Bollinger, Alfred und Verena: STROMBOLI, Vulkan Insel Symbol

AS Verlag, Zürich, ISBN 3-905111-35-7, Fr. 88. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde Stromboli von den Pionieren unter den Schweizer Touristen entdeckt. Viele verliebten sich in die Insel und kamen immer wieder. ' Zu ihnen gehören Alfred und Verena Bollinger. Sie haben verwirklicht, wovon viele Strombolisüchtige träumen: Sie gestalteten eine reich illustrierte Monographie über die vielleicht schönste Vulkaninsel der Welt mit der 900 m aus dem Mittelmeer ragenden Spitze.

1 Vgl. DIE ALPEN, 6/97, S.38ff.

Bücher / Medien Bollingers wissen, worüber sie m schreiben. Strombolanische Ureinwohner wie die legendäre, bärtige ° Donna Peppina, der Schiffsanbinder 5 und Kunstschaffende Mario Cusolito 5 -ein Buch über Stromboli ohne sein „ Bild wäre schlicht undenkbar - haben ö ihnen die Türen ebenso geöffnet wie i™ der Schweizer Kunstmaler Hans Falk. 54 In meisterhaft formulierten Texten und mit prächtigen Bildern vermitteln Bollingers die ganz besondere, faszinierende Atmosphäre des Vulkans und seiner Menschen. Unbekanntes oder wenig Bekanntes wird gezeigt wie ein seltenes Bild eines Rauchringes über den Kratern, das liebenswürdige Portrait von « Kru-scioff », die leidige Geschichte mit den nicht auf der Insel ansässigen, aber selbstherrlichen Behörden und das Bild von Eidechse und Rose, die eine Grabplatte auf dem alten Friedhof schmücken. Obwohl nicht in erster Linie ein wissenschaftliches Werk, lohnt sich auch die Lektüre der Texte zur Vulkanologie. Wer noch mehr über die Innereien des Vulkans und seine eruptiven Äusserungen erfahren möchte, greift auf das umfangreiche Literaturverzeichnis zurück.

Um glaubwürdig zu wirken, müssen Rezensenten auch etwas bemängeln. Also: Das « strombolanische Herz » ( S. 112 ) sowie die « Lichtzeichen » ( S. 113 ) haben zumindest ihre ästhetische Aussagekraft eher dem Ver-wackeln der Kamera als den Eigenschaften der jeweiligen himmlischen Phänome zu verdanken. Im Ernst: Mit STROMBOLI, Vulkan Insel Symbol entstand ein würdiges Dokument für eine ganz kleine, aber für viele ungemein wichtige Inselwelt. Obwohl das Schiff wegen Sturm auch heute noch nicht immer anlegen kann, ist die Insel längst aus der Isolation gerissen worden. Dass es Schützenswertes nicht als Museum, sondern als einen Ort, wo man liebt und lebt oder immer wieder einkehrt, zu bewahren gilt, vermag uns das vorliegende Buch aufs eindrücklichste zu zeigen. Jürg Alean, Eglisau Touristen, Entwicklungshelfer und Studenten im Himalaya ohne elementarste Kenntnisse über die Landschaft, ihre Entstehung und ihre weitere Entwicklung. « Man sieht nur, was man weiss », scheint der sinnige Leitspruch dieser Publikation zu sein. In populärwissenschaftlichen Beiträgen geben die Autoren eine Einführung in die geologisch-tektoni-sche Entwicklungsgeschichte, in die klimatischen Verhältnisse, die Vegetation, die Landschaftsgestaltung durch Gletscher und die Oberflächen-formung in der Höhe des Himalaya.

Das Werk, das primär Grundlagen-wissen vermittelt, möchte gleichzeitig auch « Reiseführer » sein. Diese Verbindung ist nicht geglückt, treten doch dort, wo das Buch Reiseführer sein will, Mängel auf, wie geografische Irrtümer, uneinheitliche Tran-skription der Flur- und Ortsnamen und pauschale und wenig differenzierte Empfehlungen bezüglich idealer Reisezeit.

Der auf wissenschaftlicher Primärliteratur basierende Text vermittelt viel Theorie, aber herzlich wenig Praxisbezug. Störend wirken zudem die vielen Verallgemeinerungen aufgrund lokaler Beobachtungen, die wissenschaftlichen Wortkonstrukte, die teilweise einer Erklärung bedürften, Datenverwechslungen in den Tabellen, schwerfälliger Text in den Bildlegenden, das Fehlen eines Glos-sars und eines Stichwortverzeichnisses und viel zu viele Druckfehler. Diese Mängel dürften in einer Neuauflage sicher leicht zu eliminieren sein.

Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas Fee

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