Auf zu neuen Gipfeln

50 Ausgaben von «Die Alpen» und fast fünf Jahre lang war ich Redaktor dieser Zeitschrift. Jetzt, wo ich dies schreibe – kurz vor Weihnachten –, bleiben nur noch wenige Tage, an denen ich morgens zur SAC-Ge­schäftsstelle aufsteige. Meine Zeit beim SAC geht mit dieser Ausgabe zu Ende.

Zuerst wunderten sich die Kolleginnen und Kollegen. Was ist denn das für einer, der zur Tür hineinpurzelt, sich an den langen Mittagstisch im zweiten Stock setzt und gleich Sprüche klopft?

Hinter mir lag ein Sturm, die raue Medienlandschaft hatte mich ausgespuckt. Mein Arbeitgeber war dem Pleitegeier zum Opfer gefallen. Und ich stand mit reichlich Blessuren in der Tür. Etwa so, als wäre ich in den Bergen abgestürzt. Man hat Erfahrung mit «kaputten» Alpinisten beim SAC. Man hiess mich sitzen und fand, ich sollte erst mal zur Ruhe kommen.

Richtig ruhig war es dann aber nie. Es waren stotzige Jahre, «es geht bergauf», schrieb ich in meinem ersten Editorial. In der Tat, wir waren auf schönen Skitouren, auf ausgesetzten Hochtouren, Spaghettiabend inklusive, die Ersten mussten um halb sechs los. Die meisten Touren habe ich aber nur im Kopf gemacht. Es gibt wenige Zeitschriften auf dem Globus, wo man sich in zwei Tagen vom Everest kommend auf den Kilimandscharo kämpft und am dritten Tag dann Griesschnee schaufelt in den eisigen Steilwänden Patagoniens. Auf dem Papier, beim Texteredigieren.

Real wäre das nicht machbar, ich bin kein Spitzenalpinist. Aber ich habe doch einiges gelernt: Ein Bergführer zeigte mir das Klettern. Andere nahmen mich mit ins Hochgebirge auf Skitouren. Dank der Hüttenkommis­sion lernte ich, was nötig ist, damit eine Gebirgsunter­kunft Strom hat und das Abwasser sauber wird. Die Leute vom Bereich Umwelt zeigten mir die ökologischen Zusammenhänge. So beim Schadstoffeintrag, den eine Hütte verursacht: Er sei etwa gleich hoch wie der einer Kuh. Und warum Schneehühner und Steinwild im Winter gestört werden, wenn Horden von Schneeschuhläufern durch die Wälder latschen. Weshalb Wildruhezonen wichtig sind auch.

Doch wie es so ist: Jede Tour geht zu Ende, neue locken. Ich durfte beim SAC viele engagierte Menschen kennenlernen. Ihr seid mir ans Herz gewachsen. Darum bleibe ich dem SAC verbunden und sage doch: Adieu.

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