Bergdrama im Wetterhäuschen. Vor 80 Jahren: Doppelmord am Säntis

Bergdrama im Wetterhäuschen

Am 21. Februar 1922, also vor gut 80 Jahren, sorgte der Doppelmord am Wetterwart-Ehepaar auf dem Säntis für viel Aufsehen. Ein abgewiesener Bewerber um den Posten bestieg den Berg bei höchster Lawinengefahr und erschoss den Wetterwart und seine Frau. Bis der Mord entdeckt wurde, dauerte es fünf Tage.

Am 22. Februar 1922 erschienen in der NZZ keine Wetterdaten vom Säntis. Das war damals nichts Aussergewöhnliches, denn im Winter fiel die Telegrafenver-bindung zwischen dem Säntis und der übrigen Welt häufig aus. Am sehr exponierten Gipfel herrschen oft härteste Bedingungen mit Windgeschwindigkeiten bis 250 km/h, Massen von Neuschnee und tagelanger Lawinengefahr. Niemand ahnte, dass sich am 21. Februar im Wetterhäuschen auf dem Säntisgipfel ein Drama abgespielt hatte. Motiv: Neid Drei Jahre vorher war die Stelle neu besetzt worden. Man hatte ausdrücklich ein Ehepaar verlangt, weil die Arbeit streng und von einer Person allein nicht zu bewältigen war. Kam hinzu, dass die Wetterstation im Winter oft tage- oder sogar wochenlang von der Umwelt vollständig abgeschnitten war. Die Bahn wurde erst 1935 eröffnet. Angestellt wurde schliesslich das Ehepaar Heinrich und Magdalena Haas. Heinrich war ein hervorragender Berggänger, tüchtiger Bäcker und später zuverlässiger Tramkon-dukteur in Zürich. Seine Frau Magdalena stammte aus Brülisau. Der mutmassliche Mörder – ein Geständnis gab es nie – war ein gewisser Gregor Kreuzpointner, der es im Gegensatz zu Heinrich auf keinen grünen Zweig gebracht hatte. Zweimal war er als Schuhmacher Konkurs gegangen, zudem ging noch eine Verlobung mit einer Tochter aus gutem St.. " " .Galler-Haus in die Brüche. Und dann bekam dieser Haas, ein « Sozi » aus Zürich, auch noch die Stelle auf dem Säntis.

Selbstmord statt Hinrichtung Am 21. Februar stieg Kreuzpointner, ein exzellenter Skifahrer, auf einer gewagten Route, die Einheimische als « Himmel-fahrtskommando » bezeichneten, zum Säntisgipfel auf. Es lagen 40 Zentimeter

Fo to :eg Das historische Bildmaterial stammt aus « Säntis – das Wetter » und wurde uns freundlicherweise von der Säntis-Schwebe-bahn AG zur Verfügung gestellt.

Blick auf den Säntis, 2502 m, vom Bachtel aus DIE ALPEN 12/2002

Neuschnee, die Lawinengefahr war gross. Was sich dann im Wetterhäuschen genau abgespielt hat, weiss niemand. 1 Das Wet-terwart-Ehepaar wurde mit sog. Dum-dum-Munition erschossen, das Bargeld und der Trachtenschmuck von Magdalena Haas gestohlen und die Stöpsel der Telegrafen-Verbindung herausgerissen. Erst fünf Tage später stieg eine Rettungskolonne von Wasserauen her auf und fand die beiden Leichen.

Kreuzpointner hatte sich mit « schönen Telemarkschwüngen » – so die Rettungsleute – davongemacht und wurde 11 Tage später in einer Alphütte tot aufgefunden. Er hatte sich kurz vorher das Leben genommen. Damit war er einer vermutlichen Verurteilung zum Tode – damals kannten einige Kantone noch die Todesstrafe – zuvorgekommen. a

Werner Kamber, Schwägalp 1 Markus Imhoof hat in seinem Film « Der Berg » von 1992 mit Matthias Gnädinger seine eigene Version der Geschichte erzählt.

Einrichtung der meteorologischen Station auf dem Säntis im 19. Jahrhundert. Originalzeichnung John Beyer, Säntis-Wetterwart von 1883–1885 Lena und Heinrich Haas mit Säntisträger Rusch und Gehilfe ( v. l. ) bei wohlverdienter Kaffeepause Lena Haas vor dem vereisten Windmesser

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