Aufeinander zugehen!

Bis vor knapp 20 Jahren konzentrierte sich die bergsportliche Aktivität des SAC auf die beiden grossen klassischen alpinistischen Disziplinen Hoch- und Skitouren. Entsprechend übersichtlich waren das Tätigkeitsfeld und damit die Erwartungen der Mitglieder an den SAC. Dies förderte das gegenseitige kameradschaftliche Verständnis und festigte so den inneren Zusammenhalt. Doch inzwischen hat sich eine ganze Reihe neuer und weitgehend eigenständiger Bergsportformen ausgebildet. Soll dieses Verständnis erhalten bleiben, müssen wir bereit sein, immer wieder aufeinander zuzugehen!

Die Entstehung neuer und rasch sich spezialisierender Disziplinen hat das Bergsteigerbild verändert. In seiner klassischen alpinistischen Form wird es dem Bergsport in seiner heutigen Breite nicht mehr gerecht. Die verschiedenen Zweige mit unterschiedlichen Vorstellungen, Techniken und Aktivitätsbereichen haben zudem die gegenseitigen Bindungen gelockert. Damit ist es auch schwieriger geworden, das Gefühl zu erhalten, Teil einer grossen Bergsteigerfamilie zu sein.

Wer sich nicht immer wieder über das Geschehen im weiten Feld des Bergsports informieren lässt, erhält rasch ein falsches Bild. Bis zu einer gefühlsmässig ablehnenden Haltung ist der Weg dann nicht mehr weit. Gefördert wird diese Entwicklung durch die vor allem gegenüber Natursportarten vielfach einseitig sensa-tionslastig orientierenden Medien. Deshalb gilt es, den bergsportlichen Charakter von neuen sowie von den weiter sich entwickelnden Aktivitätsformen in den Bergen unvoreingenommen zu erfassen und ihnen im Rahmen unserer Möglichkeiten eine faire Chance zu geben. Dazu muss man wissen, was in diesen Disziplinen geschieht, was sie bieten, welche Motive dahinterstehen, welche Voraussetzungen notwendig sind, was man vom SAC und was der SAC von ihnen erwartet.

Mit dem Einzug neuer Aktivitätsformen sind auch neue Mitglieder dem SAC beigetreten - mit anderen Schwerpunkten, Vorstellungen und Voraussetzungen als dies bei der bisherigen Alpinistengeneration der Fall war. Damit hat sich neben der zunehmenden Spannweite der Interessen die Tendenz verstärkt, den Club durch die Brille seiner persönlichen Interessen und seiner eigenen Zielsetzungen zu sehen: den SAC als Breitensport-verein, als Umweltverein, als Spitzen-und Wettkampfsportverein, als Berg-wanderverein, als Geselligkeits- und Bergkulturverein usw. Eine entscheidende Aufgabe des Dachverbands ist es, Verständnis für die Vielzahl der Bedürfnisse seiner Mitglieder zu wecken und dafür zu werben. Dazu gehört ebenso das Verständnis für das Aufeinander-angewiesen-Sein, das über das Band der Solidarität dem Club erst ermöglicht, jenes Leis-tungspaket anzubieten, das allseits von ihm erwartet wird.

Solidarität heisst aufeinander zugehen, das Gesamtangebot des Clubs so mittragen, dass auch die anderen Aktivitätsbereiche durch unsere Leistung gestützt und gefördert werden. Aufeinander zugehen bedeutet aber auch - was vielfach vergessen wird -, dass der andere mit seiner Leistung das mitträgt, was nicht ihn, sondern mich interessiert. Wenn Solidarität so umfassend gelebt wird, dann ist der Respekt gegenüber den verschiedenen Aktivitätsbereichen eine Selbstverständlichkeit und es muss nicht sofort zur « Ethik-Keule » gegriffen werden, um den andern mit Hilfe von Geboten, Regeln und Verboten möglichst einzuschränken. Dann ist die Chance gewährt, dass der SAC gestärkt und seinen Idealen in neuer Form verpflichtet aus dem Wandel hervorgeht.

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