Aufnahmestandort S gelegen haben. Eine Rekonstruktion dieser Punkte auf Plänen, Karten und Luftbildern ergibt folgende Resultate: G1: Minimale Ausdehnung des Gletschers ( G1 = LK ca. 671.620/157.920, Höhe ca. 1790 m ) mit maximaler Entfernung von den Stirnmoränen bei Gletsch von ca. 1040 m G2: Maximale Ausdehnung des Gletschers ( G2 = LK ca. 671.520/157.845, Höhe ca. 1780 m ) mit minimaler Entfernung von den Stirnmoränen bei Gletsch von ca. 910 m 1772 lag das Zungenende irgendwo zwischen G1 und G2 ( Abstand G1-G2 ca. 130 m ). Bestätigt wird diese Rekonstruktion des Gletscherrandes von 1772 auch durch die Tatsache, dass die äusserste Gletscherstirn G bei Wüest nur wenig westlich, d.h. im Bild links einer gedachten Lotlinie von Go zu den die linke Silhouette des Gemäldes dominierenden Gerstenhörnern lag.

17 Zur Figur des Zeichners in der Landschaft vgl. Weber 1977:59, 77 Anm. 198.

Zu gross geratene Staffagefiguren finden wir im 18. Jahrhundert auch bei anderen Malern, beispielsweise auf dem Gemälde des Unteren Grindelwaldgletschers von E. Handmann um 1748/49 ( vgl. Zumbühl 1980: 134 [K. 11.1], 186 [Abb.] ).

Aber auch das Gegenteil existiert, z.B. auf der Darstellung eines Gletschertisches auf dem Unteraargletscher ( vgl. au 07.1* S.276, AU 07.2* S.277 ).

18 Das zwischen 1777 und 1788 erschienene, mit 318 Ansichten luxuriös illustrierte Universalwerk über die Schweiz ( Tableaux topographiques... ) wurde neben A. Ch. Besson ( 1725-1809 ) und A.F. Quêtant ( 1733-1823 ) vom Zuger Historiker und französischen Generalleutnant B. F. A. Zurlauben ( 1720-1799 ) verfasst- Initianten waren der Musiker und Bibliophile J.B. de Laborde ( 1734-1794 ), der Buchhändler und Verleger P.M. Lamy, der Radierer F.D. Née ( 1739-1817 ) sowie sein Associé L.J. Masquelier ( 1741-1811 ).

In ihrem Auftrag hat wohl A. Ch. Besson vom Juli bis Oktober 1777 die Alpen bereist und dabei für die damalige Zeit hochwertige wissenschaftliche Zeichnungen samt Begleittext geschaffen. Dieser ( Discours sur l' histoire naturelle de la Suisse ), 1780 im Werk Zurlaubens publiziert, ist dann auf Anregung von J. S. Wyttenbach 1786 als zweiteiliges ( Manuel pour les savans et les curieux qui voyagent en Suisse ) von Besson ein zweites Mal herausgegeben und mit Anmerkungen von Wyttenbach versehen worden ( ( avec des Notes par Mr. W. Es handelt sich dabei um ( das erste wissenschaftliche Reisehandbuch über die Schweiz » ( DÜBI 1910:45 ).

Zur Biographie und zum Werk von A. Ch. Besson sowie zum Zurlaubenwerk vgl. Weber 1973: vor allem 19, 20; Zumbühl 1980: vor allem 30, 61-63, 97/98 Anm. 51; Weber 1981:308; Weber 1984:26, 27,33,56,94, 116-117, 182.

19 Bei der kleinformatigen Tuschskizze ( RO 09.2 ) von Johann Heinrich Meyer ( 1755-1829 ) handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Kopie nach der Rhonegletscherra-dierung von Besson. Dasselbe gilt für einen ebenfalls kleinformatigen Kupferstich in Reichards 1805 erschienener ( Malerischen Reise durch einen grossen Theil der Schweiz vor und nach der Revolution ) ( ro 09.3 ). In beiden Fällen wurde die Herkunft, d.h. Besson, verschwiegen!

20 Besson 1780: xxvu zu den Moränen des Rhonegletschers:

( Ce qui rend ce glacier très-intéressant & très-instructif pour la connoissance des accroissemens & des décroisse-mens des glaciers, ce sont les différentes marêmes ou enceintes, dont il est entouré à son pied, que la perspective a empêché de rendre dans le dessin, phénomène qu' on remarque peu, & dont on ne dit pas grand chose, quoiqu' il soit bien intéressant dans l' histoire des glaciers, pour la théorie même de la terre, puisqu' il nous indique la nature des rochers, de ces pics élevés & inabordables ( 1 )... ( 1 ) Les Peintres & les Dessinateurs ne mettent jamais ces enceintes au bas des glaciers. Cela fait un mauvais effet, peindre un tas de pierres! sans doute il faut les rendre quand il sont instructifs & qu' ils sont essentiels à la chose. Il n' y a pourtant pas un glacier où il n' y en ait, à moins qu' il ne se précipite sur un plan très-rapide; mais c' est pour faire un bon effet qu' on place des arbres, n' importe de quelle espèce, dans des lieux où il n' en croit pas, ou seulement d' une espèce particulière & propre aux lieux élevés. ) 21 Fall d ): Ausgangspunkt ist Wall 1 ( C/D ); Wall 2 läge somit entweder ungefähr an der Stelle von Wall F oder, wenn man die Werte genau überträgt, zwischen C/D und F. Die Wälle 3 und 4 befänden sich nach den Entfernungsangaben zwischen Wall F und Wall 1856 ( G ), d.h. der Eisrand läge etwa an der Stelle von 1856. Allein aufgrund des unterschiedlichen Aussehens der Radierung von 1777 ( ro 09.1* S. 179 ) und der Fotografie von 1856 ( RO 64.1* S. 220 ) ist Fall d ) sehr unwahrscheinlich.

22 Lage der Seitenmoräne im Gebiet Augstenweid zwischen Muttbach und Belvédère ( vgl. Karte 3 S.169 ), P1: LK ca. 672.655/158.495, Höhe ca. 2020 m; P2: LK ca. 672.650/158.225, Höhe ca. 1940 m Möglicherweise lag die Moräne auch am linksseitigen, nordwestlich exponierten Talhang.

23 Das künstlerische Werk und die Biographie von Caspar Wolf sind seit 1979 dank der Lebensarbeit von Dr. Willi Raeber ( 1897-1976 ) und der nachträglichen Redaktion durch Frau Edith Raeber-Züst in Form eines umfangreichen Opus magnum ( Caspar Wolf 1735-1783, Sein Leben und sein Werk ) für einen weiteren interessierten Kreis zugänglich. Vgl. Raeber 1979.

Die bisher umfassendste Werkschau von C. Wolf verdanken wir Frau Dr. Yvonne Boerlin-Brodbeck vom Kunstmuseum Basel, die zu der Ausstellung einen sehr instruktiven Katalog verfasst hat. Vgl. Boerlin-Brodbeck 1980.

24 Der Galenstock ist bei diesem Aufnahmestandort nur sehr knapp sichtbar ( vgl. Boerlin-Brodbeck 1980: 74, Nr. 174 ).

Der Galenstock wird auch bei Wagner/Wyttenbach 1779:

49 N° 59 erwähnt.

25 Bestätigt wird dies durch den Text von J. S. Wyttenbach in den Vues remarquables ( 1776/77: 1 ): ( Da sich aber wegen der unendlichen Verschiedenheit der Gegenstände leicht einige Fehler einschleichen konnten; so entschloss er sich, die Reise noch einmal zu thun, um die schon ausgearbeiteten Gemähide von ihren Standpunkten aus aufs neue zu vergleichen, und die nöthigen Verbesserungen anzubringen. ) Wolf hat dazu selber auf der Ölskizze des Gletschertisches auf dem Unteraargletscher einen anschaulichen Beleg geliefert ( vgl. AU 07.1* S.276 ). Auf der linken Bildseite ist unter den Begleitern von Wolf ein Träger, dessen Räf mit grossformatigen Bildern bepackt ist.

26 Wolf und Wyttenbach unternahmen zweimal Reisen in das Berner Oberland, 1776 in das hintere Lauterbrunnental und 1777 in das Gotthard- und Grimselgebiet.

( Wolff begleitete mich auf zwo Reisen durch das bernische Oberland und die Gotthardstrasse... ) ( Wyttenbach:

( Einleitung zu einer Reisebeschreibung. ) BBB: Mss.h.h.XX 9 [W] 633 [D] C-59: 4 ). Eine Rekonstruktion ergibt für die zweite Reise vom August 1777 folgende Route: Bern-?-Grund ( Haslital)-Guttannen-Unteraargletscher ( 5. [7.?]8.1777)-Obergestelen-Besuch der Rhonequelle/ Rhonegletscher ( 9.8.1777)-Furka-Realp-Hospental-Ober-alp-St. Gotthard-Hospiz-Blauberg-Urserental-Schöllenen-schlucht-Gestinenalp ( Göscheneralp)-Alaunwerke im Graggertal-Silenen-Erstfeld-Luzem-Bern. ( Details vgl. Zumbühl 1980: 98/99 Anm.58 ).

27 Wolf hat auch bei der Frontalansicht des Unteren Grindelwaldgletschers bei der Farbgebung seine Idealvorstellungen vom Gletschereis wiedergegeben, was bereits damals kritisch vermerkt worden ist ( vgl. den Text von J.S. WyttenbachindenVuES REMARQUABLES 1785: 11, abgedruckt im Zumbühl 1980: 28, 190 Abb. K 22.2 ).

28 Wyttenbach, Rhonegletscher, vermutlich am 9. August 1777, Grimselreise bbb: Mss.h.h. XX 9 ( W ) 830 ( D ) C-59:58: ( Hierauf ging ich zum Rande des Gletschers selbst hin, und kam neben verschiedenen alten Steinwällen oder Schuttwällen vorbey, welche der vormals grössere Gletscher bey seinem ehmaligen Anwachsen hervorgestossen hatte: diese waren aber nun weit vom Gletscher selbst entfernt, welcher also seither merklich musste abgenommen haben. (... ) Auch hier ist es wie bey der Aare, indem die Rhone bald nur an einem Orte, bald an mehrern unter dem Gletscher hervorfliesst, und nun eben eine schöne Eiswand aber ohne Höhle gebildet hatte. ) 29 Aufnahmestandort von C. Wolf für ro 11.1/2* S.185: Oberhalb der Grimselpasshöhe, Ostkar des Kleinen Sidelhornes zwischen Husegg und Chrüzegg, LK ca. 667.975/156.625, Höhe ca. 2415 m. Was Wolf in Skizze und Gemälde festgehalten hat, versuchte Wyttenbach in Worte zu fassen. Wyttenbach beschreibt die Aussicht auf der Grimselpasshöhe gegen Osten, wobei er die Normalroute verlässt und zum ( Todtenseeleim geht:

30 Eine ähnliche zentral aufragende Gebirgskomposi-tion, jedoch weniger überhöht und damit weniger idealisiert, d.h. näher bei der wahren Topographie, finden wir auf der Ölstudie ( unpubliziert, Privatbesitz Muri/Bern ) und dem auf 1775 datierten Ölgemälde

31 Zu C. D. Friedrich vgl. Boersch-Supan H./Jähnig K.W. 1973:

-(Morgen im Riesengebirge>, um 1810/1811, Kat. Nr. 190 ( Farbabb.11 S.53 ).

-, um 1824/25, Kat. Nr. 330 ( Farbabb.28 S. 116 ).

- ( Dorflandschaft bei Morgenbeleuchtung ), 1822, Kat. Nr.298(Farbabb.23S.100 ); vgl. auch Kat. Ausst. 1974 ( W. Hofmann et al. ) und Kat.Ausst. 1984: ( Caspar David Friedrich: Le tracé et la transparence. ) 32 Das Beispiel ( Rhone-Gletscher auf der Furka ) ( RO 19 ) stammt aus ( zwei im Basler Kupferstichkabinett erhaltenen Serien von Medaillon-Bildchen mit Schweizerlandschaften. Eines davon, eine Ansicht von Bern mit dem Rathaus, von den Gärten über der Aare her gesehen, ist signiert und datiert'C .Wyss: 96'( Inv.Z.263 ). Die auch Raeber 1979: 104 noch nicht bekannte ursprüngliche Bestimmung dieser Medaillon-Gouachen von Wyss ergibt sich aus der zufälligen Entdeckung eines Döschens mit einer analogen Alpen-landschafts-Gouache als Deckelbild ( unter Glas ) in Berner Privatbesitz. Die Produktion dieser Dosendeckel-Medail-lons passt in das Bild des kurz vor der Auswanderung stehenden, von materiellen Schwierigkeiten bedrängten Caspar Wyss. ) ( BOERLIN-BRODBECK 1980: 91 ).

33 Ebenfalls von C. Wyss stammt die kolorierte Umrissradierung ( Source du Rohsne [sic!], auprès du mont de la Fourche dans le valais ...>, wobei er wieder eine in Schmut-ziggrün, Braungrün und Grau gehaltene Ölskizze bzw. ein auf 1778 datiertes Ölgemälde von C. Wolf mit dem Titel ( Prétendue source du Rhône ) kopierte. Auf dem Kapellenhügel bei Gletsch stehend, den Rhonegletscher im Rücken, blicken wir Richtung sw, also talauswärts an die Steilhänge unterhalb des Grimselpasses und der Husegg; links erkennen wir die Hauptentwässerung des Rhonegletschers und vier Hütten ( wo heute das Hotel steht ), rechts die und rechts ganz unten den ( Rona Ursprung ) bzw. die Thermalquelle. Wyttenbach hält im Text zu dem Gemälde zu Recht fest, dass die Rhone

-CasparWolf ( 1735-1783 ), Bleistift/Öl/Karton, 22,7 x 38,5 cm, Bez. o. ( Ursprung der Ronai. Privatbesitz: Muri/Bern; bei RAEBER 1979 nicht erwähnt.Caspar Wolf ( 1735-1783 ), Titel ( Prétendue source du Rhône ) ( nach Wagner/Wyttenbach 1779: 48 Nr. 58 ), Öl/ Lwd., 54,0x76,0 cm, sign. ( C. Wolff 1778 ». Privatbesitz: Schweiz.B.ankverein Basel; Raeber 1979: 297 wv 376.

- Caspar Wolf ( 1735-1783)/Caspar Wyss ( 1762-1798 ), Titel: ( Source du Rohsne, auprès du mont de la Fourche dans le Valais./dessiné et gravé par Caspar Wyss ) ( bei einer Ausgabe Hinweis auf H. Bleuler ). Kolorierte Umrissradierung, 20,0 x 30,1 cm. zbz Rhonegletscher Wallis I.

34 J.W. Goethe ( Brief von 12. November 1779 von Realp an Frau Charlotte von Stein ) in: Gesammelte Werke, Zürich 1949, 12. Bd., S.54ff ., zitiert bei Mosele 1979: 156 Nr. 107 und Seiler 1980: 6.

35 Storr hat 1781 und 1784 die Alpen besucht. Wie aus der Vorrede zumi. Teil hervorgeht, scheint er den Rhonegletscher auf der ersten Reise besucht zu haben: (... habe ich die Reise von 1781 zuerst von Lauterbrunn aus zum Gotthardsberge fortgeführt... ) ( Storr 1784, Vorrede ).

36 ( Ein Surge ist ein quasiperiodischer Wechsel in der Bewegung des Eises von einer normalen Geschwindigkeit, die über einen längeren Zeitraum anhält, zu einer schnellen Fortbewegung der Eismassen, die sich in einem vergleichsweise kurzen Zeitabschnitt abspielt. ) ( Engelhardt 1987:212 ).

Die Surge-Periode ist von Gletscher zu Gletscher sehr verschieden, z.B. Medveschigletscher im Pamir 12 Jahre, Variegated Gletscher in Alaska 19 Jahre, Vernagtferner im Ötztal ca. 80 Jahre ( 1899-1902 und 1981-1983 ); in der Westantarktis ca. 100000 Jahre. Ein typischer Alpengletscher fliesst ca. 50-200 m/Jahr, bei dem surgenden Variegated Gletscher in Alaska betrug 1983 die Geschwindigkeit 65 m/Tag ( bei km 13 ) bis 100 m/Tag ( Engelhardt 1987: 217 ).

Die 660-1200 m Vorstoss in 11 Jahren ( eventuell auch in viel kürzerer Zeit ) beim Rhonegletscher lassen an einen Surge, z.B. der Eiskalotte im Gletschboden, denken. Zu den ausbrechenden Gletschern vgl. Hoinkes 1969: 853-861; HOINKES 1972: 253-270 und vor allem ENGELHARDT 1987:212-220.

37 Vom Anfang des Gletschervorfeldes aus beschreibt Bourrit das Aussehen des einen Gletschertores:

( Nous arrivâmes cependant dans l' enfoncement du glacier. Là nous vîmes la large bouche du Rhône, & le fleuve en sortir avec bruit: la voûte est d' une glace aussi transparente que le crystal: des blocs de glaces immenses, élancés du haut du dôme & semés au pied de l' amas, repré-sentoient les ruines d' un palais; des parties de cette voûte qui étoient à moitié fendues laissoient un passage libre aux rayons du soleil qui pénétraient dans des abymes obscurs, tandis que des blocs excavés & concaves nous éblouis-soient les yeux.

Nous jouissions de toutes ces beautés sans prévoir les risques que nous courions pour nous être approchés si près de l' amas; une chute de glace qui vint tomber jusqu' à nous nous fit connoître notre imprudence; nous vîmes alors des tours de glaces comme des maisons qui ne tenoient à la masse entière que par des filets; le moindre bruit, le roulement d' une pierre pouvoit les faire rompre, & nous ensevelir sous leur ruine; (... ) Cette partie de l' amas du Rhône n' est pas connue des voyageurs, parce qu' elle est à l' opposé du chemin de la Fourche: des avances du glacier contribuent encore à masquer les belles excavations qu' il forme de ce coté-là. ) ( Bourrit 1783, 2:7/8 ).

38 Zu J. P. de Loutherbourg vgl. JOPPIEN 1973. Loutherbourg, 1770-1771 in Paris mit C. Wolf zusammen arbeitend und seit 1778 mit dem grossen Landschaftsmaler T. Gainsborough befreundet, war einer der ersten, der sich mit der damals noch weitgehend unbekannten und unberührten englischen Landschaft befasste und Gemälde von ihr am Salon ausstellte. Danach unterrichtete er an der Royal Academy, u.a. 1795 den damals zwanzigjährigen, später wohl bedeutendsten englischen Maler des ^.Jahr-hunderts, J. W. Turner ( 1775-1851 ), den Maler des Lichts ( Steingräber 1985: 323 ).

39 Nach JOPPIEN 1973:

- 1769 bis 1771 eventuell erste, nicht eindeutig belegbare Reise nach Deutschland und in die Schweiz.

- 1787 Sommer bis Januar 1788 Reise in die Schweiz. Joppien zitiert einen Brief von Loutherbourg an C. von Mechel vom 17. Januar 1788 aus Biel, darin wurden als Stationen der Reise u.a. Schaffhausen ( Ölgemälde des Rheinfalls ) und Grindelwald genannt. Wahrscheinlich stammt die Naturstudie von der Reise im Sommer/Herbst 1787.

40 Bis jetzt ist weder die in der zweiten Hälfte des Jahres 1787 vermutlich entstandene Naturstudie noch ein Ölgemälde des Rhonegletschers bekanntgeworden. Im Kunsthandel ist kürzlich ein ausserordentlich schönes Gemälde der Stirnzone des Mer de Glace von P.J. de Loutherbourg aufgetaucht, das ( bzw. die Naturstudie dazu ) vermutlich ebenfalls auf dieser Schweizer- bzw. Alpenreise entstanden ist.

Öl/Lwd., 58,5 x 73,0 cm, signiert auf Rückseite

Eine praktisch identische Ansicht ist 1966, allerdings fälschlicherweise als Grindelwaldgletscher bezeichnet, aber mit

41

42 ( Meiners 1790, 3:295 ).

43 Isler-Hungerbühler 1953: 8/9, vgl. zu RO 16 auch Kat. Ausst. Chur 1977: 68/69 Nr.24.

44Zumbüh11980:37K41.

« Zu H.C. Escher vgl. Solar/Hösli 1974, Solar 1979.

46 Zu Hegels siebentägiger Alpenreise im Juli 1796 durch das Berner Oberland nach Luzern ( Kleine Schei-degg-Grindelwald-Grosse Scheidegg-Grimsel-Gletsch-Furka-Vierwaldstättersee ), die der damals 26jährige unternahm, vgl. Wyss 1985: 194-198. Hegel berichtet von dieser Wanderung in einem Tagebuchfragment aus seiner Zeit als Hauslehrer in Bern ( zit. bei Rosenkranz 1963: 470ff. ). Hegel hat die Reise pflichtgemäss absolviert, da es zum Bildungsnachweis des ausgehenden 18. Jahrhunderts gehörte, die Alpen gesehen zu haben. Im Vordergrund standen bei Hegel jedoch nicht die Erhabenheit der wilden Natur des Hochgebirges, sondern die eiternden Blasen an seinen Fussen und die regnerische Witterung.

47 Escher 1804/05-1809: 142/143 281.

48 Zur Genauigkeit des Müller-Reliefs vgl. Imhof 1981: 118; zu Grindelwald vgl. Zumbühl 1980: 37.

49 Bestimmung der Zungenendlage des Rhonegletschers auf dem J. E. Müller-Relief ( RO 28* S. 189 ).

A: Treffpunkt Saasbach mit nordwestlichem Rhoneglet-scherrand B ': Schnittpunkt Felsrippe nordöstlich des Saasbachfalls mit Rand der Eiskaskade B: Schnittpunkt Eisfronttangentiale mit 1785 m-lsohypse ( Talboden ) auf Plan gemessen ( ab = abca. 440 m ) C: Schnittpunkt Eisfronttangentiale mit 1785 m-lsohypse auf Relief gemessen ( ac = ca. 390 m, d.h. Gletscherende 390 m-440 m ergibt eine Distanz zu den Hochstandsmoränen C/D von ca. 820 m [minimale/maximale Werte 770-870 m] ).

Die Bestimmung dieser Werte erfolgte nicht an Ort und Stelle auf dem Relief, sondern auf Fotos, die mir freundlicherweise Herr Direktor Peter Wick vom Gletschergartenmuseum in Luzern zur Verfügung stellte. Das Relief ist zurzeit unter Plexiglas und deshalb nicht zugänglich.

50 Zusammen mit dem elsässischen Geometer Jean Henri Weiss ( 1758-1826 ) arbeitete der Engelberger J. E. Müller 1788-1797 als Gebirgstopograph und Reliefbauer im Dienste des Aargauer Seidenbandfabrikanten, Alpinisten und Idealisten Johann Rudolf Meyer ( 1739-1813 ) an der ersten topographischen Gesamtkartierung der Schweiz ( 1786-1802 ). Nachdem Müller auf Meyers Drängen hin im Sommer 1788/89 als Messgehilfe bei Prof.Tralles, dem bedeutenden Geodäten und Physiker an der Universität Bern, eine Art Vermessungslehre gemacht hatte, wurde er beim ATLAS-SuiSSE-Projekt verantwortlich für die topographische Aufnahme eines grossen Teils der Schweizer Alpen. Zuerst wurde mit Hilfe der graphischen Triangulation bzw. mit einem Scheibeninstrument und einer darauf markierten papiernen Azimutscheibe die Lage und Höhe topographisch markanter Kartenpunkte konstruiert. Meistens skizzierte anschliessend der ( handwerkliche Mustergeodäte> Müller von der gleichen Stelle noch ein Aussichtspan-orama.

In einzigartiger Weise wurden dann die Punktbestimmun-gen und Zeichnungen weiterverarbeitet und ergänzt: ( Mül-lerführte in seinem Gepäck Schachteln mit, angefüllt mit allerlei Modelliermaterial, mit Gips und anderem. In Zusammenhang mit den Aufnahmen im Felde modellierte er in den Talquartieren nach seinen Beobachtungen gleich auch noch kleine Modelle der zuvor durchforschten Regioni. ( Imhof 1981: 115 ).

In Meyers Atelier in Aarau wurde all dieses Material gesammelt und, was die Alpen anbelangt, vor allem von Müller zu einem Riesenrelief im Massstab 1:60000 verarbeitet ( dieses Modell wurde offenbar 1802 nach Paris verkauft und dort 1903 zerstört ). J. H. Weiss hat dann dieses Modell als Vorlage für seine Naturentwürfe benützt, die anschliessend in Kupfer gestochen und von 1796 bis 1802 als ( ATLAS suisse par Meyer et Weiss ) ( Müllers Name wurde ungerechterweise unterschlagen ) herausgegeben wurden. Dieser Atlas besteht aus 16 Teilblättern im Massstab von ca. 1:108000 sowie einer Übersichtskarte der Schweiz. Nach dem Erscheinen des Kartenwerkes zog sich Müller nach Engelberg zurück, wo er ein eigenes Atelier einrichtete und zum Teil aufgrund verbesserter und ergänzter topographischer Aufnahmen der Schweizer Alpen eine Reihe weiterer Gebirgsmodelle, so in den Jahren 1812-1819 ( Dufner 1980: 36-39 ) das von uns diskutierte Alpenrelief ( RO 28* S. 189 ), schuf. Von diesem Modell im Massstab 1:38000 wurden die acht westlichen ( der zehn ) Elemente bereits 1816 in der Zürcher Stadtbibliothek aufgestellt und bildeten dort bald eine faszinierende und mit grossem Lob bedachte Attraktion für Forscher und Touristen ( Dufner 1980: 39 ). Wann aber sind nun die Vorlagen, nach denen Müller das grosse Alpenmodell angefertigt hat, entstanden?

Über sein Wanderprogramm berichtet Müller folgendes:

51 Der Zeichnungsnachlass J. E. Müllers befindet sich in der Wissenschaftshistorischen Sammlung der ethz ( in 9 Bd. mehr als 588 Panoramen und Zeichnungen sowie 264 Azimutscheiben umfassend ).

52 Die Darstellung des Unteren Grindelwaldgletschers mit Fiescherhörnern aus dem Schreibkalender, beschriftet mit

53 Die Datierung ( 1816 ) für das kleinformatige Ölgemälde von M. de Meuron RO 30.1 * S. 193 ist nicht ganz eindeutig gesichert Das Datum stammt von der Rahmenbe-schriftung aus dem Jahr 1884, als der Sohn des Malers die Studie dem Musée d' Art et d' Histoire übergab. Beschriftung u. M. auf Rahmen ( nicht vom Künstler selber ):

54 Als Hauptbeweise nennen Dufour/Forel 1870: 683: -die Lithographie von Lardy ( ro 32* S.194die vagen Aussagen der Talbewohner1818 war für die Mehrheit der Alpengletscher die Zeit des Maximalvorstosses im 19. Jahrhundert. Diese Aussage trifft zu für den Rosenlauigletscher, Oberen Grindelwaldgletscher und das Mer de Glace. Unterer Grindelwaldgletscher ( 1856 ), Unteraargletscher ( 1871 ) und Aletschgletscher ( 1846 ) haben ihre grösste Ausdehnung jedoch in der Mitte oder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht.

55 Charpentier 1841: 302/303 Anm. 1:

( Je me suis assuré de ce fait en mesurant, en 1822, la distance depuis la moraine déposée en 1818 jusqu' à la ligne où s' était trouvé le pied du glacier à la fin de 1817, ligne qui n' avait été indiquée par les gens qui, pendant ces années, habitaient une petite cabane située près du glacier, se livrant à la fabrication de l' eau de vie de gentiane. Cette mesure était également d' accord avec les renseignements que j' ai obtenus là-dessus de diverses personnes d' Ober. )

57 Eislappen, ausgehend von der Rhonegletscherkas-kade, nordöstlich der Felsrippe des Saasbachfalles. LK ca. 671.750-850/158.300-350, Höhe ca. 1910-1940 m.

ss Rhonegletscher am 22. September 1826 nach Ignaz Venetz 1833:31/32:

( Le 22. Sept. 1826 nous avons visité ce glacier. Voici les distances, mesurées au pas, que nous avons trouvées entre les anciennes moraines et le glacier: La moraine la plus éloignée du glacier s' adosse contre un rocher, formant un monticule, sur lequel sont construits les chalets de la montagne. Elle présente une grande largeur, sur une hauteur d' environ vingt-deux pieds. Du bord intérieur de cette première enceinte, jusqu' au milieu d' une seconde, nous avons trouvé une distance de trente pieds. De celle-ci à une autre, presque imperceptible, quarante-cinq; delà à une plus grande, quatre-vingt-dix; de cette quatrième à une suivante qui a environ dix-huit pieds de hauteur, deux cent quarante-trois pieds. Tout près de celle-ci on en rencontre une petite, que nous avons comprise dans la distance de la suivante, qui a cinq pieds de haut, et se trouve à deux cent quarante pieds de la grande. Sur la droite de la vallée, cette moraine se divise en trois ou quatre jusque vers le milieu. De cette moraine à une autre, de quatre pieds de hauteur, quatre-vingt-dix pieds. Celle-ci forme une suite de moraines entassées irrégulièrement les unes contre les autres, sur une longueur de trois cent soixante pieds, s' élevant presque insensiblement à la hauteur de vingt pieds et plus. Cet assemblage d' une quantité de moraines décrit un arc et le réunit, sur la droite, à la dernière, sans atteindre le pied de la montagne. Ici le Rhône s' échappe du glacier, en traversant la dernière enceinte que celui-ci a formé; puis, il suit la précédente jusqu' au milieu de la plaine où il la coupe comme toutes les autres.

Depuis l' endroit, où le Rhône traverse cet amas de moraines, jusqu' à la plus récente, la distance est de trois cents pieds. Sur la gauche du centre du glacier, celle-ci laisse entrevoir qu' elle en avoit couvert une plus ancienne: puisqu'on y voit encore le gazon.

Ce jour-là, la glace étoit à dix pieds de la dernière moraine. Sur la gauche du Rhône, parcontre, cette distance est de quelques cents pieds. Cette circonstance, nous l' attri aux variations qu' éprouve le Rhône à la sortie du glacier, et que les cailloux, qu' il entraîne dans sa course, jettent tantôt d' un côté, tantôt de l' autre, en sapant le glacier par sa base et en le détruisant dans une proportion plus forte sur cette place qui n' offroit pas les mêmes avantages, lorsque le glacier étoit plus grand. Par ce que nous venons de dire, il résulte: 1 ) Que, le 22. Septembre 1826, l' extrémité inférieure du glacier étoit à mille quatre cent huit pieds de la première moraine reconnaissable, que l'on rencontre en montant.

2 ) Qu' à cette époque, il y avoit neuf moraines très-dis-tinctes.

3 ) Que plusieurs de ces enceintes ont été formées à différentes reprises, c'est-à-dire, qu' après avoir diminué pendant quelque temps, le glacier est quelquefois venu augmenter des moraines qu' il avoit formées ci-devant.

4 ) Que les distances d' une moraine à l' autre sont inégales, ainsi que leur grandeur respective prouve que les époques auxquelles leur formation fut séparée, se trouvent inégales, de même que le degré du refroidissement. ) Mercanton ( 1916:45 ) zitiert nur Venetz ( 1833: 31 ), die Fortsetzung der Beschreibung in der Anmerkung auf S. 32 ist ihm möglicherweise entgangen.

Literatur zu Venetz: Mariétan 1959: 1-51; Balmer 1970: 138-168 ( hier Zusammenfassung der Literatur zu Venetz ); Escher 1978:222-233.

In allen drei Arbeiten wird noch mehr oder weniger ausführlich die Bedeutung von Venetz als Mitbegründer der Eiszeittheorie gewürdigt.

59 Siehe Vergleichstabelle S.203; zu Birmann Karte 5, Wälle l—V, zu Venetz Karte 4, Wälle 1-9.

so Mercanton 1916: Plan N° 5 ( RO 93 ). ( Les oscillations du Front du Glacier d' après les relevés mensuels 1887-1910 ). Schön zu sehen sind hier die Vorstösse, meist im Mai, die jeweils kleine Jahresmoränen bildeten ( vor allem beim anhaltenden Rückschmelzen ).

61 Der Additionswert Wall 1—Wall 9—Eisfront beträgt 1048 Fuss. Der Gesamtwert Wall 1—Wall 9—Eisfront beträgt 1408 Fuss ( Venetz 1833: 52 ). Ist der Unterschied dadurch erklärbar, dass sich Venetz verschrieben hat?

62 Unklar ist im Text die folgende Aussage: ( Ce jour-là, la glace était à dix pieds de la dernière moraine. Sur la gauche du Rhône, parcontre, cette distance et de quelques cents pieds. ) ( Venetz 1833: 32 ).

Bei der ersten Angabe handelt es sich ohne Zweifel um die Distanz zwischen Wall 9 ( Birmann Wall V ) und dem Eis. Ist bei der zweiten Angabe, Distanz Moräne—Gletscher einige hundert Fuss, die Seitenmoräne und nicht die Stirnmoräne gemeint? Eine in zwei Spitzen aufgelöste Gletscherstirn, wie wir dies 1874-1893 auf den Plänen von Mer canton ( 1916: Plan N° 4, RO 92, Die Gletscherzunge 1874-1913 Massstab 1:5000 ) beobachten können, darf dank dem Birmann Aquarell RO 36* S.200 ausgeschlossen werden.

63 Freundliche Mitteilung von Frau Dr. C. M. Schubiger-Bossard vom 12. Januar 1988: Wall ( 1818 ) ( F ) weist im Bodenprofil einen Ranker mit beginnender Verbraunung auf. Diese fehlt bei der Moräne von 1856, wo ein Ranker mit Rohhumus vorhanden ist. Die Datierung von Wall F ins 18. Jahrhundert würde diese Unterschiede besser erklären.

6* Es ist das grosse Verdienst von Frau Dr. Yvonne Boerlin-Brodbeck, diese 20 topographisch hervorragenden Panoramen, die sich mit einer Ausnahme alle im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel befinden, aus der Vergessenheit wieder ans Tageslicht geholt zu haben ( Boerlin-Brodbeck 1985: 307-314 ).

Vergleichstabelle der verschiedenen Moränenwälle 1777-1988 Bessern 1777 Birmann 1824 Venetz 1826 Rey 1834 Bühlmann 1835 Hogard 1848 Martens 1856 □ulour/Fmel 1876 Mercamnn 1916 Zumbühl/ Holzhauser 1988 14. Jh. und 16./17. Jh. C/D 1 1 1 1 ( 1 ) 1

65 Rey über den Rhonegletscher im Juli 1834: J' ai demandé des renseignemens aux hommes éclairés du pays,... J' en suis redevable à l' extrême complaisance de M. Taffiner, officier supérieur suisse au service de France avant 1830, et qui demeure à une demi-journée du glacier.

D' après toutes les informations prises,... soit par moi-même auprès de l' aubergiste du glacier,... l' effet des dernières chaleurs sur le glacier du Rhône, il résulte ces faits: 1° La pointe que le glacier avait poussée depuis trois ans se trouve entièrement fondue, et en outre, on remarque sur ce point que le glacier s' est retiré de dix pieds. 2° Le glacier a éprouvé sur tous les points une diminution plus ou moins forte suivant l' épaisseur de la masse, et principalement du côté de la Fourche ou du Galenstock, où i! a reculé de neuf à trente pieds. Des parties qui, de mémoire d' homme, ont été toujours couvertes de neiges, se trouvent aujourd'hui entièrement dégarnies. 3° Sur le côté gauche, passage de la Grimsel, ou Sassberg, le glacier s' est retiré de six à huit pieds. 4° Ces changemens intéressans pour les voyageurs ne sont pas les seuls qu' ils pourront observer l' été prochain. Le plateau même du glacier en offre de non moins frap-pans. Il s' y est manifesté des crevasses d' une profondeur et d' une largeur qui surpassent toute idée, et qui rendent aux chasseurs les plus hardis le passage impraticable. Les neiges qui couvraient le glacier et qui comblaient ces crevasses sont, presque sur tous les points, totalement fondues. ) ( Rey 1835: 26/27 ).

66 Die von Rey ( 1835: 25 ) erwähnten Bäume sind auf der Skizze von Bühlmann nicht zu sehen. Wie schon Mercan-TON ( 1916: 45 ) feststellte, ist Rey der einzige, der von solchen ( grands arbres ) spricht. Vielleicht bezog sich Rey auf die Seitenmoränen. Die Interpretation des Reyschen Textes bleibt dadurch offen.

67 Siehe untenstehende Tabelle:

68 Rey befasst sich ausgiebig mit Gletschertor und Entwässerung des Rhonegletschers: ( Je n' eus donc de repos que je ne fusse allé à la voûte de glace d' où je savais qu' il s' échappait. Mais malheureusement je ne pus pénétrer dessous. Le Rhône en sortait à pleins bords avec un fracas assourdissant et nul espace, sur l' une ou l' autre rive, n' existait, à la faveur duquel j' aurais pu me glisser dans l' antre... Malgré la hauteur de l' arcade, que j' estimait être de 50 pieds, malgré l' éclat que le soleil répandait sur toute la nature, le jour n' éclairait pas suffisamment le fond de cet admirable péristile, et pour surcroît de contrariété un coude que le fleuve faisait dans l' antre même, s' opposait à ce que l' oeil y plongeât bien avant... Il n' y a pas longtemps encore que le Rhône sortait du centre de la base du glacier; maintenant c' est de sa droite descendante et par conséquent de la gauche du spectateur qui le voit du bas et en face. Toutefois il y a une seconde issue un peu à droite, mais qui est comparativement fort petite. ) ( Rey 1835: 18 ).

L' arcade de glace actuelle est donc nouvelle: mais, bien qu' elle change de forme chaque année, et même plusieurs fois dans le cours d' un été, elle présente en tout temps un égal et surprenant désordre. ) ( Rey 1835: 19 ).

69 Zu Thomas Fearnley vgl. Kat. Ausst. Dahls Dresden in der Nasjonalgalleriet, 11.10.7.12.1980, in Oslo / Redaktion M. Malmanger, S.95-100.

70 Dass von einer Ansicht mehrere fast gleichausse-hende Versionen existieren, ist typisch für David Alois Schmid; vgl. dazu die sechs Ansichten des Unteren Grindelwaldgletschers in der Bildtabelle 3 in ZUMBÜHL 1980: 104.

71 Zu Edouard Desor ( 1811-1882 ) vgl. Kasser 1986: 192.

72 Zu Recht hält Hogard ( 1854: 21 ) fest, dass Bild und Text von Besson sich widersprechen. Auf der Radierung RO 09.1* S. 179 stösst der Rhonegletscher an die äusserste, erste Moräne, was damals nicht der Fall war. Im Text wird dieser Eindruck durch genaue Distanzangaben korrigiert:

73 Anselmier zeichnete auf RO 63* S. 221 im Gletschervorfeld auf der orographisch linken Talhälfte drei Wälle. Bei dem einen dieser drei Wälle muss es sich um die Moräne F handeln ( a. oder b. ), da dieser markant hervortritt:

a ) Eisrandparallele nahe Moräne F ergibt eine Distanz von ca. 80 m, effektive Distanz F zu G ( 1856 ) ca. 125 m.

b ) Nächstfolgende Moräne gegen Gletsch zu auf der linken Talseite = F ergibt eine Distanz von ca. 230 m. Dies gäbe eine zu grosse Distanz zum damaligen Gletscherrand.

c ) Die Maximalstandsmoräne liegt ca. 300 m vom damaligen Gletscherrand entfernt. Dies würde bedeuten, dass der Gletscher in den folgenden fünf Jahren bis zum Höchststand von 1856 noch 35 m vorstossen musste. Dieser Wert ist zwar durchaus realistisch, aber aufgrund der Bilddokumente RO 59* S. 214/215 und RO 62* S.217 eher zu gross.

7«LK ca. 671.775/158.275, Höhe ca. 1914 m, evtl. 100-150 m östlich.

75 Ein Vergleich der Hintergrundstopographie von RO 64.1*, RO 65*, RO 66.1* S.220, 221, 224 in bezug auf Schneebedeckung zeigt, dass die drei Fotos kaum am gleichen Tag gemacht worden sind.

RO 65* ist sicher auf 1856 datiert, RO 64.1* stammt aufgrund der Eisausdehnung vermutlich ebenfalls aus der Zeit um 1856, bei RO 66.1* ist 1856 am wenigsten gesichert. Dass man damals beim Besuch des Gletschers auch einen Spaziergang entlang der seitlichen Partien durchführen konnte, zeigt z.B. die auf dem Plan von Dufour/Forel 1870 vermerkte

76 Zur Geschichte der stereoskopischen Fotografie vgl. Gernsheim 1983: 308. 1854 wurde die London Stereoscopic Company gegründet, zwei Jahre später wurden bereits auf der ganzen Welt Stereoskope verwendet, und die London Stereoscopic Company hatte über 10000 Stereogramme von Sehenswürdigkeiten gesammelt.

77 Zur Geschichte der frühen Bergfotografie vgl. Gui-CHON 1984:18-25, Artikel von de Decker Heftler und Chevrier; Gernsheim 1983: 330-354; Costantini und Zannier 1986: 17, 118, 119, 130, sowie Frey 1986.

78 Zu E.E.Viollet-le-Duc vgl. den kat. Ausst. 1979. Viol-let-le-Duc Centenaire de la Mort à Lausanne, kat. Ausst. 1988. Viollet-Ie-Duc et le massif du Mont-Blanc.

79 Dieser Wert von 755 m basiertauf Mercanton 1916: 56/57 Plan N° 11, RO 100; nach Aellen 1986: 264-273 beträgt der Wert von 1874-1900 nur 571 m.

so Zu Félix Vallotton ( 1865-1925 ) vgl. Weber 1981:329, Koella 1970, Vallotton M./Goerg 1972: ( Nr. 89 ) 106.

81 Die neuesten Angaben sowie ergänzende Werte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts teilte mir freundlicherweise Herr Markus Aellen, vaw/ethz, am 21 ./24. Dezember 1987 mit. Da die von uns zusammengestellte Glet-scherkurve ( Fig.4 ) von 1760-1987 naturgemäss kaum fehlerfrei ist und immer noch viele Lücken aufweist, ist der Verfasser jedem gletscherkundigen Bergfreund und alpen-geschichtlich interessierten Kunstsammler dankbar für Berichtigungen und Ergänzungen.

82 Die von einem ständigen Kampf um die Finanzen geprägte hindernisreiche Geschichte der 40jährigen Vermessungskampagne am Rhonegletscher 1874-1915 ist vor allem in fünf Texten ausführlich dokumentiert:

- L. Rütimeyer in seiner Einleitung von 1894: Entstehung und Verlauf der Vermessung des Rhonegletschers in Mer-CANTON 1916: 1-16 - A. Heim in seinem Vorwort von 1916, in Mercanton 1916: 17-23, Literaturzusammenstellung S. 18 - L. Held, Die Vermessungsarbeiten, in Mercanton 1916: 24-36 M. Aellen, Neuzeitliche Gletscherveränderungen, in: Die Schweiz und ihre Gletscher 1981: 72-77 - P. Kasser, Notizen zur Geschichte des Gletscherkollegiums SAC/SNG von 1869 bis 1893 und der Gletscherkommission der SNG um 1893 bis 1984, in: Die Gletscher der Schweizer Alpen 1977/78 und 1978/79 Jubiläumsband 99 und 100. Bericht ( Glaziologisches Jahrbuch der Gletscherkommission 1986 ): 181-238. Zum Rhonegletscher vor allem Kap.6 B. 14, Zeittabelle für das Gletscherkollegium von 1869 bis 1893, S. 199-200; Kap. 6 B. 15, Zeittabellen für die Gletscherkommission von 1893 bis 1983 S.201; Kap. 6 B. 19.6a, Rhonegletscher 1893-1980/81, S. 212/213; Kap. 6 B.13, Die Mitglieder der Kommission von 1869 bis 1984, S. 192-198; Abb. 26, Gletscherkollegium sac/sng 1869-1893 und Gletscherkommission sng 1893-1984 ( Beilage zu Glaziologisches Jahrbuch 1986 ).

83 Die Publikation der Hauptergebnisse von Rhonex/Al-pex ist, soweit nicht bereits begonnen, für 1988/89 vorgesehen ( freundliche Mitteilung Prof. Dr. A. Ohmura 7. Oktober 1987 ). Weitere Literatur zum Rhonegletscher und seiner Umgebung bzw. zum RHONEX/ÄLPEX-Projekt von 1979-1984:

-WICK1980, 44 S. ( vor allem Muller in Wick 1980: 3/4 ). Hier ganzes Spektrum des Projektes sichtbar.Funk 1985,183 S. Ohmura in Rhonegletscher SNG 1987: 65-87.

8* An dieser Stelle möchte ich Herrn PD. Dr. M. Gamper für die wertvolle Hilfe bei der Interpretation von 14C-Daten fossiler Böden danken.

85 Die von Zoller ( 1966: 160 ) pollenanalytisch nachgewiesene Kaltphase, die sogenannte

86 Bisher liegen aus den Schweizer Alpen ( Schneebeli 1976: 48; Bircher 1982: 73/74; Holzhauser 1984: 245-249 ) und aus dem Mont-Blanc-Gebiet ( Aeschlimann 1983: 49-51 ) Daten über Gletscherhochstände um 600 yBP ( 14. Jahrhundert ) vor.

Der Nachweis von Hochständen im 14. Jahrhundert ist insofern bedeutungsvoll, als bis heute die Meinung verbreitet war, im Mittelalter seien die Gletscher immer etwas kleiner gewesen als während der nachfolgenden Kleinen Eiszeit. Mit dem 14. Jahrhundert nähern wir uns auch einer Zeit, aus der bereits vereinzelte Witterungsaufzeichnungen vorliegen, die eine - wenn auch noch unbefriedigende -klimatische Interpretation dieser spätmittelalterlichen Hochstandsphase erlauben ( s. Pfister 1985: 186-195 ). Ferner fällt diese Hochstandsphase interessanterweise mit einem letzten Auswandern der Walser zusammen ( Besetzung bündnerischer, rheintalischer, vorarlbergischer und tirolischer Gebiete sowie Talschaften im St. Galler Oberland im 13./14. Jahrhundert; ZlNSLI 1976: 19; IMESCH 1977: 11 ).

87 Die'4C-Analyse ergab folgende Alter: Organische Restsubstanz:

387075yBP(uz-825 ) Huminsäure:

386080yBP(uz-826 ) 88 Diese Zeitmarken beziehen sich auf Vorstossphasen des Unteren Grindelwaldgletschers, der allerdings nur während des Vorstosses von 1640 die Ausmasse der Hochstände um 1600 und um die Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte ( Zumbühl 1980 ). Gletschervorstösse um 1740 und um 1780 sind auch im Mont-Blanc-Gebiet vom Mer de Glace ( Glacier des Bois ) und vom Glacier des Bossons bekannt ( Wetter 1987: 192-196, 217 ).

Zwei Grabungen an den Wällen E und F im Gletschboden legten wohl fossile, geringmächtige Bodenhorizonte frei, doch konnte im einen Fall ( Wall E, RO A5 ) die für eine 14C-Datierung notwendige Probenmenge nicht entnommen werden, und im anderen Fall ( Wall F, RO A6 ) sind wir offenbar an die bekannten Grenzen der t4C-Methode gestossen: Der Boden unter Wall F ergab ein modernes Alter. 14C-Daten des Bodens unter Wall F: Organische Restsubstanz: modern ( uz-1035 ) Huminsäure: modern ( uz-1036 ) Holz ( AMS-Datierung ETHZ ): modern ( uz-2179 ).

Rosenlauigletscher 1 Gletscherinventar 1976 bzw. Muller et al.: 68 A 54 J Luftbilddatum vom 13. September 1973.

2 Der Rosenlauigletscher ist an folgenden Orten leider nicht erwähnt: 1577/78 T. Schoepf; 1606/1620 H.R. ( u.V. ) Rebmann; 1642 M. Merian; 1706-1708 J.J. Scheuchzer.

s Wyttenbach Mss. h. h. XX 9 ( W ) 811 ( D ) C 51.

4 Die Datierung des Ölgemäldes RL 04* S. 240 von C. Wolf ergibt sich aus seinen Alpenreisen, vgl. Raeber 1979: 133/134; Boerlin-Brodbeck 1980: 6/7; sowie Kap. Rhonegletscher Anm. 26, S. 304. Wolf hat den Rosenlauigletscher vermutlich dreimal besucht: wahrscheinlich 1774 ( auf seiner ersten Reise in das Berner Oberland ), denkbar 1776 und 1777 ( zusammen mit J. S. Wyttenbach ). Wegen des veränderten Gletscherstandes kommt wohl 1777 für RL 04* S. 240 nicht in Frage. Leider erfahren wir aus Wagner/ Wyttenbach 1779: 30 Nr. 36 einzig:

5 Zu den verschiedenen Ausgaben der Vues remarquables von 1776/77, 1780-82, 1785 und 1789 vgl. Raeber 1979: 341-344; Zumbühl 1980: 94/95 Anm.41; Boerlin-Brodbeck 1980: 54/55; hier wird auch das heikle Mehrfarbentief-druckverfahren von J. F. Janinet ( 1752-1814 ), das den Bildeindruck perfekt wiedergab, erklärt: ( Janinet hat für jede Tafel mindestens vier, im seit 1768 bekannten Aquatinta-verfahren mit feinstem Korn geätzte Platten mit je einer entsprechend transparenten Grundfarbe ( Blau-Gelb-Rot-Schwarz ) exakt übereinander gedruckt. ) Zuletzt über die Farbplatten wurde die Schwarzplatte mit den dunklen Konturen und den Schatten gedruckt. ( Diese Schwarzplatte war übrigens sehr oft nicht oder nicht nur im Aquatinta-oder im normalen Radierverfahren geätzt, sondern in der sogenannten, von J. Gautier-Dagoty ( 1717-1785 ) erfundenen Aquarella-Manier mit Roulette und Stachelrädchen bearbeitet worden. ) 1785 erschien die 2. Auflage der VUES remarquables beim Buchhändler Yntema in Amsterdam. C. M. Descourtis ( 1753-1820 ) fertigte die neuen Farbtafeln ebenfalls im Mischverfahren von Janinet an, aber mit gröberem Aquatintakorn, dickerer Farbe und in weniger sorgfältigem Druck.

s Boerlin-Brodbeck 1980: 55.

7 Raeber 1979: 103 Anm. 235. Dass Rosenberg möglicherweise eine Vorlage von Wolf benützte, teilte mir Dr. W. Raeber am 10.8.1971 mit. Dass Wolf-Vorlagen von andern Künstlern benutzt worden sind ( ohne dass sie auf Wolf verwiesen hätten ), beweist C. Wyss für den Rhonegletscher ( vgl. S. 186 ), aber auch für den Unteren Grindelwaldgletscher ( vgl. Zumbühl 1980: K 25; 30, 138, 211 ). Zur Diskussion Wolf-Rosenberg vgl. auch Zumbühl 1980: K.20,1;28, 95 Anm.42, 136,208.

8 Ausgangsbasis für die Gletscherstandsbestimmung ist die SW—NE verlaufende Klamm Wellhorn-Sattelspitze ( Teil der Engelhörner LK 656.225/169.960, Höhe 2337 m ). Die Distanz Gletscherende—Klamm beträgt bei einem Massstab von 1:110000-120000 ca. 2-4 mm, d.h.c.a. 330-50 m.

9 Die Vorlagen zu den beiden Umrissradierungen mit den Grindelwaldgletschern entstanden erst auf der Schweizerreise von Biedermann im Sommer 1808. Vgl. HuNZIKER 1936: 19; Keller 1947: 28; Zumbühl 1980: K 46;39, 143, 192 und K 430.1/2, 67, 166, 260.

10 Ungefährer Aufnahmestandort von J.J. Biedermann LK 655.250/169.575, Höhe ca. 1510 m, Dossenhorn 3138.2 Az 198s, Firngebiete des Rosenlauigletschers Richtung ssw Az219s.

11 Zur Geologie vgl. Muller 1938: 13 Fig. 3, Tafel III, Geologischer Atlas der Schweiz 1:25000, Blatt 396 Grindelwald, 1938.

12 Escher von der Linth ab 1809/10, 8: 26 53.

13 Aufnahmestandort von S. Birmann für RL 19 " S. 250 bei der Holzbrücke LK 655.140/169.640, Höhe 1485 m.

1*ZUMBÜHL198O: K. 75.1/75.2, K. 76; 46/47, 147/148, 195, 230/231.

15 LK ca. 655.230/169.550.

16 G. Steffan ( 1815-1905 ), in Wädenswil geboren und in München gestorben. Motive und künstlerische Gestaltung von Steffan und Calarne sind zweifellos verwandt; vgl. ZELGER 1977: 329.

17 Der bedeutende österreichische Landschaftszeichner und Maler Thomas Ender ( 1793-1875 ), von dem zahlreiche Gletscherdarstellungen aus den Ostalpen bekannt sind, besuchte 1854 auch die Schweiz. Von der Nachlassausstel-lung und späteren Auktionen sind fünf Titel bekannt, die das Rosenlauigebiet zeigen, die jedoch bis heute leider nicht wieder gefunden werden konnten. ( Rosenlauigletscher> NL Ausst. 1876,400-401;

18 Auf das Gemälde von Brett hat mich am 12. Februar 1975 freundlicherweise Dr. B. Weber, ZBZ, aufmerksam gemacht. Lit. vgl. Luke 1967: 21 und Tafel XLIX; Bendiner 1984: 241-248 und Dokumentation in Tate Gallery London ( 14. April 1975 ).

19 Bretts wissenschaftliche Neigung, die Lektüre von J. Ruskins ( Modern Painters ), wo im 1856 publizierten Band IV mehr von Geowissenschaften als von Kunst die Rede ist, sowie die Bewunderung für den bedeutendsten englischen Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts, J. W. Turner, mögen Brett dazu animiert haben, 1856 die Alpen und damit sein wohl bedeutendstes Bild, den Rosenlauigletscher, zu malen.

20 Besprechung von Bretts Rosenlauigletscher in vom 19. November 1859 ( N° 5643 ).

21 Die Ungenauigkeit von Anselmier ist beispielsweise bei der falschen Lokalisierung des Gstellihorns in den nördlichen Engelhörnern zu sehen ( nachträglich korrigiert ).

22 Es ist vorgesehen, diese Zunge ab 1988 wieder genau zu vermessen. Dies sowie die neuesten Angaben zum Rosenlauigletscher teilte mir freundlicherweise Herr Markus Aellen, VAW/ETHZ, am 24. Dezember 1987 mit.

23 Intensives Himmelsblau, aufsteigende, schwach angetönte Wolkenballen und die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf den obersten Firnfeldern des Grossen Well- und Wetterhornes erzeugen eine romantische Atmosphäre auf zwei zusammengehörenden Gouachen mit dem Dreierdia-dem Dossen-, Well-, Wetterhorn ( RL 17.1/2 ). Der Rosenlauigletscher liegt bei dieser Abendstimmung bereits im Schatten der Wellhörner als topographisch ungenau erfasste, viel zu tief hinunterreichende, gewaltige Eiskaskade. Die vermutlich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entstandenen, Gabriel Lory Sohn zugeschriebenen Gouachen ( die schweren, leicht wirkenden Farben lassen allerdings auch an die Bleuler-Malschule denken ) zeigen den Gletscher vermutlich bei seiner grössten Ausdehnung in diesem Jahrhundert.

24 Zu dem zwischen Romantik und Realismus entstandenen Werk von F. Oehme ( 1797-1855 ), Schüler von J. C. C. Dahl und C. D Friedrich sowie später von JA. Koch beeinflusst, vgl. vor allem NEIDHARDT 1985 a: 1-15; NEIDHARDT 1985b: 32-44; GLAESEMER 1985: 12-26.

25 Zu F. Diday ( 1802-1877 ) vgl. Schreiber-Favre 1942; Fromer-Imobersteg 1945: 127-157; Christoffel 1963: 87; ZELGER 1977: 147-149.

Z6ZuA. Calarne ( 1810-1864 ) vgl. Schreiber-Favre 1934; Fromer-Imobersteg 1945:127-157; Christoffel 1963: 87/88; Zelger 1977: 121-136; Anker 1987.

27 ( Bien qu'il s' agisse d' une étude, Calarne a exagéré la hauteur des rochers du Wetterhorn et du Mittelhorn [es handelt sich im Zentrum vor allem um das Wellhorn!]. ) Diese Kritik von Anker ( 1987: 398 Nr. 458 ) zu r153* S.265 ist nicht zutreffend. Das Kristallzepter Wellhorn-Wetter-horn ist realistisch dargestellt.

28 Calarne übernahm von seinem Lehrer Diday vor allem den Enthusiasmus und die Liebe für die Schweizer Landschaft. Mit der Verleihung des ( Croix de la Légion d' honneur ) durch König Louis-Philipp 1842 an beide Künstler wurden auch ihre zeitweiligen Rivalitäten hinfällig. In der Folge wollten alle gekrönten Häupter und Adligen Europas Gemälde von Calarne und Diday ( vgl. dazu Anker 1987: 217-226 ). Mit einem Gedenkstein auf Gschwantenmad würdigte auch der Berner Regierungsrat die beiden Maler.

29 Der Steffan-Schüler Otto Fröhlicher ( 1840-1890 ) schuf eine unvollendete Ölstudie ( rl 64 ) sowie acht Skizzen ( rl 65.1-65.45 ) der Rosenlauigletscher-Wellhorn-Wet-terhorn-Sicht.

Einem kleinmeisterlichen Stil verpflichtet und topographisch stark verzeichnet ist ein auf 1875 datiertes Ölgemälde ( rl 51.2 ) von Anton Winterlin ( 1805-1894 ). Das Dos-senhorn-Wellhorn-Wetterhorn-Gemälde basiert auf einer vermutlich in den 1840er Jahren gemachten Federskizze ( rl 51.1 ). Ein kleiner Ausschnitt des Rosenlauigletschers ist in völlig undifferenzierter Art und Weise dargestellt.

30 Zu den Veduten von F. Hodler eine neuzeitliche Stellungnahme: ( Hodlers'Fremdenhelgen'widerspiegeln die antiquierte Landschaftsauffassung des Lehrers und bilden somit innerhalb des Oeuvres unseres Meisters eine geschlossene Gruppe von Arbeiten, die am ehesten im Rahmen einer Arbeit über künstlerische Massenproduktion behandelt werden müssten. Die Hodlerschen'Veduten'sind in Maltechnik wie auch im Bildausschnitt konservativ, es lassen sich keine Spuren einer Übernahme neuen Formen-gutes feststellen. [...] Erst Barthélémy Menn in Genf hat Hodler die Augen geöffnet für die nuancierte Naturbeobachtung, die den Sprung in die Selbständigkeit erst ermöglichte ). ( Steiner 1978: 6, zit. in BrüSCHWEILER 1984: 70 ). Heute sind 48 Bilder von Hodler aus der Zeit 1870-1872 bekannt. Zwei Ansichten sind nach Diday gemalt oder kopiert, nach Calarne sechs und nach Sommer fünf ( Bru schweiler 1984: 71, 89, 90 ).

31 Bruschweiler 1984: 90/91/101/102 stellte eine Abfolge der Wetterhorngemälde von Calarne, Sommer und Hodler zusammen. Allerdings zeigt Calâmes Wetterhorn-Lithographie von 1853 diesen Gipfel seitenverkehrt von Rosenlaui und nicht von Grindelwald aus, so dass eine Gegenüberstellung von Sommer mit Hodler möglich ist, nicht aber mit Calarne ( Bruschweiler 1984: 90 Abb. 127 ).

Auch Anker ( 1987: 384 Kat. Nr.375 ) merkt nicht, dass die Lithographie seitenverkehrt ist.

32 Der schon früh dem Hodlerkreis zugeordnete Landschaftsmaler und begeisterte Alpinist Emil Cardinaux zählt zu den Pionieren und zugleich zu den besten Vertretern einer eigenständigen schweizerischen Plakatkunst ( Baum-GARTNER 1984: 112/113 ).

Unteraargletscher 1 Gletscherinventar 1976 bzw. Muller et al.: 66/67, A 54 G 11 ( 1973 ) 2 Aus Platzgründen musste die Geschichte des Unteraargletschers stark gekürzt werden und ist in diesem Sinne auch eher als Bericht aus einer offenen Werkstatt zu verstehen. Es ist vorgesehen, in einer späteren Publikation eine vollständige Dokumentation ( ebenfalls des Bereiches 14C-Daten und Geomorphologie ) vorzulegen ( Holzhauser/ Zumbühl in Vorbereitung ).

3 Bei der Übersetzung des lateinischen Textes half mir freundlicherweise Dr. Laila Straume-Zimmermann.

4 Die Datierung 1719-1729 lässt sich folgendermassen begründen: 1719 ist das Jahr der grossen Kristallfunde am Zinggenstock. Cappeler selber dazu: ( Als ich vernommen, dass in dem Grimselberg eine grosse Crystallgrube wäre gefunden worden,... so entschlösse ich mich alsobald diese Reise zu unternehmen ). ( Cappeler in Altmann 1759: 130 ). Seit 1729, Cappelers 44. Lebensjahr, war er wegen eines Augenleidens gezwungen, die Dienste eines Schreibers in Anspruch zu nehmen ( deshalb auch viele Unsicherheiten im Originaltext ). Es ist anzunehmen, dass die Grimselreise von Cappeler deshalb vor 1729 stattfand ( RÖSLl in Einleitung zur Festgabe der Naturforschenden Gesellschaft Luzern 1972 ).

5 Auf den von uns für Fall c errechneten Gletscherend-stand kommt auch Hogard ( 1854: 11 ) in seinen ( Principaux Glaciers de la Suisse ):

6 Zu diesem wohl grössten in der Literatur bekannten Quarzkristallfund der Schweizer Alpen um 1719 an der NE-Seite des Vorderen Zinggenstocks ( LK. 663.370/156.750/2260 m ) vgl. Stalder 1964: 271/272 sowie Stalder et al. ( Parker ) 1973:100.

7 Escher besuchte den Unteraargletscher ebenfalls am 11. August 1806 ( Escher 1806,7: 69/70 143/144 ) und noch einmal am 3. August 1811. Leider geht Escher nicht auf das Verhalten des Gletschers in der Zwischenzeit ein, einzig das veränderte Aussehen der Front wird registriert.

8 Dass man aus den sehr subjektiven Zeitangaben kaum genaue Distanzangaben errechnen kann, zeigt folgendes Beispiel für die Entfernung vom Grimsel-Hospiz zum Unteraargletscher:

Ebel(1810: 165):1 Std.

WYSS ( 1817,2: 752 ): 2 Std. bis Gletscherfuss KASTHOFER ( 1822: 208 ): r/2 Std. bis Gletscher 9 Zur Biographie von Franz Joseph Hugi vgl. vor allem Keller 1923: 229-356.

1 » Hugi 1830 ( Juli 1829 ): 230: ( Bei allem Stürmen und Schneien zog Ingenieur Walker und Peter Gschwind über den Firn gegen das Finsteraarhorn, pflanzten Signale auf, und fiengen an, eine Standlinie zu messen, während alles übrige Volk mit Bauen sich beschäftigen musste. ) 11 Bei der Karte ( Der Unteraargletscher mit seinen Verzweigungen ), Hugi 1830 beigegeben, handelt es sich um eine ( aus dem grossen detaillierten Plane zusammengezo-gen[e] ), also verkleinerte Ausgabe. In der Solothurner Zentralbibliothek und dem Solothurner Naturmuseum, wo Teile des leider auseinandergerissenen Hugi-Nachlasses ( vgl. Keller 1923: 350-357 ) aufbewahrt werden, konnte der Originalplan nicht gefunden werden. ( Freundliche Mitteilung von Herrn Rindlisbacher, Solothurner Zentralbliblio-thek, vom 17.2.1986. ) 12 Zu Louis Agassiz'( 1807-1873 ) Leben und Werk vgl. Agassiz 1837, Agassiz 1841, Agassiz 1847, Desor 1847, Agassiz E. 1887, Gos 1928 zur Biographie vor allem 135/136 ), Balmer 1974, Surdez 1974, Portmann 1975.

13 Nach DESOR ( 1847: 603/604 ) waren 1844 olle Gletscher des Oberlandes im Fortschreiten begriffen... ). Mit Hilfe eines Stockes, der an einen Felsblock der Moräne angestemmt wurde, beobachtete man im Sommer 1844 die Bewegung des Unteraargletschers: ( Die Beobachtung ergab, dass die Fortbewegung des Stirnwalles nur äusserst langsam vor sich geht. Der Leser darf nicht vergessen, dass die Bewegung des unteren Gletscherendes von zwei wesentlichen Momenten erzeugt wird, nämlich durch das bekannte Vorrücken des Gletschers und durch das ihm entgegenwirkende Abschmelzen an seiner Stime: [...] Vom 18. August bis zum 5. September schob der Unteraargletscher seinen Stirnwall um 0 m,155, also täglich ungefähr 0 m,009 vorwärts; vom 4. September bis zum 4. November betrug es nur noch 0 m,295 also 0 m,005 täglich. ) 14 Hogard vergleicht die Karte von Cappeler in Altmann 1751: 162/163 ( AU 02 " S.271 ), entstanden um 1740 ( effektiv wohl eher 1719-29 ), mit den Karten von Wild ( 1842, AU 38* S. 282/283 ) und Stengel ( 1846, AU 43 ) und kommt zum Ergebnis ( que depuis environ un siècle le glacier s' est avancé d' au moins 800 mètres ou de huit mètres annuellement, chiffre correspondant assez exactement à l' empiétement constaté dans ces dernières années ) ( Hogard 1854:11 ).

15 Distanz zwischen Eisfront und Unteraar-(Chalet ) ( sichtbar auf der Lithographie von Hogard AU 54* S.291 ): N-Seite/orograph. links 44-50 m oder ca.4,8-5,5 m/J. Mitte 50-62,5 m oder ca. 4,8-5,5 m/J. S-Seite/orograph. rechts 50-53 m oder ca. 5,5-5,8 m/J.

" 6 Zu D.Dollfus-Aussetvgl. Gos 1928: 152.

17 Im August 1861 besuchte Professor A. Michel aus Mülhausen D. Dollfus-Ausset in seinem Pavillon am Unteraargletscher, wobei Michel folgendes festhielt: ( Der Photograph ( Marmand, photographe-opérateur de A. Braun à Dornach ) erwartete mit Ungeduld, dass die Sonne die an den Bergspitzen noch haftenden Wolken durchbreche; Objective, Glaeser und Zelt, alles ist zum Opériren bereit.

Gegen 8 Uhr wird sein Wunsch erfüllt; der Himmel klaert sich voellig auf; die Sonne steht glaenzend hinter dem Si-del-Horn und bei ihren erwaermenden Strahlen verschwindet in kurzer Zeit die weisse Decke des frischgefallenen Schnee's. ) Zit. in Dollfus-Ausset 1864,5'1 ': 377. Vermutlich ist au 73 damals fotografiert worden ( für AU 72 ebenfalls August 1861 denkbar ).

18 Forel nennt zuerst 1870, dann aber 1871 als Jahr des Maximalstandes für den Unteraargletscher:

:'9 Die Kritik von Fromer-Imobersteg ( 1945: 77 ) an au 06.2 und 3 ist in keiner Weise zutreffend; bevor man Kritik übt, sollte man die Naturlandschaft an Ort und Stelle besucht haben. ( Überaus phantastisch sind die Blöcke aufgetürmt; ihre Höhe steht in keinem Verhältnis zu dem dahinter liegenden Gebirge. ) Im Gegenteil, Wolf hat, mit Sinn für das Besondere, getreulich eine der hier in grosser Zahl vorhandenen Schuttpyramiden dargestellt.

20

21 J. E. Desor vgl. Gos 1928: 137. 22C.Vogtvgl.Gos1928: 140/141.

" Zu J. Bourckhardt vgl. Agassiz E. 1887: 249/250:

25 Zum ( Hôtel des Neuchâtelois ) ( Lage: 2471 m LK 656/156 ) vgl. Gos 1928 und Portmann 1975: 133/134 Anm.43. Desor gibt die Grösse des Blockes mit 41 x 30 x 19 Fuss an ( d.h.c.a. 12x9 x 5,7 m ); über die Entfernung zum Abschwung existieren für das Jahr 1840 zwei Werte: 797 m ( AGASSIZ 1840: 152 ), 792 m ( DESOR 1847: 188 ). Das Interieur des ( Hôtel des Neuchâtelois ) ( 1840 ) beschreibt Desor ( 1847: 188 ) wie folgt: ( Die Thüre der Hütte war gerade hoch und breit genug, um einen Mann von der Taille unseres Freundes Vogt einzulassen. Ein Tuch, an einen querüber befestigten Stab gehängt, diente statt Vorhang oder als Thüre.Vor dem Schlafzimmer waren Küche und Speisezimmer, ebenfalls unter dem Dache des Felsblockes, und seitlich unter einem andern Steine der Keller, worin unsere Vorräthe aufbewahrt waren. ) Vgl. auch Desor 1847: 388-394; erweiterter Ausbau des ( Hôtel ) 1842/43 ( Desor 1847:389 ).

26 1838 gründete Agassiz in Neuenburg ein eigenes Li-thographieatelier, wodurch er sich eine Vereinfachung, aber auch bessere Ausführung seiner Publikationen erhoffte. Mit Hercule Nicolet gewann er einen sehr guten und erfahrenen Künstler-Lithographen, der auch die erst kurz vorher entdeckte Kunst der Chromolithographie beherrschte ( Agassiz E. 1887: 215 ).

27 Wenn Collomb von d' été dernier ) spricht, so meint er vermutlich den Sommer 1848, denn seine Beobachtungen publizierte er 1849.

2« Auf der Landeskarte 1 :25000 ( Blatt 1250, Ausgabe 1981 ) liegt die Fundstelle AU Al noch unter dem Eis.

29 Die im Vergleich zu den Holzproben höheren Alter der Huminsäure aus den Aufschlüssen AU Al und AU A2 von 48075 yBP ( uz-985 ) bzw. 55075 yBP ( uz-983 ) deuten darauf hin, dass die Bodenbildung schon einige Zeit vor 480 yBP bzw. vor 550 yBP eingesetzt haben muss. Huminsäuredaten sind bekanntlich Mischalter, die sich aus älterer ( Beginn der Bodenbildung ) und jüngerer ( Abschluss der Bodenbildung ) Huminsäure zusammensetzen ( s. dazu Gamper 1985 ). In unserem Falle begann die Bodenbildung vermutlich kurze Zeit nach dem Vorstoss von 1000/900 yBP ( s. S. 290/291 ), als der Gletscher sich allmählich wieder zurückzubilden begann. Bis zum ersten neuzeitlichen Vorstoss im 16./17. Jahrhundert, der mit den 14C-Daten der organischen Restsubstanz und den Holzproben aus den datierten Böden von AU Al und AU A2 nachweisbar ist, stehen somit rund 400 Jahre für die Entwicklung des Bodens zur Verfügung ( vgl. Fig. 7, Falttafel ).

30 Es handelt sich hier und bei den folgenden Angaben bezüglich Gletscherausdehnung lediglich um ungefähre Grössenordnungen. Die Abschätzung erfolgte, ausgehend von der Lage der Fundstelle im Vorfeld, mit der Kurve der Zungenlängenänderungen ( Fig. 6, Falttafel ) und der heutigen Landeskarte ( Blatt 1250, Massstab 1:25000; Ausgaben 1975 und 1981 ).

31 Das Huminsäurealter von 193575 yBP ( uz-1043 ) ist ebenfalls ein Mischalter ( s. Anm.29 ). Die Bodenbildung begann deshalb bedeutend früher. Es ist sogar möglich, dass sie schon mehrere tausend Jahre vor 1935 yBP einsetzte ( s. dazu Gamper 1985 ).

32 Beim Unteraargletscher muss mitberücksichtigt werden, dass nach jedem Vorstoss das Gletscherbett erhöht wurde, so auch während der neuzeitlichen Hochstände ( S. dazu SCHNEEBELI 1976, RÖTHLISBERGER F. 1976 ). Eine Erklärung für die extrem lange Bodenbildungsdauer vordem Vorstoss im Mittelalter um 950/1050 n.Chr. ist möglicherweise in dieser sukzessiven Akkumulation im Gletschervorfeld zu suchen: Das Gletscherbett des Unteraargletschers lag früher viel tiefer, und während Vorstossen erreichte die Eisoberfläche das Niveau des Aufschlusses AU A3 bis um 950/1050 n. Chr. nie, obwohl die Ausmasse der Vorstösse vielleicht vergleichbar mit denen anderer Alpengletscher waren.

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