Aus für Eiselin-Sport

Er war der Erste: Max Eiselin verkaufte 1954 aus einer Wohnung Bergsportartikel. Ende Januar 2017 schliesst der letzte Schweizer Eiselin-Bergsportladen.

In seinen besten Zeiten war der Name Eiselin an sechs Standorten in der Schweiz präsent. Doch nun ist Schluss. In Luzern wurden die Ladentüren Mitte Jahr verschlossen, schon Jahre vorher die Lokale in Zürich, Basel, Biel und Moutier. Ende Ja­nuar 2017 ist auch an der Monbijoustrasse in Bern Ende: Geschäftsführer Andreas Eiselin schliesst seinen letzten Bergsport­laden in der Schweiz. Die ehrliche Zukunftsanalyse zwinge ihn zu diesem Schritt, sagt der Sohn des Bergsportpioniers Max Eiselin. «Hohe Fixkosten, um rund 25% gesunkene Verkaufspreise und trotzdem weniger Kunden im Laden, das geht auf die Dauer nicht gut», begründet Andreas Eiselin den Entschluss. Mit der Geschäftsaufgabe in Bern verschwindet auch ein Kapitel Schweizer Bergsportgeschichte. «Es wird nicht das letzte sein», weiss Andreas Eiselin. Und: Ja, ein Funken Hoffnung bleibe – bis Ende Januar.

Pionier am Berg und im Verkauf

«Mit Mut in die Zukunft», das war schon immer das Credo des heute 84-jährigen Firmengründers Max Eiselin. 1960 leitete er die erfolgreiche Schweizer Dhaulagiri-Expedi­tion und 20 Jahre später bot er als Erster Trekkings und Expeditionen an. Für Ersteres wurde er bewundert, für Letzteres belächelt und kritisiert. Sein erstes Geld im Bergsport verdiente sich Max Eiselin aber schon 1954 als Sportartikelhändler: «Ich hatte kein Geld, um einen Laden zu mieten, deshalb habe ich mich in der Wohnung meiner Eltern breitgemacht», erinnert er sich schmunzelnd. Eiselin hat damals als erster die begehrten Kunststoffseile aus Nylon und Perlon importiert und als Weltneuheit auch die allerersten Alu-Leichtkarabiner von Pierre Allain verkauft. Eiselin war der erste Bergsporthändler der Schweiz und prägte Generationen.

Im Internet und in Deutschland

Den Entscheid, Bern aufzugeben, trägt er mit. Verantwortung zu tragen, heisse eben auch, schmerzhafte Entscheidungen zu treffen, so Max Eiselin. Ganz von der Weltkarte verschwinden wird der Name Eiselin-Sport aber nicht: Im grenznahen Ausland, in Lörrach, will Andreas Eiselin sein 2002 eröffnetes Geschäft weiterentwickeln und den Internetshop weiter ausbauen. Vor zehn Jahren noch unvorstellbar, sei dies heute die logische Konsequenz.

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50 Jahre Erstbesteigung Dhaulagiri: Mit dem Yeti zum «Weissen Berg», «Die Alpen» 05/2010

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