Die Frustration überwinden

Mitte März kam die Hiobsbotschaft. Die SAC-Hütten wurden geschlossen und den Bergführern mitten in der Skitourensaison ihre Einnahmequelle entzogen. Mit der Absage der Expeditionssaison in Nepal verlieren beispielsweise auch die Sherpas ein Einkommen, mit dem sie ihre Familien sonst ein Jahr lang ernähren können.

Neben diesen und anderen Tragödien verlieren viele von uns für eine Zeit lang «das wichtigste unter den unwichtigen Dingen», wie Alexandra Rozkosny im Aprileditorial feststellte. Wir werden darüber hinwegkommen, und die Berge laufen uns nicht davon. Die vorübergehende Entbehrung unserer Freiheiten kann frustrieren, aber sie ist notwendig. Einige hingegen denken gar nicht daran, sich an die Einschränkungen zu halten: Die französische Tageszeitung Le Figaro berichtete von einem Toten und zwei Verletzten bei drei Unfällen in den französischen Alpen am ersten Tag der Ausgangssperre in Frankreich. Andere Berggänger wiederum nehmen sich die Mühe und zeigen sich von der kreativen Seite. Sie nutzen die Gelegenheit, ihrer Leidenschaft auf eine andere Art und Weise Ausdruck zu verleihen. In den sozialen Netzwerken fordern sie sich mit viel Einfallsreichtum und Humor heraus und machen ihr Zuhause mal als Seilschaft, mal free solo zum Expeditionsgebiet (Seite 13). Diese Posts tun uns nicht nur gut, sie muntern uns auch zur Solidarität auf, so wie es sich für den wahren Geist der Seilschaft gehört.

Während ich diese Zeilen schreibe, kann niemand vorhersagen, wie sich die Situation entwickelt haben wird, bis Sie sie lesen. Aber ich hoffe, dass wir ein rettendes Gegenmittel für unsere egoistischen Frustrationen in der Ausgangsbeschränkung gefunden haben. Genau so wie unsere Autoren, die ihre Hausberge neu entdecken (ab Seite 6 und ab Seite 52). Denn indem uns die Situation zwingt, zu entschleunigen und uns vorübergehend mit einfacheren Freuden zu begnügen, könnte uns die Krise wieder mit dem Wesentlichen verbinden.

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