Der Träger war schon da Die Geschichte des Wanderns und Bergsteigens in den Alpen

Krauss schildert ein spannendes Stück Kulturgeschichte aus dem deutschen und österreichischen Alpenraum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Hauptakteure des Buches sind Ausgegrenzte: einerseits die einfachen Träger in den Bergdörfern und anderseits kletterbegeisterte Arbeiter, Juden und Frauen, die in der Bergsteigerszene nicht erwünscht waren. Zunächst die Träger: Den Ruhm für die Besteigung vieler anspruchsvoller Gipfel heimsten im 19. Jahrhundert die Alpinisten ein – meistens Briten, Adlige und Grossbürger. Die Leistungen ihrer Helfer– der lokalen Hirten, Bergler und Kristallsucher – wurden verschwiegen. Dabei wiesen sie den Herrschaften den Weg zu den Gipfeln, von denen sie einige sogar schon bestiegen hatten. Gipfel aber waren für sie nicht von Bedeutung, denn Pässe und Übergänge zählten für die Bergler viel mehr. Und dann erzählt Krauss auch ausführlich jene üble Geschichte der schleichenden Arisierung der Bergverbände in Deutschland und Österreich ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert bis 1945 – und bis in die 1960er-Jahre. Nach und nach wurden jüdischstämmige Kletterer mittels Arierparagraph systematisch aus den Alpinvereinen hinausgeworfen. Auch gewöhnliche Arbeiterbergsteiger, oft mit überragenden Fähigkeiten, waren nicht erwünscht. Von den Frauen gar nicht zu reden: Krauss berichtet von vielen mutigen Alpinistinnen, die gegen die Widerstände der Männerszene ihren Weg auf die Gipfel fanden.

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