Bergsteiger und Helden

Zum Beitrag « Everest-Event 2006 » in ALPEN 6/2006 Im lebhaft abgefassten Bericht zum Everest-Event 2006 verwendet der Berichterstatter für die noch lebenden Mitglieder der Schweizer Everest-Expeditio-nen von 1952 und 1956 den Begriff « sympathische Helden».Der Begriff des Helden ist in diesem Zusammenhang nicht angebracht; leider wird er sehr häufig unreflektiert in der gesamten Bergsteigerliteratur verwendet. Mit Heldentum hat selbst schwierigstes und gefährlichstes Bergsteigen nur ausnahmsweise etwas zu tun. Ein Held ist nach allgemeinem Sprachempfinden jemand, der sein Leben einsetzt, um gefährdeten Mitmenschen beizustehen. Ein Held zeichnet sich aus durch den unmittelbaren, persönlichen Einsatz des Menschen für seinen Nächsten; das Opfer der Selbstgefährdung ist für den Helden selbstverständlich und nicht erwähnenswert. Als Helden gelten auch jene tapferen Frauen und Männer, die Gefahren nicht scheuen, um Mitmenschen aus Bergnot zu retten. Leider ist gerade das heutige, kommerzielle Höhenbergsteigen geprägt durch eine unglaubliche Gleichgültigkeit gegenüber dem bergsteigenden Mitmenschen. Alle Jahre wieder vernimmt man aus den Medien, wie in Bergnot geratene oder gar sterbende Menschen auf grosser Höhe teilnahmslos ihrem Schicksal überlassen werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein solches Verhalten bei den Schweizer Everest-Expeditionen von 1952 und 1956 nie möglich gewesen wäre. Auch aus diesem Grunde verdienen die wagemutigen, willensstarken und ausdauernden Schweizer Höhenbergsteiger von 1952 und 1956 unseren uneingeschränkten Respekt und unsere Hochachtung. a Franco Schlegel, Wangs

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