«Der Berg ruft!» Alpinausstellung im Salzburger Land1

Bis Anfang November 2001 findet in Altenmarkt-Zauchensee (A), knapp eine Stunde südlich von Salzburg, eine Grossausstellung zur Geschichte des Bergsteigens im 20. Jahrhundert statt, an deren Gestaltung auch Schweizer mitarbeiteten.

Original-Dokumente und -Ausrüstung

«Bergsteigen im 20. Jahrhundert, Bruchstücke, Dokumente, Schicksale und Gipfelfreuden von Frauen und Männern - eine einmalige Schau mit Fotos, Filmen, Originalausrüstung, Tagebüchern und briefen, die berührende Storys erzählen», ist das Leitmotiv der Ausstellung «Der Berg ruft!». Tatsächlich vereinigt die Schau auf 4000 m2 in ehemaligen Fabrikhallen nahe bei der Autobahn eine Vielzahl von interessanten Dokumenten, die stellvertretend einen Teil der Alpingeschichte des 20. Jahrhunderts erzählen. Die Ausstellung ist in fünf Themenkreisen gegliedert: Direttissima (Grosse Wände der Alpen), Schatz im Bern (Märchen, Mythen und Wunder), 10 plus (Abenteuer klettern), Frauen (Revolution am Berg) und Über 8000 (Dächer der Welt).

Der Einstieg in die Ausstellung ist gleichzeitig einer der reizvollsten Aspekte der ganzen Schau: Venedi-germandl und Kobold, Weisse Garns und Wildfrauen - Geschichten und Sagen, von denen Einzelne in einer Art « Märchenberg » erlauscht und nachempfunden werden können. Abrupt ist dann der Wechsel zum Thema «Dächer der Welt», dem eindeutigen Schwerpunkt der ganzen Ausstellung. Dieser Teil trägt - ob man dies mag oder nicht - zum « Mythos Achttausender » bei, zur Glorifizierung der extremen Höhen, konzentriert man sich doch auf die Achttausender und lässt andere hohe Berge bewusst «links liegen». Eindrucksvoll sind die 14 überdimensionierten «Porträt-Aufnahmen» der Achttausender.

Im einfühlsam gestalteten Teil «Sherpa» geniesst dieses kleine Volk einmal jene Bedeutung, die ihm in der Geschichte der Achttausender zukommt. Verantwortlich für diesen Ausstellungsteil zeichnen übrigens Hansjörg Abt, der frühere Publikationenchef des SAC, und der Aroser Fotograf Ruedi Hornberger, der mit einer Bildergalerie aus dem Leben der Sherpas erzählt. Eine überaus sympathische Ergänzung ist das Sherpa-Café mit köstlichen Gerichten aus der Sherpa-Küche wie Momo, Tsampa und dem legendären Chang, dem Bier der Sherpas.

Bei den anderen Ausstellungsthe-men trifft das im Leitmotiv erwähnte Wort «Bruchstücke» zu: Einblicke in einzelne Stationen der Alpingeschichte - mit einem gewissen österreichischen Touch. Dieser Unvollständigkeit versucht man mit einzelnen Veranstaltungen entgegenzuwirken wie etwa mit den beiden Vorträgen von Daniela und Robert Jasper-Klindt zum Eisklettern (16./17. Dezember 2000).

Attraktiv ist «Das Kino» mit einem wechselnden Angebot von rund 50 Filmen, darunter packenden Dokumentarfilmen, historischen Raritäten und vergessenen Amateurfilmen. Und ausserhalb des Kinos warten Boulderwand und Kletterturm auf ihre - insbesondere jungen - Benutzer.

Wer den Ausstellungsbesuch «aktiv-alpin» ausweiten will, dem bietet sich beispielsweise eine Tour auf den Grossglockner an. Da sich dessen Erstbesteigung dieses Jahr zum 200. Mal jährt, findet auf der Kaiser-Franz-Josef-Höhe bis Ende Oktober eine Sonderausstellung statt. Beschauliche Wanderer begeben sich vielleicht auf das mehrtägige «Amadé-Trekking», konditionsstarke Protagonisten absolvieren gleich den ganzen «Arnoweg», der in acht Wochen rund um das Salzburgerland führt, und Kletterer lassen sich von der nahe gelegenen Dachstein-Südwand animieren.

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