Bergnotfälle Schweiz 2000

Wetter beeinflusste Unfallzahlen

Der Zusammenhang zwischen Witterungsbedingungen, Tourentätigkeit und Bergunfällen bestätigt sich in grossen Zügen auch im Berichtsjahr 2000: Obwohl die oftmals schwierigen und heiklen wetterabhängigen Bedingungen immer wieder zu aussergewöhnlichen Unfallsituationen führten, haben die insgesamt tieferen Tourenaktivitäten letztlich eine recht günstige Gesamtbilanz der Unfallzahlen bewirkt.

Die Bergnotfälle 2000 im Überblick 1

Betroffene und Aktivitäten Im Kalenderjahr 2000 waren in der Schweiz bei der Ausübung des Bergsports 2 1245 Berggänger von einem Bergnotfall betroffen. Zusammen mit den Gleitschirm- und Deltafliegerunfällen mussten insgesamt 1350 Personen die Bergrettung beanspruchen, was im Vergleich zum Vorjahr einer Abnahme von 7% entspricht. An dieser Entwicklung sind die einzelnen Tätigkeiten in sehr unterschiedlichem Masse beteiligt: Höhere Zahlenwerte weisen namentlich das Bergwandern ( +2% ), das Felsklettern ( +4% ), die Skitouren ( +28% ) und das Eisfallklettern ( +33% ) auf. Demgegenüber haben sich bei den Hochtouren ( –18% ), bei den Variantenabfahrten ( –19% ) und bei der Kategorie « andere Bergsportarten » ( –75% ) zum Teil deutlich weniger Unfälle ereignet ( vgl. Grafik 1 ).

Ursachen Auch bei den Ursachen sind im Jahresvergleich zum Teil deutliche Unterschiede feststellbar. Zugenommen haben vor allem Lawinenunfälle ( +146% ), Suchaktionen im Zusammenhang mit Verirren ( +31% ) sowie Bergungsaktionen als Folge von Blockierungen 3

( +14vgl. Grafik 2 ). Um 24% zugenommen haben auch die in der Kategorie « Anderes » zusammengefassten Ereignisse. Bei diesen handelt es sich um Vorkommnisse und Unfälle, die sich nicht klassischen Unfallursachen beim Bergsteigen im engeren Sinne zuordnen lassen, aber ebenfalls als Bergnotfälle zu bezeichnen sind. Dazu gehören Ereignisse wie Ertrinken, unbekannte Ursachen bei vermissten Personen oder Alleingängern, in Bäume oder in Kabel verhängte Gleitschirmflieger oder ein Flugunfall im Dezember 2000. Das in Aosta gestartete Privatflugzeug mit 3 Personen an Bord erlitt auf dem Haut Glacier de Tsa de Tsan eine Bruchlan-dung. Die leicht bekleideten Insassen warteten die Retter nicht ab, sondern versuchten sich in Sicherheit zu bringen, wobei der Pilot und ein Passagier in einem 70° steilen Couloir abstürzten; die dritte Person wurde von der Rettungsmannschaft gefunden – aus dem Flug-unfall wurde ein « Bergnotfall » und entsprechend in dieser Statistik unter der Rubrik « Anderes » vermerkt.

Schwere der Schädigung Bei der Schwere der Schädigung der betroffenen Personen 4 zeigen sich im Jahresvergleich keine signifikanten Abweichungen; die kleineren Zahlenwerte entsprechen dem allgemeinen Rückgang beim ganzen Notfallgeschehen ( vgl. Grafik 3 ). Anders sieht es bei den Angaben « Todesfälle » und « unverletzt » aus. Die überproportionale Abnahme von 44% bei den Todesfällen hängt vor allem mit dem Canyoningunfall im Saxetbach 1999 zusammen, das als Einzel-ereignis mit 21 tödlich verunfallten Personen die Bilanz des Berichtsjahres 1999 ausserordentlich stark belastete. Demgegenüber hat die Zahl der unverletzt geborgenen oder geretteten Personen im Jahresvergleich um 37% zugenommen. Dies ist vor allem auf die Zunahme von Verirren, Blockierung und Lawinen zurückzuführen ( vgl. Grafik 2 ).

Einfluss der Mobiltelefonie In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Bergrettung gegenüber früheren Jahren markant häufiger bei Blockierungssituationen angefordert wird. Diese Entwicklung ist zweifellos mit dem zunehmenden Versorgungsgrad durch die Mobiltelefonie im Alpenraum verbunden und muss differenziert betrachtet werden: Es ist sicher vernünftiger, wenn Berggänger in einer ausweglosen Lage die professionelle Rettung in Anspruch nehmen, anstatt letztlich durch Überforderung in der Situation einen « echten » Bergunfall mit entsprechenden Folgen an Leib und Leben zu provozieren. Andererseits kann und darf es aber auch nicht sein, dass die Verantwortung für das eigene Tun leichtfertig an die Bergrettung delegiert wird. Die Frage, wann bei solchen Vorkommnissen die Vernunft aufhört und der Leichtsinn beginnt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es ist zu vermuten, dass sich auch die Alpinverbände in den nächsten Jahren verstärkt mit dieser Thematik auseinander setzen werden müssen.

Tödliche Bergunfälle

Allgemeines Im Berichtsjahr ( Kalenderjahr ) 2000 sind in den Schweizer Alpen bei 83 Ereignissen insgesamt 93 Personen tödlich verunfallt ( vgl. Tab. 1 ), was einer Abnahme von 19% gegenüber dem Vorjahr

1 Der Begriff « Bergnotfall » umfasst alle Ereignisse, bei denen Personen in Ausübung einer bergsportlichen Tätigkeit gerettet oder geborgen werden. Diese Zusammenstellung stützt sich auf die Angaben aller Rettungsorganisationen in der Schweiz. Dank der Mithilfe vieler Beteiligter, namentlich von Hans Jaggi, Rettungsadministration SAC, René Hassler, Griso Data AG, Hans Jacomet, Rega, Carlo Gobba, Air Zermatt, Jacques Michelet, Kt. Wallis, und Frank Tschirky, SLF, ermöglicht das zur Verfügung stehende Zahlenmaterial seit mehreren Jahren einen summarischen Überblick über das ganze Bergnotfallgeschehen in der Schweiz. ( Nach Redaktionsschluss erreichte uns die traurige Nachricht vom unerwarteten Tod von Frank Tschirky. ) Aus dem Unterwallis standen uns – wie bereits 1999 – leider keine vollständigen Informationen über die Einsatztätigkeit zur Verfügung. Deshalb sind die hier ausgewiesenen Zahlenwerte über das gesamte Notfallgeschehen in der Schweiz nicht vollständig. Davon nicht betroffen sind die tödlichen Bergunfälle im engeren Sinne, bei denen ein direkter Jahresvergleich uneingeschränkt möglich ist und die in diesem Bericht auch ausführlicher kommentiert werden. 2 Der Begriff « Bergsport » umfasst nicht nur die Aktivitäten des klassischen Bergsteigens, sondern auch neue Trendsportarten wie z.B. Canyoning. Nicht berücksichtigt werden dagegen Ereignisse auf Skipisten und beim Begehen von Höhlen. 3 Die Notfallursache « Blockierung » bezeichnet Ereignisse, bei denen Berggänger in eine ausweglose Situation in Folge schlechten Wetters, schwieriger Verhältnisse oder allgemeiner Überforderung in Not geraten sind und deshalb die Hilfe der Bergrettung beanspruchen müssen. 4 Im schweizerischen Bergrettungswesen wird für die Klassifizierung von Verletzungen die Codierung des amerikanischen National Advisory Committee Aeronautic ( NACA ) verwendet. Vgl. auch Grafik 3.

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entspricht. Wie bereits erwähnt, wurde die Todesfallstatistik 1999 durch den Canyoningunfall im Saxetbach mit 21 Todesopfern stark belastet. Klammert man dieses Ereignis aus, sind die Zahlen im Berichtsjahr praktisch identisch mit jenen im Vorjahr.

Durch die zumeist witterungsbe-dingte Abnahme bzw. Verlagerung der Tourenaktivitäten zeigen sich einige zum Teil ausgeprägte Verschiebungen gegenüber früheren Jahren. So entspricht die Zahl der betroffenen Ausländer mit 30 Personen einem Anteil von 32% gegenüber an die 50% der Vorjahre. Nach Nationen aufgeteilt sind dies: Deutschland 12, Grossbritannien und Niederlande je 3, Belgien, Frankreich, Italien und Neuseeland je 2 sowie Österreich, Russland, Spanien und Tschechien je eine betroffene Person. Bemerkenswert ist die geringe Zahl der betroffenen Frauen mit 10 Todesopfern bzw. 11%.

Teilweise markante Verschiebungen finden sich bei den einzelnen Tätigkeitsgruppen wie etwa beim Bergwandern, das mit 38 Personen ( Vorjahr 27 Personen ) einen Anteil von 41% ( Vorjahr 23% ) am gesamten Unfallgeschehen mit tödlichen Folgen aufweist. Im Gegensatz ist der Anteil der Hochtourenunfälle mit 23 Personen oder 25% tiefer als im Jahresvergleich mit 33 Personen oder 29% ( vgl. Tab. 2 ).

Hochtourenunfälle Der Bergsommer des Berichtsjahres 2000 war wie schon im Vorjahr wenig ideal für hochalpine Unternehmungen. Im Juli führten lang andauernde Nord-westlagen immer wieder feuchtnasse Luftmassen zu den Alpen, mehrmals schneite es bis unterhalb 2000 m, und im hochalpinen Raum oberhalb von 3000 m kam die Tourentätigkeit praktisch zum Erliegen. Eine durchgreifende Wetterbesserung stellte sich erst in der zweiten Augustwoche ein. Der Neuschnee, der sich in der Viertausenderregion hartnäckig hielt, begünstigte vor allem ausgesprochene Firn- und Gletschertouren, auf denen rasch gute Voraussetzungen angetroffen wurden. Vor allem auf anspruchsvollen Routen im kombinierten Gelände blieb jedoch die Situation noch längere Zeit kritisch. So führten die ungünstigen Verhältnisse nach mehreren Jahren ohne tödliche Unfälle in der klassischen Heckmair-Route der Eigernordwand zu 2 Unfällen mit Todesfolgen: Im August kam eine Zweierseilschaft beim zerschrundenen Pfeiler von der Route ab, und in den Aufschwüngen unterhalb des Schwalbennestes wurde der sichernde Seilzweite von einem Stein am Kopf getroffen und erlitt trotz seines Helms tödliche Kopfverletzungen. Bei einem weiteren Unfall im September stürzte eine Zweierseilschaft aus dem zweiten Eisfeld ca. 600 m in die Tiefe.

Eine längere stabile Schönwetterperiode stellte sich erst am Ende des Sommers vom 8. bis am 12. September ein. Ein Lawinenniedergang mit 2 Todesopfern am Nesthorn zeigte allerdings deutlich, dass auch während dieser Zeit die Verhältnisse in einzelnen Gebieten der Hochalpen kritisch zu beurteilen waren.

Trotz der schlechten Rahmenbedingungen entwickelte sich das Unfallgeschehen bei den Hochtouren günstig, war doch 1984 letztmals die Zahl von Bergtoten bei sommerlichen Hochtouren gleichermassen tief. Von den 23 Opfern starben 19 Personen durch Sturzunfälle; zwei Ereignisse sind als Mitreiss-

Grafik 2: Notfallsituationen 1999/2000 gegliedert nach Ursachen Grafik 1: Bergnotfälle 1999/2000 gegliedert nach Tätigkeiten Grafik 3: Bergnotfälle 1999/2000 gegliedert nach medizinischem Index Gleitschirm Eisfallklettern 0 50 100 Delta Klettern ( Fels ) 1999 2000 150 200 250 300 350 400 450 500 Andere Bergsportarten Variantenabfahrten Skitouren Hochtouren Bergwandern Blitzschlag Blockierung Verirren Sturz/Absturz 0 100 200 300 400 500 600 700 800 1999 2000 Nicht definiert/ Anderes Steinschlag/ Eisschlag Spalteneinbruch Lawinen Erkrankung 0 100 200 300 400 500 600 1999 2000 Tod mit oder ohne Wiederbelebung Ambulante ärztl. Behandlung Keine ärztl. Behandlung notwendig Wiederherstellen vitaler Funktionen Akute Lebensgefahr Potenzielle Lebensgefahr Unverletzt Hospitalisation nötig DIE ALPEN 6/2001

unfälle zu bezeichnen, bei denen alle 4 beteiligten Alpinisten das Leben verloren. Der prozentuale Anteil der ausländischen Alpinisten ist mit 70% bei den Hochtouren signifikant höher als der vergleichbare Wert von 32% über alle Tätigkeiten.

Bergwanderunfälle Beim Bergwandern im vor- und hochalpinen Gelände sind insgesamt 38 Personen ums Leben gekommen. Mit dieser Zahl steht diese Tätigkeit – erstmals wieder seit 1995 – nicht nur an erster Stelle der erfassten Kategorien, sondern weist auch eine markant verschlechterte Unfallbilanz im Vergleich zum Vorjahr aus ( vgl. Tab. 2 ). Sie ist aber trotz der Zunahme noch weit vom Negativ-Rekordjahr 1989 ( 66 tödlich verunfallte Bergwanderer ) entfernt. Von den 30 durch Sturz verursachten Todesfällen waren jene im weglosen Gras- und Schrofengelände am häufigsten ( vgl. Grafik 4 ). Dass Bergwanderunfälle im Gegensatz zu den Hochtourenunfällen weitgehend « haus-gemacht » sind, zeigt der prozentuale tiefe Anteil der Ausländer von 8%.

Der Regensommer 2000 verursachte auch einen tragischen Unfall, der zeigt, dass bei aussergewöhnlichen Wettersituationen auch « harmloses und leichtes alpines Gelände » nicht ungefährlich ist. Anfang August wurde eine rund 20 Personen umfassende, geführte Gruppe von ausländischen Touristen auf dem häufig begangenen Wanderweg Grindelwald First–Grosse Scheidegg ( BO ) von einer Schlammlawine überrascht. Von den fünf erfassten Personen konnten sich zwei im letzten Moment retten, die anderen drei hingegen wurden mitgerissen und fanden dabei den Tod. Darunter befand sich auch einer der Leiter dieser Gruppe, ein sehr erfahrener, einheimischer Bergführer. Kletterunfälle Dass die Zahl der Bergtoten beim Felsklettern 5 seit Jahren entscheidend kleiner ist als bei den anderen in dieser Statistik erfassten Bergsportarten, hat verschiedene Gründe. Einerseits dürfte die Zahl der Kletterer – trotz der hohen Popularität – immer noch deutlich unter jener von Hochtourengängern, Skitourenfahrern und Bergwanderern liegen. Andererseits wird heute vor allem im so genannten « Plaisirbereich » geklettert. Klettern ist zumindest in Bezug auf die Mortalität dank der Infrastruktur ( Absicherung ) zu einer der « sichersten » Bergsportarten geworden, was auch das Unfallgeschehen des Berichtsjahres mit nur einem Kletterunfall dokumentiert. In Folge eines Missverständnisses hatte in einer Ein-Seillängen-Route ( 5a ) der am Boden sichernde Partner die Seilsicherung ausgehängt, weil er der Meinung war, dass der vorsteigende Kletterer vom Umlenkpunkt aus selber abseilen wollte.

Sturz au fB er gw eg Ertru nken ( Sc hl amml aw ine ) Un bek ann t ( v er mi sst ) 0 2 6 12 14 18 16 10 8 4 Sturz im Fel s Sturz au fSc hnee, Fir no de r E is Ertru nken ( B er gbac h ) Sturz au fG ra s od er Ge röll Sturz im Au fst ieg Sturz bei de r Ab fa hrt Blo ckie ru ng 0 4 6 2 Sp alt en sturz Wäc ht en abb ru ch Er drü ck t La winen- ve rs ch üttu ng 1 3 5 Grafik 4: Ursachen von tödlichen Bergunfällen 1999/2000 Grafik 5: Ursachen von tödlichen Skitourenunfällen 1999/2000

Tabelle 1: Identität

1999 2000 2000 Anzahl Opfer 115 93 100 Männer 94 83 89 Frauen 21 10 11 Schweizer 48 63 68 Ausländer 67 30 32 SAC-Mitglieder 16 12 13 Altersstufen: bis 10 Jahre 0 0 – bis 20 Jahre 6 6 6 bis 30 Jahre 35 23 25 bis 40 Jahre 32 7 8 bis 50 Jahre 19 14 15 bis 60 Jahre 10 16 17 bis 70 Jahre 6 16 17 über 70 Jahre 7 8 9 unbekannt 0 3 3

Tabelle 2: Tätigkeit

1999 2000 2000 Bergwandern 27 38 41 Hochtouren 33 23 25 Klettern 5 1 1 Skitouren 15 12 13 Variantenabfahrten 10 11 12 Anderes 25 8* 8 Organisierte Touren 27 6 6 Private Touren 66 58 63 Alleingänger 22 29 31 * Jagd = 5, Pilzsuchen = 2, Kristallsuchen = 1

Tabelle 3: Gelände

1999 2000 2000 Bergweg 11 15 16 Gras/Geröll 9 21 23 Felsen 17 15 16 Schnee/Firn/Eis 36 32 35 Gletscher 12 5 5 Anderes Gelände 30 5* 5 Voralpen 64 55 56 Hochalpen 51 38 44 Jura 0 0 0 * unbekannt ( vermisst4, Bergbach = 1 DIE ALPEN 6/2001

Da dieser sich offensichtlich auf die Sicherung seines Partners verliess, stürzte er rund 20 m kopfvoran auf den Boden.

Derartige Zwischenfälle, 6 die glücklicherweise häufig weniger tragisch enden, machen deutlich, dass auch im Plaisirbereich Konzentration, eine klare Verständigung und ein geübter Umgang mit den Sicherungsmitteln unabdingbar sind für einen sicheren Klettergenuss.

Skitourenunfälle Das Berichtsjahr 2000 begann mit guten Tourenverhältnissen: Nördlich des Alpenhauptkammes war eine stabile Schneedecke vorhanden, die auch Talabfahrten bis in tiefere Lagen ermöglichte. In der letzten Januar- und ersten Febru-arwoche herrschte während mehrerer Tage eine heikle Lawinensituation. Dann aber folgten zumindest gegen Westen hin allgemein günstige Schnee- und Wetterbedingungen. Ab Ende März bis zum Saisonende sorgten die häufigen Föhnlagen am Alpenhauptkamm und südlich davon für respektable Neuschneemengen, was vor allem die Tourenaktivitäten in den hochalpinen Gebieten beeinträchtigte. Das Unfallgeschehen widerspiegelt diese Situationen und entspricht mit 12 tödlich Verunfallten einem Rückgang von 20% im Vorjahresvergleich ( vgl. Grafik 5 ). Ein Drittel starb bei Lawinenabgängen ( Vorjahr 40% ), und nur eine Person war in einen Gletscherspaltenunfall verwickelt ( Vorjahr 5 Personen ). Als ungewöhnlich ist der Unfall bei einer Spaltenrettungs-übung zu bezeichnen, bei der eine Seitenwand ( Firn ) der Spalte einbrach und die übungshalber und angeseilt in der Spalte befindliche Person erdrückte.

Variantenabfahrten 7

Mit insgesamt 11 Todesopfern ist die Zahl der betroffenen Personen im

5 Der Begriff « Klettern » hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Unfallstatistik versucht, so weit als möglich diesem Wandel gerecht zu werden, und berücksichtigt in dieser Kategorie seit der Neudefinition von 1991 nur noch Ereignisse bei Kletteraktivitäten im engeren Sinne. Das heisst, dass hier unter « Klettern » nur diejenigen alpinen Aktivitäten aufgeführt werden, bei denen beim Felsklettern im voralpinen Raum üblicherweise von Standplatz zu Standplatz gesichert wird. Hochalpine Unternehmungen hingegen, bei denen zwar auch geklettert und von Standplatz zu Standplatz gesichert wird, werden in dieser Statistik unter der Rubrik « Hochtouren » aufgeführt, weil bei solchen Touren in der Regel die hochalpinen Anforderungen und Qualifikationen überwiegen. 6 Ein ähnlicher Sturz mit einem Todesfall ereignete sich auch in einer Kletterhalle. Ereignisse im Indoor-Bereich werden jedoch, gemäss den Definitionen der Bergunfallstatistik, nicht berücksichtigt. 7 In dieser Tätigkeitsgruppe werden alle Ereignisse zusammengefasst, die sich bei Abfahrten ausserhalb der gesicherten Pisten ereignet haben und bei denen zuvor ein mechanisches Transportmittel ( Seilbahn, Skilift ) für den Aufstieg verwendet wurde. Auch der Tod eines Skifahrers, der sich zusammen mit einer Gruppe von einem Helikopter in das alpine Gelände ( Pointe des Grands, Trientgebiet ) transportieren liess und während der Abfahrt in einer Lawine verunfallte, wurde in diese Zusammenstellung aufgenommen.

Die Bergnotfallstatistik zeigt, dass Klettern in Bezug auf tödlich verlaufende Unfälle dank der Infrastruktur ( Absicherung ) zu einer der « sichersten » Bergsportarten geworden ist; Rettungsübung im Fels. Eine Folge der schwierigen Wetterverhältnisse im Bergsommer 2000 waren zwei Unfälle mit Todesfolgen in der Eigernordwand – nach einer mehrjährigen Periode ohne tödliche Unfälle.

Fo to :A rc hi v SA C- Re ttu ng /Ha ns Ja ggi Fo to :eg

Tabelle 4: Ursachen

1999 2000 2000 Sturz 53 62 67 Spalteneinbruch 7 1 1 Wechtenabbruch 3 1 1 Steinschlag 2 1 1 Eisschlag 3 0 – Blitzschlag 2 0 – Lawine 16 14 15 Blockierung/Er-2 3 3 schöpfung/Verirren Andere Ursache 27 11* 12 * unbekannt ( vermisst6, ertrunken ( Schlamm-lawine3, ertrunken ( Bach1, erdrückt ( Übung Spaltenrettung1 DIE ALPEN 6/2001

Jahresvergleich ( 1999, 10 Todesopfer ) annähernd konstant geblieben. Todesursache waren vor allem Lawinenunfälle, bei denen 8 Personen ums Leben kamen ( Vorjahr 4 ). Alle Lawinenopfer waren Skifahrer, so auch ein Mann, der zusammen mit seiner Frau bei schlechter Sicht unbeabsichtigt von der markierten Piste abgekommen war. Von den zwei Snowboarderinnen, die bei Variantenabfahrten ums Leben kamen, starb eine Person durch Unterkühlung/Erschöpfung, die andere an den Folgen eines Sturzes.

Andere Tätigkeiten Mit 8 Todesopfern entsprechen die Zahlenwerte in dieser Tätigkeitsgruppe recht genau dem Unfallgeschehen früherer Jahre – ein direkter Vergleich mit dem Vorjahr ist wegen des Canyoningunfalls von 1999 aber nur unter Vorbehalt möglich. Unter den tödlich Verunfallten sind fünf auf der Pirsch im steilen Gelände abgestürzte Jäger, zwei durch Sturz beim Pilzsuchen im alpinen Gelände verunfallte Personen und ein Strahler auf der Suche nach Kristallen. a

Ueli Mosimann SAC-Rettungsdienst/Arbeitsgruppe Statistik

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