Das Fifad wird 50

Das internationale Bergfilmfestival Diablerets (Fifad) hat sich in einem halben Jahrhundert zu einer der weltweit bedeutendsten Veranstaltungen seiner Art entwickelt.

Es brauchte eine Handvoll Berg- und Filmfreunde, motivierte Freiwillige aus der Region und mehrere Dutzend Liter Weisswein, damit 1969 die erste Ausgabe des Festival international du film alpin des Diablerets (Fifad) stattfinden konnte. Damals wurde es noch «Journées du film alpin suisse» genannt und war ein bescheidener geselliger Anlass. Gründer war Jacques Lavenex, Amateurfilmer, Bergsteiger und Skifahrer. Auf dem Programm standen 17 Schweizer Filme, auf 16 Millimetern gedreht. 400 Zuschauer genossen das Spektakel in einer ehemaligen Militärbaracke, die mithilfe von selbst gemachten Vorhängen verdunkelt worden war. Für einen Hauch von Glamour sorgten einige bekannte Gesichter, unter anderem Peter Ustinov, der damals ein häufiger Gast des Waadtländer Ferienortes war.

50 Jahre später ist das Fifad eines der weltweit grössten Bergfilmfestivals. 2018 zog die Veranstaltung nicht weniger als 23 000 Menschen an. Bei der diesjährigen Jubiläumsausgabe, die vom 10. bis zum 17. August stattfindet, werden im Wettbewerb 50 internationale Filme in fünf Kategorien gezeigt. In den 50 Jahren seit ihrem Anfang hat sich die Schweizer Veranstaltung für Bergfilme stark verändert, ihr ursprüngliches Ziel ist jedoch gleich geblieben: den Reichtum dieses wenig bekannten, ja teilweise sogar ignorierten filmischen Genres zu zeigen und zu fördern. «Ein Bergfilmfestival in dieser Region auf die Beine zu stellen, war ein mutiger Schritt. Abgesehen von einem Festival im italienischen Trient existierte damals kein anderes», erinnert sich Claire Lavenex, die Ehefrau des Gründers, im Buch Fifad: 40 ans de passion. Nach dem Erfolg der ersten, rein schweizerischen Ausgabe wurde Jacques Lavenex überhäuft von Angeboten ausländischer Filmemacher. Deshalb wurde aus den Journées du film alpin suisse 1970 das Fifad. Für den Eintrittspreis von fünf Franken erhielten die Zuschauer die Möglichkeit, deutsche, kanadische, französische, schweizerische und sowjetische Werke zu entdecken und dabei grosse Persönlichkeiten des Alpinismus wie Roger Frison-Roche zu treffen.

Mehr ein Treffen für Bergführer

«Es gab damals keinen Kinosaal in Les Diablerets, das Fifad selbst war das Kinoereignis!», erinnert sich Philippe Nicollier, der aktuelle Vizepräsident des Festivalkomitees, und fügt an: «Am Anfang war das Festival eher ein Treffen von Bergführern und Kletterern aus der Region. Es hatte nichts mit der heutigen Ausgabe zu tun, deren Publikum im Wesentlichen aus auswärtigen Besuchern besteht – und aus Leuten, die nicht unbedingt eine enge Verbindung zu den Bergen haben.» Eine weitere wichtige Entwicklung betrifft die Themen der präsentierten Filme: «In den Anfangsjahren ging es vor allem um grosse Expeditionen in den Himalaya oder nach Südamerika», erklärt Pierre Simoni. Auch er war von Anfang an dabei und amtierte von 1981 bis 2001 als Festivalpräsident. «Die filmischen Methoden hatten etwas Erschöpfendes und Wiederholendes: lange Einstellungen, Lager 1, Lager 2, Lager 3, Aufstieg, Abstieg», fährt er fort. Und was das Publikum betrifft: «Auch wenn es aus vielen guten Bergsteigern bestand, suchte es nach etwas, was es zum Träumen brachte, nämlich nach einem Erfolgserlebnis oder einem Abenteuer.»

Hin zur Vielfältigkeit

Pierre Simoni schätzt es, dass sich ab Mitte der 1970er-Jahre die Themenpalette erweitert hat: «Die Zuschauer bekamen Einblick in eine andere Bergwelt, wo es nicht nur um Leistung ging, sondern auch um Fauna und Flora. Das zog in der Folgezeit ein vielfältigeres Publikum an.» Dennoch dauerte es bis Anfang der 2000er-Jahre, bis das Fifad eine echte Wende vollzog, indem es einerseits dem Thema Umwelt mehr Platz einräumte und andererseits seinen Wettbewerb für den heute unvermeidlichen Bereich des Extremsports (Freeride, Basejump usw.) öffnete.

Der Berg in all seinen Facetten

Der Wandel zog sich unter der Leitung von Jean-Philippe Rapp, Festivalpräsident von 2007 bis 2018, fort und beschleunigte sich sogar. Der Anlass wurde vom September in den August verschoben. Somit findet er jetzt mitten in der Touristensaison statt, was die Zuschauerzahlen angekurbelt hat. Auch hat man die Dauer erweitert und eine Reihe von Randveranstaltungen (Diskussionen, Wanderungen, Ausstellungen, Literaturpreise usw.) auf die Beine gestellt. Thematisch gesehen «sind wir vom Bergsport zur Bergkultur übergegangen», sagt Jean-Philippe Rapp. «Wir haben die Entstehung einer neuen Generation von Filmemachern erlebt, die sich für die ethnologischen Begebenheiten der Berge interessiert». Für den ehemaligen Direktor, der gerade den Stab an Benoît Aymon übergeben hat, ist «das Fifad heute mehr denn je ein Festival, das den Berg in all seinen Facetten präsentiert». Womöglich ist das ein Markenzeichen, «das es von anderen, spezialisierteren Festivals unterscheidet».

Botschaften vermitteln

Und wie sieht Jean-Philippe Rapps Nachfolger die Zukunft des Festivals? «Filme, die einen zum Träumen bringen, sind schön und gut. Aber nicht genug: Wir brauchen Filme, die Sinn und Botschaft vermitteln», meint Benoît Aymon. Der neue Direktor wünscht sich, dass «sich die Zuschauer beim Verlassen des Kinosaales fragen: ‹Wie stehe ich zur Natur?›» Gleichzeitig möchte er «den Bekanntheitsgrad dieser wunderbaren Veranstaltung insbesondere in der Deutschschweiz und im Tessin erhöhen».

Fifad 2019

Alle Infos zum Festival finden sich unter www.fifad.ch.

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