Buchweizen – das genügsame Korn

Früher war der Buchweizen weitverbreitet, denn er ist kälteresistent und innert weniger Wochen erntereif. Dann ist er aus den Alpentälern verschwunden, einzig die traditionellen Pizzoccheri aus dem Puschlav lassen die einstige Bedeutung der Nutzpflanze erahnen.

Es waren die Mongolen und Sarazenen, die den Buchweizen im 15. Jahrhundert nach Europa brachten. Rasch verbreitete er sich in vielen Alpentälern. Wo der gemeine Buchweizen nicht mehr wuchs, säten die Bewohnerinnen und Bewohner den tatarischen Buchweizen, der kälteresistent ist und bis weit über 1000 Meter über Meer gedeiht.

Ursprünglich stammt der Buchweizen – der übrigens weder zum Weizen noch zum Getreide zählt, sondern zu den Knöterichgewächsen – aus Tibet, Nepal und der angrenzenden chinesischen Provinz Sichuan. Seine Herkunft erklärt denn auch seine Genügsamkeit: Die Wildformen des Buchweizens wachsen in steilen, felsigen Gegenden. Er mag karge Bödenund braucht keinen Dünger. Zudem beträgt seine Vegetationszeit gerade einmal zehn bis zwölf Wochen, was der alpinen Bevölkerung in hohen Lagen den Anbau überhaupt erlaubte. In den wärmeren Tälern baute man den Buchweizen sogar oft als Zweitfrucht nach dem Roggen an.

Die Nudeln des Puschlavs

Das letzte Rückzugsgebiet des Buchweizens in der Schweiz war das Puschlav. Auf den dort heute noch sichtbaren Terrassen wuchs das Gewächs bis in die 1950er-Jahre. Die Bewohnerinnen und Bewohner der beiden Alpentäler Puschlav und Veltlin stellten vor allem Nudeln daraus her, die sogenannten Pizzoccheri.

Als vor über 100 Jahren aufgrund des Baus der Wasserkraftwerke und der Berninabahnlinie viele Arbeiter ins Puschlav kamen, entschloss sich der Einheimische Samuele Fisler, eine Trockenteigwarenfabrik aufzubauen. Zuerst wurden darin Spaghetti hergestellt, später auch Pizzoccheri. «Diese sind aber vor allem für den Verkauf ausserhalb unseres Tals gedacht, denn die Einheimischen bereiten ihre Pizzoccheri noch immer selbst zu», sagt der heutige Geschäftsleiter Davide Fisler lachend. Er führt die Teigwarenfabrik in fünfter Generation. Während er den Buchweizen bis vor einigen Jahren noch aus China und Osteuropa importiert hat, erlaubt ihm der wiederaufkommende Buchweizenanbau hierzulande nun, seine Pizzoccheri fast ausschliesslich aus Schweizer Produkten herzustellen.

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