C. Festbericht

Unser einfaches Festchen hat so viele begeisterte Lobredner und so viele lebendige schriftliche Darstellungen im ganzen Vaterlande gefunden, daß es nachgerade schwer fällt, dem vielen Schönen und Guten neuen Schwung und Glanz zu verleihen.

Nachdem am 20. Juli 1879 die Section Bachtel mit Mehrheit'die Uebernahme des Festes beschlossen hatte, trat gleich auf diesen vermeintlichen Schwindel und Größenwahn eine bedenkliche Ernüchterung ein, eine Art moralischen Katzenjammprs, so daß intellectuellen Urheber des Beschlusses, statt auf ihren Sieg stolz zu sein, sich hinter Coulissen verbergen mußten. Das Angestrebte mußte zuerst gelingen; erst dann durften sie sich ihres Lebens wieder freuen und mit Genugthuung auf den Erfolg zurückweisen. Es ist aber auch eine Idee, ein eidgenössisches Fest „ am Bachtel " abhalten zu wollen! am Bachtel, wo es nur viele kleine, aber keine große Wirthshäuser, viele kleine, aber keine große Herren und viele kleine, aber keine große Alpenclubisten haben soll, am Bachtel, wo es wohl eine prächtige Natur, aber keine Naturforscher, eine reiche historische Vergangenheit mit heute noch weithin sichtbaren und spürbaren Ueberresten derselben, aber keine Historiker geben soll!

Wo wollen wir denn unsere Gäste hinführen, wenn nirgends Platz genug ist; was unsern gebildeten und " gelehrten Gästen vortragen, das sie einigermaßen zu interessiren vermöchte? Wo nehmen wir das Geld her, die Kosten zu decken, und wenn auch dies noch nicht im Stande ist uns aus der Fassung zu bringen: Wer wird uns für das vielverzweigte Arrangement die nöthige Zeit und Spannkraft zur Verfügung stellen?

Ein Fragenknäuel, so hoch und massiv wie der Monte Kosa, thürmte sich vor uns auf und drohte das Project, kaum geboren, wieder zu erdrücken. Allein wie ein rettender Engel kam von Genf am 3. August die Nachricht: „ die Abhaltung des Jahresfestes des S.A.C. pro 1880 ist unter allgemeiner Acclamation der Section Bachtel übertragen worden ", und wenn auch dieser Beschluß Viele erschrecken wollte, so mußte man in Gottes Namen nun doch an die Aufgabe herantreten.

Aber wie bei einer Bergbesteigung die anscheinend unüberwindlichen Felswände, je näher man an sie herantritt, an ihrer Schrecklichkeit verlieren und uns Kasenbänder, die von Stufe zu Stufe emporfuhren, darbieten, so daß man unvermerkt oben an der Felswand steht, von wo aus die Ersteigung des Gipfels eben nur noch Kinderspiel ist, so ist es uns auch mit unserm Fest ergangen. Ein dunkler Punkt nach dem andern verschwand von unserm Festhimmel, es schwanden jedes Kummers Falten bis auf die eine, die zu glätten nicht in unserer Macht stand, die Besorgniß des Wetters wegen.

So rückten denn unvermerkt die Festtage heran und der 21. August traf die drei Festorte Eapperswyl, Eüti und Wald in vollem Festschmuck, während der Himmel über uns ob der Ehre, die unserer Gegend heute zu Theil werden sollte, Thränen der Rührung anfänglich nur tropfenweise, später aber und zwar gerade im entscheidenden Momente des Einzuges stromweise vergoß. Ein Fest, das sich gewaschen hat, sagte mir am Montag Abend ein begeisterter Freund, ja wohl gewaschen, und zwar im reinsten Wasser, im Regenwasser!

Die Herren vom Central-Comité hatten sich einige Stunden später in Rüti eingefunden, als die übrigen Delegirten, da sie ihren Weg über Rapperswyl nahmen und dort unvorhergesehenerweise liegen bleiben mußten. Es ist ihnen aber ein um so herzlicherer Empfang geworden, denn wer wartet, der „ blanget u, sagt das Sprüchwort. Ueber die Verhandlung der Delegirtenversammlung lassen Sie mich heute kurz hinweggehen; die Seeschlange der Rhonegletscher-Vermessung nahm die meiste Zeit in Anspruch, und der Vorsitzende, Herr Regierungsrath v. Steiger, hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, das Ungethüm als ein harmloses Wesen darzustellen. Es ist ihm gelungen, er hat den Delegirten das Herz bezwungen und dem Schmerzenskindlein das junge Leben erhalten.

Nach der Delegirtenversammlung blieb den Herren Delegirten und den inzwischen auch angekommenen Clubgenossen, die ihre Quartiere in Wald und Rapperswyl aufzuschlagen gedachten, kaum mehr genügend Zeit zu einer nach den anstrengenden Debatten doppelt nothwendigen Erfrischung, geschweige denn zu gemüthlicher collegialischer Unterhaltung. Es galt hinaus aus dem Haus in die tobenden Elemente. Ein munteres und auserlesenes Trüppchen jedoch ist vergnüglich im Trockenen, aber nicht auf dem Trockenen sitzen geblieben und hat bis nach Mitternacht auf besseres Wetter gewartet, wie wir wissen, umsonst.

Der Hauptfesttag, der 22. August, der Tag, auf den wir unsere Hoffnungen, unsern Stolz setzten, er, der uns mit seiner Klarheit und mit seinem Glanz einzelne Mängel unserer Landschaft und kleinen Verhältnisse hätte verdecken sollen, er hat uns boshaft im Stich gelassen, alle Eegenregister gezogen und das ganze Werk spielen lassen. Entmuthigen ließen wir uns aber dadurch nicht, sondern entfalteten nunmehr unsere clubistischen Eigenschaften, die beim schönen Wetter vielleicht nie so bestimmt an 's Tageslicht gekommen wären, nämlich stoischen Gleichmuth, würdige Kesignation, Muth in Hoffnung, und diese läßt ja nie zu Schanden werden. Wenn auch Mancher in momentan etwas gedrückter Stimmung in die Generalversammlung in 's Rathhaus der Kosenstadt schlich, und in seinem Herzen keine rosigen Hoffnungen für das Gelingen des Ganzen keimten, so mußte er doch beim Anhören der Eröffnungsrede des Herrn Pfarrer Seewer schon etwas aufthauen; bei den farbenreichen Schilderungen des Herrn Dr. Dübi war vollends die Unbill der Witterung vergessen. Die letzte Spur von Unmuth und heimlichem Groll wich einer wohlthuenden Peststimmung, als die Thüren des Rathssaales sich öffneten und Alt-Rapperswyl, das Glänzende, init Jung-Rapperswyl, dem Lieblichen, vereint eintrat und den erstaunten Clubisten vom Neu-Rapperswyler, dem Guten und Würzigen, credenzte. Die altehrwürdigen Stadtbecher machten während der Verhandlungen schon fleißig die Runde im Saal, und wer auch nur noch einen Funken von Groll oder Wehmuth in sich hatte, er mußte den Becher, den Sorgenbrecher, ergreifen und: Ein Blick auf die blühende Spenderin, aus deren Augen ja der hellste Frühlingsmorgen leuchtete, ein Schluck aus dem kunstvoll gearbeiteten Riesenpokal, und fort ist, was uns bedrückte und beengte. Ja, diesen Kelch hat Niemand an sich vorübergehen lassen, selbst die jeweilen Vortragenden mußten dem Hut die Referenz erweisen, und ergraute Kämpen in der Redeschlacht bewilligten beim Herannahen desselben kurzen Waffenstillstand; kurz, je tiefer draußen die Regenwolken sich senkten, desto höher stiegen drinnen die Wogen der Festbegeisterung.

Der Gruß Rapperswyl's an der Ehrenpforte beim Bahnhof:

Willkomm Clubisten in der Rosenstadt, Die keine Gletscher zwar zu bieten hat; Doch steh'n statt Gletscherspalten Herzen offen, Die Eure Liebe zu erwerben hoffen!

hat sich schon jetzt, in den ersten Stunden unseres Hierseins, glänzend bestätigt.

Das Banket, an welchem circa 230 Personen theilnahmen, mußte unter diesen Umständen ganz besonders gelingen. Der Saal zum „ Schwanen " war festlich reich dekorirt, und nicht minder reich an prächtigen Gedanken und Bildern waren auch die zündenden Worte, die dem geliebten Vaterlande und dem Charakter und den Zwecken unseres Alpenclubs galten. Viele, die zum ersten Mal einem Alpenclubfest beiwohnten, haben uns offen gestanden, die geistigen Genüsse, die da in verschwenderischer Weise geboten werden, verbunden mit der allgemein geübten Collegialität und durchdrungen von dem Hauche reinster und uneigennützigster Vaterlandsliebe, sie wiegen alles das allein schon auf, was man während des Jahres etwa für diesen Zweck opfern müsse, und das sei das schönste Fest, das sie je mitgefeiert!

Wie schon gesagt, läßt sich der rechte Clubist durch einige Regentropfen, und wenn ihrer auch Legion wäre, nicht erschrecken, und so muß denn auch das Programm in seinem gewiß anziehenden Theil betreffend die Seefahrt ausgeführt werden. Schon steht ein bunt beflaggtes Dampfschiff dampfend zur Abfahrt bereit, die ganze Schaar der Festgäste ergießt sich etwa um 4 Uhr Nachmittags in dasselbe. Wenn man mit Wüthen und „ Täubelen " nichts mehr ausrichtet, so wird man nach und nach gelassen und ruhig, und so hat auch das Wetter, die Nutzlosigkeit seiner versuchten Festes-störung einsehend, seine Regenregister geschlossen, und wenn es auch immerhin noch griesgrämig und mürrisch genug aussah, so gestattete die Witterung wenigstens noch eine ganz gemüthliche Seefahrt, die von einzelnen unermüdlichen Bergsteigern zur halsbrechenden Ersteigung des Radkastens mit Hülfe von Gletscherseil und Bergstock benutzt wurde.

Glücklich nach Rapperswyl zurückgekehrt, wurden wir dort bei einbrechender Nacht noch mit einem brillanten Feuerwerk mit Schloßillumination angenehm überrascht. So entflohen die Stunden dieses Festtages pfeilgeschwind und ehe man sich 's versah, war der Abend und die Zeit zur Heimkehr da, damit aber noch keineswegs der Schluß der heutigen Festfeier.

Die Vertheilung der Festgäste in die drei Gemeinden Rapperswyl, Wald, Rüti war nämlich nicht etwa eine nothwendige Folge der ländlichen Wohnungsverhältnisse, hatten sich doch alle drei Gemeinden je für einige Hundert Gäste eingerichtet gehabt und wären also die etlichen Hundert Mann wohl überall gar gut versorgt gewesen, sondern die Gründe dafür waren ganz anderer Natur. Wenn drei Gemeinden mit einander in clubistischen Leistungen, in treuer Anhänglichkeit an den Schweizer Alpenclub wetteifern und es kommt einmal der Tag, an dem man dieselbe bethätigen kann: Wer würde sich da nicht beleidigt fühlen, wenn er hintan gesetzt würde, wenn die lieben Gäste, denen man gern für einige Stunden ein trautes Heim bereiten würde, anderswo hin commandirt würden und man das Nachsehen hätte und all' die Liebe und Freundschaft, die man im Herzen trägt, unbeachtet verwelken müßte! Warum halten die Mitglieder des S.A.C. alljährlich ihre Feste bald in glänzenden Städten und dann wieder in bescheidenen Flecken und Land-bezirken? Doch gewiß auch, um wie auf den Excursionen Land und Leute kennen zu lernen, und welchen Gewinn hätten sie und wir gehabt, wenn wir nicht Gelegenheit bekommen hätten, uns selbst und unsere Leute den lieben Gästen daheim zu zeigen, daheim, wo wir uns ihnen ganz so geben konnten, wie es uns um 's Herz war und wo auch sie in der Wärme unserer Empfindungen selbst erwarmen und heimelig werden mußten!

Dies und nichts Anderes brachte die Section Bachtel auf diese bisher noch nicht dagewesene Festanordnung. Daß der Gedanke ein glücklicher war, daß dieser Abend vom 22. August allen Festtheilnehmern unvergeßlich bleiben wird, habe sie nun das Loos nach Wald, oder nach Küti, oder nach Rapperswyl geführt; daß überall das Volk in seiner edleren Gesammtheit unsere Gäste mit offenem Herzen und glühender Begeisterung aufnahm und ihnen diejenigen edeln und reinen Genüsse zu bieten suchte, die dem Herzen, des Clubisten wohl thun, das ist eine Thatsache, die wir heute, nach bald einem halben Jahre, nochmals mit inniger Freude constatiren wollen! Draußen regnet 's noch, aber drinnen ist heller Sonnenschein und Früh-lingsblüthenduft! Wenn je im Leben, so hätten wir an jenem Abend jedem flüchtigen Augenblick bittend zurufen mögen: „ Weile doch, weile doch, du bist so schön !" Aber die Stunden zerrinnen am schnellsten, wenn sie am schönsten sind! Freuen wir uns, daß das Glück, wenn es zerrinnt, uns seine milde Schwester, die Erinnerung, an seiner Statt zurückläßt als getreuen Abglanz denkwürdiger Wirklichkeiten!

Der süßen Freude mischte sich indeß ein bitterer Wermuthstropfen bei: die Befürchtung, der momdrige Tag, der Bachteltag, auf den wir unsere besten Hoffnungen gesetzt, möchte alle Wünsche elendiglich zu Wasser werden lassen. Die vorsündfluthlichen Zeiten, in welche unser Naturforscher von Wetzikon uns einführen sollte, schienen in Wirklichkeit nähere Bekanntschaft mit der Gegenwart machen und das heiß pul-sirende Leben rings um den Bachtel mit neuen Schnee- und Eislasten bedrohen zu wollen.

Aber kaum gedacht ist dem Kummer ein Ende gemacht! Der rechte Nebelspalter ( kein Verwandter desjenigen von Zürich ) hatte seine Arbeit schon gethan. Schwere Träume hatten unseren unermüdlichen Festpräsidenten beängstigt, die Sorgen für Regenwetter-vergnügen, Selbstanklagen wegen verabsäumter Wetter-assecuranz, Hülfegesuche an bekannte und unbekannte Wetterpropheten schwirrten um die befangenen Sinne. Da plötzlich dringt wie ein schalkhafter Kobold triumphirend ein Sonnenstrahl in 's Schlafgemach und verscheucht sind die düstern Bilder. Ein froher Tag hielt seinen Einzug!

Juchhei! haben wohl die meisten Clubisten am 23. August, Morgens etwa um halb 8 Uhr, verwundert ausgerufen und sind mit einem Satz, trotz verschiedener erschwerender Umstände, aus dem Bett gesprungen, wie sie die gänzlich veränderte Scenerie draußen gewahr wurden. Das ist die Sonne von Austerlitz, sie leuchtet uns zum Siege, dachten die Mitglieder des Comité, hefteten die Rose an ihre Brust und eilten im Sturmschritt nach den Höhen des Bachtels, um dort zum Empfang der Gäste die nöthigen Vorbereitungen zu treffen, die wohl in Anbetracht der gestrigen Witterung unterblieben waren. Allein der alte Bachtel versteht sich auf solche „ Mödeli " der Witterung gar wohl und präsentirt sich den Ankommenden im feinsten Festgewand: s'Tischli ist gedeckt und drum herum huschen geschäftige Elfen, geschmückt in den schönsten vaterländischen Trachten, jedem Ankommenden mit lieblicher Freundlichkeit eine Erfrischung anbietend. Ja ja: „ Kein Adler ist die Wachtel, kein Matterhorn der Bachtel; doch die Natur sagt Eines: Was Kleines, was Feines !" In jedem Blick, jedem Händedruck und jedem Gruß lachte uns Wonne und Entzücken entgegen, es schien, als ob Natur und Menschen in einer harmonischen Freude zusammen aufgegangen wären, und wir frugen uns ernstlich, ob es -wohl auch so urgemüthlich hätte sein können, wenn es am 22. nicht geregnet hätte? Wir glauben nein, denn dann hätte sich Alles so mehr von selbst verstanden — kein zufälliges Glück, keine Ueberraschung, es wäre Alles so nett am Schnürchen gegangen und wir hätten uns am Schluß gesagt: Ja ja, nun ist Alles gut abgelaufen! Aber Regen und Sonnenschein, Sturm und Frühlings lüfte, Trennung und Wiedersehen müssen sich im Leben die Hand reichen und dürfen, soll ein Menschenleben oder eine Episode daraus irgend erwähnenswerth sein, nicht fehlen.

Aber der Clubist ist ein Feind der Ruhe; bei ihm ist der Anfang der größeren Behaglichkeit das Ende der Zufriedenheit; er sehnt sich nach Thaten, und so ist es auch ganz begreiflich, daß die freundliche Einladung " eines unserer Clubgenossen zu einem dreistündigen Spaziergang nach Gryffenberg, der alten Veste ob Bäretschweil, die eine sehr schöne, wenn auch ruhigere Aussicht bietet, mit Jubel angenommen wurde, und eine ansehnliche Schaar ( 80-100 Mann ) im Sturmschritt die Einnahme Gryffenberg's vollzog. Ich erachte es zwar als meine Pflicht, diese Einnahme der Veste Gryffenberg nicht als eine besondere Heldenthat zu schildern, denn unter den gegebenen Verhältnissen wären auch minder tapfere und ausdauernde Helden dies zu vollführen fähig gewesen. Denn:

1 ) Das Belagerungsheer war von großem Durst geplagt und vermuthete in den unterirdischen Räumen der Veste feine Flüssigkeiten. Was der Mensch in diesem Stadium thut, ist bekannt.

2 ) Bestand die Besatzung der Burg aus fast lauter Amazonen, die mit den Belagerern wohl einen Vergleich bezüglich Liebenswürdigkeit und acht vaterländischer Gesinnung, nicht aber einen Kampf um den Besitz der Veste hätten wagen wollen, und 3 ) Sind unsere Helden durch die milden Klänge eines fernen Alphorns, das sie für den Uristier 37 halten mochten, zu ihren Angriffen geflissentlich begeistert und angefeuert worden.

Item die Veste ergab sich und wurde voll und ganz in Besitz genommen. Ein großer Sänger und Dichter, Gottfried von Grindelwald, hat diese Eroberung sogar von dem Dache der Citadelle aus feierlich besungen und der Besatzung allgemeine Amnestie ertheilt, ja den Schloßherrn in seinen bisherigen Rechten nicht nur bestätigt, sondern ihn sogar öffentlich seines Thuns belobt, und Belagerer und Belagerte riefen anhaltend und einmüthig „ Bravo " dazu.

Wie wir nachher erfahren, hatte genannter Dichter gut reden, weil er bei dieser Gelegenheit persönlich die beste Eroberung zu machen im Begriffe stand,, was ihm denn auch nach Wunsch gelungen ist. Der liebenswürdige Gebirgspfarrer wird hoffentlich bei etwa eintretenden freudigen Familienanlässen die Section Bachtel zu Gevatter bitten!

Während also auf Gryffenberg drauf los erobert, gerednert, musicirt, gesungen und gezecht und die neu erbaute Clubhütte zur Geyerhütte feierlich eingeweiht wurde, concentrirten sich nach und nach im Herzen der Festlandschaft, in Wald, die Festeswogen,, und als die Gryffenberger endlich mit ihrem Extrazug ankamen, brachen sie nochmals entfesselt und überschäumend los, ungehemmten Laufes sich ergießend bis spät, spät in die tiefste Nacht hinein. Auch da wurden der vortrefflichen Worte noch gar viele gesprochen; wir erinnern nur an den herzlichen Gruß des Gemeindepräsidenten von Wald, an das ernste Huttenlied Leonhard Steiner's, an die witzigen humoristischen Angriffe Binder's auf das Central-Comité und deren Beantwortung durch Regierungsrath v. Steiger in urchigem Bernerdeutsch, in welcher er behauptete, unsere Frauen und Meitscheni gehören in die Clubhütten im Thal, wo sie unsere Buben zu tüchtigen Clubgenossen zu erziehen haben, und nicht zu uns in die Clutjhütten am Gletscherrand. Noch mancher begeisterten Rede müßte Erwähnung gethan werden, allein ich will nicht abschreiben, was Jeder von Ihnen bereits gedruckt gelesen hat und will deshalb zum Schluß eilen.

Das Fest, von keinem Mißton getrübt, auf der Basis der ursprünglichsten Einfachheit und Gemüthlichkeit durchgeführt, ist beendigt. Alle Befürchtungen für dessen Mißlingen sind zu Schanden geworden. Der Eintracht, dem Zusammenwirken aller Kräfte, dem treuen Festhalten an den ursprünglich festgesetzten Grundlagen haben wir es zu danken, daß wir eine hohe und schöne Aufgabe haben lösen können, ohne unsere Kräfte aufzureiben; eine Aufgabe, deren Lösung uns im Gegentheil innerlich stärkte und äußerlich uns zu der Höhe anderer bevorzugter Sectionen emporhob. Wir schließen mit den schönen und wahren Worten eines Basler Clubisten: Warum gelang dieses Fest so sehr? Es ist das Volk die Schuld daran, das Volk, das um den Bachtel herum wohnt, das seine Gäste mit offenen Armen aufnahm, das sich glücklich schätzte, ihnen seine gastlichen Häuser zu öffnen, das Volk, das drei Tage lang mit uns Feste feierte, das heute Dienstag frühe schon wieder an der Arbeit ist, die Fabrikler an der Maschine, der Herr auf seinem Bureau, der Landmann hinter dem Pfluge — das Volk, welches Goethe's Zauberspruch vorzüglich versteht:

Tages Arbeit, Abends Gäste, Saure Wochen, frohe Feste.

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