«Die Entwicklung ist enorm» Trends in den Skitourenrennen

Rolf Zurbrügg, Disziplinenchef des Skialpinismus, kennt den Sport wie kaum ein Zweiter. Er spricht über dessen Entwicklung, Doping, das Material und die Zukunft dieses faszinierenden Sports in der freien Natur.

Seit dem ersten Rennen vor bald 100 Jahren wird der Sport immer schneller, seit bald zwei Jahrzehnten immer professioneller. Skitourenwettkämpfe waren bis und mit 1948 sogar eine olympische Disziplin, was wir übrigens wieder anstreben!

Generell ist zu sagen, dass ausnahmslos alles Material leichter, stabiler und besser wurde. Die modernste Skibindung wiegt heute weniger als 250 Gramm pro Paar. Trotz des geringen Gewichts ist sie technisch einwandfrei, robust und sicher, hat eine gute Führung und gibt grossen Halt. Der einzige Nachteil: Der Einstieg ist weniger komfortabel als bei einer herkömmlichen Bindung. Der neueste Skischuh ist aus reinem Carbon und wiegt weniger als ein Kilogramm. Hier ist allerdings der Preis mit etwa 1800 Franken pro Paar – noch – sehr hoch.

Die Weltspitze – mit Freude kann ich sagen, dass auch die Schweiz dazugehört – bewältigt inzwischen pro Stunde bis zu 1800 Höhenmeter, je nach Terrain und Schneeverhältnissen. Nach einem Fellaufstieg sind Spitzenleute heute innert 15 Sekunden zur Abfahrt bereit. Der Wechsel von einer Abfahrt zum Aufstieg, also die Felle aufkleben, die Ski umstellen und bergan steigen, dauert bei Spitzenleuten kaum eine halbe Minute.

Ja, sicher. Unter Doping versteht man die Anwendung von unerlaubten medizinischen Methoden und die Einnahme verbotener Substanzen zur Leistungssteigerung. Doping ist in jedem Sport ein sehr wichtiges Thema. Der Skialpinismus will eine saubere Sportart sein. Jeder Athlet und jede Athletin der Nationalmannschaft verpflichtet sich vor der Wettkampfsaison schriftlich, auf jede Form von Doping zu verzichten. An Rennen im In- und im Ausland werden regelmässig Kontrollen durchgeführt, ebenso während der Trainings. Im Falle eines positiven Testergebnisses drohen Bussen bis zu 200 000 Franken, Wettkampf-sperren und Ausschluss aus dem Team.

Im Schweizer Skialpinismus keine, weder bei Trainings- noch bei Wettkampftests. Dabei kann dieselbe Person auch mehrere Male getestet werden. Der Skialpinismus hat enorm an Geschwindigkeit gewonnen. Die immer routiniertere Handhabung der Ausrüstung trägt bei der Elite massgeblich zum Erfolg bei.

Tests in allen Ausdauersportarten ergaben erstaunliche Resultate. Denn schon geringe Mengen Koffein und Schmerzmittel zeigen bei einem Dopingtest an. Als Bergführer erlebe ich vielfach, dass meine Gäste auf gewöhnlichen Touren leistungssteigernde oder schmerzhemmende Mittel, zum Beispiel Kopfwehtabletten, einnehmen. Im Wettkampfsport bedeutet dies « positiver Befund » und hat die oben genannten Konsequenzen zur Folge.

An den Weltmeisterschaften im italienischen Cuneo ging eine Lawine nieder … Wir bemühen uns sehr um die Sicherheit für alle Beteiligten. In jeder Wettkampforganisation gibt es Fachleute, die Vorsichtsmassnahmen treffen. Notfalls werden Hänge gesichert oder Lawinen vorsorglich ausgelöst. Sind die Verhältnisse unsicher, verlegt man die Rennstrecke auf Abfahrtspisten. Allerdings muss man sagen; eine letzte Sicherheit gibt es auch im Skialpinismus nicht…

Die traditionellen Rennen werden sicher bestehen bleiben. Kleinere Rennen werden attraktiver werden müssen, zum Beispiel, indem man einen oder mehrere Gipfel besteigt. In weniger hoch gelegenen Gebieten geht die Tendenz zu mehreren kürzeren Aufstiegen. Dies alles möglichst in der Nähe des Publikums.

Das kommt ganz auf die Rennstrecke an. Kürzere Rennen lassen sich gut als Einzelrennen organisieren. Aber auf grossen Strecken und in schwierigerem Gelände wird der Skialpinismus ein Teamsport bleiben. Aus Sicherheitsgründen und wegen des Gruppenerlebnisses.

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