Auf schneebedeckten Wegen abgestürzt Wanderboom schlägt sich auf Notfallstatistik nieder

Wegen der Reiseeinschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus schnürten mehr Leute die Wanderschuhe. Deshalb gab es auch mehr Not- und Unfallsituationen, aber nicht überdurchschnittlich viele Todesfälle.

​Kaum Strandferien am Meer, keine Städtetrips und Urlaube im Ausland – es liegt auf der Hand, dass viele Erholungssuchende in der Schweiz geblieben sind und wieder einmal ihre Wanderschuhe oder im schlechteren Fall die Turnschuhe hervorgeholt haben. So ist es nicht erstaunlich, dass es in den Bergen zu deutlich mehr Not- und Unfallsituationen gekommen ist.

Alarmistisch sind diese Zahlen trotzdem nicht: Es starben bei Unfällen nicht überdurchschnittlich viele Wandernde, rund ein Drittel der insgesamt 1627 Beteiligten konnte gesund oder nur leicht verletzt aus einer misslichen Situation gerettet werden. Bei diesen Notlagen waren die häufigsten Ursachen Blockierungen infolge Erschöpfung, Überforderung oder Verirren.

Häufigste Unfallursache mit 770 Beteiligten war ein Sturz oder Absturz. Von diesen mussten 84 mit lebensgefährlichen Verletzungen hospitalisiert werden, und 55 Menschen überlebten die Folgen des Absturzes nicht.

Vereiste oder schneebedeckte Wanderwege sind gefährlich

Auch im Jahr 2020 waren Abstürze auf Wegen oder Pfaden mit 34 Opfern am zahlreichsten. Spezielle Gefahren auf Wegen entstehen meistens im Frühling, Vorsommer oder Herbst, wenn die Wege teilweise noch mit Hartschnee bedeckt oder vereist sind. Im Berichtsjahr sind bei solchen Verhältnissen sechs Wandernde und eine Trailrunnerin tödlich verunfallt. Deshalb sollte bei solchen Bedingungen die Wanderung gut geplant und die Ausrüstung angepasst werden:

  • Wanderung sorgfältig planen. Sich über Verhältnisse gut informieren, zum Beispiel Webcams und Verhältnisinfos bei einschlägigen Websites wie Hikr, Gipfelbuch oder camptocamp.
  • Bergschuhe bieten einen besseren Halt als einfache Trekkingschuhe.
  • Auf markierten Wegen bleiben.
  • Querungen von Schneefeldern und vereisten Stellen kritisch beurteilen.
  • Wanderstöcke verbessern das Gleichgewicht, wirken aber im Falle einer Rutschfahrt kaum als Bremsmittel. Ein einfacher Eispickel kann hier gegebenenfalls gute Dienste leisten.
  • Im Zweifelsfall umkehren.

Gut die Hälfte der tödlich verunfallten Bergwandernden waren allein unterwegs und wurden manchmal erst am nächsten Tag als vermisst gemeldet. Es ist nicht auszuschliessen, dass einige davon den schweren Unfall überlebt hätten, wenn eine Begleitperson rechtzeitig die Bergrettung hätte alarmieren können.

Wenn man allein zu einer Bergwanderung aufbricht, empfiehlt es sich, eine nahestehende Person über das geplante Vorhaben zu orientieren und einen Zeitraum zu vereinbaren, in dem man sich zurückmelden will. Eine zusätzliche Funktionalität hierzu bietet die Rega-App. In dieser kann man seine Aktivität überwachen lassen. Die App fragt in parametrierbaren Abständen nach, ob alles in Ordnung ist. Wird dies nicht quittiert, wird ein Anruf ausgelöst. Wenn auch auf diesen nicht reagiert wird, wird an die in der App hinterlegten Kontakte eine Sprachnachricht gesendet. Weitere Infos unter www.rega.ch/app.

Mehr medizinische Vorfälle und Unfälle mit Tiereinwirkung

Zahlreicher als im Vorjahr mit 262 Beteiligen waren auch Notfälle infolge eines medizinischen Vorfalls. Dadurch sind 38 Wandernde verstorben, meistens infolge eines Herz-Kreislauf-Problems. Betroffen waren praktisch nur Männer, die meisten waren über 60 Jahre alt.

Überdies waren Unfälle infolge Tiereinwirkung mit 24 Beteiligten zahlreicher (Vorjahr 12). Es waren dies 14 allergische Reaktionen nach Insektenstichen, 7 Attacken durch Kühe und 3 Schlangenbisse.

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