Die Doldenhorngruppe

Hinweis: Dieser Artikel ist nur in einer Sprache verfügbar. In der Vergangenheit wurden die Jahresbücher nicht übersetzt.

Eine Führung. Mit Zeichnungen von Otto Fahrni.

Von Hans Lauper.

Ungefähr im Zentrum der Berner Alpen, halbwegs zwischen dem Col de Pillon im Westen und dem Grimselpass im Osten, befindet sich die kleine, aber nach allen Seiten hin gut abgegrenzte Gebirgsgruppe des Doldenhorns.

Zwar bleiben ihre Gipfel weit unter der Viertausendergrenze, aber in ihrer Formenschönheit und in der Mannigfaltigkeit der Aufstiege hält sie wohl den Vergleich mit jeder anderen Berggruppe des Berner Oberlandes aus. Von Norden gesehen, zum Beispiel vom Dündenhorn oder vom Bundstock, ist die Doldenhorngruppe eines der schönsten Massive der Berner Alpen. Die geringe Entfernung von der Lötschberglinie sowie die vielen Besteigungsmöglichkeiten und die verhältnismässig geringe Höhe der Gipfel über den Ausgangspunkten ziehen jeweilen im Sommer so viele Besucher an, dass die Doldenhornhütte oft tagelang überfüllt ist. Vom westlichen Teile der Berner Alpen ist die Doldenhorngruppe durch die tiefe Schlucht des Gasterntales getrennt. Im Südosten und Osten verbinden sie die Firnfelder des Kanderfirns und des Petersgrates mit dem westlichen Flügel der Blümiisalpgruppe.Von der Klus, der engen Schlucht, welche das einsame Gasterntal mit dem Kandertal verbindet, schwingt sich die Kammlinie über die vielgipfligen, aber unbedeutenden Fisistöcke von Westen nach Osten zum Doldenhorn, 3650 m, auf. Hier wendet sie sich nach Nordosten über das Fründenhorn, 3367 m, zur Blümlisalpgruppe.

Nach Nordwesten fliessen die Gletscher gegen den Kessel hinab, wo sich ihre Schmelzwasser im blauen Öschinensee vereinigen.

Ein Ausläufer des hier beschriebenen Massives umfasst vom Hohtürli aus den öschinensee nördlich und taucht in grünen Vorbergen und waldigen Hügeln unter, nachdem er sich nochmals zu einigen kühn aussehenden, aber leicht zugänglichen Gipfeln ( Bundstock, Dündenhorn ) aufgeschwungen hat. Nach Süden und Südosten hin stürzt die Kette des Doldenhorns in steilen, schwer zugänglichen Wänden ab, deren gleichförmige Steilheit nur da und dort von einigen kleinen Hängegletschern unterbrochen wird.

Dank der günstigen Lage der Ausgangspunkte, dank der verhältnismässig leichten und kurzen Anstiege und wegen der landschaftlichen Schönheit der Nordflanke wird wohl immer den Nordaufstiegen der Vorzug gegeben werden. Aber auch über die jähen Abstürze der Süd- und Südostwände sind Anstiege gefunden worden. Was die Schwierigkeiten anbetrifft, so findet man alle Abstufungen vom Leichten zum Schwierigen in Fels und Eis. Ernsthaft ist z.B. der Nordaufstieg auf das Doldenhorn, der sogenannte Galletweg, ein Aufstieg, der in jeder Beziehung zu den schönsten im Berner Oberland, wenn nicht der Alpen überhaupt, gerechnet werden kann. Wer eine schwierige Felskletterei sucht, findet sie in überreichem Masse am Ost- und Südgrat des Doldenhorns. Auch ein Gang über den Südwestgrat des Fründenhorns bietet bedeutende Schwierigkeiten.

Ein richtiger Skiberg ist eigentlich nur das Doldenhorn, und auch dies nur im Frühling bei günstigen Verhältnissen 1 ).

Ausgangspunkte für Besteigungen in der Doldenhorngruppe sind: Kandersteg, 1177 m, an der Lötschberg-Simplonlinie; Gasthaus Öschinensee, 1600 m; die Öschinenalp, 1972 m. Im Gasterntal: Gasthaus Seiden, ca. 1560 m, Gasthaus Heimritz, 1620 m; Fisialp, 1968 m; Doldenhornhütte S.A.C., 1920 m; Biwakplatz auf dem Mittelkopf, P. 2569 T. A. ( zwischen beiden Armen des Fründengletschers ).

Das Gebiet der Fisistöeke wird hier nur ganz allgemein erwähnt. Es bietet eine Reihe schöner, lohnender Wanderungen mit zum Teil prachtvollen Landschaftsbildern.

Der Fisi-Schafberg, P. 2158, 2206 und 2666 im T. A., ist leicht zugänglich von den Hütten der Fisialp.

Der Äusser- oder Klein-Fisistock, 2790 m, trägt keinen Namen im T. A. Er wird ebenfalls von der Fisialp bestiegen, indem man über einen der drei erwähnten Punkte des Fisischafberges den Westgrat des Stockes erreicht und über ihn zum Gipfel steigt ( 3 Stunden von der Fisialp, 5 Stunden von Kandersteg ).

Zwischen dem Äusser- und dem Inner- oder Gross-Fisistock liegt der Fisipass. Die ersten Turisten, die ihn von der Fisialp zum Faulengletscher überschritten, scheinen die Erstbesteiger des Klein-Doldenhorns im Jahre 1862 gewesen zu sein:

Von Kandersteg steigt man auf gut markiertem Pfade ( im T. A. angegeben ) zur Fisialp, 1966 m, empor ( 2 Std. ), geht dann über die Weiden der Fisialp und über Geröll und Schneeflecken durch das enge Tälchen ( Brünnlital der Exkursionskarte ) zwischen Äusser- und Innerfisistock hinan, wendet sich zuletzt nach links ( Nordosten ) und erreicht über die Südhänge des Inner-Fisistockes den Fisipass und damit auch den Faulengletscher.

Man kann entweder über den Bibergpass zur Doldenhornhütte gelangen oder über den Faulengletscher hinab ins Gasterntal.

Die Felstürme des Yorder-Fisislocks, 2810 m ( ohne Namen im T. A. ), welche vom Öschinensee einen so grossartigen Anblick bieten, sind von Süden leicht zugänglich 2 ).

Der Inner- oder Gross-Fisistock, 2949 m, T. A., wird am besten ebenfalls von der Fisialp aus bestiegen, indem man der Fisipassroute bis in die Nähe des Passes folgt, dann, erst nach Nordwesten und hierauf nach Osten sich wendend, über Schnee und schiefrige Felsen zum Gipfel ansteigt.

Man kann aber auch über den Nordwestgrat oder vom Bibergpass über den Ostgrat aufsteigen.

Der Bibergpass, 2819 m, liegt zwischen dem Inner-Fisistock und dem Doldenstock und führt von der Doldenhornhütte zum Faulengletscher und ins Gasterntal oder weiter über den Fisipass nach Kandersteg. Diese beiden Pässe, Bibergpass und Fisipass, wurden auch schon auf Ski überschritten ( Willy Richardet, Mai 1921 ).

Wenn die Berner Alpen einmal im selben Masse erschlossen sind wie die Ostalpen ( viel fehlt dazu nicht mehr ), so werden die Nordwände der Fisistöcke noch manche « neue Route » enthalten, deren Begehungen allerhand Schwierigkeiten bieten dürften.

Das Klein-Doldenhorn, 3474 m. Dieser Berg ist eigentlich nur ein westlicher Vorgipfel des Gross-Doldenhorns. Da er aber recht selten in Verbindung mit dem Gross-Doldenhorn bestiegen wird und da seine Aufstiegswege von denen des Grossen ganz verschieden sind, so wird er hier in Verbindung mit dem Doldenstock, dem Westpfeiler seines Nordwestgrates, als selbständiger Gipfel beschrieben. Die erste Besteigung führten Ed. von Fellenberg, J. H. Boalt und Philipp GOsset mit Christian Lauener, Joh. Bischoff und Christian Ogi am 29. Mai 1862 aus 1 ):

Ihr Weg ist bis heute der gebräuchliche geblieben, allerdings mit dem Unterschiede, dass man heute meistens von der Doldenhornhütte aus über den Bibergpass den Faulengletscher erreicht, während die Erstbesteiger direkt von Kandersteg aufbrachen und über die Fisialp, durch das enge Brünnlital und über den Fisipass zum Faulengletscher und an den Westfuss des Klein-Doldenhorns gelangten. Durch Firncouloirs und über Felsen steigt man steil zum Gipfel an. Der Aufstieg kostete die erste Partie 10 3/4 Std. von Kandersteg her ( Halte eingerechnet ), sollte aber bei guten Verhältnissen in kürzerer Zeit möglich sein.

Die Erstbezwinger stiegen den gleichen Weg wieder ab bis zum Faulengletscher, von wo sie aber in südlicher Richtung ins Gasterntal und von da nach Kandersteg hinausgelangten.

Eine Variante fanden Hans Koenig, H. Vatter, Hafner, Bouchat und Villinger 2 ), indem sie von der Doldenhornhütte über den Bibergpass den Faulengletscher erreichten und dann durch das zweite Couloir, von Norden gerechnet, die Westwand emporstiegen, wobei sie über 800 Stufen schlagen mussten.

Einen Auf stieg über die Südseife führten am 12. August 1923 E. Schmocker, Koenig, Fellenberg und Stünzi 3 ) aus. Über den Bibergpass von der Doldenhornhütte zum Faulengletscher gelangt, querte diese Partie den 1 ) Studer I., S. 456—457. 2 ) « Alpina » 1902, S. 124. 3 ) « Bund » 1923.

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Faulengletscher nach Südosten, stieg vom Gletscher gegen die Gasternseite ab und wandte sich dann ostwärts über Geröllhalden gegen die Felsen, die vom Klein-Doldenhorn steil gegen Süden abfallen. Über diese brüchigen und abwärts geschichteten Felsen wurde das Klein-Doldenhorn unter mancherlei Schwierigkeiten in 18 Stunden von der Doldenhornhütte erstiegen. Leider ist der Bericht dieser Partie nicht klar genug, um die genaue Routenführung zu verstehen.

Der Südostgrat, der das Klein- mit dem Gross-Doldenhorn verbindet, wurde bereits 1879 von A. E. Graven und W. C. Moseley mit Peter Rubi und Christian Inäbnit 1 ) begangen. Er ist ziemlich schwierig, und seine Felsen sind brüchig und unzuverlässig.

Der Doldenstock, ca. 3200 m, ist der Nordwestpfeiler des Klein-Dolden-horns und besitzt im T. A. weder Namen noch Kote. Seine erste Besteigung geschah durch H. Runge mit Abraham Müller jun. und Adolf Müller am 1. August 1921 2 ):

Vom Bibergpass geht man über den Faulengletscher zum Fuss der hohen Wand, in welcher der Grat vom Klein-Doldenhorn zum Doldenstock nach Süden abbricht. Der Bergschrund wird überschritten und über Bänder, Platten und Couloirs ein Schneesattel, ein Grat erreicht ( 2 1/4 Std. vom Bibergpass ). Nun folgt man dem wildzerrissenen Grat zum Gipfel des Doldenstockes. Dieser Grat besteht aus vielen Türmen, wovon einer, ein grosser roter Gendarm, wegen seines schwammartigen Kopfes zu einer sehr heiklen Querung in der Südwand zwingt. Diese Traverse, ein Haken wurde zur Sicherung eingeschlagen, führt in ein enges, steiles Couloir, durch welches der Gipfel des Gendarms gewonnen wird. Man seilt in die jenseitige Scharte ab ( Seil hängen lassen zur Rückkehr ) und erreicht in sehr interessanter Kletterei über weitere Grattürme den Gipfel ( 1 1/2 Std. ).

Der oben genannte Schneesattel im Grat zwischen dem Doldenstock und dem Klein-Doldenhorn wurde auch von Nordosten her3 ) erreicht: Von der Doldenhornhütte folgt man dem gebräuchlichen Weg über den Spitzstein und das Leiterflühli gegen das Gross-Doldenhorn. Etwa 100 m nach dem Leiterflühli schwenkt man rechts ab und ersteigt stufenschlagend die sehr steile Eisflanke zum Schneesattel hinauf. Die Ersteigung dieser Eisflanke nahm allein 6 Stunden in Anspruch, und der vorgerückten Zeit wegen konnte weder das Klein-Doldenhorn noch der Doldenstock besucht werden.

Die Besteigung des Doldenstockes über den felsigen Westgrat ( vom Bibergpass her ) ist seinerzeit von Berner Akademikern versucht worden, meines Wissens aber bis heute noch nie vollendet worden.

Das Gross-Doldenhorn, 3650 m. Das Doldenhorn zeichnet sich durch seine schöne regelmässige Gestalt aus. Von Norden gesehen, bildet es eine mittlere höchste Spitze und zwei niedrigere Nebenstufen, das Klein-Dolden-horn, 3474 m, westlich und den Punkt 3501 T. A. ost-nordwestlich vom Hauptgipfel. Der nördliche Abfall des Doldenhorns ist reichlich vergletschert, während in der Südwand ( Gasternseite ) nur ein kleiner Firnfleck ( Sillerengletscher der Exkursionskarte ) liegt. Gegen Westen führt vom Doldenhorngipfel ein kurzer Firngrat zu einem Schneesattel, an den sich das Klein-Doldenhorn wie oben erwähnt mit seinem Südostgrat anschliesst. Nach Osten führt ein steiler, wächtengeschmückter Firngrat in drei Stufen zu Punkt 3501. Von diesem stürzt der Ostgrat 500 m tief fast senkrecht zum Fründenjoch ab, und ein teilweise firnbekleideter Sporn senkt sich in nordwestlicher Richtung gegen den öschinensee hinab und trennt den Fründen- vom Doldenhorngletscher.

Der gewöhnliche Weg führt von Nordwesten zum Gipfel und ist der Weg der Erstbesteiger des Doldenhorns, Ed. von Fellenberg und Abraham Roth mit Christian Lauener, Joh. Rischoff, Kaspar Rlatter, Gilgian Reichen und zwei Trägern 1 ). Um die Siegesfreude manches Bezwingers des Doldenhorns auf ein gesundes Mass zu beschränken, sei hier erwähnt, dass die Erstbesteiger sowohl direkt von Kandersteg aus gingen als auch dorthin zurückkehrten, weil es damals noch keine Doldenhornhütte gab.

Von der Doldenhornhütte, 1920 m T. A., geht man auf Pfadspuren südwestlich über ausgedehnte Trümmerhalden zur rechten Moräne des Biberggletschers und über diese steil hinauf an den Südwestfuss des Spitzsteins, 2973 m T. A. ( auffälliger Felszahn ). Nun steigt man über einen steilen Schneehang und durch ein steiles Couloir in einem niedrigen Felswall ( Leiterflühli ) zum obern Plateau des Doldenhorngletschers. Über die verschrundeten Firnhänge nach links ( Osten ) ausbiegend, gelangt man zur Einsenkung zwischen dem Gipfel und dem Klein-Doldenhorn und von da über den Nordwestgrat zum Gipfel ( 5—6 Std. ).

Auf dieser Route kann das Doldenhorn auch mit Ski bestiegen werden und bietet, gute Verhältnisse vorausgesetzt ( am besten im Frühjahr ), gewandten Skifahrern eine prachtvolle Abfahrt. So fuhren W. Richardet und ich im Mai 1921 ( in welchem Jahre übrigens ausser uns auch noch andere Skifahrer den Gipfel bestiegen haben ) vom Gipfel in 40 Minuten zur Hütte ab. Dabei fuhren wir bis zum Spitzstein angeseilt.

Eine Variante zur gewöhnlichen Aufstiegsroute führten Heinrich Dübi und Frau mit Christian und Hans Hari am 11. Juli 1885 aus 2 ). Im Abstieg vom Doldenhorngipfel ging diese Partie von unterhalb der grossen Schründe im obern Teil des Doldenhorngletschers über ein Felsband hoch über dem Biberggletscher sehr heikel rund um das Felsbollwerk des Doldenstockes herum zum Faulengletscher ( 2 1/2 Std. ) und von hier erst in südwestlicher, dann westlicher Richtung hinab über die Schafweiden von Halpi ( Exkursionskarte ) ins Gasterntal und nach Kandersteg ( 4 Std. ). Vom Faulengletscher an ist diese Route wahrscheinlich identisch mit dem Abstiegswege der Erstbesteiger des Klein-Doldenhorns.

Den Nordgrat und den Ostgrat von P. 3501 an beging als erster Julien Gallet mit Joseph Kalbermatten und Abraham Müller sen. am 19. Juli 1899 1 ). Dieser Aufstieg zählt zum Schönsten, was man in den Berner Alpen Doldenhorn von Nordwesten.

machen kann, und ist meines Wissens nicht mehr als höchstens ein dutzendmal ausgeführt worden. Liebhaber einer nächtlichen Kahnfahrt übernachten im Hotel Öschinensee und lassen sich am Morgen früh vom Knecht zur Stelle hinüber rudern, wo der Bach aus dem westlichen Arme des Fründengletschers in den See mündet. Wir zogen seinerzeit vor, am Berge selber zu biwakieren.

Ein guter Pfad ( auf der Exkursionskarte angegeben ) führt am Südufer des Öschinensees durch Büsche und Wald zu den glatten Felsplatten von « In den Fründen » T.A., von wo man über Geröll in südlicher Richtung gegen P. 2371 ansteigt. Man steigt bis dicht unter den westlichen Dom des Fründengletschers ( Achtung vor Eisbrüchen !), von wo man nun drei Bänder sieht, die alle auf den Nordgrat des Doldenhorns führen. Von diesen wählt man das oberste, das auf den Grat führt gerade unterhalb einer auffälligen Felsstufe. Diese Stufe wird in der Ostflanke über ein schmales Band umgangen, das unterhalb eines zweiten Turmes oder Absatzes auf den Grat zurückführt. Hier kann zur Not biwakiert werden. Man folgt nun dem Grat, wobei man alle schwierigen Stellen im Westen umgeht. In ca. 2700 m Höhe wird der Grat flacher und kann bis weit über P. 3006 ohne alle Schwierigkeiten begangen werden. Dann wird er steiler, und man ist gezwungen, nach Westen hinaus zu queren, um den Fuss eines Eiscouloirs zu erreichen, durch welches der oberste Gratabbruch überwunden wird. Die Hänge unterhalb des Eiscouloirs können lawinengefährlich sein, wie vor einigen Jahren eine Partie zu ihrem Schrecken erfahren musste. Ein Schneebrett riss die drei Bergsteiger ein gutes Stück mit sich in die Tiefe, glücklicherweise ohne ihnen zu schaden. Auch das Eiscouloir ist bereits der Schauplatz eines Unglückes gewesen, indem hier im Juli 1928 der ausgezeichnete Berner Bergsteiger August Mottet mit seinem jungen Begleiter Buser abstürzte. Bei guten Verhältnissen und bei Anwendung der nötigen Vorsicht jedoch ist auch der Aufstieg durch das Eiscouloir nicht aussergewöhnlich schwierig. Vom obern Ende desselben führte anlässlich unserer Besteigung ein äusserst scharfer, elegant geschwungener Firngrat hinauf zu P. 3501, der Vereinigungsstelle von Nord- und Nordostgrat. Von hier hat man bereits einen prachtvollen Blick auf die Walliseralpen, insbesondere auf das Bietschhorn. Der weitere Anstieg vollzieht sich nun über den oft riesig verwächteten Nordostgrat, der in 1 1/2 bis 2 Std. zum Gipfel führt. Man rechnet vom öschinensee etwa 10 Std. für den Aufstieg zum Gipfel.

Man kann den Nordostgrat des Doldenhorns von der Doldenhornhütte des S.A.C. her erreichen 1 ): Von der Doldenhornhütte quert man die nördlich unter dem Biberggletscher und Spitzstein gelegenen Hänge und Runsen, biegt in den vom Spitzstein herabsteigenden Grat und gelangt über ein bequemes Felsband in einer Höhe von ungefähr 2500 m auf den Doldenhorngletscher. Man quert diesen hinüber zum Nordgrat.

Um den Nordostgrat ( vom Fründenjoch her ) haben sich vor einem Jahrzehnt eine ganze Anzahl Bergsteiger beworben. Weil ihnen allen die Trauben zu hoch hingen, wandten sie sich anderen Zielen zu. Erst 1923 gelang den Brüdern Ernst und Otto Bürki dieser Aufstieg 2 ). Diese Tur ist ausserordentlich schwierig und nicht wiederholt worden.

Vom Biwak am Mittelkopf, 2569 m, steigt man in 1 1/2-1 3/4 Std. über den Fründengletscher zum Fründenjoch empor.

Vom Joch führen 50 m Geröllhang auf einen ersten Absatz ( I ). Nun begann die eigentliche Kletterei. Erst ging es etwa 30 m über gutgriffigen Fels empor; dann hielt sich die Partie möglichst an die Gratkante und wich nur selten in die Nordflanke aus. Ein rötlicher Überhang ( II ) zwang zu einem Quergang über abschüssige Platten in die Nordflanke ( 15 m ), worauf ein 20 cm breiter, in 3 m Höhe überhängender, griffarmer Riss sehr schwierig erklettert wurde. Weiter sehr ernsthaft durch eine griff arme, nahezu senkrechte Rinne empor auf ein abschüssiges Bändchen, das nach Süden gegen die Gratkante hin verfolgt wurde. Der folgende 20 m hohe Absatz ( III ) wurde über die schlechten griff armen Felsen direkt erklettert ( 2 Std. ). Nun ging es über die nahezu senkrechte, äusserst exponiert in die Südwand hinausragende Gratkante empor bis zu einer neuen senkrechten Stufe. Man querte hier auf winzigen Tritten 3 m in die Südwand und gewann den Grat oberhalb des Absatzes wieder, mittels eines Kamins ( brüchige Felsen ), worauf man sich vor einem letzten mächtigen, oben überhängenden Absatz befand. Der Ansteig bis zum Überhang war schwierig, dann wurden 15 m über plattige Felsen nach Gross-Doldenhorn von Osten.

rechts ( Norden ) abwärts gequert und durch einen überhängenden Kamin ein Querriss gewonnen ( sehr schwierig und anstrengend ). Der Riss wurde verfolgt zu einer « Höhle mit Dach, das 1 m in die Luft ragt ». Einige Klimmzüge über brüchige Felsen des Grates brachten die Partie zu jener Stelle ( IV ), wo die Steilheit des Grates etwas abnimmt ( 1 Std. 40 Min. ). In immerhin noch recht steiler, aber schöner Kletterei wurde P. 3501 in 40 Minuten erreicht und in weitem 21/4 Stunden über das bereits von Gallets Partie begangene Stück des Ostgrates der Gipfel des Doldenhorns betreten ( 71/2 Std. vom Fründenjoch, einschliesslich 1 Std. Rasten ).

Die Südwest- und Südostabstürze des Doldenhorns ( gegen das Gasterntal ) sind rauh und unwirtlich. Meines Wissens ist die Südflanke ausser von Gemsjägern nur von drei Seilschaften aufgesucht worden.

Die erste Partie, G. Stallard und A. L. Omerod mit Abraham Müller und Joh. Ogi-MüUer, erstieg am 10. August 1890 das Doldenhorn von Südwesten 1 ):

Von einem Schlafplatz am Schwarzdolden-Schafberg ( Exkursionskarte ), dicht über Seiden, wurde über die sogenannten « Türme » in 4 Stunden der Sillerengletscher ( ohne Namen im T. A. ) erreicht. Nun wandte sich die Partie nach rechts ( Osten ), stieg über leichte Schnee- und Schutthänge. Über steilere Schneehänge und verwitterte, brüchige Felsplatten querend, wurde mehrere Male versucht, die Schneide des Südgrates zu gewinnen, was aber erst eine Viertelstunde unterhalb des Gipfels gelang. Der Aufstieg hatte vom Biwakplatz an l5 1/4 Std. in Anspruch genommen. Eine wesentliche Verkürzung der Aufstiegszeit würde zweifellos erreicht durch einen Aufstieg über die « Gabel » T. A. zum Sillerengletscher, vielleicht auch durch einen Aufstieg über diesen Gletscher und die Wand zwischen Gross- und Klein-Doldenhorn.

Die Südostflanke des Doldenhorns wurde gequert von Oskar Hug und Simmen 1921 ( vgl. Fründenjoch ).

Einen direkten Aufstieg über den Südgrat fanden Walter Stoesser und E. Kast am 16., 17. und 18. August 1932. Stoesser schrieb mir darüber:

« Von einem ausgesprochenen Südgrat kann man nur im oberen flacheren Teil sprechen, von P. 3498 ab. Im Westabfall dieses Grates ist der kleine Gletscher „ In der Gabel " eingebettet, der durch einen zum Gletscher flach abfallenden Grat von der eigentlichen Südflanke des Berges getrennt ist. Die Südflanke selbst zeigt sich als eine ungeheure, gewölbte, glatt geschlagene Platte, auf der da und dort, fast regellos zerstreut, brüchige Rippen und Türme aufsitzen. Von dem die „ Gabel " begrenzenden Grat ist der eigentliche Südgrat getrennt durch eine tiefe Scharte. Ein direkter Weg von Süden musste daher möglichst direkt den Hauptturm des Südgrates P. 3498 zu gewinnen suchen.

Von Seiden aus stiegen wir, einem ausgetrockneten Wasserlauf folgend, empor zu den Hängen des Schwarzdoldenschafbergs. Unsere Absicht war, am Beginn der Felsregion der Südflanke zu biwakieren, am andern Morgen die Flanke nach Osten hin zu queren, um nach einer Möglichkeit der Durchsteigung der Platte direkt zu P. 3498 zu suchen. In Höhe von etwa 2400 m ward in einer Nische biwakiert, früh morgens die breite Mulde gequert, in der die von der Scharte zwischen P. 3358 und P. 3498 herabziehende Rinne endigt ( Steinschlag ). Rechts der Mulde zieht eine nach unten überhängend abbrechende Steilrinne durch den Absturz direkt empor zum Hauptturm des Südgrates. Diese wird für den Aufstieg benutzt.

Durch eine Schleife nach rechts wird der untere Teil umgangen, und die Rinne dann mit wechselnden Schwierigkeiten längere Zeit durchstiegen. Wo sie sich teilt, geht man im rechten Ast weiter. Dieser endigt bei einem über- hängenden, engen, brüchigen Riss. In ihm äusserst schwer eine Seillänge hoch. Weiter etwas leichter durch eine Verschneidung. Man hat nun zur Rechten schon den senkrechten Aufbau des Hauptturms. Nach rechts in einen Kamin. Durch ihn in den die Fortsetzung der vorhin durchkletterten Verschneidung bildenden Kamin, äusserst brüchig zu einer Scharte und leicht hinüber zum senkrechten Aufschwung des Hauptturms.

Die Erkletterung der Südkante des Hauptturms nun macht die allergrössten Schwierigkeiten. Erst einige Meter hoch, dann wenig nach links, weiter nach rechts um die Kante herum zu einer kleinen Kanzel. Stand! Von der Kanzel direkt hoch zu einem brüchigen Riss, durch ihn zu einem brüchigen Stand. Über die folgende senkrechte Stufe in eine kleine Wandeinbuchtung. Nun nach links um den von dem Turm losgesprengten Pfeiler herum zu einem schwach angedeuteten Band, das etwas absteigend nach etwa 10 Metern in einer Gufel endigt. Im Hintergrunde durch einen Kamin hoch und nach rechts hinaus über die glatte Platte auf eine Kanzel. Hier zweites Freilager! Über mehrere Stufen auf den Gipfel des Hauptturms, P. 3498.

Die weitere Erkletterung des Grates bietet keine extremen Schwierigkeiten mehr, ist aber wegen der ungünstigen Schichtung des Gesteins und wegen der wohl fast immer anzutreffenden Vereisung sehr zeitraubend. Die einzelnen Türme werden sämtlich überklettert, können jedoch auch, aber wahrscheinlich ohne Zeitgewinn, in der Westflanke umgangen werden. Am Gipfel an etwa um 1 Uhr.»Es ist vielleicht angezeigt auch die Besteigung des Spitzsteins, 2973 m, des Felsturms am üblichen Aufstiegswege zum Doldenhorn, hier zu vermelden, die am 27. Juli 1903 1 ) von Gottfried Müller und Hans Staller ausgeführt wurde. Wenn dies auch kein eigentlicher Gipfel ist, so könnte doch in unserer Zeit der Kleinst-Erschliessung der Alpen jemand ohne diese Meldung eine vermeintlich neue Tur ausführen.

Wichtiger jedoch ist der Mittelkopf, 2569 m, ohne Namen im T. A., zwischen dem Ost- und Westarm des Fründengletschers gelegen. Denn dort befindet sich ein guter Biwakplatz, als Ausgangspunkt für die Besteigung des Fründenhorns, des Fründenjoches, des öschinenhorns ( eventuell mit Übergang zur Blümlisalp ) sowie des Doldenhorns über den Ostgrat.

Vom Wirtshaus am Öschinensee geht man auf einem Pfade am Südufer des Sees entlang ( 20 Min. ), dann rechts ( südöstlich ) ansteigend auf gutem Weg durch lichten Wald. Später wieder links gegen « In den Fründen ». Sich östlich wendend, werden die beiden Bäche, welche vom Doldenhorngletscher kommen, überschritten, worauf man über plattige Felsen in südwest- licher Richtung ansteigt. Sich nun mehr nach Süden wendend, ersteigt man Schutt- und Grashänge bis unter die Flühe des Mittelkopfes. Nun biegt man scharf nach links ( Osten ) ab, erklettert einige grasbedeckte Stufen, dann steigt man wieder für einige Zeit direkt gegen den Mittelkopf hinauf. Am Fusse der letzten Abstürze angelangt, hält man sich nochmals links, wo ein Band gegen das Ende des östlichen Armes des Fründengletschers führt, quert den Bach nahe seiner Quelle aus dem Gletscher nach links, kehrt wenige Meter höher oben wieder nach rechts zurück und erreicht über Moränenschutt und Blöcke die Höhe des Mittelkopfes, P. 2569 ( 31/2 Std. ).

Das Fründenjoch, 3001 m, ist der Sattel zwischen dem Gross-Doldenhorn und dem Fründenhorn und vermittelt einen Übergang vom Öschinensee zum Gasterntale. Es ist ein alter Jägerpass. Die ersten Turisten, die das Fründenjoch überschritten, waren Heinrich Dübi und Frau mit Christian und Hans Hari, am 18. Juli 1885 1 ).

Von Norden ( vom Öschinensee ) steigt man auf der oben beschriebenen Route zum Mittelkopf auf und dann über den stark verschrundeten Fründengletscher zum Joch selber ( 51/2 Std. ).

Auf der Südseite führt ein kurzes Couloir hinunter zu einem Hängegletscher, von wo sich die erste Partie nach links ( Nordosten ) wandte und leicht anstieg, um einen Felsrücken ( im T. A. nicht angegeben ) zu vermeiden, der diesen Gletscher in zwei Stücke teilt. Dann querte sie längs einem bequemen Schieferband unterhalb zweier auffallenden Felsfiguren ( es ist am besten, schon bei Überschreitung der Passhöhe von Norden her nahe an ihnen vorbeizugehen ) zu einem andern Hängegletscher, welcher sich unmittelbar südlich des Fründenhorns ausdehnt. Von hier steigt man zuerst über eine der östlicheren von mehreren Felsrippen ab, traversiert dann nach Westen ein glattes Felscouloir und steigt über eine der westlichen Rippen ab, bis man über Lawinenschnee den untern Teil des Alpetligletschers erreichen kann. Diesen quert man zu seinem linken Ufer, von wo man der Tschingelpass-route nach Kandersteg folgt. Die erste Partie brauchte ( Halte eingerechnet ) 8 Std. vom Hotel Viktoria in Kandersteg zum Joch und 10 Std. von dort, in einem Unwetter, zurück nach Kandersteg.

Einen anderen, direkten Zugang von Südwesten aus dem Gasterntale fanden Oskar Hug und A. Simmen am 12. Juli 1921 2 ):

Vom Hotel Seiden-Gasterntal ging diese Partie zuerst bis Heimritz, dann von hier direkt nach Norden, auf einem kleinen Geisspfad, über den ersten Steilhang bis zum Mäderbergli, im T. A. nicht angegeben ( 1. Std. ). Nun direkt nördlich ( Richtung Doldenhornsüdgrat ), bis zum zweiten Steilhang, der oben mit einer Felsstufe endigt. Über diese empor gelangte sie zu Punkt 2360 ( Exkursionskarte von Kandersteg 1: 30,000 ). Zur Linken in nächster Nähe befand sich eine bis in den Talboden hinabführende, weit sicht- bare Runse. Diese Felsstufe dürfte sich weiter östlich voraussichtlich besser ersteigen lassen. Damit erreichte die Partie den oberen der beiden Rasen-bandzüge, genannt Schwarzdolden-Schafberg ( Exkursionskarte ) ( 11/2 Std. ). Im untern Teil ist dieses Band noch von Gras bewachsen, weiter oben geht es aber in von kleinen Felsabsätzen unterbrochene Schutt- und Felsbänder über. Man nimmt nun genau Richtung Nordosten und sucht dem Band entlang, möglichst hoch oben nahe am Aufschwung zum Doldenhornsüdgrat, diesen südlich umgehend, an Höhe zu gewinnen. Lange schon fällt einem ein breiter, stark vorspringender Felskopf auf, der weiter östlich im Mittelbau der Doldenhornsüdwand, etwa auf Kote 2600, liegt. Zu diesem muss man gelangen ( 1 1/2 Std.von hier aus ergibt sich die übrige Orientierung von selbst. Dieser Kopf ist auch ein wichtiger Orientierungspunkt für eine eventuelle Begehung im Abstieg; er ist auch von oben stets gut sichtbar. Von diesem Kopf stieg die Partie zuerst über dessen nördliche Kante etwa 100 m hoch aufwärts, überschritt ein gut markiertes Felscouloir und querte dann einige steile Schneehänge, stets nach rechts ( Nordosten ) aufsteigend. So gelangte sie ziemlich leicht an das westliche Ende des Hängegletschers in der Südostwand des Doldenhorns. Längs seines oberen Randes zeigt er nur wenige Schründe; diese Querung brachte die Partie direkt in die Fallinie des Joches, das nun durch ein steiles Felscouloir unschwierig erstiegen wurde. Dauer des Aufstieges ( bei schwerer Bepackung ) 7 Std. ( inklusive 1 1/2 Std. Rasten ). Die Tur ist nicht schwierig, landschaftlich aber sehr schön; die einzige Schwierigkeit besteht im richtigen Auffinden der spärlichen Stellen zur Erklimmung der Kalkfelsstufen.

Fründenhorn, 3367 m. Das Fründenhorn ist ein hübscher kleiner Gipfel zwischen dem Doldenhorn und der Blümlisalp und scheinbar ein bisschen von den Bergsteigern vergessen. Das hat aber nur den Vorteil, dass man auch Sonntags auf seinen Graten meist mutterseelenallein ist, wenn ringsum am Doldenhorn und auf der Blümlisalp Berg und Tal wiederhallt vom Gejohle der Menge. Dabei sind alle drei Wege über seine Grate hochinteressant, und der Gipfel selbst bietet eine Überraschung in Form eines kleinen Seeleins, das zwischen den Gipfelpunkten der drei Grate eingebettet ist.

Den leichtesten Weg bietet der Nordwestgrat, über den die Erstbesteiger Emil Ober und Fr. Corradi mit Peter Rubi und Fritz Ogi am 8. Juli 1871 1 ) aufstiegen:

Vom Wirtshaus am Öschinensee steigt man zum Mittelkopf hinauf ( 31/2 Std. ). Nun quert man den östlichen Arm des Fründengletschers in südöstlicher Richtung zum Fusse des Nordwestrückens und steigt über Felsstufen und Bänder in nordöstlicher Richtung zur Gratschneide hinan. Eine oft vereiste Rinne führt über eine Felsstufe zum letzten Schneegrat empor, der in mehreren Erhebungen zum Gipfel leitet ( 3—5 Std. vom Mittelkopf ).

Der Nordostgrat, erstmals begangen durch Julien Gallet und Frau mit Abraham Müller sen. und David Wandfluh am 14. Juli 1900 1 ), wird gewöhnlich im Abstieg begangen, da über zwei Felstürme abgeseilt werden kann. Man rechnet 21/2—3 Std. vom Gipfel zum Öschinenjoch, ebenso im Aufstieg 2 ).

Den Westgrat vom Fründenjoch her versuchte ich 1918 im Abstieg. Aber erst am 18. Juli 1921 gelang mir mit M. Liniger der Aufstieg 3 ):

Vom Fründenjoch weg verfolgt man den nur wenig ansteigenden Grat, einige Male leicht nördlich ausweichend, bis an den ersten Steilabbruch. Dieser Absatz dürfte nur sehr schwierig direkt zu erklettern sein. Von seinem Fusse führt ein Band horizontal in die Südwand hinein. Man folgt ihm, biegt nach zirka 30 m um eine Ecke herum und gelangt nach weitern 15 m in eine leicht ersteigbare Rinne. Durch diese hinauf und weiter über gute Felsen schwach rechts haltend, wird der Grat unterhalb des zweiten Abbruches wieder erreicht. Über dessen Westwand führt eine sehr schwierige und exponierte Kletterei direkt empor ( zirka 20 m ) in eine Art Verschneidung. Dann gelangt man leichter, aber immer sehr exponiert über den Grat hinauf bis unter einen rotbraunen Überhang. Mittels Schulterstand wird dieser Überhang an seiner westlichen Kante überwunden ( sehr schwierig ) und durch einen Riss nach rechts aufwärts kletternd ( schwierig und exponiert ) die Gratkante wieder gewonnen 4 ). Die folgenden Abbrüche des Grates werden entweder direkt oder schwach in die Nordflanke ausweichend erstiegen, wobei nur mehr der auf den Überhang zunächst folgende Absatz grössere Schwierigkeiten bietet. Zuletzt führt ein kurzer Schneegrat zum Gipfel. Fründenjoch-Gipfel 31/2 Std.

Der Sattel, der die Doldenhorngruppe von der Blümlisalp trennt, ist das Öschinenjoch, zirka 3300 m, ohne Namen oder Kote im T.A., und wurde zuerst erreicht von Hermann Löhnert mit Fritz Ogi und Christian Hari im Juli 1880 5 ).

Von Norden ( Öschinensee ) erreicht man das Joch am besten, indem man zum Mittelkopf zwischen West- und Ostarm des Fründengletschers hinaufsteigt ( 31/2 Std. ). Dann quert man den Ostarm des Fründengletschers nach Osten und steigt über den Fuss des Nordwestrückens des Fründenhorns hinüber zum Öschinengletscher ( 1—11/2 Std. ). Dieser Gletscher ist oft sehr zerrissen und die letzten Hänge, welche zum Pass hinaufführen, sind sehr steil, doch ist der ganze Aufstieg vom Mittelkopf her landschaftlich ausserordentlich wild und schön ( ca. 4 Std. vom Mittelkopf ).

Will man nach Süden zum Kanderfirn hinab, so hält man sich entweder erst ein wenig nach rechts ( Südwesten ) und steigt dann über Schutt und Gras ohne Schwierigkeiten direkt zum Kanderfirn 1 ) hinunter. Oder man hält erst etwas nach rechts bis auf ein Schuttband, dann nach links ( Nordosten ) gegen eine Felsrippe, die man einige hundert Meter verfolgt, und biegt dann nach rechts auf einen Schneehang ab, der zum Kanderfirn hinunter führt 2 ).

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