Canyoning und Naturschutz

Zunehmende Popularität der Schluchtbegehungen Canyoning: ein aktueller Sport für viele und vor allem für einige Bergführer! Die Beiträge in den ALPEN 7/97 und 9/97 gaben schon einen Einblick in diesen neuen Sport, in seine Faszination, seine Gefahren und die Situation der Canyoning-Anbieter. Die Kommission Schutz der Gebirgswelt möchte in diesem Beitrag einige Naturschutz-Aspekte des Canyoning beleuchten.

Faszination Canyoning Sprünge von über zehn Meter Höhe, steile Felsrutschen, Abseilen über schwindelerregende Abbruche, Seilbrücken, Kraxeln und Schwimmen im wilden Wasser — dies alles macht eine Schluchtbegehung faszinierend und eindrücklich. Auch wenn die Begleitung und Anleitung durch einen Führer selbstverständlich gewährleistet ist, müssen alle Canyo-ning-Teilnehmer erst die Angst vor den Hindernissen überwinden. Nach einer Begehung bleiben der Stolz und die Befriedigung darüber, dass man die Herausforderung angenommen hat. Das grosse Erlebnis eines solchen Tages geht nicht so schnell vergessen.

Canyoning in der Schweiz Erste kommerzielle Begehungen erfolgten in der Schweiz gegen Ende der 80er Jahre. Seither wurde dieser Sport immer populärer, vor allem, weil man ohne spezielle Voraussetzungen mitmachen kann ( z.. " " .B. im Rahmen eines Betriebsausflugs ). Heute bieten bereits zahlreiche Unternehmen in der französischen und deutschen Schweiz Abstiege durch verschiedene eingerichtete Schluchten an. Die Palette der Schwierigkeiten ist gross. Jedes Unternehmen verfügt über einen oder mehrere Canyons, die es regelmässig benutzt, sowie über einige mit höhe- Folgen des Canyoning für die Natur Die wichtigsten Untersuchungen dazu betreffen die Schluchten der französischen oder spanischen Pyrenäen, wo Canyoning seit über zwanzig Jahren ausgeübt wird. In der Schweiz gibt es noch kaum Studien.1 Die wichtigsten Beeinflussungen der Natur können jedoch abgeschätzt werden, und sie sind auch sichtbar an den begangenen Schluchten.

Verschiedene Elemente des Ökosystems der Schluchten sind betroffen: Die Fischfauna, die Mikroorganismen, Moose und Flechten der Steine, die Ufervegetation sowie das Gelände im Bereich des Anweges zur Schlucht; Vögel, die in den Schluchtwänden nisten, können gestört werden. Die in der Umgebung der Schlucht lebenden Tiere werden durch die regelmässige Durchquerung ihres Gebietes durch die Gruppen ebenfalls beeinflusst.

:'Ein Beispiel: Studie über die Gorges du Pissot bei Château-d'Oex, VD, realisiert 1990 durch das Büro Aquarius Sprünge bis über zehn Meter sind durchaus üblich, und das Vergnügen daran ist grösser, wenn sie mehrmals wiederholt werden können.

Schäden, die « Schluchtler » anrichten können Beeinträchtigungen können schon am Zugangsweg beginnen: Die Schluchten liegen meist in steilem Gelände abseits von Wegen. Durch die vielen Begehungen bilden sich ein oder mehrere Pfade. Eine Abwertung des natürlichen Milieus und Veränderungen in den Gewohnheiten der lokalen Fauna sind unausweichlich.

Die Begehung flacherer Teilstücke der Schlucht zu Fuss oder halb schwimmend bewirkt ein Durchwir-beln der Sande. Die darin lebenden Mikroorganismen und allfällige Fischeier werden dadurch zerstört. Moose auf den oft begangenen Steinen verschwinden mit der Zeit ebenfalls. Die Anwesenheit von Menschen in den kleinen Wasserbecken treibt die Fische zur Flucht. Der dadurch ausgelöste Stress gefährdet bei zu häufiger Wiederholung ihr Überleben.

Die Gruppen verbringen häufig längere Wartezeiten auf den Steinen, auf Sandbänken oder auf Terrassen an den Schluchtwänden. Wenn der Platz beschränkt ist, ist ein Nieder-trampeln der Vegetation oder die Störung von Sandbänken unvermeidlich.

Wo die Uferwände nicht zu steil und hoch sind, werden interessante Hindernisse wie etwa ein Sprung häufig mehrmals begangen. Ein oder mehrere Pfade werden durch die Ufervegetation gebahnt, was zu beträchtlichen Beschädigungen führen kann.

Andererseits muss auch in Betracht gezogen werden, dass viele der Schluchten im Frühjahr anlässlich der Vielfältige Vegetation am Ufer des Canyon du Salanfe, VS Die Schluchtvegetation ist manchmal sehr dicht ( Gorge du Triège, VS ).

gereinigt. So werden oft viele Abfälle ( Tierkadaver, alte Kühlschränke, Matratzen usw. ) entfernt, die von verantwortungslosen Leuten in die Schluchten geschmissen werden.

In der Schweiz gibt es zur Zeit keine legale Basis für das Canyoning. Um Beeinträchtigungen der Natur zu vermeiden oder zu minimieren, sollte vor allem die Anzahl von Begehungen kontrolliert werden. Der Haupt-benutzer eines Canyons könnte dafür mit Einverständnis der Gemeinde verantwortlich zeichnen ( wie es beispielsweise für die Canyons von Les Marécottes, VS, gehandhabt wird ). Er müsste selber Begehungen in der Fischlaichzeit3 unterlassen sowie die Anzahl Begehungen und die Anzahl Gäste pro Begehung begrenzt halten.4 Andererseits ist es wichtig, die Gäste für die Schäden, die sie durch falsches Verhalten anrichten können, zu sensibilisieren. Warteplätze ( möglichst nicht auf Sandbänken ) müssen klar zugewiesen und die Bildung neuer Pfade im Uferbereich muss unterbunden werden. Dies erfordert eine straffe Führung durch die Verantwortlichen. Weiter soll auf die Besonderheiten und Schönheiten der Schlucht und ihrer Umgebung aufmerksam gemacht werden. Die technischen Instruktionen müssen also durch kompetente Informationen zur Natur und deren Schutz ergänzt werden. Es liegt im Interesse der Unternehmer, dass ihre Kunden die Natur in « ihrer » Schlucht möglichst gut respektieren und schonen.

Schneeschmelze grossen Hochwassern ausgesetzt sind, die jährlich die Mikroorganismen und einen Teil der Vegetation des Schluchtgrundes zerstören. Das Wasser kann bis auf zwei bis drei Meter ansteigen. Schluchten sind also sehr dynamische Ökosysteme, deren Populationen gewöhnt sind, sich in kurzer Zeit zu regenerieren. Ein praktisch tägliches Passieren einer grösseren Anzahl Personen lässt aber demgegenüber den Mikroorganismen und Pflanzen nicht genügend Zeit zur Regeneration. Erfolgt das Canyoning zudem während der Fisch-laichzeit ( Herbst, vor allem September ). " " .2, kann dies eine beträchtliche Reduktion der Fischpopulation im Wasserlauf und seinen Zuflüssen zur Folge haben — und zudem Konflikte mit den Fischern.

Wie die Beeinträchtigungen reduzieren?

Es sei vorausgeschickt, dass das Canyoning nicht nur negative Einflüsse auf die Natur hat: Im Frühjahr werden die Schluchten regelmässig 2 Diese Zeit variiert in Abhängigkeit der anwesenden Fischarten.

3 Beispiel einer geeigneten Saison ( Pissot, VD ): Anfang Juli bis Ende September " Beispiel von Pissot, VD: Die maximale Begehungszahl wurde festgelegt auf 30 pro Tag und 1000 pro Saison.

5 Diese sollte beinhalten: Begrenzung der Saison, maximale Teilnehmer- und Begehungszahl, allgemeiner Kodex, jährliche Rapporte.

Schild, das auf die Bewilligungspflicht der Schluchtbegehung hinweist ( Gorge du Triège, VS ) Vorschläge der Kommission Wir können unsere Vorschläge wie folgt zusammenfassen:

Einbezug von Aspekten der Fluss-und Schluchtökosysteme und deren Schutz in die Ausbildung der Canyoning-Führer/innen.

Festlegung eines allgemeinen Kodex durch die Canyoning-Anbie-ter sowie von Benutzungskonventionen für jede begangene Schlucht.

Eröffnung und Ausrüstung von neuen Schluchten sollen nur noch in Abstimmung mit der Gemeinde sowie mit den Naturschutz-, Jagd-und Fischerei-Verantwortlichen erfolgen.

Information: Artikel in der lokalen Presse, Instruktionen vor und während der Begehung, Hinweistafeln, Absprache mit den Fischern.

Kontrolle der Frequentierung wenn möglich durch das lokale Unternehmen in Abstimmung mit den kommunalen Autoritäten5; gelegentliche Überprüfung durch den Wildhüter oder andere Verantwortliche.

Claudia Challandes, SAC-Kommission für den Schutz der Gebirgswelt ( ü Reisen, Begegnungen, Persönlichkeiten Viaggi, incontri, personalità Voyages, rencontres, personnalités ^ Septembernacht Geräusch schleicht sich in meinen Halbschlaf. Da ist es wieder, wie ein Trippeln von tausend kleinen Füsschen - sind es Mäuse, die sich an unserem Zelt gütlich tun? Im fahlen Dämmerlicht befreie ich eine Hand aus den Tiefen des Schlafsacks, ein Blick auf die Uhr: Es ist kurz vor sechs Uhr früh. Jede Bewegung wird begleitet von diesem eigenartigen Trippeln oder Rieseln, das mich nun vollends hat wach werden lassen. Tastend streift die Hand über das wie immer eisigkalte Äussere des Schlafsacks -heute jedoch fühlt es sich in eigenartiger Weise wie feucht oder gefroren an. Und stets wieder dieses eigenartige Geräusch! Ich richte mich halb auf, ein prüfender Griff in Richtung des Zeltgiebels löst das Rätsel: Die klirrende Kälte der sternklaren Septembernacht auf 5110 m Höhe hat die Kondensfeuch-tigkeit in unserem Innenzelt zu Reif werden lassen, Lamayuru ist eines der ältesten unter den sagenumwobenen Klöstern Ladakhs.

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