Das Goms

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Mit 4 Bildern ( 78—81Zürich ) An der im 13. Jahrhundert einsetzenden Auswanderung der deutsch sprechenden Oberwalliser ins Eschental und Pomat, nach Gressonney, Alagna, Ornavasso auf italienischem Gebiete, nach Gurin-Bosco im obern Maggiatal, nach dem Rheinwald, Valsertal, Safien, Davos, Schanfigg, Prättigau, Vorarlberg und Liechtenstein hatte das Goms mit seinen kinderreichen Familien grossen Anteil.

Jahrhundertelang wurden Chorherrn und sogar Bischöfe von Sitten aus Gomser Geschlechtern gewählt, und 1752 entstand bei einer Bischofswahl sogar ein Streit zwischen Goms und Sitten wegen des Vorrangs. Die Gommer waren auch von jeher ein tapferes und kriegerisches Volk und halfen nicht nur den Eidgenossen bei ihren ennetbirgischen Kriegszügen, sondern machten auch lebhaft beim Reislaufen mit und verdingten sich sowohl in französische wie auch in österreichische und päpstliche Heere, wie sie auch von jeher einen beträchtlichen Teil der päpstlichen Garde stellten. Sie gaben dem Wallis etwa 20 Landeshauptleute aus den Familien de Rupo ( oder Fluo ), Hengarten, Auf den Eggen, de Pratis, de Tschampen, Holzer, z'Lauinen, Clausen, Lehner, Kreig, Sigristen, zum Brunnen, Innahorn, Schiner, von Riedmatten. Von den Malern und Bildhauern, Politikern, Dichtern und Wissenschaftern erwähnen wir hiernach mehrere bei der Besprechung der einzelnen Gemeinden.

War Ernen in frühester Zeit der Hauptort des Tales, musste es von 1447 an diese Ehre mit Münster teilen, bis letzteres allein obenaufschwang. Immerhin war das Gerichtshaus noch 1560 in Ernen, und 1770 wurde hier sogar noch ein neues Zenden-Rathaus gebaut.

Die Helvetik fand nur im Unterwallis, das drei Jahrhunderte den Oberwallisern Untertan gewesen, guten Anklang. Das Goms wollte zuerst nichts davon wissen, musste sich aber doch ins Unvermeidliche fügen, nachdem ein bewaffneter Zug Oberwalliser bei Sitten von den Franzosen zurückgeschlagen worden war. Das Goms trug nun den Namen Bezirk Ernen oder dizain de Conches mit anfänglich 13 politischen und 10 kirchlichen Gemeinden, aus denen 1802 politische Gemeinden entstanden, die um 1811 auf 10 reduziert wurden. Der Sturz Napoleons 1813 brachte dem Wallis, das 1810 als Département du Simplon annektiert worden war, wieder die Freiheit, und 1815 wurde es vollberechtigtes Glied der Eidgenossenschaft. Von 1816 an hatte das Goms wieder 16 Gemeinden, von denen 3 später eingingen; seit 1872 sind aber die frühern 21 Gemeinden, deren Ursprung ins 13. Jahrhundert zurückgeht, wieder hergestellt worden.

Ruhig und friedlich — einige unblutige Verfassungskämpfe ausgenommen — hat sich das Goms, wie das Wallis überhaupt, seit 1815 entwickelt. Viehzucht und Landwirtschaft bilden im Goms die Hauptbeschäftigung der fleissigen, genügsamen, sparsamen und dabei doch tatkräftigen Bevölkerung.

Die Alpen - 1947 - Les Alpes20 Der Gomser Alpenfettkäse ist sehr geschätzt und wird besonders für « radette » viel verwendet. Einzelne Käse werden als Familienschatz oder als Andenken an eine Feier bis zu 100 und mehr Jahren aufbewahrt. Die Statistik weist etwa 4800 Stück Hornvieh, 90 Pferde, 20 Maultiere, 2600 Ziegen, 4300 Schafe, 800 Schweine und ca. 300 Bienenvölker auf. Es wird aber auch überall etwas Ackerbau getrieben. Roggen und Gerste, seltener Weizen und Hafer, werden oft an steilen Halden, wo kein Pflug mehr verwendbar ist, noch angebaut. Überall pflanzt man Kartoffeln und etwas Gemüse. Nur schade, dass die Grundstücke vielfach durch Erbteilungen ungemein verkleinert und zersplittert sind, so dass die sonst umsichtig betriebene Landwirtschaft etwas unrationell wird. Die Flora ist ausserordentlich reich und vielgestaltig, und die Wiesen und Alpweiden bieten im Frühlingsschmuck einen prachtvollen Anblick. Ziemlich viel Kulturland wird auch künstlich bewässert, wenn schon die Trockenheit bei weitem nicht den gleichen Grad erreicht, wie im mittlern Wallis. In geschützten Gärten gedeihen Äpfel und Birnen, Kirschen und Pflaumen; da und dort sieht man auch einen Nussbaum.

Machen wir nun eine Wanderung durch die 21 Gemeinden des Goms und seine hübschen Dörfer, die trotz einer gewissen Einförmigkeit in ihrer Kultur und Geschichte so viel Interessantes und Eigenartiges bieten. * Wenn wir bei der Brücke von Grengiols die aus einer wilden, tiefen Schlucht heranbrausende Rhone überschritten und den Steilhang des Deisch-berges ( Mons Dei ) erstiegen und das Dörfchen Deisch hinter uns gelassen haben, sind wir in Lax ( 217 Einwohner ) mit Bahnstation, der untersten Ortschaft des Goms, aber schon 1046 m hoch gelegen. Es ist ein sauberes, artiges Dorf mit schöner Kirche von 1868, hoch über dem rechten Rhoneufer in saftigem Wiesengrunde gelegen. Die Alpweiden, auf denen ein vorzüglicher Fettkäse produziert wird, ziehen sich weit über 2000 m bis an das Bettmerhorn hinauf. Der Getreidebau ist beträchtlich. Der Name der Ortschaft, die 1295 als Lacx oder Lac genannt wird, leitet sich von einem See ab, der in prähistorischer Zeit diese Mulde bedeckte.Von 1744—1746 hatten hier die Kapuziner eine Niederlassung. Oberhalb des Dorfes führt eine Brücke über die Rhone nach Ernen und ins Binntal, und bevor die Strasse Fiesch-Ober-wald 1861 fertiggestellt war, wurde diese Verbindung über Ernen-Mühlebach-Niederwald auch für den Durchgangsverkehr benützt. Am kristallreichen Laxergraben schlugen sich 1799 die Gommer, unterstützt von den Österreichern, gegen die Franzosen, zogen aber dabei den kürzern. Im 14. Jahrhundert gab es hier ein Geschlecht « de Lax », aus dem mehrere Kleriker hervorgegangen sind, das aber politisch keine grosse Rolle spielte.

Etwa 3 km weiter nordöstlich ist Fiesch ( 513 Einwohner ), die verkehrsreichste Gemeinde auf 1066 m in hübscher Lage beidseitig des wild daher-tosenden Fiescherbaches. Von hier zweigt die Postautostrasse nach Ernen-Binn ab, geht die Maultierpost nach dem 2193 m hoch gelegenen Hotel Jungfrau am Eggishorn und wandert der Postbote ins Fieschertal, um die vielen Weiler und Höfe dieses rechtsseitigen Nebentals zu bedienen. Mit seinen schön gebauten schwarzbraunen Walliser Häusern, der 1844 gebauten hübschen Kirche und zwei guten Gasthäusern präsentiert sich der Ort recht vorteilhaft und wird auch als klimatischer Kurort und Ferienstation oft aufgesucht. Im 13. Jahrhundert wird « Viu oder Vios » ( Ableitung vom lateinischen vicus = Dorf ) erstmals genannt. Als Feudalherren erscheinen von 1212—1325 Ritter von Fiesch, die wahrscheinlich einen Turm bewohnten. Familien mit Zehntenrechten waren im 15. Jahrhundert die von Mühlebach, später die Paris und die Schiner von Ernen. Doch 1470 hatte Fiesch bereits ein eigenes Gemeindestatut, und im 16./17. Jahrhundert kaufte sich der Ort von den Zehnten los. Eine Bauernzunft gab es hier schon 1532. Erste Kirche 1344. Von 1344—1505 gab es hier auch Augustinerinnen von der Abtei Mont de Grâce, die im vorerwähnten Wohnturm hausten.

Ausserordentlich lohnend ist eine Wanderung vom Hotel Jungfrau nach dem Aussichtsberg Eggishorn ( 2934 m ), von dem aus man eine prachtvolle Aussicht auf die Walliser Bergriesen, Aletsch- und Fieschergletscher geniesst, sowie zum Märjelensee, der mit seinen schwimmenden Eisblöcken wie ein norwegischer Fjord sich an den Nordfuss des Eggishorns anschmiegt, und weiter über den spaltenreichen Aletschgletscher zum Konkordiaplatz mit C. Klubhütte und Gasthoffiliale oder gar bis zum Jungfraujoch oder zur Lötschenlücke. Reizvoll ist auch ein Spaziergang vom Hotel Jungfrau auf gutem Höhenweg zur Riederalp oder ( mit Gletschertraversierung ) zur Beiaip.

Die Gemeinde Fieschertal im flachen Talgrund des Fiescherbaches besteht aus mehreren Weilern und vielen Einzelgehöften am linksseitigen Talhang und zählt 237 Einwohner, alle in der Land- und Alpwirtschaft tätig. Die vom Gletscherbach des langgestreckten Fieschergletschers durchströmte schöne Talschaft ist durch ihre Kristallhöhlen bekannt geworden, aus denen ein Riesenkristall von 700 kg in ein Pariser Museum gekommen ist.

Gegenüber Fiesch auf der linken Seite der Rhone liegt in recht schöner Lage das rassige Pfarrdorf Ernen ( früher Aernen ), das zusammen mit Nie-derernen, der ausgedehnten Alp Ernengalen im Rappental und dem hübsch gelegenen Binneggen ( mit Kapelle ) 316 Einwohner zählt, früher aber als Hauptort des untern Goms viel wichtiger und, bevor es von der neuen Conches-strasse und der Furkabahn abgefahren und umgangen wurde, auch bevölkerter war. Neben den einfachen aber artigen Holzhäusern der Bauern stehen hier mehrere mit Schnitzereien und Fresken gezierte Bauten, unter denen das 1770 erstellte Rathaus und das 1570 als Sust gebaute sog. Tellenhaus besonders bemerkenswert sind. Von geschichtlicher Bedeutung ist auch das Geburtshaus des Bischofs Walter Supersaxo und dessen Sohnes Georg, der als Kastlan, Zendenhauptmann und Söldnerführer eine wichtige Rolle spielte und der namentlich auch als Gegner des Kardinals Schiner bekannt geworden ist. Die auf das 16. Jahrhundert zurückgehende Kirche, die 1863 neugotisch umgebaut wurde, ist mit ihrem spätgotischen Schnitzaltar, der Barockkanzel, den geschnitzten Chorstühlen und Bilderrahmen sowie den Schätzen der Sakristei eine Sehenswürdigkeit. Als früherer Gerichtsort hat Ernen auf erhöhtem aussichtsreichem Punkt auch einen alten Galgen, von dem allerdings nur noch drei Steinsäulen vorhanden sind. Als einmal ein schwäbischer Handwerksbursche hier hätte gehängt werden sollen, protestierten die Erner lebhaft: « Der Galgen ist für ünsch und ünschere Nachkomme und PAS GOMS nit für jede frömde Hudel. » — In der Nähe der Kirche sind noch Überreste einer ehemaligen Burg, die einst von adeligen Familien bewohnt war: Von 1608-1740 hatten die Jesuiten in Ernen eine Niederlassung mit Gymnasium, die dann nach Lax dislozierte, aber bald aufgehoben wurde.

Südlich von Ernen an der Strasse ins Binntal über der wilden Twingenschlucht, durch die sich die Binna hindurchzwängt, die das Binntal entwässert, ist in 1310 m Höhe die kleinste Gemeinde des Goms ( und sogar des Wallis ), Ausserbinn, mit 51 Einwohnern.

Das weit verzweigte Binntal, das über den Albrunpass ( 2410 m ) und Kriegalppass ( 2580 m ) gute Verbindung ins italienische Formazzatal hat, dessen Haupttal zum Ofenhorn ( 31242 m ) hinaufreicht und das mit dem südlichen Seitental von Heiligkreuz durch den Ritterpass ( 2692 m ) mit Varzo-Domo d' Ossola und durch den Saflischpass mit Bérisal am Simplon in Verbindung steht, bildet die ausgedehnte Gemeinde Binn mit 249 Einwohnern. Von den fünf Weilern dieser Talschaft ist Schmidigenhäusern, wo Kirche und Pfarrhaus, Post und Zollamt sowie ein gut geführter Gasthof sich befinden, der bedeutendste. Dieser Ortsname weist darauf hin, dass sich hier früher Eisen-erzhütten befanden, die aber jetzt nicht mehr in Betrieb sind. Das Binntal ist durch zahlreiche Funde seltener Mineralien weitherum bekannt geworden; es bietet aber auch schöne Landschaftsbilder, viele seltene Pflanzen, grosse Wälder mit riesigen Tannen. Eine Besteigung des von hier aus gut zugänglichen Ofenhorns, eventuell auch des Bortelhorns oder Helsenhorns im südlichen Teil, bietet einen auserlesenen Genuss.

Etwa 2 km nordöstlich von Fiesch auf dem linken Rhoneufer an der Einmündung des vom Mühlibach durchströmten Rappentals, das am Rappenhorn und Kummenhorn seinen Ursprung nimmt, ist die kleine Gemeinde Mühlebach mit 108 Einwohnern. Eine Rhonebrücke und ein steiles Strässchen stellen die Verbindung mit der Station Fürgangen her. Mühlebach ist die Heimat der Familie Schiner, die dem Wallis eine Reihe von Kastlanen, Domherren, Pfarrern, Hauptleuten und Gelehrten gab und aus welcher Kardinal Mathäus Schiner stammt, der die Eidgenossen wohl zu den Kriegszügen nach Mailand, Pavia und Marignano veranlasst hat, der aber auch wesentlich dazu beigetragen hat, dass der Tessin schweizerisch geworden ist. Bemerkenswert sind in Mühlebach das Geburtshaus Schiners mit Erinnerungstafel und eine Kapelle mit spätgotischem Schnitzaltar.

Bellwald auf sonniger, aussichtsreicher Terrasse ( 1563 m ) oberhalb der Station Fürgangen, überragt von prächtigem Bergwald und ausgedehnten Alpweiden, trägt seinen Namen zu Recht, denn sehr schön ist 's dort droben zu wohnen oder zu wandern. In der weitschauenden Kirche ist ein zierlicher Altar von Joh. Ritz. Im zugehörigen Bergdörfchen Ried, in Bodmen über dem Fieschertal und in den Weilern Fürgangen und Eggen befinden sich nette Kapellen.

Steinhaus, an der linksseitigen Einmündung des Rüfibaches aus finsterer, bewaldeter Gebirgsschlucht, liegt direkt östlich von Bellwald auf der andern Talseite und ist mit 70 Einwohnern die zweitkleinste Gemeinde des Wallis, postalisch von Niederwald aus bedient und kirchlich zu Ernen gehörig.

In Niederwald, der nächstfolgenden Bahnstation und Poststelle, 25 km von Brig auf 1255 m, links der Rhone gelegen, wie alle weiter talaufwärts befindlichen Dörfer, beginnt die sog. « Grafschaft », der bevölkertste und fruchtbarste Teil des Goms. Diese Gemeinde, mit einigen Weilern und Gehöften jenseits des « Rotten », zählt nur 150 Einwohner, ist aber die ursprüngliche Heimat der Künstlerfamilie Ritz, die dem Lande so viele schöne Bilder und Plastiken, Schnitzereien und Altäre geschenkt und sich auch auf andern Gebieten ausgezeichnet hat. Es seien hier nur der berühmte Kunstmaler und Gelehrte Raphael Ritz und der Hotelkönig Ritz genannt. Seit 1666 hat Niederwald eine eigene mit guten Barockstatuen ausgeschmückte Kirche. Anno 1419 ist Niederwald durch eine Lawine verschüttet worden.

In kleinem Abstand von 2 km folgt ein Dorf mit Bahnstation, Blitzingen, das mit einigen Nebenorten 205 Einwohner zählt und mit seinen Steinhäusern nach dem grossen Brand von 1932 nach einheitlichem Plan mit freundeidgenössischer Hilfe fast ganz neu aufgebaut wurde. In der 1877 erst selbständig gewordenen Kirche ist ein Barockaltar von Joh. Ritz.B.litzingen war früher Versammlungsort des Zendenrates. Von hier stammt der Zermatter Hotelier Alexander Seiler, und dessen Geburtsstätte dient noch jetzt als gut geführtes Gasthaus.

Die folgende Bahnstation, Biel, 28 km von Brig, dient nicht nur der gleichnamigen Gemeinde, sondern auch den Dörfern Selkingen und Re-kingen. Das hübsche, rassige Dorf steht am Ostfusse der Gelmihörner und des Wasenhorns, links vom Wallibach, der aus dem Selkingertal herabstürmt. Nachdem das Dorf 1827 durch eine Lawine verschüttet wurde, die 52 Menschenleben vernichtete, ist es nun durch Verbauungen und besonders durch einen flotten Bannwald vor solchen Katastrophen geschützt worden. Auf einer Anhöhe sind die Reste einer Burg der Herren von Blandrate zu Visp, die sich später als Vitztume des Goms zu Biel ein festes Haus bauten und den Grafentitel beilegten. Die Einwohnerschaft brachte es aber doch schon 1344 fertig, sich von den Grundzinsen loszukaufen und eine eigene Gerichtsbarkeit einzurichten. An Stelle einer Kapelle von 1322 wurde 1654 eine neue Kirche gebaut und später barockisiert und mit schönem Hochaltar von Joh. Ritz, künstlerischem Sakramentshäuschen und mit Dekorationsmalerei ausgeschmückt.

Selkingen, eine Gemeinde von 107 Einwohnern, liegt etwas westlich von Biel auf dem rechten Ufer des Wallbachs und präsentiert sich mit seinen vierstöckigen Häusern aus schwarzbraunem Lärchenholz mit weissgestri-chenen Fensterrahmen recht vorteilhaft. Hier stehen die grössten Lärchen des Wallis mit einem Umfang bis zu 8 m. Vom 3341 m hohen Wasenhorn, das gegen Selkingen ein kleines Firnfeld und ein Gletscherchen herabschickt, löste sich 1827 eine grosse Lawine, die 12 Einwohner dieses Dorfes begrub und 46 Gebäude zerstörte.Von hier stammt Priester und Holzschnitzer Joh. Georg Ritz, der 1743—1773 als Pfarrer in Münster amtete und dessen Haus mit Schnitzereien geziert ist. Obschon die Bewohner in Biel eingepfarrt sind, von wo sie auch postalisch bedient werden, hat Selkingen doch eine eigene Kapelle mit Barockstatuen. DAS GOMS Ritzingen mit seinen typischen alten Holzhäusern am rechtsseitigen Rande eines mächtigen Schuttkegels ist mit 97 Einwohnern eine eigene Gemeinde, die kirchlich und postalisch zu Biel gehört, aber doch zwei Kapellen mit schönen Ritz-Altaren besitzt.

In 1339 m Höhe folgt nun die 114 Einwohner zählende Gemeinde Gluringen, die mit Reckingen gemeinsame Bahnstation, aber seit 1919 eine eigene Pfarrei hat und auch eine Postablage besitzt. In der kleinen Kirche steht ein Ritzaltar. Von hier stammt der gelehrte Theologe und Dichter lateinischer Lieder Dr. Pater Jos. Binner. Ein riesenstarker Hirte Thomas in der Binden soll beim Einfall der Berner 1419, in eine Bärenhaut gekleidet, an der Spitze einer Schar von 200 Landsleuten Wunder der Tapferkeit verrichtet und das feindliche Heer in die Flucht gejagt haben, wobei er bei Ulrichen den Heldentod erlitt. Im 13./14. Jahrhundert gab es hier auch eine Adelsfamilie « de Glurengen », die aber mit Ritter Thomas 1325 ausgestorben ist.

Unweit der Bahnstation Reckingen-Gluringen liegt gegenüber der Einmündung des linksseitigen Blindentales das aus mehreren Häusergruppen bestehende Dorf Reckingen mit hohen düstern Häusern, die sich um eine prachtvoll ausgestattete, inwendig ganz in Weiss gehaltene Kirche gruppieren, die 1745 nach Plänen des künstlerisch veranlagten Pfarrers J. G. Ritz von Gluringen erbaut wurde und zu den schönsten Walliser Barockkirchen zählt. Im Gebiete dieser Gemeinde steht noch eine St. Antoniuskapelle und am Eingang ins Blindental die Kapelle Staldenbühl mit Freskomalereien.

Münster, der Hauptort des obern Goms, reicht als 476 Einwohner zählende Gemeinde auf beiden Talseiten bis in die Region der Gräte und Gipfel ( rechts Löffelhorn 3098 m und Oberaar-Rothorn 3456 m, links Blindenhorn 3348 m und Ritzenhörner 3128 m ) und breitet sich als stattliches Dorf breit und behäbig auf Überresten eines prähistorischen Bergsturzes zu beiden Seiten des vom Münstergletscher herabkommenden Münsterbaches aus. Das Oberdorf mit Kirche, Gasthof, Post und Gemeindehaus präsentiert sich mit seinen hohen Holzhäusern recht stattlich; das Unterdorf, wo die alte Talstrasse durchführt, hat mehr malerischen Charakter. Ringsum sind schöne fruchtbare Bergwiesen und Alpweiden, dazwischen gepflegte Gersten- und Roggenäcker mit den letzten Fruchtbäumen der Talschaft.

Münster geht auf ein von den Benediktinern in Interlaken im 13. Jahrhundert gegründetes Kloster ( Monasterium ) zurück, das dem Bischof von Sitten unterstand. Die schöne Kirche wurde im Jahre 1491 gebaut; sie wurde später barock umgestaltet und ist mit bemerkenswerten Glasgemälden, künstlerischen Reliefskulpturen, Kassettendecke, geschnitzten Altären und Malereien ausgeschmückt. Pfarrer Joh. Georg Ritz hat die prachtvollen Türflügel mit eigener Hand geschnitzt. Über dem Dorf steht am Wildbach eine St. Antoniuskapelle, wo die Bauern vielfach für ihr krankes Vieh beten. Talwärts ist eine alte Peterskapelle und im Feld gegen Geschinen eine St. Ni-klauskapelle.

Münster ist die Heimat des Geschlechtes von Riedmatten, das dem Wallis fünf Bischöfe und mehrere hohe Staatsbeamte gegeben hat. Deren stattliches Stammhaus ist in -neuerer Zeit zu einem Gasthofe umgewandelt worden.

Etwas weiter talaufwärts, wo die Rhone auf flachem, etwas versumpftem Boden ruhig dahinfliesst, folgt die Gemeinde Geschinen mit 127 Einwohnern und Bahnstation. Sie ist überragt vom Geschiner Stock ( 2894 m ) und Löffelhorn ( 3096 m ), an dessen Ostflanke drei Bergseelein eine schöne Gebirgslandschaft widerspiegeln. In der Dorfkirche ist ein guter Altar der Ritz-schule. Im zugehörigen Dörfchen Wiler steht eine Kapelle. Geschinen ist die Heimat des Bischofs Hildebrand Jost, der gegen starken Widerstand den gregorianischen Kalender einführte, sowie des Kanonikus Weger, des Er-ziehers von Kaiser Josef II. von Österreich. Die Überlieferung weiss auch viel von einem riesenstarken Sebastian Weger ( Wegerbaschi ) aus Geschinen zu erzählen ( s. Stebler: Das Goms ).

Bei Ulrichen, 38 km von Brig auf 1350 m, mündet von Osten das wilde Eginental ein, das durch den Nufenenpass ( 2241 m ) mit dem Val Bedretto und durch den Griespass ( 2460 m ) mit dem italienischen Formazzatal in Verbindung steht. Die Einwohnerschaft von 242 Personen, die sich früher vielfach dem Säumerverkehr widmete, ist nun ganz auf Land- und Alpwirtschaft eingestellt. Es bestehen auch ein Giltsteinbruch und eine Schwefelquelle, ein einfaches Gasthaus und ein Zollamt. Ein steinernes Kreuz mit Inschrift erinnert an die siegreichen Kämpfe der Oberwalliser gegen die Berner, die hier 1211 und 1419 stattgefunden haben. Der Weiler « zum Loch » mit St. Annakapelle am Ausgang des düstern Eginentals, wo einst eine Sust stand, entvölkert sich immer mehr und gehört zu den aussterbenden Walliser Siedlungen.

Um 1895 ist in Ulrichen eine nette neugotische Kirche gebaut worden.

Obergestelen mit 229 Einwohnern ist nahe am « Rotten » gelegen und hatte vor dem Bau der Furka- und Grimselstrasse grosse Bedeutung, weil hier der Weg über den Grimselpass abzweigte. Im 12. Jahrhundert stand hier sogar zum Schutz der Alpenübergänge ein Castellum superior. Der Ort hat schwere Schicksale durchgemacht. Er ist 1211 und 1419 von den Bernern verbrannt worden, und 1720 tötete eine Lawine, die durch das Kühltal herunterkam, 84 Menschen und 600 Stück Vieh. Dazu zerstörte 1868 ein Schadenfeuer das ganze Dorf, das in den folgenden Jahren wohl in Stein wieder aufgebaut wurde, aber begreiflicherweise etwas ärmlich aussieht. In der Kirche von 1692 sind gute Altarbilder und der reizvoll bemalte Chorbogen bemerkenswert.

Oberwald ist mit 266 Einwohnern die oberste Gemeinde des Goms und reicht bis zum aussichtsreichen Siedelhorn ( 2766 m ), zum Totensee am Grimselpass, zum Belvédère am Rhonegletscher und umfasst auch das Dörfchen Unterwasser im linksseitigen Gerental. Die grünen Tannenwälder ringsum haben ihm den Namen « Sylva Superior » gegeben. Das Dorf hat seit 1767 eine reizvolle Frühbarockkirche, die mit Ritzaltären ausgeschmückt ist. Der niedere Kuppelturm ist mit starkem Lawinenbrecher versehen. Beim Überfall der Berner 1419 wurden Oberwald und Unterwasser verbrannt.

Auf der obersten Talstufe auf 1761 m, 47 km von Brig, in der Nähe des in Eiskaskaden niederstürzenden Rhonegletschers, wo sich Furka- und Grimselstrasse vereinigen, baute Alexander Seiler 1831 in Gletsch ein kleines DAS GOMS Gasthaus, das sich dank guter Führung und vorzüglicher Lage zu einem weltbekannten und gediegen ausgestatteten « Grand Hôtel » entwickelte. Die 1864—1866 gebaute Furkastrasse, die mit 2436 m Passhöhe den höchsten fahrbaren Alpenübergang darstellt, die 1894 fertiggestellte und durch die Blumenpracht der Maienwand auf 2272 m hinaufkletternde Grimselstrasse sowie die 1925 eröffnete Furkabahn mit langem Tunnel unter der Furka führen von hier über bzw. durch den Alpenwall in die Zentral- und Nordschweiz.

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