Botanischer Streifzug zum Olmenhorn

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Gerhart Wagner, Meikirch

Ein Beitrag zum Abschluss der Kartierung der Schweizer Flora Ein grosses wissenschaftliches Unternehmen, das auch den botanisch interessierten Alpinisten erfreuen wird, steht vor dem Abschluss: die Kartierung der Schweizer Flora.

Zu Beginn der sechziger Jahre hat sich die Pflanzengeographische Kommission der SXG ( Schweizerische Naturforschendc Gesellschaft ) das Ziel gesetzt, nach dem Vorbild der Länder Nordcuropas die Kartierung der Schweizer Flora aufzunehmen, das heisst ein möglichst präzises Bild des Vorkommens aller Gefässpflanzenarten ( Blüten- und Farnpflanzen ) im Gebiete der Schweiz zu erstellen. Es sollte ein Atlas geschaffen werden, der die Verbreitung jeder einzelnen der etwa 2600 Gefässpflanzenarten der Schweiz aufje einem Kartellen zur Darstellung bringt.

Zunächst wurde die Schweiz in rund 590 Felder von durchschnittlich etwa 80 Quadratkilometer Fläche eingeteilt und für jedes Feld ein Bearbeiter gesucht, sei es ein Berufsbotaniker oder, viel häufiger, ein Liebhaber mit guter Artenkenntnis. Den gegen 200 Bearbeitern wurde eine einheitliche Liste mit den lateinischen Namen aller in der Schweiz zu erwartenden Pflanzen in die Hand gedrückt. Sie hatten dann einigejahre Zeit, ihr Feld oder ihre Felder möglichst gründlich zu verschiedenen Jahreszeiten abzusuchen und alle gefundenen Arten auf der Liste zu vermerken. Von seltenen Arten wurden genauere Standortangaben gewünscht, zum Teil Belege verlangt, besonders bei den sogenannten kritischen Sippen. Wer bei der Bestimmung einzelner Arten oder Unterarten nicht sicher war, konnte die Belege an das nächst-licgende Botanische Universitätsinstitut oder an das Systematisch-Geobotanische Institut der Universität Bern einsenden, wo sich die Zentralstelle der Floristischen Kartierung befindet.

Prof. Dr. Max Welten, alt Direktor des Instituts für Systematik und Geobotanik an der Universität Bern ( seit 1974 emeritiert ), war von der Pflan-zengeographischen Kommission zum Präsidenten des Kartierungsausschusses ernannt worden. Seiner Initiative und unermüdlichen Tatkraft ist es zu verdanken, dass das gross angelegte Unternehmen mit Erfolg durchgeführt werden konnte. Ihm zur Seite stand in den ersten Jahren der hauptamtlich engagierte Florist Eduart Berger, der leider 1975 verstorben ist. Sein Nachfolger wurde Ruben Sutler, dem die Universität Bern in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste im Jahr 197^ die Doktorwürde honoris causa zuerkannte. Herr Prof. M. Welten und Dr. R.Sutterha-ben wohl auch am meisten zur Kartierung im Felde beigetragen.

Androsace vandellii ( Turra ) Chiov.

„ Grundjeldkarte der Fluristischcn hartierung der Schweiz mit I erbreilung von I andellìs Mannsschild ( Androsace I andellii ). Die'con den Kartierern festgestellten Vorkommnisse sind wie — folsingetragen: schwarze Dreiecke: normale Vorkommen über der Waldgrenze ( alpine Felder ): offene Dreiecke: desgleichen, aber selten: Kreise: Vorkommen unter der Waldgrenze ( Talfelder ). L: Literaturangaben. Der I'feil zeigt das Feld y 18. Massstab1:160(1000.

Die Flächen oder Felder, auf die Übersichtskarte der Schweiz i: 300000 aufgedruckt, waren nicht schematisch durch Koordinaten, sondern nach topographischen Gesichtspunkten begrenzt: Bergkämme, Flussläufe, Seeufer usw. bildeten wo immer möglich eine natürliche Begrenzung. In den Alpen wurde sozusagen in zwei Stockwerken kartiert: Es wurde unterschieden zwischen Talarealen und Bergflächen, wobei als Begrenzung die jeweilige Waldgrenze anzunehmen war, d.h. in den nördlichen Alpen eine Linie auf etwa 1700-1800 Meter, in den zentralen und südlichen eine solche auf 2000-2200 Meter. Auf diese Weise wurde erreicht, dass in den zu druk-kenden Verbreitungskärtchen ( vgl. Abb. I ) die ausgesprochen alpinen Arten, die unterhalb der Waldgrenze nicht vorkommen, als solche sichtbar werden.

Die Zahl der Arten, die in einem Feld gefunden werden können, hängt neben dem Kultur- bzw. Bewirtschaftungseinfluss von verschiedenen Faktoren ab: von der geographischen Lage, vom Lokalklima und insbesondere auch vom geologischen Untergrund: Kalk- und Silikatgebiete weisen sehr verschiedene Floren auf, wobei Kalkge-biete allgemein artenreicher sind. Die reichsten Felder sind solche mit einer grossen Höhenausdehnung ( z.B. von q.00 m bis zur Waldgrenze ( 2000-2300 m ) im Wallis !) sowie solche mit verschiedenartiger geologischer Unterlage. Die höchsten Artenzahlen pro Feld ( bis über 900 ) finden sich im Wallis und im nordostschweizerischen Alpenvorland, das von Dr. h.c.. Heinrich Seitter in Sargans in jahrelanger Exkursionstätigkeit eingehend untersucht worden ist.

Die alpinen Flächen oberhalb der Waldgrenze weisen naturgemäss kleinere Artenzahlen auf, im Mittel etwa 350 Arten in Kalk- und 250 Arten in Silikatflächen, bis zu 400 Arten in gemischten.

Im folgenden soll etwas näher über die alpinste aller Flächen, das Feld Nr. 718 rund um den Konkordiaplatz, berichtet werden ( vgl. Abb. 2 ). Diese Fläche stellt als einzige sozusagen ein drittes Stockwerk dar, indem sie nach allen Seiten an an- dere Bergflächen, an keiner Stelle an ein Talareal angrenzt. Das bedeutet, dass dieses Feld nirgends bis zur Waldgrenze hinunterreicht: Seine tiefste Stelle am Fusse des Olmenhorns, am Grossen Aletschgletscher gegenüber dem Märjelensee, liegt immer noch auf 2400 Meter.

Im Sommer 1978 klagte mir Dr. R. Sutter, mit der Gesamtübersicht über das Kartierungswerk und mit Ergänzungsexkursionen beschäftigt, dass er aus einem Kartierfeld noch nicht die geringsten Angaben besitze: eben aus dem Feld 718. Weder hätte ein Botaniker das Gebiet zwecks Kartierung aufgesucht, noch sei in einem Institutsherbar oder in der Literatur eine einzige Pflanze daraus dokumentiert. Freilich besteht dieses Feld zu etwa go% aus Firn, Eis, Moränen und Fels. Aber es existieren dennoch, vor allem an den Südhängen des Olmenhorns, alpine Rasenflanken, und es lebt ohne jeden Zweifel auch in diesem Gebiet noch eine reiche Hochgebirgsflora, steigen doch z.B. im Gebiet des Schweizerischen Nationalparks nach J '. Braun-Blanquet 172 Blütenpflanzenarten bis über 2800 Meter. Sollte dieses Feld in dem zu schaffenden Atlas als einziges auf allen Artver-breitungskärtchen leerbleiben?

Ich versprach Dr. R. Sutter, dem Gebiet einen Besuch abzustatten und wenigstens einen groben botanischen Augenschein zu nehmen. Da zu diesem Zwecke der Grosse Aletschgletscher überquert werden musste, bedurfte ich eines Begleiters. Mein Freund und Kollege Hans Giger war freudig bereit, mich zu begleiten.

Im Hotel auf der Kühbodenalp wurde die Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1979 zugebracht. Frühmorgens brachen wir auf, hatten wir doch bis zum Gletscher einen Anmarsch von zweieinhalb Stunden zu bewältigen. Wie lange uns die Überquerung des dort 1,5 Kilometer breiten Gletschers hinhalten würde, wussten wir nicht. Leider war uns das Wetter nicht wohlgesinnt: Nach einer langen Reihe trockener Tage hatten sich schon während der Nacht regenschwere Wolken zusammengezogen. Als wir von der Platte Das hochalpine Kartierungsfeld Nr. y 18, Ausschnitt LK Oberwallis, Bl. 42, 1:100000 ( abgedruckt mit Bewilligung der Eidgenössischen Landestopographie vom 16.7. ig8o ).

Punkt 2380 zum Gletscher abgestiegen waren, hüllte sich dieser in Nebel, und es begann zu regnen. Da wir nicht wussten, was uns auf dem Gletscher erwartete — keiner von uns war mit dem Gebiete vertraut -, entschlossen wir uns schweren Herzens, auf unser Vorhaben zu verzichten. Freilich dachten wir noch nicht ans Heimkehren, es war ja erst mitten am Vormittag, sondern erkundeten ein bisschen den Märjelensee, der in den letzten Jahren wieder grösser geworden ist, und seine Nachbarseelein. Bald hörte es auf zu regnen, und nach zwei Stunden schwand auch der Nebel über dem Gletscher. Wir rechneten aus, ob sich ein erneuter Versuch, den Gletscher zu überqueren, für unser botanisches Vorhaben zeitlich noch lohnen würde. Sollte uns die Überquerung in jeder Richtung nicht mehr als eine Stunde versäumen, so blieben uns noch etwa zwei Stunden zum Botanisieren. Das schien uns einen Versuch wert, und beim zweiten Anlauf schafften wir 's: In dreiviertel Stunden hatten wir den an den Rändern ziemlich spaltenreichen, aber gut begehbaren 62 Vandellis Mannsschild ( Androsace Vandelli ) 63 Einblütiges Hornkraut ( Cerastium uniflorum ) 64 Frühlingsanemone ( Pulsatilla vernalis ) 65 Kriechende Nelkenwurz ( Sieversia reptans ) Gletscher überquert. Schon auf der Seitenmoräne konnten wir anfangen, Pflanzen zu sammeln. Um keine kostbare Zeit mit Notieren oder gar mit Bestimmen zu verlieren, nahmen wir, jeder unabhängig vom andern, von jeder Pflanzenart eine Probe mit, sei es eine Blüte oder, wenn sie schon verwelkt war, auch nur ein paar Blätter. Bestimmen würden wir dann zu Hause.

Zwei Stunden lang suchten wir so die Moränen, Felsspalten und Rasenhänge am Fusse des Olmenhorns ab. Dann begann es wieder kräftig zu regnen. Während des heftigen Gewitters, das sich über dem Gletscher entlud undjedes Rinnsal zu einem Bach anschwellen liess, nahmen wir unter einem grossen Gletschertisch dicht bei der Seitenmoräne Zuflucht. Die Zeit für die Rückkehr war dann knapp bemessen. Glücklicherweise liess der Regen bald wieder nach, und wir konnten den Gletscher unbehelligt begehen. Rechtzeitig erreichten wir den letzten Kurs der Luftseilbahn, die uns vom Kühboden ins Tal zurückbrachte.

Die Verarbeitung des gesammelten Materials, bei der uns Dr. R. Sutter behilflich war, ergab ein unerwartet reiches Bild. Wir konnten folgende 102 Gefässpflanzenarten identifizieren:

Farnpflanzen ( Filicinae ): Wurmfarn ( Dryopteris filix mas ) Alpen-Waldfarn ( Dryopteris distentifolium ) Nadelhölzer ( Coniferae ):

Zwergwacholder ( Juniperus communis nana ) Gräser ( Gramineen ):

Alpen-Ruchgras ( Anthoxanthum odoratimi alpi- num ) Borstgras ( Nardus strieta ) Alpen-Lieschgras ( Phleum alpinum ) Felsen-Straussgras ( Agrostis rupestris ) Bunthafer ( Avena versicolor ) Alpen-Rispengras ( Poa alpina ) Schlaffes Rispengras ( Poa laxa ) Hallers Schwingel ( Festuca Halleri ) Rotschwingel ( Festuca rubra ) Violetter Schwingel ( Festuca violacea ) 66 Alpenkratzdistel ( Cirsium spinosissimum ) Phoms Dr. Gerhart Wagner. Meikirch BE 67 Auf dem Grat zum Tgieren Ravetsch 68 Abstieg ins Maderaner Photos Hans Baumgartncr. Winterthur Scheingräser ( Cyperaceae ): Nacktried ( Elyna myosuroides ) Krummsegge ( Carex curvula ) Immergrüne Segge ( Carex sempervirens ) Simsengewächse ( Juncaceae ): Dreispaltige Simse ( Juncus trifidus ) Jacquins Simse ( Juncus Jacquini ) Vielblütige Hainsimse ( Luzula multiflora ) Ährige Hainsimse ( Luzula spicata ) Weidengewächse ( Salicaceae ): Krautweide ( Salix herbacea ) Spiessblättrige Weide ( Salix hastata ) Quendelblättrige Weide ( Salix serpyllifolia ) Nelkengewächse ( Caryophyllaceae ): Stengelloses Leimkraut ( Silène acaulis ) Felsen-Leimkraut ( Silène rupestris ) Aufrechtes Hornkraut ( Cerastium strictum ) Einblütiges Hornkraut ( Cerastium uniflorum ) Niederliegendes Mastkraut ( Sagina procumbens ) Krummblättrige Miere ( Minuartia recurva ) Frühlingsmiere ( Minuartia verna ) Kreuzblütler ( Cruciferae ): Alpen-Gänsekresse ( Arabis alpina ) Resedablättriges Schaumkraut ( Cardamine resedifolia ) Steinbrechgewächse ( Saxifragaceae ): Gegenblättriger Steinbrech ( Saxifraga oppositifolia ) Immergrüner Steinbrech ( Saxifraga Aizoon ) Moosartiger Steinbrech ( Saxifraga bryoides ) Seguiers Steinbrech ( Saxifraga Seguieri ) Gefurchter Steinbrech ( Saxifraga exarata ) Mannsschild-Steinbrech ( Saxifraga androsacea ) Rosenblütler ( Rosaceae ): Gold-Fingerkraut ( Potentilla aurea ) Berg-Nelkenwurz ( Sieversia montana ) Kriechende Nelkenwurz ( Sieversia reptans ) Alpen-Silbermantel ( Alchemilla alpina ) Kahler Frauenmantel ( Alchemilla fissa ) Gemeiner Frauenmantel ( Alchemilla vulgaris co-riacea ) 69 Das Matterhorn von Schönbiel aus. Links der Hörnligrat, rechts der Italienergrat, in der Bildmitte der gmutlgrat Pholu Willy Burkhardt. Zürich 70 Blick vom Ercyes Dag über Lavaströme zu einem Salzsee im anatolischen Hochland 71Könige und Götter als stille Wächter auf dem Nemrut Dag 72 Das Hirtenvolk der Kurden lebt auj weiten Hochebenen Schmetterlingsblütler ( Papilionaceae ): Alpenklee ( Trifolium alpinum ) Brauner Klee ( Trifolium badium ) Schnecklee ( Trifolium pratense nivale ) Bleicher Klee ( Trifolium pallescens ) Erikagewächse ( Ericaceae ): Heidekraut ( Calluna vulgaris ) Heidelbeere ( Vaccinium Myrtillus ) Primelgewächse ( Primulaceae ):

Mehlprimel ( Primula farinosa ) Rote Felsenprimel ( Primula hirsuta ) Stumpfblättriger Mannsschild ( Androsace obtu- sifolia ) Alpen-Mannsschild ( Androsace alpina ) Vandellis Mannsschild ( Androsace Vandellii ) Kleine Soldanelle ( Soldanella pusilla ) Enziangewächse ( Gentianaceae ): Reichästiger Enzian ( Gentiana ramosa ) Kochscher Enzian ( Gentiana Kochiana ) Schnee-Enzian ( Gentiana nivalis ) Kurzblättriger Enzian ( Gentiana brachyphylla ) Lippenblütler ( Labiatae ): Pyramidengünsel ( Ajuga'pyramidalis ) Feldthymian ( Thymus Serpyllum praecox ) Braunwurzgeivach.se ( Scrophulariaceae ): Alpen-Ehrenpreis ( Veronica alpina ) Felsen-Ehrenpreis ( Veronica fruticans ) Rosetten-Ehrenpreis ( Veronica bellidioides ) Zwerg-Augentrost ( Euphrasia minima ) Knolliges Läusekraut ( Pedicularis tuberosa ) Kerners Läusekraut ( Pedicularis Kerneri ) Alpen-Leinkraut ( Linaria alpina ) Glockenblumengewächse ( Campanulaceae ):

Bärtige Glockenblume ( Campanula barbata ) Scheuchzers Glockenblume ( Campanula Scheuchzeri ) Halbkugelige Rapunzel ( Phyteumahemisphaeri- cum ) Korbblütler ( Compositae ): Alpenaster ( Aster alpinus ) Alpen-Berufskraut ( Erigeron alpinus ) I25 73 Pyramidenlandschaft in Kapadokien 74 Aufstieg über die ausgedörrten Hänge des Demawend, 5671 m 75 Grosse Lavabrocken auj dem Gipfel des Demawend schützen vor stürmischen Windböen.

Photos Markus Licchti. Liebefeld BE Einköpfiges Berufskraut ( Erigeron uniflorus ) Gemeines Katzenpfötchen ( Antennaria dioica ) Zwerg-Ruhrkraut ( Gnaphalium supinum ) Zwerg-Schafgarbe ( Achillea nana ) Moschus-Schafgarbe ( Achillea moschata ) Alpen-Wucherblume ( Chrysanthemum alpinum ) Echte Edelraute ( Artemisia Mutellina ) Alpenlattich ( Homogyne alpina ) Arnika ( Arnica montana ) Alpen-Kratzdistel ( Cirsium spinosissimum ) Schweizer-Milchkraut ( Leontodon helveticus ) Huflattich ( Tussilago Farfara ) Goldpippau ( Crépis aurea ) Alpen-Habichtskraut ( Hieracium alpinum ) Gletscher-Habichtskraut ( Hieracium glaciale ) Langhaariges Habichtskraut ( Hieracium Pilosella ) Arten aus weiteren Familien: Frühlings-Anemone ( Pulsatilla vernalis ) Säuerling ( Oxyria digyna ) Knöllchen-Knöterich ( Polygonum viviparum ) Männertreu ( Nigritella nigra ) Alpen-Mauerpfeffer ( Sedum alpestre ) Berg-Hauswurz ( Sempervivum montanum ) Langsporniges Stiefmütterchen ( Viola calcarata ) Krähenbeere ( Empetrum nigrum ) Fleischers Weidenröschen ( Epilobium Fleischen ) Niedriges Labkraut ( Galium pumilum ) Alpen-Vergissmeinnicht ( Myosotis alpestris ) Sternblütiges Hasenohr ( Bupleurum stellatum ) Ohne Zweifel sind in dem Gebiete noch weitere Arten vorhanden, die wir bei der kurzen einmaligen Begehung nicht zu Gesicht bekamen. So fehlt auf unserer Liste z.B. die höchststeigende aller europäischen Blütenpflanzen, der Gletscherhahnenfuss ( Ranunculus glacialis ). Dass ausgesprochene Kalkpflanzen, wie die Flühblume ( Primula auricula ), das Edelweiss ( Leontopodium alpinum ) und die Silberwurz ( Dryas octopetala ) fehlen, ist begreiflich, handelt es sich doch um ein Si-likatgebiet, dessen Untergrund am Olmenhorn aus kristallinen Schiefern ( Paragneisen ) besteht. Auf Grund der Erfahrung dürfen wir annehmen, dass wir gut die Hälfte der im Gebiet wirklich vorhandenen Arten gefunden haben. Auf einer späteren Exkursion hoffen wir die Liste ergänzen zu können.

Der Atlas der Schweizer Flora, das gedruckte Ergebnis der etwa fünfzehnjährigen Kartierungs-und Auswertungsarbeiten, soll im Jahre 1981 in zwei grossen Bänden erscheinen. Nachdem der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung die Kartierung und Auswertung finanziert hatte ( obschon die Feldarbeiten ehrenamtlich ausgeführt wurden, waren sie mit erheblichen Kosten verbunden ), wird die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft ( SNG ) das stolze Werk herausgeben. Es handelt sich um ein wissenschaftliches Gemeinschaftswerk, bei dem die Botanischen Institute aller schweizerischen Universitäten vorbildlich zusam-menarbeiteten, das aber ohne die Mitarbeit zahlreicher interessierter Nichtakademiker gar nicht möglich gewesen wäre. Das Werk wird sich mit analogen Unternehmen unserer Nachbarländer zu einem Atlas der Flora Mitteleuropas, in einer ferneren Zukunft vielleicht zu einem solchen der Flora Europas zusammenfügen.

Es ist den Initianten wohlbewusst, dass ein so umfassendes Werk niemals vollständig, niemals abgeschlossen sein kann, sondern dauernder Ergänzung bedarf. Man nimmt immerhin an, dass bei der gewählten Bearbeitungsweise bis zu 90% der in einem Gebiet effektiv vorhandenen Arten erfasst wurden. Trotz seiner Lücken wird der Atlas der Schweizer Flora für spätere Generationen von Botanikern und Naturschützern sicher von grossem Wert sein.

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