Der Namensgeber der Dolomiten Der Forschungsreisende Déodat de Dolomieu (1750–1801)

Der französische Forschungsreisende Déodat de Dolomieu war Geologe, Mineraloge, Alpenforscher und Vulkanologe. Er entdeckte 1789 im Südtirol das Mineral Dolomit und wurde später Namensgeber für die Dolomiten. Ein kurzer Einblick in ein abenteuerliches Leben.

Dem Tod entronnen dank seiner Jugend

Dieudonné Sylvain Guy Tancréde de Gratet de Dolomieu: Unter diesem zeilenfüllenden Namen wurde der Junge in einer adligen Familie am 23. Juni 1750 in der Ortschaft Dolomieu, nahe La Tour-du-Pin in der Dauphiné, geboren. Er nannte sich später einfach Déodat de Dolomieu, meistens mit den Zusatztiteln: « Commandeur » oder « Membre de l‘Institut national ».

Bereits 1752 meldete der Vater den zweijährigen Knaben bei den Malteserrittern an. Diese Ordenszugehörigkeit gehörte zur Familientradition. Als er 18 Jahre alt war, liess er sich als Malteserritter auf einer Galeere des Ordens im Golf von Neapel zum Duell hinreissen und tötete seinen Widersacher. Das vorgesehene Todesurteil wurde mit Rücksicht auf seine Jugend nicht vollzogen. Nach neun Monaten Kerkerhaft in Malta wurde er freigelassen.

Weg von der Armee hin zur Wissenschaft

Karte der geografischen Ausdehnung der Dolomiten. Diesem Gebiet gab Déodat de Dolomieu den Namen. In Cortina d' Ampezzo erinnert ein Gedenkstein aus Dolomit mit Bron-zebildnis an den grossen Geologen.

Die Drei Zinnen von Landro aus gesehen, gemalt von Thomas Ender um 1858. Dass die herausragende Fels forma tion ganz aus einem bis dahin unbekannten Mineral besteht, entdeckte erst Déodat de Dolomieu.

Bild aus: Nicolò Rasmo et.al., Die Alpen in der Malerei, Roisenheimer 1981

Im Dienste der Republik und Napoleons

Die Französische Revolution begrüsste der Citoyen Dolomieu vorerst als aufklä-rerische Beseitigung von feudalen Hindernissen und als Garantie persönlicher Freiheiten. Doch bald wurde ihm die Umwandlung der Werte zu radikal. Durch die Revolution, die ihm als Adligen seinen Erbteil konfisziert hatte, war Dolomieus Eigentum stark vermindert. Er selbst wurde verschont, da die Revolutionäre die Wissenschaftler aufriefen, ihre Kenntnisse « als Waffe zur Verteidigung der Republik » einzusetzen. Kluge Köpfe wie Claude Louis Berthollet, Pierre Simon La Place, René Just Haüy, Dolomieu und viele andere stellten sich in der Folge als Professoren und Beamte in den Dienst der Republik. 1796 wurde Dolomieu als erster Geologe als Mitglied des « Institut national » ( später « Institut de France » ) aufgenommen. Doch die Revolution und das militärische Machtstreben hatten ihn von Frankreich entfremdet. Es kam Dolomieu gelegen, dass er mit anderen Gelehrten 1798 von General Napoleon Bonaparte eingeladen wurde, an der abenteuerlichen und gefährlichen Expedition nach Ägypten teilzunehmen. Bei der Truppen-verschiebung nach Ägypten sollte aber im Mittelmeer – so nebenbei – Malta, der Inselstaat der Malteserritter, erobert werden. Dolomieu fiel die undankbare Aufgabe zu, den Malteserorden zur raschen Kapitulation zu überreden, was für ihn später jedoch widrige Folgen haben sollte. Nach einem Jahr Ägyptenauf-enthalt erkrankte er und wurde aus dem « corps des savants » entlassen.

Eingesperrt als Verräter

Auf der Rückreise nach Frankreich kam das Schiff in Apulien, in der Nähe von Tarent, in stürmische See und drohte zu Zeitgenössische Darstellung vom Ausbruch des Vesuvs im Oktober 1822: Dolomieu trug viel zum Verständnis des Vulkanismus bei. Dolomieu im Kerker. In Messina auf Sizi lien wurde er als Verräter des Ritterordens von Malta und als Staatsfeind des Königreichs Neapel ver-klagt.

kentern. Dolomieu und die Mannschaft konnten gerettet werden. Da sich Neapel aber mit Frankreich im Kriegszustand befand und einige Mitglieder des Malteserordens diplomatischen Druck ausübten, wurde Dolomieu verhaftet und als Verräter sowie « criminel d' Etat » eingesperrt. Er verbrachte 21 Monate in einem dunklen, feuchten Verliess in Messina. Nach seiner Freilassung übernahm er in Paris, durch Krankheit geschwächt, eine Professur für Mineralogie und Geologie und bereiste im Herbst 1801, kurz vor seinem Tod, nochmals die Schweizer Alpen.

Letzte Reise in die Schweiz

Diese Reise Dolomieus – mit mehreren Begleitern, unter anderen dem Präfekten des « Departements du Leman », Ange Marie d' Eymar – dauerte von Anfang August bis Mitte Oktober 1801. Sie führte ihn zu Fuss und mit Maultieren von Genf durch die Schweizer Alpen und wieder zurück nach Genf und er erwan-derte die Savoyer Alpen. Dolomieu besuchte die in jener Zeit bekannten Zeitgenossen wie den Prediger Laurent Joseph Murith in Martigny, Pater Placidus Spescha in Disentis oder General-Leutnant Franz Ludwig Pfyffer in Luzern. In Brig begegnete er auch noch Alessandro Volta, der sich auf der Reise nach Paris befand. Seine liebsten Freunde hatte Dolomieu mit Nicolas Théodore de Saussure, Henri-André Gosse, Jean-André Deluc und anderen in Genf. Die Genfer Naturforschende Gesellschaft gab ihm zu Ehren ein grosses Diner am Schluss seiner Reise.

Déodat de Dolomieu, ein ehemals berühmter, später vergessener und wieder entdeckter Forscher – mehrere Strassen in Paris und Grenoble sowie das « Institut Dolomieu » der Universität in Grenoble wurden nach ihm benannt –, blieb zeitlebens ein eigenwilliger Geist. Er war ein rastloser, vielseitig gebildeter Mann, ein begnadeter Lehrer, voll über-schäumendem Enthusiasmus, hingabe-fähig gegenüber der Wissenschaft und seinen zahlreichen Freunden. Er starb am 28. November 1801 in den Armen seiner Schwester Alexandrine, Marquise de Drée de Gratet de Dolomieu, in Châteauneuf en Charollais, Saône-et-Loire. a Paul Caminada, Thalwil

Literatur:

Paul Caminada: Das abenteuerliche Leben des Forschungsreisenden Déodat de Dolomieu ( 1750–1801 ). 287 S. Deutsch, Projekte-Verlag 2006, ISBN-10: 3866341415 In Messina sass Dolomieu vom 28. Juni 1799 bis 15. März 1801 in Einzelhaft. Stahlstich um 1830 Die Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht, die Dolomieu bei seiner Reise durch die Schweiz auch durchwanderte, gezeichnet von C. Reiss, Kunstanstalt des bibliografischen Instituts in Hildburg-hasen. Bilder aus: Paul Caminada, Das abenteuerliche Leben des Forschungsr eisenden Déodat de Dolomieu ( 1750–1801 ), Pr ojekte-V erlag 2006 T E X T / F O T O SMario Colonel, Servoz ( F)/ü

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