Darf Kunst zum Himmel stinken?

Winter 2018. Vom Hauptbahnhof in Oslo sind es nur ein paar Schritte bis zur Oper. Auf dem weiträumigen Platz, den man überquert, liegen gut 30 Zentimeter Schnee – mitten in der Stadt, auf nur wenigen Höhenmetern über dem Meeresspiegel. Im Zentrum des Platzes sind etwa zehn auf zehn Meter mit Baustellengittern abgesperrt. Die Passanten wählen ihren Weg um die Gitter herum, machen einen kleinen Umweg, treten ihre Pfade in den Neuschnee. Die vermeintliche Baustelle entpuppt sich als Installation eines Künstlers – eingezäunter, unversehrter Neuschnee!

Trailrunning im Engadin. Beim Trainingslauf mit meiner Trainingsgruppe steht die sportliche Leistung im Vordergrund. Dabei «trainieren» wir auch den Ausblick auf die alpine Landschaft, die wir im Segantini-Museum in St. Moritz an der Wand hängend wiederfinden; Sport und Kunst verbinden sich. Und immer wieder die Frage: Wo beginnt Kunst? Für die einen soll sie schön sein, erbaulich, für mich darf sie zum Reflektieren anregen und auch provozieren.

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Und immer wieder die Frage: Wo beginnt Kunst? Für die einen soll sie schön sein, erbaulich, für mich darf sie zum Reflektieren anregen und auch provozieren.

1960er-Jahre und wieder einmal eine Skulpturenausstellung in Biel. Einem befreundeten Kunstmaler helfe ich, seine Skulptur aufzustellen. Ein gewagtes Objekt: dunkle Wände, als Skulptur begehbar, wie ein Labyrinth. Ein Kunstwerk, das nicht von aussen betrachtet, sondern von innen erlebt werden will. Obwohl solide konstruiert, die Dauer der Plastikausstellung hat das Werk nicht überstanden. Als Pissoir missbraucht, stank das Kunstobjekt bald einmal zum Himmel und musste wieder abgebaut werden.

Mit dem Kunstprojekt Crystallization geht der SAC diesen Frühling neue Wege. Ich freue mich auf die Auseinandersetzung mit der Bergwelt aus einer andern Perspektive und auf den Austausch mit berg- und kulturbegeisterten Menschen. Zur Abwechslung Kult(o)ur statt der üblichen Bergtour!

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