Der Geruch von Freiheit

Zu den Titelbildern der Zeitschrift ­«Die Alpen»

Ich möchte Ihnen gratulieren für die Schönheit der Titelbilder Ihrer Zeitschrift, die heute eine so besondere Reaktion ausgelöst hat, dass ich mich veranlasst sehe, Ihnen zu schreiben.

Ich biete zusammen mit einem Team von jungen Freiwilligen im Gefängnis Workshops für Gefangene an. Das Ziel des Tages war die Herstellung von Weihnachtsgeschenken, und deshalb brachten wir Material aller Art mit, das wir zu einem grossen Teil zu Hause gefunden hatten. Dazu gehörten drei von vorne bis hinten durch­gelesene Ausgaben der Zeitschrift «Die Alpen», die zerschnitten werden sollten, um Windlichter herzustellen. Eine Viertelstunde später stellte ich fest, dass einer der Insassen damit beschäftigt war, mit unendlicher Sorgfalt das Titelbild des Monats Oktober auszuschneiden. Er wollte es in einen Rahmen kleben und ein kleines Foto von sich selber, das er zuvor ausgeschnitten hatte, so unten im Bild platzieren, dass es aussah, als ob er selber vor dieser Berglandschaft stünde. Es war als Geschenk für seine vierjährige Tochter gedacht, und er war mächtig stolz darauf.

Für mich «riechen» «Die Alpen» nach Freiheit. Und es ist schön, zu sehen, dass sie diesen Geruch sogar im Kontext eines Gefängnisses ausströmen und zum Geschenk eines Vaters an seine Tochter werden können.

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