Cédric Lachat gewinnt drei Medaillen. Sportkletter-Weltmeisterschaften 2007 in Avilés

Cédric Lachat gewinnt drei Medaillen

Die Weltmeisterschaften im spanischen Avilés Ende September waren dank den drei Medaillen von Cédric Lachat die bisher erfolgreichsten internationalen Wettkämpfe in der Geschichte des Schweizer Sportkletterns.

Mit einer Silbermedaille in der Kombination und je einer Bronzemedaille im Lead-Klettern und im Bouldern war Cédric Lachat eine der prägenden Figu ren an der Sportkletter-Weltmeisterschaft im spanischen Avilés. Solch ein Exploit kommt nur zustande, wenn auch im Vorfeld des Grossanlasses vieles richtig läuft. Die Athletinnen und Athleten müssen die Selektionskriterien erfüllen sowie in der Vorwettkampfzeit einen hohen Formstand aufweisen. Für die Weltmeisterschaften in Avilés schafften dies Alexandra Eyer, Nina Caprez und Christina Schmid sowie Cédric Lachat, Daniel Winkler, Matthias Müller und Martin Jaggi.

Chaos und ein Schweizer Opfer

Der erste Eindruck am WM-Ort in Spanien war gut. Das mitten im historischen Zentrum von Avilés gelegene Hotel wirkte gemütlich und versprach die nötige Ruhe und Geborgenheit für eine harte WM-Woche. Doch mit der Ruhe war es bereits am nächsten Morgen vorbei: Die Organisatoren waren dem Ansturm der rund 200 Athletinnen und Athleten in die Aufwärmzone nicht gewachsen. Opfer dieses Chaos wurde Daniel Winkler. Er konnte sich nur unzureichend aufwärmen und wurde Stärkste Schweizer 2007 Cédric Lachat konnte sein Hoch weiter ausnutzen. Er schloss die Saison im November am Weltcup in Kranj mit einem ersten Rang im Lead-Klettern ab. Damit liegt er in der Gesamtwertung als bester Schweizer auf dem sechsten Platz.. " " .B.ei den Frauen ist Alexandra Eyer international mit dem 1O. Rang die zurzeit stärkste Schweizerin. Alle Ranglisten der Kletterweltmeisterschaften in Avilés unter www.digitalROCK.de/sac_ calendar.php, die internationale Wertung findet sich unter www.ifsc-clim-bing.org/?page_name=ranglist buchstäblich von der Schwierigkeit der Route kalt erwischt. Mit seiner erreichten Höhe in Lead war er bereits nicht mehr auf Halbfinalkurs. Da am nächsten Tag die zweite Qualifikationsroute eher leicht war, konnte Winkler sein Handicap gegenüber der vor ihm liegenden, starken Konkurrenz nicht mehr wettmachen. Insgesamt liess sich jedoch die Bilanz für die Schweizer mit fünf Halbfinalqualifi-kationen und nur einem ausgeschiedenen Athleten sehen.

Fast alle Schweizer ausgebouldert

Am selben Tag war der Boulderspezialist Matthias Müller zum Team gestossen. Er hatte sich trotz langer Verletzungspause für die WM qualifiziert und sollte ausschliesslich in dieser Disziplin zum Einsatz kommen. Am Folgetag zählten er und die drei weiteren Schweizer, Martin Jaggi, Cédric Lachat und Daniel Winkler, zu den 120 Herren, die in einer knallhar-ten Ausscheidung um die 20 Halbfinal-plätze kämpften. Müller verlor früh sein Selbstvertrauen, und nach seiner Wettkampfrunde war die WM für ihn schon zu Ende. Ihm fehlten die Wettkampf-praxis und die Sicherheit in den dynamischen Zügen und Sprüngen. Cédric Lachat war besser unterwegs und « schmug-gelte » sich gerade noch als letzter und einziger Schweizer ins Halbfinale.

Am Nachmittag kämpften 80 Damen, unter ihnen die drei Schweizerinnen, um den Einzug ins Halbfinale. Nina Caprez und Christina Schmid vermochten das vierte Problem nicht zu lösen, fighteten aber bis zum Schluss. Von Alexandra Eyer konnte man aufgrund eines dritten Weltcupranges in der Disziplin Bouldern eine Halbfinalqualifikation erwarten. Sie liess sich jedoch in ihrer Konzentration stören, als sie das dritte Problem nicht schaffte, und verlor dann am athletischen vierten Boulder die Übersicht. Da Eyer lediglich drei Tops aufwies, konnte eine bekannte Athletin aus Spanien sie noch verdrängen. Damit waren alle Schweizerinnen ausgeschieden.

Speed – weit weg von der Weltspitze

Die Speed-Konkurrenz wurde von Cédric Lachat, Martin Jaggi, Daniel Winkler und Nina Caprez nur im Hinblick auf die Kombinationswertung bestritten – und mehr lag auch nicht drin. Die Kon- Das kam vielleicht manchen spanisch vor: Werbung mit einer Puppe für die Kletterweltmeisterschaften in Avilés.

Fotos: Giulio Malfer kurrenz aus China, Russland und Ecuador war klar überlegen. Die Sieger Qixin Zhong und Tatiana Ruyga zeigten, wie faszinierend und publikumswirksam diese Disziplin sein kann.

Lead – Ausscheiden und Reüssieren

Die beiden abschliessenden Tage der Weltmeisterschaften von Avilés zählen in verschiedener Hinsicht zum Eindrücklichsten, was der Autor dieses Artikels persönlich im Verlaufe seiner langen Karriere als Nationaltrainer und -coach erleben durfte. Da gab es die Enttäuschung derjenigen, deren sportlichen Ambitionen durch das Ausscheiden im Halbfinal jäh gestoppt wurden. Besonders hart traf es Alexandra Eyer, die, den Ausstiegsgriff in unmittelbarer Reichweite, am letzten Zug überraschend scheiterte und damit das grosse Finale verpasste. Sie hatte in der Qualifikation überzeugt, war aber bereits beim Aufwärmen für das Halbfinale hin und her gerissen zwischen Lockerheit und Selbst-zweifel. Die anderen Schweizer durften mit ihren Leistungen durchaus zufrieden sein. Martin Jaggi erreichte einen für ihn überraschenden 15. Schlussrang. Obwohl beide gesundheitlich angeschlagen waren, erzielten sowohl Nina Caprez als auch Christina Schmid mit den Rängen 20 bzw. 22 gute Resultate.

Cédric Lachat – während zweier Tage im sportlichen Flow

Anders erging es Cédric Lachat. Er erreichte das Lead-Finale sicher und war von da an nicht mehr aufzuhalten. In die lange Finalroute musste er gleich zweimal einsteigen, weil sich während seines ersten Versuches ein Griff gedreht hatte. Der bereits erschöpfte Ausnahmeathlet kletterte jedoch nach einer 15 Minuten langen Pause mit einer kämpferischen Leistung auf den dritten Rang.

Am nächsten Morgen schaffte er als Letzter im Halbfinale der Disziplin Bouldern gleich alle Probleme und beeindruckte damit die Konkurrenz. Er lag damit hinter dem bis dahin souveränen Franzosen Daniel Dulac auf dem zweiten Zwischenrang. Das Finale war dann aus Schweizer Sicht an Dramatik kaum zu überbieten, denn Lachat ging bereits nach dem ersten Boulder in Führung. Der französische Athlet war chancenlos, und die anderen vier Finalisten brauchten zum Teil mehrere Versuche. Diese Situation blieb bis zum letzten Problem unverändert, zwei Weltmeistertitel – auch jener in der Kombination – schienen in Griffweite für Lachat. Praktisch in letzter Sekunde schaffte aber der Russe Dmitry Sharafutidnov noch den Abschlussboulder. Es blieb nur noch Cédric Lachat. Er wusste aber mit dem Boulderproblem wenig anzufangen und brach ein. « J'en ai marre !», schrie er seine Enttäuschung ins Publikum, machte aber noch weitere, leider erfolglose Versuche, bis die Wettkampfzeit um war. Der SAC ehrte Cédric Lachat an der Präsidentenversammlung für seine Leistungen an den Kletterweltmeisterschaften.

Die Arena für die Conquista dores des Kletterns. WM-Halle im spanischen Avilés Einhängen und gleichzeitig den nächsten Griff genau an visieren: die Schweizerin Nina Caprez in der Qualifikation des Lead-Wett-bewerbs Der erfolgreiche Schweizer Spitzenkletterer Cédric Lachat im Boulderfinal Foto: Dieter Spinnler Trotz dieser finalen Enttäuschung hat Cédric Lachat jedoch Sportgeschichte im Klettern geschrieben. Er wurde, da ihn in der Endwertung auch noch der Tscheche Martin Stanek überholte, im Boulder Dritter und zudem Vizeweltmeister in der Kombination. Mit seinen drei Medaillen rangierte die Schweiz im Medaillenspiegel hinter Russland ( vier Medaillen ) auf dem stolzen zweiten Rang. Dieser Erfolg für unser Land ist auch beste Werbung für die nächsten Weltmeisterschaften, die 2009 in Grindelwald stattfinden werden. a Hanspeter Sigrist, Chef Leistungsspor t

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