Aufbruchstimmung im Zentralverband Jahresbericht des SAC 2015

Führer digitalisieren, den Internetauftritt modernisieren, die Geschäftsstelle reorganisieren: Der SAC hat sich für die kommenden Jahre viel vorgenommen. 2015 gleiste der Zentralverband gleich mehrere Grossprojekte auf.

Der SAC möchte seine Bergkompetenz auch im digitalen Bereich unter Beweis stellen. Im Fokus stand im vergangenen Jahr das Projekt Suisse Alpine 2020: Die umfangreiche Führerliteratur des SAC soll digitalisiert und online zugänglich gemacht werden. Die Konzeptphase ist mittlerweile abgeschlossen. 2015 erarbeitete die Projektgruppe die Grundlagen für die Umsetzung und verfeinerte die Kostenberechnungen. Anfang 2016 deponierte sie beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ein Finanzhilfegesuch. Über dessen Innotour-Fonds werden Innovationen im Tourismusbereich unterstützt. Der SAC hofft, mit Mitteln aus diesem Fonds 50% der 7,8 Millionen, die das Projekt bis 2019 kosten soll, finanzieren zu können. Die Antwort des SECO wird im Lauf des Frühlings erwartet. An der Abgeordnetenversammlung im Juni 2016 werden die Delegierten den definitiven Entscheid über die Fortführung des Projekts fällen. Im Herbst 2015 wurde ein weiteres Digitalprojekt angestossen: der Neuauftritt der Website www.sac-cas.ch. Ziel ist es, Informationen zielgruppengerecht auf einer Plattform zur Verfügung zu stellen, die auch mobil genutzt werden kann. Dazu gehört ein zentrales Log-in für die Nutzer der Website. Den SAC-Mitgliedern sollen auf ihrem Benutzerkonto zusätzliche Funktionen zur Verfügung stehen. Geplant ist, dass der neue Webauftritt im Frühling 2017 online geht und gemeinsam mit Suisse Alpine 2020 die Berg­sport­platt­form der Schweiz wird: Qualitativ hochstehende und verifizierte Tourendaten sollen flächendeckend und mehrsprachig zur Verfügung stehen. Mit der Organisationsstruktur der SAC-Geschäftsstelle beschäftigten sich 2015 mehrere Arbeitsgruppen. In Bern arbeiten heute rund 45 Mitarbeitende in zwölf Bereichen. In Zukunft wird es fünf zentrale Bereiche und eine Geschäftsleitung geben. Die Umsetzung des neuen Modells erfolgt bis Januar 2017. In einem nächsten Schritt sollen auch die ehrenamtlichen Strukturen der Kommissionen genauer unter die Lupe genommen werden.

SAC-Hütten unter Druck

Die SAC-Hütten spürten im vergangenen Jahr nicht nur die meteorologischen Verhältnisse, sondern vor allem auch den starken Franken: Mit rund 304 000 Übernachtungen ist 2015 das zweitschlechteste Hüttenjahr der vergangenen zehn ­Jahre (S. 54).

Zu reden gaben die arbeitsrechtlichen Bedingungen in den Hütten. Gesetzliche Vorgaben sind nicht nur für die Sektionen im Hüttenbau, sondern auch für die Hüttenwarte zu einer ernstzunehmenden Hürde geworden. Der Landesgesamtarbeitsvertrag und das Arbeitsgesetz stellen den Betrieb der Hütten vor grosse Herausforderungen. Eine Arbeitsgruppe sucht seit Ende 2015 nach Lösungen und verhandelt mit den zuständigen Behörden. Ziel ist, langfristig einen praktikablen, arbeitsrechtlichen Rahmen für den Hüttenbetrieb sicherzustellen.

Eine erfreuliche Bilanz weist das Hüttenreservationssystem auf, das der SAC Anfang 2014 in Betrieb genommen hat. Aktuell haben sich 53 Berghütten an das System angeschlossen. Rund 25 000 Buchungen für insgesamt über 110 000 Übernachtungen wurden in diesen Hütten online getätigt, das entspricht rund einem Drittel der Übernachtungen in allen SAC-Hütten. Zudem haben die Alpenvereine in Deutschland, Österreich und Südtirol der Übernahme des SAC-Systems zugestimmt. Dadurch entsteht eine Reservationsplattform für Schlafplätze in den Berghütten von einem grossen Teil des Alpenraums.

Rekord bei den Ausbildungskursen

Die Ausbildungskurse des SAC verzeichneten einen erneuten Teilnehmerrekord: Mehr als 2500 Personen besuchten einen der rund 220 Kurse des Zentralverbandes. Den grössten Zuwachs gab es in der Basisausbildung. In den J+S- und der Leiterausbildung stagnierten die Teilnehmerzahlen respektive stiegen sie nur leicht an. Wiederum gesunken ist die Anzahl der JO-Teilnehmerstunden in den Sektionen. Der SAC möchte hier entgegenwirken: Die von der Kommission Bergsport & Jugend 2014 ins Leben gerufene Arbeitsgruppe Jugend hat 2015 verschiedene Massnahmen erarbeitet, mit denen die JO-Leiter unterstützt werden sollen. Auswirkungen auf die JO-Teilnehmerzahlen werden ab 2017 erwartet.

Ein Projekt zur Förderung des Nachwuchses lancierte der SAC im Herbst 2015: das Kletterabzeichen Gecko Trophy. Die spielerische Kletterausbildung richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 13 Jahren. Mittels verschiedener Blöcke und Niveaus können Kinder den Klettersport kennenlernen und werden altersgerecht gefördert. Das Konzept mit Lehrplan, Übungssammlung sowie Abzeichen richtet sich an Ausbildner im Kinder- und im Schulsport.

Viel mediale Aufmerksamkeit erhielt das SAC-Expeditionsteam: Neben der Sendereihe «Hoch Hinaus», die Ende 2015 wiederum auf SRF ausgestrahlt wurde, machten die Teammitglieder mit verschiedenen alpinen Unternehmungen Schlagzeilen; so stellte Nicolas Hojac zusammen mit Ueli Steck einen neuen Seilschaftsspeedrekord in der Eiger-­Nordwand auf.

Parc Adula gibt zu reden

Auch Umweltpositionen des SAC fanden Eingang in die Medien: So zog im November das Projekt Nationalpark Adula kontroverse Diskussionen nach sich. Konkret ging es für den SAC darum, welche Routen in der künftigen Kernzone – sie umfasst fast ausschliesslich alpine bis hochalpine Gebiete – begangen werden dürfen. Obwohl er zu einem früheren Zeitpunkt in Arbeitsgruppen des Projekts vertreten war, wurde der SAC Anfang 2015 plötzlich mit einem stark reduzierten Routennetz konfrontiert. Der Zentralvorstand übte an der Einschränkung des Sommerbergsports auf vorgegebene Routen Kritik. Dies hat intern und extern viele Diskussionen ausgelöst. Im Rahmen der Vernehmlassung zur Charta im Januar 2016 äusserten sich der SAC-Zentralverband sowie die meisten lokalen und hüttenbesitzenden Sektionen. Die betroffenen Gemeinden werden voraussichtlich im Sommer/Herbst 2016 den definitiven Entscheid zum Parkprojekt fällen.

Beim Landschaftsschutz lag der Fokus auf laufenden Verfahren, zum Beispiel beim Skigebiet Tête de Balme, beim Liftschacht auf dem Klein Matterhorn oder beim Wasserkraft­projekt im Triftgebiet, wo der SAC im Ausschuss der Be­gleitgruppe vertreten ist. Im Frühjahr 2015 bezog der SAC kritisch Stellung zum Konzept Gebirgslandeplätze des Bundesrates. Er zeigte anhand der in der Region Wallis Südost erarbeiteten Konsenslösung auf, dass Kompromisse durchaus möglich sind.

Weltcupsieg für Petra Klingler

Am Boulderweltcup im chinesischen Haiyang konnte Petra Klingler ihren ersten Weltcupsieg feiern. Sie ist damit nach Susi Good und Alexandra Eyer die dritte Schweizer Athletin, die bei einem Weltcup zuoberst auf dem Treppchen stand. Der Kletternachwuchs sorgte für weitere Podestplätze: Sascha Lehmann sicherte sich den Weltmeistertitel in der Kategorie Jugend A; Alina Ring, Dimitri Vogt und Baptiste Ometz gewannen jeweils Silbermedaillen an den Europameisterschaften in den Disziplinen Lead und Bouldern.

Die Disziplin Eisklettern ist weiterhin im Aufwind: 2015 erzielte Petra Klingler einen Weltcupsieg im Lead sowie eine Bronzemedaille an der Weltmeisterschaft. Yannick Glatthard wurde Weltmeister in der Kategorie U19.

Die Schweiz war wiederum Gastgeberin für mehrere internationale Wettkämpfe: Neben dem Boulder-Master in Klosters und dem Eiskletter-Weltcup in Saas-Fee bildete die Weltmeisterschaft im Skitourenrennen in Verbier/Val de Bagnes den Saisonhöhepunkt. Vor allem die Damen und der Nachwuchs des SAC Swiss Team überzeugten: Séverine Pont-Combe, Victoria Kreuzer und Jennifer Fiechter gewannen Bronze, Marianne Fatton, Rémi Bonnet und Arno Lietha wurden Weltmeister. Bei den Herren holte Iwan Arnold eine Bronzemedaille im Sprint.

Stürmische Zeiten für den Verlag

Die rückläufige Entwicklung im Schweizer Buchmarkt macht sich auch beim SAC Verlag bemerkbar. Die Anzahl der verkauften Titel reduzierte sich 2015 erneut und sank um 11% auf 34 500 Exemplare. Der Verlag konnte das Jahresergebnis jedoch gegenüber dem Vorjahr wesentlich verbessern. Auch inhaltlich darf der Verlag zufrieden sein: Er gab vier Neuerscheinungen und acht vollständig überarbeitete Neuauflagen heraus. Der Schwerpunkt lag bei den Skitourenführern und der Ausbildungsliteratur.

Die Auflage der Clubzeitschrift «Die Alpen» stieg auf 110 012 Exemplare (+1,1%) an. Erfreulich: Die Produktion der Zeitschrift wird für die Mitglieder immer günstiger. Jedes SAC-Mitglied zahlt weniger als 16 Franken pro Jahr für zwölf Ausgaben. Dies, obwohl die Inserateeinnahmen Anfang 2015 regelrecht eingebrochen waren. Nur dank langjährigen Kontakten zum Markt konnte Kömedia den Rückstand bis Ende des Jahres wieder aufholen.

Wechsel bei den Hauptsponsoren

Die Benutzerzahlen der SAC-Website haben sich stabilisiert und liegen bei über drei Millionen Seitenaufrufen. Neben der Zeitschrift ist die Website der wichtigste Kommunikationskanal des Verbandes. Als Erfolg kann die Neulancierung des SAC-Club-Shops bezeichnet werden. Gemeinsam mit der Firma bestswiss erweiterte der SAC das Angebot und verdoppelte die Verkaufszahlen.

Einen Wechsel gab es wiederum bei den Hauptsponsoren des Verbands: Die Axpo hat ihr Engagement als Hauptsponsorin des SAC nach über sechs Jahren im Herbst 2015 beendet. Die CSS Versicherung, bereits seit 15 Jahren Partnerin des SAC, hat ab Januar 2016 die Nachfolge angetreten und unterstützt den Club neu als Hauptsponsorin. In der Kommunikation konnte die Einführung des neuen Corporate Designs erfolgreich abgeschlossen werden. Seit 2015 kommen die Titelseiten aller SAC-Broschüren inklusive der Zeitschrift «Die Alpen» in einem einheitlichen Design daher. Auch die Umstellung auf elektronische Newsletter ist geglückt. Die verschiedenen Informations- und Marketingnewsletter im SAC werden seit Ende 2015 in der gleichen Optik und im ­HTML-Format verschickt.

Der Trend der erfolgreichen Jahresergebnisse hält an: Die Jahresrechnung 2015 schliesst mit einem Einnahmenüberschuss von 258 325 Franken ab, 159 365 Franken über dem budgetierten Überschuss von 98 960 Franken. Das Clubvermögen, bestehend aus dem frei verfügbaren Fondsvermögen sowie dem Verbandskapital, beträgt 4 600 067 Franken oder 32,8% des Jahresumsatzes. Die Anzahl Mitgliedschaften stieg um 2056 auf gesamthaft 147 009. Die grösste Zunahme der Mitgliedschaften gab es in der Kategorie Familie und erfreulicherweise bei den jugendlichen Einzelmitgliedern. Auch der Frauenanteil wächst Jahr für Jahr und liegt im Moment bei 37%.

Rettungseinsätze und Alpines Museum

Die Alpine Rettung Schweiz, die letztes Jahr zehn Jahre alt wurde, verzeichnete rekordhohe Einsatzzahlen: Die Stiftung der Rega und des SAC rückte zu 762 Rettungseinsätzen aus. Dabei wurden 1010 Personen gerettet, evakuiert oder geborgen. Auch das Alpine Museum, für das sich der SAC als ­Stiftungsträger engagiert, weist eine positive Bilanz auf: 2015 besuchten 22 360 Personen die Ausstellungen und Veranstaltungen des Museums. Die externen Veranstaltungs- und Tourneeorte mitgerechnet liegt die Zahl bei 82 605 – Motivation, die schweizweite Verankerung weiterhin voranzutreiben.

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Jahresbericht in voller Länge

Den vollständigen Jahresbericht inklusive Jahresrechnung, Statistiken und detaillierter Berichte über Aktivitäten und Projekte finden Sie auf www.sac-cas.ch → Service → Über uns.

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