DAV-Hauptversammlung in Dortmund

II notiziario delle ALPI

Jouvelles des ALPES

m DAV-Hauptversammlung lung in Dortmund

6. bis 8. Juni 1996 Die Abgeordneten des Deutschen Alpenvereins ( DAV ) haben sich Anfang Juni zur alljährlichen Hauptversammlung in Dortmund getroffen. Diese Stadt liegt in Nordrhein-Westfalen, d.h. in einem Bundesland, in dem heute 90% der Kletterfelsen gesperrt sind. Die Frage nach der vom DAV einzunehmenden Haltung in Anbetracht immer weitergehender Naturschutzforderungen einerseits und seinem Anliegen, den Bedürfnissen der klettersportlich und alpinistisch aktiven Mitglieder zu entsprechen, anderseits kann als eigentlicher roter Faden bezeichnet werden, der sich praktisch quer durch alle Verhandlungen und Voten hindurchzog.

Entwicklung und Strukturen Im vergangenen Jahr hat der DAV um 10000 Mitglieder zugenommen und damit einen Bestand von 580000 Mitgliedern erreicht. Er ist damit etwas weniger stark gewachsen als in den vergangenen Jahren.

Anders als beim SAC wird jede der ca.350 Sektionen ( Ende 1995: 343 Sektionen ) an der Hauptversammlung durch eine Delegierte bzw. einen Delegierten vertreten ( meistens die Sektionspräsidentin oder der -präsi-dent ). Je nach Mitgliederstärke verfügen die Sektionen über eine entsprechende Stimmenzahl, die bei den grössten Sektionen ( mit über 20000 Mitgliedern ) weit über 100 beträgt. Die DAV-Hauptversammlung kann somit als eine Art Mischform von SAC-Abgeordnetenversammlung und Präsidentenkonferenz bezeichnet werden. Dies ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass der DAV ein Verband der Sektionen und nicht ( wie beim SAC ) gleichzeitig auch der Einzelmitglieder ist.

Sparen angesagt Wie überall nehmen auch beim DAV die Forderungen und damit die Aufgaben zu. Während so der Aufwand höher wird, steigen die Einnahmen nicht in gleichem Masse. Dies beunruhigt die Sektionsvertreterin-nen und -Vertreter und zwingt die Vereinsleitung, ihre Mittel unter dem Gesichtspunkt der Effizienz schwer-punktgerichtet einzusetzen. Gefordert wurde seitens der Delegierten eisernes Sparen, wobei sich der DAV verstärkt auf seine zentralen Aufgabenbereiche ausrichten solle. Nur ist das leichter gesagt als getan - denn je nach Standpunkt und Interessenlage werden nicht unbedingt dieselben Aufgaben an die erste Stelle gesetzt, und die von verschiedener Seite erhobenen Forderungen können auch durchaus widersprüchlich sein und sich gegenseitig aufheben. Der Weg zwischen dem Sparappell und seinen Folgen in den einzelnen Bereichen ist zudem vielfach derart lang und unübersichtlich, dass sich die konkreten Konsequenzen nur schlecht Das moderne Rathaus von Dortmund. In dieser einige hundert Kilometer nördlich des Alpenkranzes gelegenen Stadt im Ruhrgebiet wurde die DAV-Hauptver-sammlung 1996 durchgeführt.

abschätzen lassen. Sparforderungen sind deshalb bald einmal in die Welt gesetzt. Wenn man sich dann aber mit den dadurch bedingten Einschränkungen auseinanderzusetzen hat, sieht alles schon wieder ganz anders aus. Auch gilt es zu berücksichtigen, dass in der heutigen stark konkurrenzorientierten Situation sparen oft letztlich bedeutet, den entsprechenden Tätigkeitsbereich anderen zu überlassen, d.h. praktisch aufzugeben. Und das kann man sich nicht leisten, weil man dadurch - gesamthaft betrachtet - mehr verlieren würde, als man eingespart hat. Hier den bestmöglichen Weg zu finden ist die schwierige und undankbare Aufgabe der jeweiligen Clubführung.

Dieser Situation sah sich auch die DAV-Leitung an der Hauptversammlung in Dortmund gegenüber. Obschon Rechnung und Budget in der Abstimmung unbestritten waren, wird die Aufgabe, Sparappelle, Forderungen und Notwendigkeiten unter einen Hut zu bringen, schwieriger werden. Es wird interessant sein, wie man im DAV dieses Problem angeht und wie sich die Delegierten in den nächsten Hauptversammlungen dazu äussern werden.

Der DAV als Sport- und als Naturschutzverein Seit längerer Zeit sieht sich der DAV ständig neuen Naturschutzforderungen ausgesetzt, die nicht nur das Klettern immer mehr einzuschränken, sondern jetzt auch noch andere Aktivitätsbereiche ( wie z.B. das Skitourenfahren ) gebietsweise in Frage zu stellen drohen. Die Konfliktsituation zwischen dem Bedürfnis, als Vertreter des Naturschutzgedankens akzeptiert und ernst genommen, und der Befürchtung, gleichzeitig zunehmend aus der Natur « herausgeschützt » zu werden, kam bei der Behandlung der verschiedensten Sachgeschäfte zum Ausdruck.

Bereits im Anschluss an die Begrüssungsrede des zur Eröffnung der Hauptversammlung eingeladenen parlamentarischen Staatssekretärs des Bundes-Umweltministeriums Ulrich Klinkert: « Einschränkungen für den Natursport sind nicht zu erwarten und nicht gewollt », wurde eine zunehmende Skepsis gegenüber Verlautbarungen und Versprechungen seitens Behördenvertretern spürbar, die in zunehmendem Widerspruch zu Verboten und Sperrungen stehen, die bereits über diejenigen in den Deutschen Mittelgebirgen hinauszugehen beginnen.

Eine grosse Unbekannte bildet hier vor allem das im Entwurf vorliegende Bundesnaturschutzgesetz, das sich je nach definitiver Ausformulierung und Interpretation entweder zu einem « Natursport-Verhinderungsgesetz » entwickeln, oder aber einen sinnvollen Rahmen für einen Schutz vor Übernutzungen abgeben kann. Befürchtungen bestehen auch gegenüber sich evtl. abzeichnenden Sperrungen von Skitourengebieten. Im DAV-Hauptsitz will man dieser Möglichkeit mit der Einführung von auf Freiwilligkeit beruhenden Lenkungsmassnahmen skitouristischer Art begegnen. Entsprechend soll unter dem Motto « Skibergsteigen umweltfreundlich » ein Musterkonzept erarbeitet werden. Angesichts der bisherigen Erfahrungen liesssich allerdings das von verschiedener Seite geäus- serte Misstrauen nicht ausräumen, und ein Sektionssprecher warnte vor « vorauseilendem Gehorsam ».

Förderung künstlicher Kletteranlagen In einem Sektionsantrag wurde die Finanzierung von künstlichen Kletteranlagen entsprechend dem Vorgehen bei den Hütten gefordert. In etwas allgemeinerer Form wurde dieses Anliegen von der DAV-Clubleitung unterstützt, wobei der erste Förde-rungsgrundsatz lautet: « Der DAV fördert die Errichtung von künstlichen Kletteranlagen der Sektionen durch Zuschüsse in Form von Darlehen, Beihilfen, Zinsbeihilfen und Bürg-schaften. » Im Umfeld der DA V-Haup tversammlung Anlässlich der Hauptversammlung wurde zum dritten Mal der Bruck-mann-Umweltpreis verliehen, der an den Bündner Architekten Gion A. Caminada ging. Dies für seine Verdienste, in seiner Heimatgemeinde Vrin das intakte Ortsbild zu erhalten und es entsprechend den wirtschaftlichen Bedürfnissen und Erfordernissen der einheimischen Bevölkerung weiter zu entwickeln.1 Gleichzeitig mit der Hauptversammlung fand auch der erste Jugend- und Junioren-Europacup-Kletterwettkampf 1996 statt.2 Auch diesmal wieder bot die DAV-Hauptversammlung zahlreiche Gelegenheiten zu kameradschaftlichen Kontakten. Dabei sind stets die Fragen und Probleme von besonderem Interesse, mit denen sich unser grosser alpiner Nachbarverein ( und grösster Bergsteigerverein der Welt ) befasst und wie er sie zu lösen versucht. Ebenso ist die eindrückliche Gastfreundschaft hervorzuheben, die dazu führt, dass während der Tage der Hauptversammlung eine internationale Bergsteigergemeinschaft zu einer eigentlichen Bergsteigerfamilie wird, in deren Schoss man sich über die Grenzen hinaus unterhält und versteht. Höhepunkt bildete das abendliche Fest « 100 Jahre Sektion Dortmund », bei dem sich diese DAV-Sektion in einer überaus sympathischen Ambiance vorstellte. Unser herzlicher Dank an den DAV für die ebenso schönen wie interessanten Tage in Dortmund!

Uis der ïergsportwerbung

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