Bemerkungen zu den neuen Landeskarten

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( Erlenbach/Zürich ) Die letzten Jahre brachten eine erfreuliche Beschleunigung in der Fertigstellung und Herausgabe der neuen Landeskarten. Bereits liegen zwei Drittel des schweizerischen Areals im Maßstab 1:50 000 kartiert vor. Dieser Teil umfasst u.a. die gesamten alpinen und voralpinen Gebiete. Bald nach seinem Amtsantritt zu Beginn des Jahres 1952 entschloss sich der neue Leiter der Eidgenössischen Landestopographie, Prof. Dr. h.c.. S. Bertschmann, auch die Herausgabe der Landeskarten 1:25 000 und 1:100 000 in die Wege zu leiten. Die gesetzliche Grundlage hiezu war bereits im Jahre 1935 durch einen Bundesbeschluss gelegt worden. In den Diskussionen, die der gesetzlichen Regelung vorausgegangen waren, hatten sich alle an der Karte interessierten wissenschaftlichen und technischen Landesverbände und mit besonderem Nachdruck auch der S AC für die Karte 1:25 000 eingesetzt. Kürzlich sind nun in rascher Aufeinanderfolge bereits 15 Blätter erschienen. Ein alpines Blatt der Karte 1:100 000 ( unteres Rhonetal ) steht in Vorbereitung. Aus ökonomischen und technischen Gründen ist die Landestopographie genötigt, die Karte 1:25 000 soweit wie möglich auf die schweizerische Grundbuchvermessung aufzubauen. Diese aber erfasst naturgemäss zuerst die wirtschaftlich hochwertigen flacheren Landesteile. Die nächsten 10 Jahre werden uns somit die Blätter 1:25 000 für Jura, Mittelland und Südschweiz bringen. Erst nach Ablauf dieser Frist wird die entsprechende Kartierung der Hochalpen einsetzen. Vorstösse in den alpinen Raum, in den nördlichen Alpenrand, sind jedoch bereits jetzt im Gange. Das Blatt Säntis ist soeben erschienen, das Blatt Melchtal wird in allernächster Zeit folgen.

Die neue Landeskarte 1:50 000 ist eine Spitzenleistung aufnahmetechnischer und kartographischer Präzision. Sie hat durch die Verbesserung ihrer Reliefierung in jüngster Zeit wesentlich an Schönheit und Anschaulichkeit gewonnen. Ihr Bild erscheint jedoch sehr gedrängt, in manchen Blättern bis an die äusserste Grenze des Erträglichen. Dies gilt vor allem für die zuerst bearbeiteten Gebiete des Berner Oberlandes und für die Tessiner Täler mit ihren felsig-steilen Hängen.

Die neue grössere Karte 1:25 000 bringt mehr Einzelheiten der Geländeformen, genauere Ortsgrundrisse, mehr Namen und die für die schweizerische Kulturlandschaft so bedeutsamen Obstbaumhaine. Dank der Flächenvergrösserung bleibt trotz solcher Ergänzungen ihr Bild viel lockerer und lesbarer als dasjenige der Karte 1:50 000. So sind denn die bisher erschienenen Blätter von allen Kartenfreunden freudig begrüsst worden. Einige Gebiete liegen heute bereits in beiden Maßstäben vor. Dies trifft auch für das Säntisgebirge zu. Der Reichtum an Formen und an touristisch wichtigen Örtlichkeiten lässt hier den grösseren Maßstab besonders wünschenswert erscheinen. Für Eilmärsche « von Hütte zu Hütte » genügt die Karte 1:50 000, ja es dürfte hiefür vielenorts auch die zukünftige Karte 1:100 000 ausreichen. Wer sich aber eingehend mit irgendeiner Berggruppe befassen möchte, wird stets gern zur grösseren inhaltsreicheren Karte greifen. Man wende nicht ein, man müsse damit zuviel Papier und ein zu umfängliches Bild mit sich schleppen, gibt doch dieses grosse Bild auf engerem Raum und bei viel geringerem Gewicht mehr und zuverlässigere und übersichtlichere Auskünfte, als dies ein entsprechender Text- und Bilderteil selbst des besten SAC-Klubführers zu tun in der Lage ist.

Besonderes Interesse für den Bergsteiger bieten die alpinen Teile der neuen Karten. Der « neue Horizont » führte zu einer « Abwertung » unserer Berge um ca. 3 Meter. In Die Alpen - 1953 - Us Alpes18 manchen Gebieten aber, wo die alte Karte besonders mangelhaft war, gibt die neue Landesaufnahme Höhenkoten, die um 8 und 10 und mehr Meter von denjenigen der Siegfriedkarte abweichen. Ein kleiner Gipfel westlich des Altmanns im Säntisgebiet ist sogar von 2353 auf 2303 m, also um 50 m erniedrigt worden.

Manches zu sagen gäbe auch die neue Ortsnamenschreibweise. Wir möchten hier nicht darauf eintreten, denn es hätte dies nur bei eingehender Behandlung einen Sinn. Festgestellt sei nur, dass durch die neue, den Mundarten stärker angenäherte und linguistisch überprüfte Nomenklatur im ganzen sehr viel Namenunkraut aus unsern Karten ausgejätet worden ist und dass das neue schweizerisch gefärbte Namensgut aus nationalen und volkskundlichen Gründen zu begrüssen ist. Das Orientieren wird indessen damit in vielen Fällen kaum erleichtert. Die linguistische Revolution war leider zu spät ausgebrochen, erst nachdem grosse Teile der neuen Kartenwerke bereits vorlagen. Diese Verspätung und die Souveränität der Kantone in der Ortsnamengebung haben zur Folge, dass die Nomenklatur der Karte 1:50 000 durchaus nicht nach einheitlichen Gesichtspunkten bearbeitet ist. Überdies Schoss der Drang nach der mundartlichen Muttersprache da und dort über ein vernünftiges Mass und Ziel hinaus, so dass aus all diesen Gründen bei nächster Gelegenheit eine gewisse Bereinigung unvermeidlich sein wird.

Die Firn- und Eisflächen erscheinen in den neuen Blättern gegenüber der Siegfriedkarte stark reduziert und viel zerschrundeter, zum Teil infolge des Gletscherschwundes der letzten Jahrzehnte, zum Teil bedingt durch die genaueren Aufnahmen. Zahllose kleine Firnfelder und Gletscherchen sind ganz aus der Karte verschwunden und haben öden Geröllflächen Platz gemacht.

Eine der schwierigsten, aber auch schönsten Aufgaben moderner Hochgebirgskarto-graphie ist die Felsdarstellung. Die heutigen photogrammetrischen Aufnahmeverfahren liefern auch für die schwer zugänglichen Felsgebiete genaue Höhenkurven. Dieses geometrische Element in der Karte befriedigend festzuhalten, gelingt jedoch nur für nicht allzusteilen Fels in grössten Maßstäben. Felsgebiete sind meist derart kompliziert gegliedert, zerknittert und stellenweise so steil, dass ihre Höhenkurven sich zu unlösbaren, unleserlichen und unanschaulichen Linienknäueln verfilzen. In Karten oder Plänen grösster Maßstäbe ist ihre zeichnerische Entwirrung vielenorts noch ohne allzuweitgehende Lageverfälschungeh möglich. Kleine Maßstäbe aber zwingen zu sehr starker Vereinfachung der Formen und zu verflachenden Verschiebungen. Der geometrische Wert der Höhenkurven ist dabei in Frage gestellt. Eine gute Felsgerippe- oder Felsschraffenzeichnung leistet hier dem Kartenbenützer bessere Dienste. Sie ist viel anschaulicher und prägnanter, vermag viel mehr in die Einzelheiten einzudringen und steht für Maßstäbe 1:50 000 und kleiner auch in geometrischer Hinsicht den generalisierten Höhenkurven kaum nach. So gibt denn das grösste der neuen topographischen Kartenwerke unseres Landes, der « Übersichtsplan » der Grundbuchvermessung im Maßstab 1:5000 oder 1:10 000, die Felsformen durch Höhenkurven, die Karte 1:50 000 jedoch durch Felsschraffen, ähnlich wie die Siegfriedkarte. Die Felszeichnung dieser letzteren war von hervorragender Anschaulichkeit, doch täuschte das schöne Antlitz oft über grobe Ungenauigkeiten hinweg. Zeichnerische Gestaltungsfreude war durch das weitmaschige Netz der aufgenommenen Punkte wenig behindert. Heute hat sich dies geändert. Das Felszeichnen ist in gewissem Sinne schwieriger geworden. Die Felsform ist bis ins Kleinste durch die Messung festgelegt, und trotzdem soll ihr Miniaturabbild demjenigen der Siegfriedkarte an Anschaulichkeit und Prägnanz nicht nachstehen. Unsere Topographen, Kartographen und Kupferstecher haben diese mühevolle Kleinarbeit in der neuen Karte 1:50 000 hervorragend gelöst. Wohl sind nicht alle Blätter von gleicher Qualität, im ganzen aber steht ihre Felsdarstellung auch künstlerisch-graphisch auf bemerkenswert hoher Stufe.

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