Die Gletscher der Schweizer Alpen im Jahr 1984/85

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der Schweizer Alpen im Jahr 1984/85

Auszug aus dem 106. Bericht der Gletscherkommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft ( GK/SNG ) Markus Aellen, GK/SNG und Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie ( vaw ) an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich ( ETHZ ) Witterungs- und Schneeverhältnisse im Jahr 1984/85 Die Beschreibung der klimatischen Verhältnisse stützt sich auf verschiedene Quellen ( siehe Fussnote 1 ). Der Witterungsverlauf vom September 1984 bis Oktober 1985 ist in den Abbildungen 1 a-f auf den Seiten 206-209 graphisch dargestellt durch die Tagesmittel der Lufttemperatur an den Stationen Zürich SMA, Locarno-Monti und Jungfraujoch, durch die tägliche Höhenlage der Nullgrad-Isotherme um 13 Uhr über Payerne und durch die täglichen Niederschlagsmengen von Zürich SMA, Locarno-Monti, Säntis und Sitten. Die Abweichungen der Tagestemperaturen von den eingezeichneten langjährigen Mittelwerten ( beachte Fussnote 2 ) charakterisieren das Berichtsjahr.

Einleitung Die jährlichen Veränderungen der Gletscher in den Schweizer Alpen werden seit 1880 durch regelmässig wiederholte Beobachtungen und Messungen an zahlreichen Gletscherzungen systematisch erfasst. Gegenwärtig umfasst das Beobachtungsnetz der GK/SNG 120 Gletscher, an denen die Längenänderung in der Regel jährlich, in einigen Fällen in mehrjährigen Intervallen bestimmt wird. Die VAW organisiert und bearbeitet die Messungen, die durch 9 kantonale Forstdienste an 82 Gletschern, durch 8 private Mitarbeiter an 15 Gletschern, durch 2 Kraftwerkgesellschaften an 4 Gletschern, durch das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung ( EISLF ) an 1 Gletscher und durch Mitarbeiter der VAW an 18 Gletschern ausgeführt werden. Die Messungen am Boden werden ergänzt durch zahlreiche Vermessungsflüge, die durch das Bundesamt für Landestopographie ( L+T ) und die Eidgenössische Vermessungsdirektion ( v+D ) jährlich oder in mehrjährigem Turnus wiederholt werden. Die zusätzlich zu den Zungenmessungen durchgeführten Untersuchungen über die jährliche Änderung der Gesamtmasse der Gletscher Aletsch, Gries ( Aegina ), Limmern, Plattalva und Suvretta gehören zum langfristigen Forschungsprogramm der VAW. Die Angaben über den Massenhaushalt im Talbereich der Aaregletscher verdanken wir den Kraftwerken Oberhasli.

Tabelle 1 Summe der positiven Tagesmittel der Lufttemperatur von Mai bis September der Jahre 1983 bis 1985 Station Höhe m ü. M.

Temperatursumme ( DC ) 1983 1984 1985 a ) Beobachtungsstationen Gütsch'2287 1040 669 945 Säntis1 2490 813 478 678 Weissfluhjoch1 2690 707 364 576 Jungfraujoch ( Sphinx)1 3580 143 43 108 Payerne ( 700 mb)2 3100 415 221 347 München ( 700 mb)2 3100 366 160 259 Mailand ( 700 mb)2 3100 564 369 495 b ) Extrapolationen für Firngebiete Clariden38 2700 731 393 603 Clariden38 2900 579 284 476 Suvretta3b 2750 650 329 533 Jungfraufirn ( P3)3C 3350 220 92 201 Automatisch registrierende Station. Die Werte sind mit denen der Jahre vor 1981 ( Säntis vor 1978 ) nur näherungsweise vergleichbar.

Temperaturmessungen in der freien Atmosphäre durch Radiosondierungen. Durch G. Gensler, sma, berechnete Werte, gemittelt aus den Ergebnissen im Niveau 700 Millibar ( etwa 3100 m ü. M. ) der Sondenaufstiege um null Uhr und um zwölf Uhr Weltzeit.

Schätzwerte, berechnet aus den Messergebnissen der Stationen: Gütsch Weissfluhjoch Jungfraujoch ( Sphinx ) Der Sommer 1984 ging jäh und vorzeitig zu Ende mit den ungewöhnlich frühen und reichlichen Schneefällen vom 5. und 6. September, die im bündnerischen Rheintal sogar die Niederungen erreichten. Während der folgenden vier Wochen mit häufigen und ergiebigen Niederschlägen, die den September zum nassesten Monat des Jahres 1984 machten, 1 Die Klimadaten des Berichtsjahrs sind im täglichen , im monatlichen , im Quartalsheft ( Ergebnisse der täglichen Niederschlagsmessungen ) und im Jahrbuch ( Annalem der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt ( sma ) zu finden. Aus den langjährigen Messreihen ermittelte Vergleichswerte sind in den Heften

2 Für die Stationen Zürich sma, Locarno-Monti und Jungfraujoch, die zum automatischen Beobachtungsnetz ( anetz ) der sma gehören, sind die Temperaturmittelwerte der Referenzperioden 1901/60 ( Zürich, Locarno ) und 1938/60 ( Jungfraujoch ) den veränderten Messbedingungen angepasst worden.

schneite es im ganzen Alpengebiet zu wiederholten Malen bis in die Talregion. Dabei sind das Hochgebirge und die meisten Gletscher wie auch die Schattenhänge bis in mittlere Höhenlagen bereits dauernd eingeschneit worden. In den Tälern und an den Sonnenhängen, aber auch auf tiefgelegenen Gletscherzungen schmolz die gebietsweise meterhohe Herbstschneedecke während der anschliessenden fünf Wochen mit sehr sonnigem und mildem, fast durchgehend auch trockenem Wetter wieder weg, bevor sich die Winterschneedecke von Mitte November an schrittweise auszubreiten begann. Nachdem die Nullgradgrenze der Lufttemperatur in der zweiten Oktoberwoche-zumindest mittags ( vergleiche Abbildung 1dauf eine Höhe knapp über 4000 Metern gestiegen war, verharrte sie bis Mitte Dezember mehrheitlich in Höhen über 2000 Metern, verschiedentlich sogar über 3000 Metern. Zudem brachten die Monate Oktober bis Dezember nur einzelnen Gebieten die normale Niederschlagsmenge. Sonst war es allgemein zu trocken, im Okto- 192Tabelle 2 Längenänderung der Gletscher 1982/83 bis 1984/85 Zusammenfassung Klassen Anzahl Gletscher und Prozentanteil der Klassen 1982/83 1983/84 Anzahl Prozent Anzahl Prozent 1984/85 Anzahl Prozent Beobachtungsnetz 120 120 120 nicht beobachtet 9 25 31 beobachtet 111 95 117 nicht klassiert 2 10 0 Stichprobe 109 100.0 85 100.0 117 100.0 im Vorstoss 46 42.2 53 62.3 572 48.7 stationär 6 5.5 5 5.9 93 7.7 im Rückzug 57 52.3 27 31.8 51 4 43.6 Mittlere Längenänderung -1.58 m + 2.49 m + 1.41 m Anzahl Werte 96 74 74 s Klassierung: Den verschiedenen Klassen sind im Berichtsjahr folgende, durch ihre Nummer aus Tabelle 5 bezeichnete Gletscher zugeordnet:

1 46 108 110.

2 29 11 13 16 17 1821 222324 252627 2838 4041 42 43 49 50 53 56 57 58 59 60 61 64 67 68 69 70 71 75 77 81 87 89 90 91 93 94 96 99 100 103 104 105 107 109 112 113 117 118 120.

3 39 47 52 54 55 63 65 78 97.

4 1 34567 8 10 12 14 15 1920 29 3031 32 3334 35 363744 454851 62 66 72 73 74 76 79 80 82 83 84 85 86 88 92 95 98 101 102 106 111 114115 116 119.

5 Für die Berechnung der mittleren Längenänderung sind die Ergebnisse von 43 Gletschern nicht berücksichtigt worden aus folgenden Gründen:

- Zahlenwert gilt für mehrere Jahre -2 Jahre: 8 9 12 13 14 21 29 30 32 33 34 35 36 66 67 74 76 80 81 82 85 91 99 101 103 106 117 118 120 -3 Jahre: 75 -keine Zahlenangabe: 3 49 55 56 58 64 72 90 107 112 113 115 116.

ber vor allem in den zentralen und östlichen Teilen der Alpennordseite und in einigen Gebieten des Wallis. Sehr trocken war der November grossenteils in Graubünden und Uri wie auch im Goms und in den Visper Tälern. Im Dezember war es im Jura und in den Alpen meistenorts erheblich zu trocken, besonders im Engadin und in den Walliser Tälern, wo grösstenteils weniger als die Hälfte des normalen Niederschlags gemessen wurde. Normale oder annähernd normale Niederschlagsmengen fielen im Oktober - vorwiegend in der ersten Woche des Monats - in Graubünden, im Tessin, Oberwallis, Gotthard- und Genferseegebiet sowie im westlichen Teil des Juras. Im November erhielten die weniger trockenen Gebiete nördlich der Alpen, im Wallis und im Tessin 60-90 Prozent der normalen Menge. Im Dezember wurden gebietsweise im Mittelland, vor allem längs der Voralpen, wie auch im südlichen und westlichen Tessin normale Niederschlagsmengen gemessen. Unter diesen Bedingungen verzögerte sich die Bildung der bleibenden Schneedecke je nach Gebiet bis gegen Mitte Januar. Von den 34 Stationen der Tabelle 4 sind die beiden höchstgelegenen ( Weissfluhjoch 2540 m, Säntis 2500 m ) bereits am 6./7. September dauernd eingeschneit worden. Mitte November - mehr als zwei Monate später - zog der Winter in den Bündner Alpen, gebietsweise auch im Tessin und in den höheren Lagen der zentralen Alpen endgültig ein. Das übrige Alpen- und Voralpengebiet mit rund der Hälfte der in der Tabelle aufgeführten Schneemessstationen wurde erneut nur vorübergehend eingeschneit. Nördlich der Alpen blieben die Niederungen erstmals seit 1963 im November ohne Schnee. Südlich der Alpen hingegen fiel - verhältnismässig früh -am 16. und 17. November Schnee bis in die Niederungen. Am Monatsende erhielten ein- Tabelle 3 Jährliche Massenänderung einiger Gletscher, von 1982/83 bis 1984/85 Gletscher Haushaltsperiode vom bis Gletscherfläche km2 Massenänderung gesamt 10« m3'spezifisch kg/m2'Gleichgewichts-I in te m ü. M.

Gries 23.

9.82 23.9.83 6.3203a - 3.862 - 550 3000 23.

9.83 27.9.84 6.3223b - 0.023 - 3 2865 1.

10.84 30.9.85 6.3193C - 2.352 - 335 28854 Aletsch 1.

10.82 30.9.83 127.865a + 21.22 + 149 29546 1.

10.83 30.9.84 127.745b + 113.15 + 797 28706 1.

10.84 30.9.85 127.625C + 18.417 + 1307 29296 Limmern 30.

8.82 31.8.83 2.528 - 2.252 - 803 2950 31.

8.83 1.9.84 2.528 - 0.933 - 333 2820 1.

9.84 11.9.85 2.528 + 0.701 + 250 26659 Plattalva 30.

8.82 31.8.83 0.868 - 0.524 - 549 2940 31.

8.83 1.9.84 0.868 + 0.070 + 74 2770 1.

9.84 11.9.85 0.868 + 0.382 + 400 26559 Suvretta 11.

9.82 10.9.83 3.1510 - 1.915 - 547 2905 10.

9.83 12.9.84 3.1510 + 0.982 + 281 2690 12.

9.84 13.9.85 3.1510 + 1.785 + 510 26509 1 Gesamter Zuwachs oder Abtrag, berechnet als Eisvolumen mit einer mittleren Dichte von 0,9 g/cm3. Für Aletsch aus der hydrologischen Bilanz des Einzugsgebiets Massa/Blatten bei Naters abgeleitet, für die übrigen Gletscher in den Vorjahren aus Zonen gleicher Massenänderung, im Berichtsjahr nach den Angaben unter Fussnoten 4 und 9 ermittelt.

2 Gleichmässig über den Gletscher verteilter Zuwachs oder Abtrag. Der Eismenge 1 kg/m2 entspricht eine Wassersäule von 1 mm Höhe.

3 Geschätzte Fläche füra 27.9.1983,b 26.9.1984,c 28.10.1985.

* Mittels statistischer Verfahren aus der hydrologischen Bilanz des Einzugsgebiets Ägina/Griessee ermittelte Werte. Für die Periode vom 27.9.84 bis 28.10.85 ergeben sich aus den Messungen am Pegel netz und nach der in Fussnote 9 angegebenen Methode folgende Werte:

Massenänderung: gesamt — 3.651 -106 m3, spezifisch -520 kg/m2 Gleichgewichtslinie: 2965 m ü. M.

.'Geschätzte Fläche füra 21.9.1983, b 9.10.1984, ° 29.10.1985.

5 Aus den Pegelmessungen auf dem Jungfraufirn interpolierte Werte.

.'Provisorische Werte.

.'Fläche am 15.9.1977.

.'Mittels statistischer Verfahren aus dem Flächenverhältnis des Nährgebiets zur Gletscherfläche und der Beziehung zwischen der Massenänderung und der Höhe der Gleichgewichtslinie ermittelte vorläufige Werte. Die Abgrenzung des Nährgebiets beruht auf den Messungen am Pegelnetz ( Gries 28.10.85, Limmern und Plattalva 11.9.85 ) und/oder auf den Luftbildern ( Limmern und Plattalva 12.9.85, Suvretta 13.9.85 ).

.'Fläche am 12.9.1973.

zelne Gebiete im Wallis und in der Zentralschweiz, einen halben Monat später die meisten Bergregionen oberhalb etwa 1000 Metern Meereshöhe eine dauerhafte Schneedecke, die vielerorts jedoch während weiterer vier bis acht Wochen eine geringe Mächtigkeit aufwies. Mit der Zufuhr arktischer Polarluft, die in der ersten Januarhälfte allenthalben strenge Kälte mit extrem tiefen Frosttemperaturen ( z.B.41,5 °C in La Brévine ) verbreitete, wurden schliesslich auch die tieferen, in der Tabelle durch die Station Poschiavo vertretenen Lagen der Alpentäler und die Niederungen beidseits der Alpen längerf ristig eingeschneit.

Nach der dauerhaft milden Witterung von Oktober bis Jahresende 1984 und der anschliessenden mehrwöchigen Frostperiode zu Beginn des Jahres 1985 setzte Mitte Januar eine lange, durch wechselhafte Witterung geprägte Epoche ein, in der sich ein- bis zweiwö- Tabelle 4 Daten über die Schneedecke im Winter 1984/85 Station Höhe m ü. M.

Periode mit permani Schneedecke erster letzter Tag Tag snter Dauer Tage Grösste Schneehöhe Betrag Messern datum Grösster Wasserwert der Schneedecke Betrag Messdatum mm Leysin 1250 19.12.

16.4.

119 112 18.2.

219 30.3.

Grindelwald Bort 1570 14.12.

5.5.

143 136 18.2.

257 1.4.

Mürren 1660 14.12.

10.5.

148 145 18.2.

356 31.3.

Grimsel 1970 15.11.

21.6.

219 332 9.5.

- Stoos 1280 14.12.

12.5.

150 152 19.3.

351 1.4.

Andermatt 1440 27.11.

13.5.

168 143 22.3.

396 1.4.

Trübsee 1800 1.12.

7.6.

189 210 19.3.

679 30.4.

Gütsch 2287 15.11.

18.6.

216 180 19.3., 17.4.14.5.

Schwägalp 1290 14.12.

15.5.

153 152 19.3.

430 2.4.

Braunwald 1340 14.12.

10.5.

148 97 16.2.

241 1.4.

Malbun ( FL ) 1610 14.12.

26.4.

134 95 19.3.

- Säntis 2500 7. 9.

11.8.

339 440 29.3.

- Ulrichen 1350 17.11.

23.4.

158 140 7.3.

325 14.3.

Montana 1500 14.12.

18.4.

126 127 18.2.

235 15.3.

Zermatt 1620 27.11.

10.4.

135 75 3.3.

143 15.3.

Bourg-St-Pierre 1670 14.12.

17.4.

125 68 18.20.2.

199 1.4.

Mauvoisin 1800 27.11.

18.5.

173 145 18.2.

347 1.4.

Klosters EW 1200 17.11.

3.5.

168 88 29.3.

239 29.3.

Davos Flüelastrasse 1560 17.11.

1.5.

166 72 1.2., 28.3.

166 1.4.

Zervreila 1735 17.11.

17.5.

182 148 28.3.

369 15.4.

Arosa 1820 17.11.

18.5.

183 142 14.4.

311 15.4.

Weissfluhjoch 2540 6. 9.

14.7.

312 250 9.5.

841 16.5.

Ftan 1710 17.11.

17.4.

152 51 1.2.

116 27.3.

La Drossa 1710 17.11.

1.5.

166 90 22.3.

234 30.3.

Samedan 1710 17.11.

26.4.

161 88 22.3.

- Pontresina 1840 15.11.

26.4.

163 110 22.3.

- Bernina Diavolezza 2090 15.11.

21.5.

188 153 7.3.

- Ambri 980 2.12.

14.4.

134 118 22.3.

- Bosco Gurin 1490 15.11.

21.5.

187 220 8.+ 23.3.

- San Bernardino Dorf 1630 15.11.

21.5.

188 192 23.3.

467 16.4.

Simplon Hospiz 2000 2.12.

30.5.

180 170 14.5.

- Poschiavo 1010 14. 1.

3.2.

21 57 27.1.

- Santa Maria 1400 15.12.

16.4.

123 65 22.3.

144 31.3.

Maloja 1800 15.11.

24.5.

191 211 22.3.

584 15.4.

Tabelle 5 Längenänderung der Gletscher in den Schweizer Alpen 1984/85 Nr. a ) Gletscher Kt.

Längenänderun in Metern 1983/84 g 1984/85 Höhe m ü. M.

1985 Messdatum Tag, Monat 1983 1984 1985 Einzugsgebiet der Rhone ( II ) 1« Rhone VS - 1.5 - 1.2 2124 14. 9.

30. 8.

11.10 2 Mutt vs + 18 + 12 2582 19. 8.

30. 8.

13. 8.

3e Gries ( Agina ) vs + 6.0 - X 238485 27. 9.

26. 9.

29.10.

4 Fiescher vs + 3.7 - 5.4 1665.0 22. 9.

7.10.

29. 8.

5 Grosser Aletsch vs - 46.3 - 45.6 1548.4 21. 9.

9.10.

29.10.

106 Mittelaletsch vs — X - 13.62a 2151.8 21. 9.

17.10.

1.10.

6 Oberaletsch vs - 5.7 - 9.5 2140.4 6.11.

8.10.

27.10.

7« Kaltwasser vs + 1.7 - 3.7 2640 22. 9.

28. 9.

11. 9.

8 Tälliboden vs n - 9.02a 2628.7 30. 9.

n 3.10.

9 Ofental vs n + 10.72a 2640.4 30. 9.

n 3.10.

10« Schwarzberg vs + 2.7 - 1.5 2648.9 28. 9.

1.10.

4.10.

11« Allalin vs - 59.1 + 44.3 2158.5 7.10.

16.10.

16.10.

12 Kessjen vs n - 5.1 2a 2853.0 27. 9.

n 1.10 13e Fee ( Nordzunge ) vs + 40 ca.

+ 92.52a 1919.0 11.10.

17.10.

5.11.

14« Gorner vs n - 42.72a 2078 7.10.

n 23.10 15« Zmutt vs - 6 - 4 2242 18. 8.

29. 8.

1. 8.

16e Findelen vs + 16.1 + 27.7 2480 ca.

7.10.

29.10.

2. 9.

107e Bis vs + X + X 2000 ca.

19. 9.

16.10.

12. 9.

17 Ried vs + 1.3 + 2.5 2056.2 1.10.

29. 9.

2.10.

18« Lang vs + 13 + 23 2048 27. 9.

26. 9.

18.10.

19« Turtmann ( West ) vs + 18.2 - 14.6 2261 12.10.

12.10.

17. 9.

20« Brunegg ( Turtm. Ost ) vs + 48.7 - 6.8 2453 12.10.

12.10.

17. 9.

21« Bella Tola vs n + 1,02a — 28. 9.

n 11. 9 22 e Zinal vs + 22.7 + 16 199083 2.10.

18. 9.

23. 9.

23 Moming vs + 0.7 + 3.3 2370 2.10.

18. 9.

23. 9.

24« Moiry vs + 9 + 3 239083 28. 9.

21.10.

19.10.

25« Ferpècle vs + 15 + 16 209583 15.10.

16.10.

17.10.

26« Mont Miné vs + 5 + 9 196383 15.10.

15.10.

15.10.

27 e Arolla ( Mt. Collon ) vs + 7.6 + 14.4 213583 15.10.

17.10.

17.10.

28 e Tsidjiore Nouve vs + 26 + 21 220583 15.10.

17.10.

17.10.

29 e Cheillon vs n - 2.62a 263083 29. 9.

n 21. 9.

30« En Darrey vs n - 21.82a 249083 24. 9.

n 22. 9 31« Grand Désert vs - 1.8 - 21.1 275583 ?. 9.

12. 9.

10.10.

32 e Mont Fort ( Tortin ) vs n - 20.02a 269583 ?. 9.

n 6.10 33« Tsanfleuron vs sn - 322a 241769 27. 9.

16.10.

24.+26. 9.

34« Otemma vs n -101.52a 243083 24. 9.

n 28. 9.

35« Mont Durand vs n _ 42a 226083 25. 9.

n 29. 9.

36« Breney vs n - 14.52a 257582 24. 9.

n 28. 9.

37« Giétro vs + 1.4 - 10.2 2480 ca.

23. 9.

17.10.

27. 9.

38 e Corbassière vs + 7 + 18 2171.5 31. 8.

14. 9.

6. 9.

39 e Valsorey vs - 11.0 - 0 2395 8. 9.

11. 9.

10. 9.

40 Tseudet vs + 2.0 + 3.0 2423 8. 9.

11. 9.

10. 9.

41« Boveyre vs + 2.0 + 4.0 2597 8. 9.

11. 9.

10. 9.

42 Saleina vs + 8.0 + 1.5 1697.5 8. 9.

12. 9.

13. 9.

108 Orny vs n n 264582 n n n 43 e Trient vs + 8 + 10 1754 12. 8.

15.10.

17.10.

44« Paneyrosse VD + 22.4 - 17.3 — 29. 9.

3.11.

19. 9.

45 e Grand Plan Névé VD + 17.2 - 27.8 — 29. 9.

3.11.

19. 9.

46 Martinets VD n n — n n n Nr.

a ) Gletscher Kt. b ) Längenänderun in Metern 1983/84 c ) g 1984/85 e ) Höhe m ü. M.

1985 à ) Messdatum Tag, Monat 1983 1984 1985 47« Sex Rouge VD - 2.5 - 0.8 25. 9.

12. 9.

7.10.

48« Prapio VD - 4.3 - 3.5 — 25. 9.

7.10.

9.11.

49« Pierredar VD sn + x2a — 15. 9.

17.10.

9. 9.

Einzugsgebiet der Aare ( la ) 50« Oberaar BE + 10.0 + 5.2 2302.2 15. 9.

17.10.

30. 8.

51« Unteraar BE - 17.9 - 17.2 1908.8 15. 9.

17.10.

30. 8.

52 Gauli BE 0 0 2150 "

30. 9.

16.10.

26. 9.

53 Stein BE + 20 + 2 1934 30. 9.

14.10.

28. 9.

54 Steinlimmi BE + 4.5 0 2092 30. 9.

14.10.

28. 9.

55« Trift ( Gadmen ) BE St St 167080 19. 9.

28. 8.

10. 9.

56« Rosenlaui BE + X + X 1860 ca.

23. 9.

17.10.

10. 9.

57« Oberer Grindelwald BE 0 + 25 1225 ca.

5.11.

31.10.

24.10.

58« Unterer Grindelwald BE — X + X 1090 ca.

15. 8.

20.10.

24.10.

59« Eiger BE + 6.3 + 1.7 2115 29. 9.

20. 9.

26. 9.

60« Tschingel BE + 5.6 + 4.6 2265 30. 9.

21. 9.

27. 9.

61« Gamchi BE + 6.5 + 2.4 1990 28. 9.

11.10.

14. 9.

109« Alpetli BE + 5.4 + 9.4 2250 15. 9.

16.10.

18. 9.

110 Lötschberg BE n n — n n n 62« Schwarz VS - 3.6 - 2.5 2215 6. 9.

1.10.

23. 9.

63« Lämmern VS + 3.9 - 0.6 2520 7. 9.

2.10.

24. 9.

64« Blümlisalp BE + 5 ca.

+ X 219780 18. 8.

17.10.

9. 9.

111« Ammerten BE - 0.5 - 1.4 2345 ca.

25. 9.

30. 9.

29. 9.

65 Rätzli BE - 3.5 - 0.8 2370 27. 9.

18.10.

21. 9.

112« Dungel BE + X + x1Ia 2465 n 1. 9.

9. 9.'113« Gelten BE sn + x11a 229569 n 1. 9.

9. 9.

Einzugsgebiet der Reuss ( Ib ) 66 e Tiefen I UR n - 4.02a 2490« 21. 9.

n 27. 9.

67« Sankt Anna UR n + 1.52a 2565'5 14. 9.

n 24. 9.

68« Kehlen UR + 18.4 + 5.0 2080 21. 9.

19.10.

12. 9.

69« Rotfirn ( Nord ) UR + 2.0 + 4.0 2031 20. 9.

19.10.

12. 9 70« Damma UR + 14.5 + 19.5 204464 21. 9.

18.10.

11. 9.

71e Wallenbur UR + 11.0 + 3.0 2234 22./27.9.

23.10.

2. 9.

72« Brunni UR sn - x6a 2335 ca.

27.10.

16.10.

13. 9.

73e Hüfi UR + 6.0 - 6.0 1640 23. 9.

18.10.

16.10.

74« Griess UR sn - 22.02a 2218 15. 9.

3.11.

12. 9.

75e Firnalpeli OW n + 43a 2160 n n 19. 9.

76« Griessen OW n - 3.52a — 29. 9.

n 1.10.

Einzugsgebiet der Linth/Limmat ( Ic ) 77« Biferten GL - 3.0 + 3.5 1891.6 5. 9.

22. 8.

29./30. 8.

78« Limmern GL + 6.7 + 0.8 — 25. 8.

27. 8.

11.10.

114« Plattalva GL + 2.3 - 2.1 — 27. 8.

29. 8.

11. 9.

79 Sulz GL + 13.1 - 6.6 1788 10.10.

25.10.

21.10.

80« Glärnisch GL n - 2.22a 2294 9. 9.

n 19. 9.

81« Pizol SG sn + 44.22a 2550 21. 9.

16.10.

24. 9.

Nr. a ) Gletscher Kt.

b ) Längenänderun in Metern 1983/84 e ) g 1984/85 e ) Höhe m ü. M.

1985 d ) Messdatum Tag, Monat 1983 1984 1985 Einzugsgebiet des Rheins ( Id ) 82 Lavaz GR sn - 33.22a 22. 9.

16.10.

10. 9.

83« Punteglias GR - 34 - 17 2350 30. 9.

13.10.

28. 9.

84« Lenta GR - 2.0 - 9.5 2300 29. 9.

22.10.

1.10.

85 Vorab GR sn - 10.62a — 8. 9.

16.10.

12. 9.

86« Paradies GR - 5.3 - 16.9 2398.6 7.10.

28. 9.

23. 9.

87« Suretta GR + 14.8 + 33.3 2185 14. 9.

13. 9.

10. 9.

115e Scaletta GR n - x6a — n n 20. 9.

88« Porchabella GR - 8.5 - 6.5 2636.5 20. 9.

17.10.

8.10.

89« Verstankla GR + 2 + 11.1 2390 28. 8.

29. 8.

3. 9.

90 e Suvretta GR + 2.9 + X 2429.283 14. 9.

16. 9.

13. 9.

91e Sardona SG sn + 4.82a 2500 20. 9.

26.10.

20. 9.

Einzugsgebiet des Inns ( V ) 92e Roseg GR - 4.9 - 9.9 2175 24.10.

29.10.

28. 9.

93« Tschierva GR + 11.0 4- 3.6 2140 24.10.

29.10.

28. 9.

94« Morteratsch GR - 4.6 + 8.4 2000 13.10.

5.10.

26. 9.

95 e Calderas GR - 3.6 - 7.1 2720 10.10.

30.10.

4.10.

96« Tiatscha GR - 8 + 14 2500 1.10.

14.10.

3.10.

97« Sesvenna GR - 1.9 - 0.9 2745 19. 8.

15. 9.

20. 9.

98« Lischana GR - 5.1 - 3.1 2800 7. 9.

1. 9.

21. 9.

Einzugsgebiet der Adda ( IV ) 99e Cambrena GR + X + 112a 2518 18. 9.

27.10.

6.10.

100« Palü GR + 32.03a + 6 2350 n 2.11.

3.10.

101« Paradisino ( Campo ) GR sn - 152a — 25. 9.

30. 9.

7. 9.

102« Forno GR - 13 - 16.2 2225 19.10.

10.10.

8.10.

116« Albigna GR n - x6a 2163 n n 11. 9.

Einzugsgebiet des Tessins ( IM ) 120« Corno TI n + 2.12a 2570 31. 8.

n 12. 9.

117« Valleggia TI n + 8.02a 2420 23. 8.

n 10. 9.

118e Val Torta TI n + 21.82a 2520 23. 8.

n 10. 9.

103« Bresciana TI n + 17.52a 2720 15. 9.

n 10. 9.

119e Cavagnoli TI - 9.5 - 1.0 2560 21. 9.

12. 9.

25. 9.

104e Basòdino TI + 2.7 + 2.8 2520 20. 9.

12. 9.

24. 9.

105« Rossboden VS + 8.3 + 9.0 1950 26. 9.

14.11.

16. 9.

Abkürzungen + im Vorstoss st stationär — im Rückzug Allgemeine Bemerkungen a In Tabelle 2 und in Abbildung 3 des vorliegenden Berichts sind die Gletscher mit ihrer Nummer aus dieser Tabelle bezeichnet.

b Liegt ein Gletscher auf Gebiet mehr als eines Kantons, ist der Kanton angegeben, in dem sich das beobachtete Zungenende befindet.

c Gilt die Angabe für ein mehrjähriges Intervall, ist die Anzahl der Jahre folgenderweise angezeigt: — 13.63a = Rückzug um 13.6 Meter in 3 Jahren.

d Ist die Höhenkote des Gletscherendes oder des Gletschertors nicht im Berichtsjahr bestimmt worden, ist das Jahr der Messung folgenderweise angegeben: 2220s0 = Meereshöhe 2220 Meter, gemessen im Jahre 1980.

e Eine Bemerkung mit der Nummer dieses Gletschers wird im vollständigen 106. Bericht der Gletscherkommission enthalten sein.

ca. ungefährer Wert x Betrag nicht bestimmt? unsicheres Ergebnis sn eingeschneit n nicht beobachtet 3er Stand am 12. Juli mit kompaktem Zungenende und fast restlos abgeschmolzenen Sturzkegeln bezeugt, dass auch im Frühsommer keine ungewöhnlichen Bewegungsvorgänge stattgefunden haben.

Anfangsphase der starken Rutschung 1985, die um Mitte August in Gang gekommen ist und am 17. September etwa das Ausmass des vorjährigen Endstandes erreicht hat.

Endphase der Rutschung 1985 mit deutlich vorgeschobenem Zungenende und stark angewachsenen Sturzkegeln vor der Abbruchfront, am 4. November.

chige, mehr oder weniger zu warme oder zu kalte Perioden ablösten. Sie endete mit drei fast dauernd zu kalten Wochen im Juni erst nach dem längsten Tag. Kennzeichnend für diese Epoche war ausserdem die sehr ungleichmässige Verteilung des Niederschlags auf die verschiedenen Landesteile. In allen sechs Monaten blieben einzelne Regionen zu trocken, während andere übermässig grosse Niederschlagsmengen empfingen. Der Januar war auf der Alpensüdseite vor allem im Bereich östlich des Tessintals sehr niederschlagsreich, in den östlichen Teilen der Alpen vom Unterengadin über Rheinbünden zum Alpennordhang dagegen etwas zu trocken. Im Februar erhielt das Alpengebiet im Westen mit den Freiburger, Waadtländer und Berner Alpen wie auch in den westlichen und nördlichen Teilen des Wallis einen grossen, das angrenzende Gebiet vom Genfersee über das westliche Mittelland zur Zentralschweiz einen mässigen Niederschlagsüberschuss, wogegen weite Teile der Nordwest-, Nord- und Ostschweiz einen mässigen, das Tessin und Südbünden einen grossen Niederschlagsmangel verzeichneten. Der März ergab auf der Alpensüdseite übermässig grosse, im Genferseegebiet und unteren Rhonetal ziemlich grosse, in den Alpen und auf der Alpennordseite jedoch meistenorts ausgesprochen kleine, im östlichen Mittelland, im Unterengadin und im mittleren Rhonetal sogar sehr kleine Niederschlagsmengen. In diesen drei Monaten fielen bei einzelnen Niederschlagsereignissen in verschiedenen Gebieten am Rand oder ausserhalb der Alpen innert kurzer Zeit ausserordentlich grosse Niederschlagsmengen, beispielsweise am 15./16. Januar im Mittel- und Südtessin ( mit 97 cm Neuschnee in der Magadinoebene ), am 16./17. Februar im Genferseegebiet ( 62 cm Schnee in Aigle ) oder am 18./19. März in den Niederungen der Ostschweiz ( 31 cm Neuschnee in St. Gallen ). Im Alpengebiet dagegen blieben die Schneehöhen vielerorts während des ganzen Winters unter dem Normalwert. Im April, der in den östlichen Landesteilen und im Jura sehr nass, im Tessin und Oberwallis jedoch ziemlich trocken war, kam mit der allgemeinen, durch sommerlich warme Temperaturen in der ersten und dritten Woche verstärkten Erwärmung die Schneeschmelze kräftig in Gang. Am Monatsende lag die Schneegrenze in den meisten Regionen über 1500 Metern, im Wallis und im Unterengadin gebietsweise bereits über 1800 Metern Meereshöhe. In der mehrheitlich zu kalten ersten Maihälfte jedoch fiel mehrmals Schnee im ganzen Alpengebiet und teilweise auch in den Niederungen. Nach den mancherorts ausserordentlich grossen Schneefällen der zweiten Woche ergaben sich teilweise überdurchschnittliche Schneehöhen und - abgesehen von einigen leicht zu trockenen Gebieten in Rheinbünden, im St. Galler Rheintal und im oberen Toggenburg - durchwegs auch überdurchschnittliche Monatsmengen des Niederschlags. Bei deutlich höheren Werten in den westlichen Landesteilen ( bis 200 Prozent des Normalwerts ) und vor allem im Wallis ( bis 400 Prozent ), wo an einigen Stationen im oberen Kantonsteil neue Höchstwerte des Mainiederschlags gemessen wurden, ergab sich ein stark ausgeprägtes Niederschlagsgefälle von Südwesten nach Nordosten. In der wärmeren zweiten Monatshälfte ging die Schneeschmelze im ganzen Alpengebiet bis in den Bereich der Waldgrenze rasch vonstatten. Am Ende der ersten Juniwoche wurde sie durch einen markanten Kälteeinbruch unterbrochen und während der anschliessenden drei Wochen mit häufigen Niederschlägen bei fast dauernd zu tiefen Temperaturen nahezu stillgelegt. Auch dieser Monat brachte den einzelnen Regionen ungleich grosse Niederschlagsmengen: sehr grosse ( bis 250 Prozent der Norm ) dem Wallis, grosse den Freiburger und Waadtländer Alpen mit dem Genferseegebiet, ausgesprochen kleine dem Tessin, dem Bündner Oberland, dem Gotthardgebiet, dem zentralen und östlichen Mittelland sowie den östlichen Ketten und dem Nordfuss des Juras. Bei vorwiegend noch winterlichen Verhältnissen im Hochgebirge floss aus den Gletschergebieten ausserordentlich wenig Schmelzwasser ab. Demzufolge gehörte der Juni, mit dem normalerweise die sommerliche Schmelzperiode der Gletscher beginnt, im Berichtsjahr zur winterlichen Zuwachsperiode. Die Gletscherzungen aperten grösstenteils wie die höheren Lagen der unvergletscherten Gebiete erst im Laufe des Hochsommers aus. Mit den sehr weit gestreuten Zeitpunkten des Einschneiens und des Ausaperns der Schneemessstationen ergaben sich von Region zu Region und je nach Höhenlage extrem grosse Unterschiede in der Dauer der permanenten Schneedecke des Winters 1984/85. Gemäss den Angaben der Tabelle 4 war der Boden z.B. in Poschiavo während lediglich drei Wochen, auf dem Säntis dagegen während gut elf Monaten dauernd mit Schnee bedeckt. Weitere Angaben über die Schneedecke wie auch über die Lawinen des Berichtswinters sind in einem besonderen Abschnitt am Schluss dieses Kapitels enthalten.

Im Gegensatz zur wechselhaften Witterung der ersten Jahreshälfte folgte im zweiten Halbjahr 1985 vorwiegend warmes und mehrheitlich auch trockenes Wetter, das im ganzen Land mit wenigen kurzen Unterbrüchen im Sommer und mit einem längeren Unterbruch im November bis gegen das Jahresende anhielt. Der Juli war überall sehr warm und allgemein ziemlich, gebietsweise sogar sehr arm an Niederschlag ausser in einigen Gebieten Graubündens und des nördlichen Tessins, wo ergiebige Gewitterregen kurz vor Monatsende den Niederschlagsmangel ausglichen. Ebenfalls im August war es gesamthaft überall etwas wärmer, im Wallis und in den meisten Gebieten nördlich der Alpen zudem trockener als in normalen Jahren. In zwei Schüben brach kalte Polarluft ein, die vom 6. bis B. und vom 25. bis 28. im ganzen Land eine starke Abkühlung bewirkte und ergiebige Niederschläge mit Schneefall bis unter die Waldgrenze auslöste. Im Mischbereich der kühlen Luftmassen mit milder Meeresluft aus dem Mittelmeerraum fielen am 5., 6. und 25. ausserordentlich starke Niederschläge, die den betroffenen Gebieten Rheinbünden und Unterengadin mancherorts Tageswerte über 100 Liter pro Quadratmeter und Monatssummen bis zu 200 Prozent des Normalwerts eintrugen. Im September ergaben sommerliche, in der zweiten Monatshälfte zeitweise nahezu hochsommerliche Temperaturen einen durchschnittlichen Wärmeüberschuss von 2-3 Grad in den Niederungen, von 3-4 Grad in den Alpen und in den höheren Lagen des Juras. Vom 17. bis zum Monatsende blieb die ganze Schweiz praktisch niederschlagsfrei. Dies führte zu einem ausgeprägten, in den zentralen und östlichen Voralpen mässig grossen, überall sonst sehr grossen, in Genf sogar extrem grossen Niederschlagsmangel. Im Oktober, der bis zur Monatsmitte überdurchschnittlich warm und während des ganzen Monats sehr niederschlagsarm war, verbreitete sich überall extreme Trockenheit. An den meisten Orten blieb der Oktoberniederschlag unter 15 Pro- zent, in der Westschweiz, im Nordtessin und im Gotthardgebiet sogar unter 5 Prozent der Norm. In den zeitweise nebelbedeckten, in der zweiten Monatshälfte von einer mässig starken Bise gekühlten zentralen und östlichen Teilen des Mittellandes war der Wärmeüberschuss gering, in den Berggebieten war er mit 3-4 Grad ebensogross wie im September. Die Bergstationen Säntis und Jungfraujoch registrierten an 28 Tagen überdurchschnittliche Tagesmittel der Lufttemperatur. Die Abschmelzung an den Gletschern blieb in der ersten Monatshälfte in ungewöhnlich hohem Masse wirksam. In der zweiten Monatshälfte ging sie infolge zunehmender nächtlicher Auskühlung der Eisoberfläche bei andauernd schönem Strahlungswetter auch an sonnigen Lagen wie z.B. im Aletschgebiet rasch zurück und kam an absonnigen Lagen wie z.B. im Aeginagebiet mit dem Griesgletscher praktisch zum Stillstand, bevor die Kälte- und Niederschlagsperioden des Novembers den Winter und damit das Haushaltsjahr 1985/86 einleiteten. Mit den über die ganze Schweiz verbreiteten Niederschlägen am Monatsanfang erhielten die Hochalpen den ersten Schnee. Nach weiteren, von markanten Temperaturschwankungen begleiteten Niederschlägen fiel am 13. auf der Alpennordseite Schnee bis in die Niederungen, der mancherorts als geschlossene Schneedecke bis anfangs Dezember erhalten blieb. Im ausserordentlich sonnigen, in den mittleren und höheren Lagen des Juras und der Alpen auch sehr milden, mit Ausnahme der westlichen Voralpen und des Alpensüdfusses zudem sehr trockenen Dezember schmolz diese erste Schneedecke ausserhalb der Gletscher grossenteils wieder ab. Auf den Gletschern blieb sie mehrheitlich bis zu den neuen Schneefällen am Jahresende erhalten.

Als wichtige massgebende Grossen für den Gletscherhaushalt im hydrologischen Jahr 1984/85 sind in Abbildung 2 die Niederschlagssummen vom 1. Oktober 1984 bis zum 30. September 1985 und die durchschnittliche Lufttemperatur vom 1. Mai bis 30. September 1985 zusammenfassend dargestellt durch die regionale Verteilung ihrer Abweichungen vom Normalwert. Die Darstellung stützt sich auf die Angaben der SMA für die ausgewählten, als Punkte eingezeichneten 109 Stationen des Niederschlagsmessnetzes ( Abbildung 2a ) und 55 Stationen des automatischen Messnetzes ( Abbildung 2b ). Die Werte des Berichtsjahres sind wie in den Vorjahren nach statistischen Regeln klassiert in normale, stark oder sehr stark vom Vergleichswert abweichende Werte. Normale Werte treten mit geringer positiver oder negativer Abweichung vom Vergleichswert durchschnittlich je einmal in vier Jahren auf. Sie sind der Klasse zugeordnet und finden sich in den entsprechend bezeichneten Feldern der Abbildung. Die stark abweichenden Werte der Klassen1 > und kommen im Durchschnitt einmal in vier bis zwölf Jahren vor, die sehr stark abweichenden Werte der Klassen2> und seltener als einmal in zwölf Jahren. Abbildung 2a zeigt für Blick von Cacciabella auf das Zungenende des Albignagletschers mit Kalbungsfront am gefüllten Stausee, am 13. Oktober 1985.

den grossten Teil des Landes normale Jahresniederschlagsmengen an. Viel Niederschlag erhielt auf der Alpennordseite eine ausgedehnte Zone im Westen mit Gletschergebieten in den Berner, Waadtländer und westlichen Walliser Alpen, auf der Alpensüdseite eine etwas kleinere Zone im Osten, die neben Misox, Bergell und Münstertal auch die angrenzenden Gletschergebiete der Adula und des Oberengadins umfasst. Wenig bis sehr wenig Niederschlag erhielten im Alpengebiet vor allem die Föhntäler der Zentral- und Ostschweiz mit den Gletschergebieten der Urner und Glarner Alpen. Abbildung 2b lässt drei Zonen mit normalen Sommertemperaturen erkennen, die wie die niederschlagsreichen Gebiete der Abbildung 2a auf einer West-Ost-Transversalen liegen, welche die Alpen in der Abbildung 1 Witterung 1984/85 an einigen automatischen Stationen der SMA ( ANETZ ) a ) Zürich SMA 556 m ü. M.

Lufttemperatur Tagesmittel °C - 25 angepasster Mittelwert 1901/60 — 15 Niederschlag Tagesmenge mm südlichen Landeshälfte überquert. Sie umfassen im Westen Teile des Genferseegebiets mit den Waadtländer und westlichen Walliser Alpen, in der Mitte im wesentlichen das Oberwallis mit den angrenzenden Gletschergebieten des Nordtessins und des Gotthardgebiets, im Osten das Oberengadin samt dem Albulagebiet und den ostwärts anschliessenden äussersten Landesteilen. Die Stationen der übrigen Regionen verzeichneten einen ausgesprochen warmen, teilweise sogar einen sehr warmen Sommer. Zu den letzteren gehören nebst Neuenburg und einigen Talstationen in der Ostschweiz die Bergstationen Napf, Säntis, Gütsch, Grosser St. Bernhard und Corvatsch.

Den folgenden Bericht über

( Der Winter 1984/85 begann am zentralen und östlichen Alpennordhang sehr früh, nämlich bereits in der ersten Dekade des Septembers. Für Weissfluhjoch, wo am 6. September 1984 rund 50 Zentimeter Schnee auf dem Versuchsfeld lagen, war dies das früheste Datum des Einschneiens seit Beginn der Messungen im Herbst 1936. In den tieferen Lagen, die wieder ausaperten, und in den übrigen Gebieten, die erst Ende November oder im Laufe des Dezembers nennenswerte Schneefälle erhielten, begann der Winter wesentlich später.

Der Aufbau der Schneedecke in den Alpen ging allgemein sehr langsam vor sich. Mitte b ) Locarno Monti 366 m ü.M. Lufttemperatur Tagesmittel °C angepasster Mittelwert 1901/60 I I I! I I I I I I Niederschlag Tagesmenge mm 150 -100 50 Sept. | Okt.

A

Nov.

Dez.

Jan.

Feb. März Januar waren die Schneehöhen in allen Regionen und Höhenlagen wesentlich geringer als im Durchschnitt, aber auch in den folgenden Monaten wurden die mittleren Schneehöhen der früheren Jahre nur in einzelnen Fällen überschritten. Auf vielen Stationen blieben sie während des ganzen Winters sogar deutlich unter dem Durchschnitt. Am Alpensüdhang wurde die Schneedecke im wesentlichen durch zwei ergiebige Schneefälle aufgebaut, f r April Mai Juni Juli Aug.

Sept.

i ì i I i Okt.

in den nördlichen Gebieten hingegen in zahlreichen, meistens jedoch kleineren Schüben. Erwähnenswert sind zwei Schneefälle, die allerdings nur den Rand der Alpen betrafen: Mitte Januar fielen auf den tiefergelegenen Stationen der Tessiner Alpen und vor allem im Südtessin aussergewöhnlich grosse Schnee- c ) Jungfraujoch 3580 m ü.M. Lufttemperatur Tagesmittel °C angepasster Mittelwert 1938/60 d ) Payerne 490 m ü.M.

Höhe der Nullgradisotherme um 13 Uhr 1000 mengen ( z.B. 126 cm innert vier Tagen in Bellinzona, 230 m ü. M. ). Vom 16. auf den 17. Februar schneite es im Genferseegebiet besonders ausgiebig ( z.B. 62 cm in Aigle, 420 m ü. M. ). In beiden Regionen wurde anlässlich des erwähnten Schneefalls jeweils die grösste Schneehöhe seit der Jahrhundertwende gemessen. Im Vergleich mit früheren Jahren ist festzustellen, dass im Berichtswinter nicht nur m ü. M.

die maximalen, sondern auch die mittleren Schneehöhen und ebenso der Wasserwert der Schneedecke erheblich unter dem Durchschnitt blieben. In der rund 40 Jahre umfassenden Beobachtungsreihe über die Schneedecke in den Schweizer Alpen ist der Berichtswinter je nach Region unter die acht bis zwölf schneeärmsten Winter einzureihen. Bei verhältnismässig geringen regionalen Unterschieden war der Schneemangel auf der Alpensüdseite am wenigsten, am östlichen Alpennordhang und im nordöstlichen Teil Graubündens am deutlichsten ausgeprägt.

Säntis 2490 m ü.M. Niederschlag Tagesmenge mm f ) Sitten 482 m ü.M.

Niederschlag Tagesmenge mm 50 Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

Jan.

Feb.

März Weil die Schneedecke besonders am Anfang des Winters geringe Mächtigkeit aufwies und zudem vor Mitte Januar tiefen Temperaturen ausgesetzt war, wurde sie vielerorts durchgehend umgewandelt in die grobkörnigen, kohäsionsarmen Kristallformen des Schwimmschnees. So entstand ein schwaches, wenig tragfähiges Fundament der Schneedecke, weshalb die späteren Schneefälle des Winters immer wieder Situationen mit erheblicher Lawinengefahr herbeiführten. Infolge der ungünstig aufgebauten Schneedecke traf der Skifahrer praktisch überall und dauernd auf drohende Lawinengefahr. In mehreren Fällen wirkte sich diese kritische Lage auch für Benutzer von Verkehrswegen verhängnisvoll aus.

Da im Alpengebiet kaum Grossschneefälle auftraten, waren die durch Lawinen entstandenen Sachschäden im Winter 1984/85 wesentlich geringer als im Jahr zuvor. Hingegen wurden ausserordentlich viele Personen betroffen: in den 54 bekannten Fällen wurden insgesamt 143 Personen von Lawinen erfasst. Dabei fanden 55 den Tod, 31 erlitten Verlet- April Mai Juni Uli Äug.

Sept.

Okt.

zungen. In dieser Hinsicht war der Winter 1984/85 einer der schwersten Lawinenwinter in den Schweizer Alpen. Nur in drei Wintern der letzten 45 Jahre war die Zahl der Lawinenopfer noch grösser: 1950/51 mit 98, 1941/42 und 1969/70 mit je 56 durch Lawinen verursachten Todesfällen. In allen drei Wintern waren - im Gegensatz zum Berichtsjahr-jeweils zahlreiche Personen in Gebäuden verschüttet worden. Von den 55 Personen, die in den Lawinen des Winters 1984/85 tödlich verunglückten, waren 14 auf Verkehrswegen oder bei der Arbeit, 41 auf Ski- oder Bergtouren ( 26 ), beim Variantenskifahren ( 14 ) oder in einem Pistenfahrzeug erfasst worden. Fünf vollständig verschüttete Personen konnten lebend geborgen werden, nachdem sie in 4 Fällen von den Kameraden mit Hilfe des Suchgeräts, in 1 Fall auf Anzeige eines Lawinenhundes aufgefunden worden waren. ) Gletscherchronik a ) Tätigkeit und besondere Ereignisse Im Herbst 1985 sind zum 106. Male in ununterbrochener Folge Erhebungen über die jährlichen Veränderungen der Gletscher in den Schweizer Alpen durchgeführt worden. Diese systematischen Untersuchungen, von F.A. Forel im Jahre 1880 im Zusammenhang mit einem Gutachten über die Ursachen des Scha-denhochwassers im Genferseegebiet begonnen, hat die Gletscherkommission der SNG bei ihrer Gründung im Jahre 1893 als eine ihrer Hauptaufgaben übernommen und führt sie seither im Sinne einer Landesaufnahme durch an einem Beobachtungsnetz, das derzeit 120 Gletscher umfasst. Deren Längenänderung wird durch die periodische, nach Möglichkeit jährlich wiederholte Vermessung des Gletscherendes bestimmt. In einigen Fällen wird sie photogrammetrisch oder durch visuellen Vergleich anhand der Photodokumente ermittelt, die teils jährlich, teils in mehrjährigen Intervallen am Boden oder aus der Luft aufgenommen werden. Die starke Ausaperung der Gletscher und lange Schönwetterperioden boten im Herbst 1985 durchwegs und für alle angewandten Verfahren ausnehmend gute Verhältnisse für die Durchführung der Aufnahmen, die bei allen Gletschern turnusgemäss wiederholt worden sind. Somit sind im Laufe der Messkampagne 1985 von den 120 Netzgletschern insgesamt 117 erfasst worden, indem 106 im Gelände vermessen oder beobachtet und 64 in Luftbildern aufgenommen wurden. Für alle beobachteten Gletscher ist die Längenänderung seit der letzten, zum Teil vor zwei oder mehr Jahren durchgeführten Beobachtung bekannt. Sie ist durch Messungen oder Beobachtungen im Gelände in 100 Fällen quantitativ, in 2 Fällen qualitativ und durch Fernerkundung mittels Luftbildern in 5 Fällen quantitativ, in 10 Fällen qualitativ bestimmt worden.

Mit 117 zählbaren Einzelergebnissen hat das 106. Berichtsjahr eines der besten Gesamter-gebnisse der Beobachtungsreihe erbracht. Die Gletscherkommission verdankt diesen erfreulichen Erfolg der beständigen und zuverlässigen Unterstützung durch zahlreiche Beobachter, die als Mitarbeiter der nachstehend genannten Institutionen oder in direkter persönlicher Zusammenarbeit mit der Kommission ihren regelmässigen Beitrag leisten. Angaben über die Längenänderung der Gletscherzungen lieferten im Berichtsjahr in 74 Fällen die Mitarbeiter der kantonalen Forstdienste ( Wallis 24, Waadt 4, Bern 10, Uri 8, Obwalden 2, Glarus 1, St. Gallen 2, Graubünden 17 und Tes- sin 6 ), in 14 Fällen die privaten Mitarbeiter der GK/SNG ( P. Mercier 4, L. Blanc 3, W. Wild und A. Godenzi je 2, H. Boss sen., H. Boss jun. und E. Hodel je 1 ), in 4 Fällen die Mitarbeiter oder Beauftragten von Kraftwerken ( Mauvoisin und Oberhasli je 2 ), in 23 Fällen die Mitarbeiter der Abteilung für Glaziologie der VAW ( aufgrund von Messungen im Gelände 10, von Luftbildauswertungen 13 ) und in den restlichen 2 Fällen Mitarbeiter anderer Institute der ETH Zürich ( Abteilung für Hydrologie des Geographischen Instituts und Institut für Kristallographie und Pétrographie je 1 ). Ausserdem hat uns Y. Biner, Zermatt, die Ergebnisse seiner eigenen Messungen am Gornergletscher, die er seit 1982 aus persönlichem Interesse in eigener Regie vornimmt, freundlicherweise zur Ergänzung unserer Messreihe bekanntgegeben. Bei 5 Gletschern sind uns die Ergebnisse der photogrammetrischen Auswertungen zur Verfügung gestellt worden: wie bisher sind die Aaregletscher ( für die Kraftwerke Oberhasli durch das Vermessungsbüro A. Flotron, Meiringen ), der Giétrogletscher ( für die Kraftwerke Mauvoisin durch das Vermessungsbüro H. Leupin, Bern ) und der Allalin-, neuerdings auch der Findelengletscher ( für die VAW durch deren Mitarbeiter W. Schmid am Autographen des Geodätischen Instituts der ETH Zürich ) luftphotogrammetrisch vermessen worden. Durch die Vermessungsflüge des Bundesamtes für Landestopographie ( L + T ) und der Eidgenössischen Vermessungsdirektion ( v+D ) sind insgesamt 85 Gletscher erfasst worden. Die Luftbilder, die von 42 Gletschern in jährlicher Wiederholung aufgenommen wurden, dienen in erster Linie den laufenden Erhebungen über die Veränderung gefährlicher Gletscher ( 25 ) und ausgewählter Gletscher im Beobachtungsnetz der GK/SNG ( 12 ) oder den Untersuchungen der VAW im Auftrag von Kraftwerken ( 5 ). Die Vermessungsflüge über den Aaregletschern im Auftrag der Kraftwerke Oberhasli, die ebenfalls jährlich wiederholt werden, sind dabei nicht mitgezählt. Die 43 Gletscher, die auf den übrigen, in mehrjährigem Turnus wiederholten Flügen aufgenommen wurden, gehören zum Beobachtungsnetz der GK/SNG ( 39 ) oder werden von der VAW im Rahmen ihrer Forschungsprojekte untersucht ( 4 ).

Im Berichtsjahr sind folgende Beobachterwechsel zu vermelden: Mitten in seiner Amtstätigkeit als Kreisförster ist in Zweisimmen K. Steiner verstorben, der die Zungenmessungen am Rätzligletscher seit 1965 geleitet hat. Die Nachfolge im Amt hat Forstingenieur Abbildung 2 Abweichungen der Jahresniederschläge 1984/85 und der Sommertemperaturen 1985 vom Zentralwert der Bezugsperiode 1901-60 a ) Jahresniederschläge Summe der Niederschläge vom I. Oktober 1984 bis 30. September 1985 Wertung der Klassen:

Klasse Jahresniederschlag + 2sehr gross + 1gross 0normal -1klein -2sehr klein Chr. von Grünigen angetreten. Nach 38 Dienstjahren an den Abteilungen für Hydrologie und Glaziologie der VAW ist H. Siegenthaler in den Ruhestand getreten. Er hat im Rahmen seines umfangreichen Pflichtenhefts als Sachbearbeiter im wesentlichen die Messnetze der VAW zur Bestimmung des Wasserwerts der Winterschneedecke in den Schweizer Alpen und zur Bestimmung des Saison- und Jahresniederschlags in verschiedenen Einzugsgebieten betreut, die glaziologischen und hydrologischen Untersuchungen der VAW an den Gletschern Gries ( Aegina ), Limmem, Plattalva und Suvretta während ihrer ganzen bisherigen Dauer durchgeführt und an zahlreichen weiteren Auftrags- und Forschungsprojekten beider Abteilungen mitgewirkt. Dabei hat er insbesondere für die Erfassung der jährlichen Gletscherveränderungen zahllose zuverlässige Datengrundlagen beschafft, die teilweise zum wesentlichen Bestand der Gletscherberichte geworden sind wie beispielsweise die Angaben über den Massenhaushalt. Besonders zu erwähnen sind auch die von ihm redigierten b ) Sommertemperaturen Durchschnittliche Lufttemperatur vom I. Mai bis 30. September 1985 Wertung der Klassen:

Klasse Sommertemperatur + 2sehr warm + 1warm 0normal -1kalt -2sehr kalt glaziologischen Spezialkarten der vorgängig erwähnten Gletscher. Die Gletscherkommission ist ihm und allen anderen namentlich erwähnten oder ungenannten Mitarbeitern und Institutionen zu grossem Dank verpflichtet für die regelmässige und beständige Unterstützung der Gletscherbeobachtungen.

Seit einigen Jahren betreibt die Gruppe Gletschermechanik der VAW eingehende Untersuchungen über die Bewegung des Findelengletschers, von denen in den Gletscherchroniken der vorangehenden Jahre verschiedentlich berichtet worden ist. Im Frühjahr 1985 sind erneut Bohrungen im Zungenbereich bis auf das Gletscherbett abgetieft worden, um die kurzfristigen Schwankungen in der Fliessgeschwindigkeit des Eises an der Gletscheroberfläche im Zusammenhang mit den Schwankungen des Wasserdrucks an der Gletschersohle zu erfassen. Zusätzlich zu den Geschwindigkeits- und Druckmessungen ist in mehreren Bohrlöchern die Neigungsänderung in verschiedenen Tiefen und damit die Verformung des Bohrlochs im Laufe der Zeit genau bestimmt worden, um Aufschluss zu erhalten über die Deformationseigenschaften des Eises 212Abbildung 3 Die Gletscher der Schweizer Alpen Lageänderung der Zungenenden 1985 Legende:

Vorstoss © stationär und den verhältnismässigen Anteil des Fliessens oder des Gleitens an der Gletscherbewegung. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass der Gletscher im untersuchten Gebiet mit einer Eisdicke um rund 165 Meter sich hauptsächlich ( zu rund 80 Prozent ) durch Gleiten an der Sohle fortbewegt, während die Verformung des Eiskörpers nur etwa 20 Prozent zur Oberflächengeschwindigkeit beiträgt.

Kurzfristige starke Beschleunigungen der Gletscherbewegung treten bei steilen Gletscherzungen oft im Spätsommer oder Herbst in Verbindung mit Rutschungserscheinungen auf, die wir in verschiedenen früheren Gletscherberichten in Wort und Bild beschrieben haben, beispielsweise jene des Balmhornglet- e Rückzug ® nicht beobachtet schers im Sommer 1983 ( siehe 104. Bericht ). Die folgenden Angaben verdanken wir J. Alean, Bülach, und W. Schmid, W. Im Sommer 1985 haben sich an diesem Gletscher - nach einem relativ ruhigen Zwischenjahr -vom August bis Oktober ähnliche Vorgänge abgespielt, wobei in der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober eine grosse Eislawine ( schätzungsweise 0,5 bis 0,8 Millionen Kubikmeter Eis ) über die Alpterrassen von Wildeisigen hinaus bis auf den Grund des Gasterntais abgestürzt ist. Auch am Allalingletscher, dessen Zunge seit dem Gletschersturz von 1965 in den meisten Jahren solche Rutschungen aufwies, hat im Sommer und Herbst nach einem ruhigen Zwischenjahr eine neue Rutschungsphase stattgefunden, die durch tägliche Aufnahmen mit einer automatischen Kamera vom Anfang bis zum Ende erfasst worden ist ( vergleiche Bilder S. 198-199 ).

Abbildung 4 Lageänderung der Gletscherenden in den Schweizer Alpen 1890/91-1984/85 Anzahl Gletscher im Vorstoss und im Rückzug in Prozent der Gesamtzahl der beobachteten Gletscher b ) Massenänderung einiger Gletscher In Tabelle 3 sind die Massenänderungen einiger Gletscher während der letzten drei Jahre angegeben. Sie sind durch die VAW für die Gletscher des Aletschgebiets gesamthaft aus dem Wasserhaushalt des Einzugsgebiets der Massa berechnet, für die übrigen Gletscher in den Vorjahren aus glaziologischen Messungen direkt bestimmt, im Berichtsjahr gemäss den Angaben in den Fussnoten der Tabelle teils aufgrund der Messungen am Pegelnetz, teils durch Fernerkundung mittels Luftbildern und mit Hilfe statistischer Beziehungen als vorläufige Werte berechnet worden. Die gesamte Massenänderung gibt die Vermehrung oder Verminderung der Eismenge während der Messperiode als Nettowert an. Die spezifische Änderung entspricht der Dicke der zugefügten oder abgetragenen Schicht, die sich aus der gesamten, als Wasser gleichmässig über den ganzen Gletscher verteilten Massenänderungen ergäbe. Als spezifische Werte sind die Massenhaushaltszahlen der verschiedenen Gletscher direkt vergleichbar, sofern die Messperioden annähernd übereinstimmen.

Der Massenhaushalt der Gletscher spielt sich - wie auch der Wasserhaushalt vergletscherter Einzugsgebiete - in den Alpen in der Regel in einem klimabedingten zweiphasigen Jahreszyklus ab. Der Zuwachs während der winterlichen Akkumulationsphase wird durch den Schwund während der sommerlichen Abla-tionsphase mehr oder weniger ausgeglichen, in Schwundjahren überwogen. Im langjährigen Durchschnitt stimmt der naturgegebene Jahreszyklus in den Gletschergebieten der Schweizer Alpen mit dem kalendermässig festgelegten hydrologischen Jahr vom 1. Oktober bis 30. September ziemlich gut überein.

Im Haushaltsjahr 1984/85 hat sich der klimabedingte Jahreszyklus - in ausgleichendem Gegensatz zum Vorjahr - über eine extrem lange Zeitspanne von rund 420 Tagen hingezogen. Die Akkumulationsperiode begann allgemein bereits mit den Schneefällen vom 5./6. September und dauerte etwa 42 statt der durchschnittlichen 36 Wochen. Die Ablationsperiode begann um den 26. Juni, zwei bis drei Wochen nach dem Normaltermin, und endete nach einer Dauer von rund 125 statt 115 Tagen erst anfangs November. Der ungewöhnliche Zuwachs im September 1984 und der überdurchschnittliche Schwund im Oktober 1985 dürften sich weitgehend ausgeglichen haben. Aufgrund der Niederschlags- und Temperaturverhältnisse, die in Abbildung 2 für das hydrologische Jahr dargestellt sind, ist bei vorwiegend normalen Niederschlagsmengen und überdurchschnittlich starker Abschmelzung mehrheitlich mit einer mässigen Verminderung, in den niederschlagsreichen Gebieten bei normaler Abschmelzung mit einer mässigen Vermehrung der Gletschermasse zu rechnen. Die Zahlen der Tabelle passen nur zum Teil in dieses schematische Bild. Zum andern Teil sind sie für abweichende Haushaltsperioden bestimmt worden, was bei den besonderen Verhältnissen am Anfang und am Ende des klimabedingten Haushaltszyklus für das Bilanzergebnis von merklicher Bedeutung war. Im Talbereich der Aaregletscher, der wie jedes Jahr im Auftrag der Kraftwerke Oberhasli durch das Vermessungsbüro Flotron luftphotogrammetrisch vermessen worden ist, hat das Eisvolumen um rund 7 Millionen Kubikmeter abgenommen. Diese Abnahme entspricht einer mittleren Absenkung der Gletscheroberfläche um 0,6 Meter. In den einzelnen Querprofilen sind durchschnittliche Höhenänderungen zwischen -2,0 Metern im Zungenbereich des Unteraargletschers und +1,9 Metern im obersten Querprofil am Finsteraargletscher ( 2658 m ü. M. ) ermittelt worden. Im vermessenen Bereich der Aaregletscher halten sich Zuwachs und Schwund der Jahre 1977-1985 die Waage. Im Berichtsjahr dürfte die Gesamtbilanz der Aaregletscher einschliesslich der nicht vermessenen Firngebiete ebenfalls nahezu ausgeglichen gewesen sein.

c ) Lageänderung der Gletscherenden Die Ergebnisse der Beobachtungen am Messnetz der Gletscherkommission sind in Tabelle 2 für die letzten drei Jahre zusammengefasst, in Tabelle 5 für die letzten zwei Jahre und in Abbildung 3 für das Berichtsjahr ausführlich dargestellt. Abbildung 4 gibt eine Übersicht über die Hauptergebnisse der 95 Jahre umfassenden Messperiode seit 1890. Im Berichtsjahr haben sich - wie erwartet -mit der Zunahme der zählbaren Ergebnisse ( von 85 auf 117 ) die Zahlen der vorstossenden ( um 4 auf 57 ), der stationären ( um 4 auf 9 ) und der schwindenden Gletscher ( um 24 auf 51 ) ungleichmässig erhöht. Die stärkere Zunahme der schwindenden Gletscher ist wie die entsprechend stärkere Verminderung dieser Gruppe im Vorjahr in erster Linie dadurch bedingt, dass bei den ungünstigen Schneeverhältnissen im Herbst 1984 der Gletscherrand schwieriger zu orten war als bei den vorstossenden. Die Schwankung der Prozentzahlen der letzten Jahre ist also weitgehend durch den Zufall der Auswahl bestimmt. Lässt man die Ergebnisse des Vorjahres ausser Betracht, ist deutlicher zu erkennen, dass sich die generelle Tendenz in den letzten Jahren nur wenig und eher im Sinne vermehrten Wachstums verändert hat, indem sich im Vergleich mit den schwindenden die schwache Minderheit der wachsenden Gletscher in eine schwache Mehrheit gewandelt hat.

Bei den Ergebnissen der einzelnen Gletscher in Tabelle 5 ist festzustellen, dass von den grossen und flachen Gletschern, die im Vorjahr vorzustossen begonnen haben, Ried und Zinal weiter vorgerückt, der Fiescher dagegen erneut zurückgeschmolzen ist. Erstmals auf der ganzen Breite vorgestossen ist als grösster Gletscher der Bündner Alpen auch der Morteratsch. In andern Fällen scheint eine mehrjährige Wachstumsphase bereits durch eine Schwundphase abgelöst worden zu sein, beispielsweise bei Turtmann, Brunegg und Giétro. Der beträchtliche Längenzuwachs ist beim Allalin vorwiegend durch eine Zungenrutschung zustande gekommen, während die Nordzunge des Feegletschers in den letzten fünf Jahren regelmässig um Beträge zwischen 40 und 65 Metern vorgerückt ist.

Im Rückblick auf die Entwicklung der klimatischen Gegebenheiten und ihre Auswirkungen auf den Massenhaushalt, die Fliessgeschwindigkeit und das Längenwachstum der Gletscher während der letzten zehn Jahre ist unverkennbar, dass der jüngste Gletschervorstoss in den Schweizer Alpen seinen Höhepunkt zu Beginn dieses Jahrzehnts erreicht hat und sich derzeit bereits in seiner Endphase befindet.

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