Die Gletscher der Schweizer Alpen im Jahr 1996/97.

ca. xh zum mittleren Meeresspiegelanstieg in den letzten 100 Jahren beigetragen haben. In Jahren mit ungewöhnlich grossen Massenverlusten haben die Gebirgsgletscher allein mit ca. 0,9 mm pro Jahr sogar rund die Hälfte zum gesamten mittleren Anstieg beigetragen. Seit Mitte der 80er Jahre und beschleunigt seit Ende der 80er Jahre hat sich der Beitrag des Massenverlustes der Gletscher nochmals erhöht. Vor allem die grossen Gebirgsgletscher in Gebieten wie Alaska oder Patagonien sind hinsichtlich der Meeresspiegelveränderung von grosser Bedeutung. Hingegen würde der komplette Schwund aller Alpengletscher mit einem geschätzten Volumen von ca. 130 km1970er Jahre ) nur einen Meeresspiegelanstieg von ca. 0,35 mm bewirken ( Haeberli und Hoelzle 1995 ), was zeigt, dass die Alpengletscher in diesem Zusammenhang kaum eine Rolle spielen. Trotzdem sind die Eisreserven der Gletscher auch in kleineren Gebirgsregionen von grosser Bedeutung, da sie wichtige Süsswasser-speicher sind und den Wasserkreislauf wesentlich beeinflussen. In ariden Gebieten sind sie oft die einzigen Wasserlieferanten.

Im Gegensatz zu den Gebirgsgletschern sind natürlich die mächtigen Eisschilde in Grönland und der Antarktis für den Meeresspiegel von grosser Bedeutung, da sich bekanntlich der grösste Teil der Welt-Eismassen auf die beiden genannten Gebiete konzentriert. Dank heutiger Klimamodelle ist es möglich, für verschiedene Szenarien eine Abschätzung der zukünftigen Massenänderung dieser Eisschilde zu berechnen. Eine kürzlich erstellte Studie ( Ohmura et al. 1996 ) kommt zum Schluss, dass die beiden Eisschilde auf eine Verdoppelung des CCh-Gehaltes sehr unterschiedlich reagieren würden. Während man bei Grönland mit einem Massenverlust von jährlich 390 km3 ( Wasseräquivalent ) rechnet, kommt man bei der Antarktis auf einen jährlichen Massengewinn von 325 km '. Das bedeutet, dass sich die vorausgesagten Massenänderungen der beiden Eisschilde gerade etwa kompensieren würden. Daraus kann gefolgert werden, dass auch in Zukunft die thermische Expansion des Ozeans und die Gebirgsgletscher weiterhin die grössten Verursacher des Meeresspiegelanstiegs bleiben werden.

Gletscher als Klimaindikatoren

Die Gletscher gehören auch zu den zuverlässigsten und am leichtesten verständlichen Klimaindikatoren. Da sie zudem in den meisten Gebirgsregionen der Erde zu finden sind, werden die Gletscher im Bericht des « Intergovernmental Panel on Climate Change » ( IPCC ) als sogenannte « Dreistern-indikatoren » klassiert ( IPCC 1995 ), das heisst als Phänomen mit maximaler Signalwirkung. Selbst in

den tropischen Gebirgen Afrikas ( Kenya ) und Südamerikas ( Bolivien ) werden im Rahmen des weltweiten Gletscherbeobachtungsnetzes Massenbilanzen erstellt. Sämtliche global gesammelten Daten werden durch den « World Glacier Monitoring Service » ( WGMS ) mit Sitz in Zürich in einem gemeinsamen Projekt der Universität und der ETH Zürich analysiert. In diesem Datenverbund trägt auch das schweizerische Messnetz zu diesem weltumspannenden System der Gebirgsgletscherbeobachtung seinen Teil bei. In Zukunft wird es immer wichtiger werden, Veränderungen der Gletscher nicht isoliert, sondern als Teil des gesamtem Kryosphären-Sy-stems zu erfassen, wobei inter- und transdisziplinä-re Forschungsarbeiten innerhalb einzelner Systeme ( z.. " " .B. der Kryosphäre ) ständig an Bedeutung gewinnen. Aber auch darüber hinaus müssen die Grenzen traditioneller Wissenschaftszweige gesprengt werden, damit zentrale Fragen der Zukunft, etwa nach der Geschwindigkeit der Veränderungen im Klimasystem oder nach allfälligen Beschleunigungstendenzen, angegangen werden können. Auswirkungen von Gletscherschwankungen können zum Beispiel zu einer markanten Veränderung des Naturgefahrenpotentials führen, das sich je nach lokaler Situation verstärken oder vermindern kann.

Witterung und Klima

Das hydrologische Jahr 1997 im Überblick

Laut « World Meteorological Organization » WMO ist das Jahr 1997 weltweit als das wärmste je gemessene in die Annalen eingegangen. Seit 1979 verzeichneten sämtliche Jahre Temperaturüberschüsse. In der Schweiz zählt 1997 zu den vier wärmsten Jahren dieses Jahrhunderts.

Das hydrologische Jahr ( Oktober 1996 bis September 1997 ) begann nass und trüb. In den Bergen kam der grosse Schnee bereits in der zweiten Novemberhälfte. Über die Festtage sank das Thermometer auf sibirische Werte. Bis im Mai 1997 war es dann, mit Ausnahme des Februars, generell mild und sonnig. Die Monate Juni und Juli waren wechselhaft und kühl, so dass sich der Sommer erst im August und September durchzusetzen vermochte. Die Schönwetterperiode wurde von schweren Unwettern in Schwarzsee und Sachseln begleitet.

e a < Der Glacier de Valsorey wird seit 1889 beobachtet. Er ist einer der südlichst gelegenen Gletscher des Messnetzes. Von seiner ursprünglichen Länge ( rund 4,5 km ) hat er beinahe 800 m eingebüsst.

Wissenschaft und Bergwelt Figuren 1a und 1b Jahresniederschlag 1996/1997 und Sommertemperatur 1997: Abweichung vom Normalwert 1901 bis 1960 ( Quelle: SMA Zürich ) 1a Jahresniederschlag 1996/1997 ( Summe 1.1O.96 bis 3O.9.97 ): Abweichung in Prozenten

Titel der monatlichen Witterungsberichte der SMA vom 1O.96-09.97

1996 Oktober Sehr wechselhaft, etwas zu warm, deutlich zu nass und trüb November Sehr nass, trüb und in den Bergen der grosse Schnee Dezember Eisiger Winter zwischen Weihnachten und Neujahr Jahr In vielen Gebieten das kälteste Jahr seit langer Zeit 1997 Januar Aul dem Corvatsch fast hundertmal mehr Sonne als in Neuenburg Februar Sonnig und sehr mild, auf der Alpennordseite viel Niederschlag März Wiederum viel zu mild und im Süden sehr trocken April Sehr sonnig. Viel Frost im Norden und Wald- brände im Süden Mai Erst wechselhaft, am Monatsende nieder- schlagsarm und sonnig Juni Zunehmend wechselhaft, kühl und vor allem im Süden nass Juli Nur kurze sommerliche Abschnitte August Hochsommer mit Unwettern in Schwarzsee und Sachseln September Wanderwetter Jahr Ausserordentlich warm, sehr sonnig und über- wiegend niederschlagsarm Quelle: SMA

Temperatur

Die meisten Monate waren deutlich zu warm, wobei die grössten Überschüsse im November, Februar, März, August und September zu verzeichnen waren. Etwas zu kühl fielen einzig Januar, Juni und Juli aus. Frühling und Herbst haben also am meisten zu den Wärmeüberschüssen beigetragen. Wie Figur lb zeigt, war insbesondere der Sommer ( Mai bis September ) in der ganzen Schweiz durchwegs bis 2°C zu warm. In den Gebirgsregionen bewegte sich der Überschuss um 0,5° bis l,0°C.

Niederschlag

Verglichen mit den langjährigen Mittelwerten war es 1997 rund 10 bis 20% zu trocken. Deutlich zeigte sich auch, dass einzelne Starkniederschläge und langanhaltende Trockenperioden in der Statistik der Jahressumme nicht zum Ausdruck kommen, weil sie sich gegenseitig aufheben. Dies gilt besonders für das Tessin: Im Zeitraum des hydrologischen Jahres wurden diese Defizite durch die nassen Monate Oktober und November beinahe kompensiert. Zu nass waren ebenfalls Juni und Juli und gebietsweise Dezember und Februar. Besonders niederschlagsarm fielen Januar und August, im Süden auch Februar und März aus. Figur la dokumentiert, dass das hydrologische Jahr 1996/97 ein durchschnittliches war. Die Abweichungen erreichen nur gebietsweise Werte über 20%.

Sonnenschein

Ausser in den beiden Schlechtwettermonaten Juni und Juli zeigte sich die Sonne immer überdurchschnittlich lange. Dies führte über das Jahr gesehen zu einem Überschuss von bis zu 20%.

Massenhaushalt

Im Rahmen der Gletscherbeobachtungen wurden an drei ausgewählten Gletschern Massenbilanzmes-sungen durchgeführt. Die Massenbilanz ist ein wertvoller Klimaindikator, weil sie, im Gegensatz zur Längenänderung, auf die jährlichen Witterungseinflüsse ( vor allem Niederschlag und Temperatur ) unverzögert reagiert. Die Auswertungen der diesjährigen Messungen der drei Gletscher Suvretta, Gries und Aletsch ergeben folgendes Bild ( vgl. auch Fig. 2 ):

- Am Suvretta wurde bis Mitte September ein kräftiger Massengewinn festgestellt, wobei unter der warmen Witterung im September und Oktober wahrscheinlich noch einiges an Eis dahingeschmol-zen sein dürfte. Die Massenbilanz ist mit +540 mm deutlich positiv.

- Auch der Griesgletscher verzeichnete bis zu Beginn des Septembers noch eine leichte Zunahme, die aber bis Ende des hydrologischen Jahres ( Ende des Monats ) aufgebraucht wurde. Dementsprechend ist seine Bilanz mit -270 mm negativ.

1b Sommertemperatur 1997 ( Mittelwert 1.5.97 bis 3O.9.97 ): Abweichung in Grad Celsius -5 - Griesgletscher ( glaz. MethodeSilvrettagletscher ( glaz. MethodeAletschgletscher ( hydrol. Methode ) -10 -15 I-u -2025 1900 1920 1940 1960 1980 2000 Figur 2 Summierte jährliche Massenänderung ( in m ) der Massenhaushaltgletscher Aletsch, Gries und Suvretta

- Im Einzugsgebiet der Aletschgletscher ( Gros-ser-, Ober- und Mittelaletschgletscher ) wird die Massenbilanz mit der hydrologischen Methode bestimmt. Sie war im Gegensatz zum Jahr 1995/96 leicht positiv ( +149 mm ).

Die positiven Massenbilanzen von Suvretta und Aletsch lassen sich dadurch erklären, dass es in den für die Schmelze wichtigen Monaten Juni und Juli 1997 überall relativ kühl und niederschlagsreich war, obwohl es im Jahresdurchschnitt generell zu warm und zu trocken war.

Zusammengefasst kann das Jahr 1996/97 somit als ziemlich ausgeglichen angesehen werden.

Wissenschaft und Bergwelt Q.

Längenänderung

Fortsetzung der Rückzugsbewegung

Dank der diesjährigen günstigen Witterungsverhältnisse konnten im Herbst 1997 102 Gletscher eingemessen und deren Längenänderung ausgewertet werden. So viele Messwerte kamen in den vergangenen Jahren nur selten zusammen. Die Analysen zeigen, dass sich 86 Gletscher zurückzogen und 6 Gletscher vorstiessen. Die übrigen 10 Gletscher blieben unverändert ( Fig. 3 ). Den Negativrekord erbrachte mit einem Rückzug von 108 m der Tsidjiore Nouve Gletscher oberhalb von Arolla ( VS ). Demgegenüber wurde am nahegelegenen Bella Tola ( VS, 30 km von Arolla entfernt ) mit +26 m der grösste Vorstoss registriert. Die seit Mitte der 80er Jahre anhaltende allgemeine Schwundtendenz setzte sich auch dieses Jahr fort. Weil die Gletscherzungen auf Klimaänderungen mit einer zum Teil erheblichen Verzögerung reagieren, ist das nicht erstaunlich. Die Reaktion eines Gletschers auf eine Klimaänderung hängt stark von seiner Geometrie ab, insbesondere von der Länge und der Neigung.

Figur 3 Längenänderung der Gletscher in den Schweizer Alpen 1997 ( qualitativ dargestellt )

Bessere Vergleichbarkeit durch Längen-klassierung

Um die oben erwähnten Effekte zu verdeutlichen und anschaulich darzustellen, wurden in den Figuren 4a bis 4d verschiedene Gletscher nach ihrer Länge klassiert. Aus den Klassierungen lässt sich einfach erkennen, dass vor allem die Länge eines Gletschers seine Längenänderung stark beeinflusst. Grosse Gletscher wie Aletsch, Unteraar, Gorncr oder Fiescher zeigen keine kurzfristigen Schwankungen, sondern ziehen sich seit Mitte des letzten Jahrhunderts ohne Unterbruch zurück. Aus den Figuren 4a bis 4d kann man ableiten, dass kleine Gletscher ( Fig. 4a ) auf Veränderungen im Bereich einzelner Jahre, mittelgrosse und steile Gebirgsgletscher ( Fig. 4b und 4 c ) auf Jahrzehntvariationen und grosse flache Talgletscher ( Fig. 4d ) auf Jähr- Heisswasser-Bohrung auf dem Unteraargletscher

hunderttrends reagieren. Deshalb sollten auch nur Gletscher mit ähnlicher Geometrie ( Länge und Neigung ) direkt miteinander verglichen werden: Die Längenänderungen des Aletschgletschers, des Pi-zolgletschers oder des Ferpèclegletschers widerspiegeln nicht nur Klima Veränderungen unterschiedlicher Frequenz und Amplitude, sondern auch unterschiedlich lang zurückliegende klimatische Ereignisse.

Verknüpfung Längenänderung - Massenbilanz

Dank geeigneter Parametrisierungen ist es heute möglich, über Zeiträume von Jahrzehnten ( charakteristische Anpassungszeiten der Gletscher oder Vielfache davon ) durch Gleichgewichtsbetrachtun-gen die Längenänderung mit der Massenbilanz zu verknüpfen ( Johannesson 1989 ). Für jeden Gletscher ist dabei die Anpassungszeit zu bestimmen. Der mittlere jährliche Massenverlust wurde für 68 Gletscher aus den Messungen der Längenänderung abgeschätzt. Anschliessend wurden die Gletscher wiederum den vier Längenklassen zugewiesen. Aus diesen Abschätzungen geht hervor, dass die Gletscher seit Mitte des letzten Jahrhunderts im Mittel 0,12 bis 0,24 m Wasseräquivalent pro Jahr verloren haben ( vgl. Tab. 1 ), wobei die grösseren Gletscher tendenziell mehr Masse verloren haben als die kleinen ( Peschke 1998 ). Diese Resultate werden unabhängig davon auch durch Untersuchungen von Maisch et al. ( 1998 ) im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes 31 ( Klimaänderungen und Naturkatastrophen ) bestätigt. Interessant ist vor allem der Vergleich mit Gletschern, für welche die Massenbilanz direkt aufgrund von Messungen be-

stimmt wurde. Hier ergibt sich eine sehr gute Übereinstimmung ( Tab. 2 ). Auch ein Vergleich mit den durch Präzisionsphotogrammetrie seit Ende des letzten Jahrhunderts bestimmten Volumenänderungen an einigen Alpengletschern bestätigen diese Aussagen ( Haeberli 1998 ).

Q.

Dank

Die Glaziologische Kommission der SANW ist bei der Beobachtung der Gletscher in der 118. Messperiode wiederum tatkräftig unterstützt worden. Den Helfern, auf deren regelmässiges Mitwirken sie angewiesen ist, dankt sie herzlich: allen direkt oder indirekt beteiligten Personen bei den Forstdiensten der Gebirgskantone, bei den Kraftwerken Ägina, Maumark, Mauvoisin und Oberhasli, im Vermessungsbüro Flotron, im Bundesamt für Landestopographie, in der Eidgenössischen Vermessungsdirektion, an der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt, in der Landeshydrologie und -geologie, am Schweizerischen Institut für Schnee- und Lawinen -forschung, den Geographischen Instituten der ETH und der Universität Zürich sowie der Abteilung Glaziologie und der Direktion der VAW an der ETHZ. Besonders dankt sie allen bei den Aufnahmen im Gelände oder bei der Daten- und Textbearbeitung im Büro privat mitwirkenden Personen.

GPS-Referenzstation bei der Lauteraarhütte Unteraargletscher; Blick in Richtung Zusammenfluss r*%-t uon Lauteraar- und Finsteraargletscher Wissenschaft und Bergwelt Tabelle 1 Mittlere Massenbilanzen für die Periode 1850 bis 1996 für verschiedene Längenklassen von 68 ausgewählten Schweizer Gletschern Längenklassen der Gletscher Mittlere Massenbilanz für die in [km]. Datengrundlage bil- Beobachtungsperiode 1850 den 68 Gletscher des schwei- bis 1996 [in m Wasseräquiva- zerischen Mebbii.elzes..

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Anhang: Glaziologische Forschung auf dem Unteraargletscher

Schon im 19. Jahrhundert im Zentrum des Interesses

Der Unteraargletscher gehört zu den am besten untersuchten Alpengletschern. Er weckte schon in vergangenen Jahrhunderten das Interesse der Naturforscher. Deshalb ist dieser Gletscher auch eng mit der historischen Entwicklung wichtiger glaziologischer Kenntnisse und deren Urhebern verbunden. Davon zeugen zum Beispiel die Namen der umliegenden Gipfel: Agassizhorn, Escherhorn, Grunerhorn, Hugisattel, Scheuchzerhorn und Studerhorn.

Bereits im 19. Jahrhundert besuchte Franz Joseph Hugi ( 1793-1855 ) während mehrerer Sommer den Unteraargletscher und beschrieb anschliessend die ersten Beobachtungen über dessen Veränderungen ( Hugi 1830, Hugi 1842 ). Der Be-

Figuren 4a bis 4d Summierte jährliche Längenänderung ( in m ) für Gletscher in verschiedenen Längenklassen:

4a ) Sehr kleine Gletscher mit einer Länge von weniger als 1,0 km aa^ " TB —»— Pancv rossePizolSardoiSulz Tabelle 2 Vergleich zwischen direkt gemessenen und aus Längenänderungen berechneten mittleren Massenbilanzen für die Massenhaushaltgletscher der Schweiz " Gletscher Zeitperiode Mittlere Bemerkunge: Massen-bilanz1 Gries1962-19960,. " " .27 1962-19960,. " " .22 Suvretta 1960-19960,. " " .05 1960-19960,. " " .02 Grosser 1920-19960,. " " .22 Aletsch 1920-19960,. " " .22 Messreihe ( glaziologische Methode ) Berechnet aus Längenänderung Messreihe ( glaziologische Methode Berechnet aus Längenänderung Messreihe ( hydrologische Methode ) Berechnet aus Längenänderung È in m Wasseräquivalent pro Jahr

ginn der modernen experimentellen Forschungstätigkeit geht auf Louis Agassiz ( 1807-1873 ) zurück. J. Wild stellte im Rahmen dieser Arbeiten die erste topographische Karte eines Gletschers von wissenschaftlichem Wert her. Diese exakte Darstellung des Unteraargletschers im Massstab 1:10000 weist jedoch noch keine Höhenlinien auf ( Agassiz 1847 ). Neben der Messung der klimatischen Parameter Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck beschäftigten sich Agassiz und seine Mitarbeiter auch mit dem genauen Erfassen der Bewegung an der Gletscheroberfläche. Dabei wurden Methoden eingesetzt, die noch heute gebräuchlich sind: z.B. Vermessung von in den Gletscher eingebohrten Stangen mit dem Theodoliten.

I920I'MO Figur S Mittlere Jahresgeschwindigkeiten ( in m/Jahr ) an der Oberfläche des Unteraargletschers ( im Koordinatensystem eingezeichnet, mit Koordinatenzahlendistanz von 2000 m ) für die Periode von August 1990 bis August 1991, bestimmt an Hand von Luftbildern

Detaillierte Untersuchungen im 2O. Jahrhundert

Später wurde weiterhin intensiv auf dem Unteraargletscher geforscht. Seit 1924 werden im Auftrag der Krafwerke Oberhasli ( KWO ) sowohl die Zunge vermessen als auch an ausgewählten Profilen Geschwindigkeiten und Dickenänderungen ermittelt ( Flotron, 1924 bis heute ). Im Rahmen dieser Untersuchungen werden seit 1969 jährlich Luftbilder aufgenommen, und seit Anfang der 90er Jahre werden davon digitale Geländemodelle erstellt. Daraus lassen sich die zeitlichen und räumlichen Höhen- und Volumenänderungen berechnen.

Die geophysikalischen Untersuchungsmethoden Seismik, Gleichstrom-Geoelektrik und Radar-Echo-lotsondierungen kamen zur Anwendung, um die 4 c ) Grössere Gebirgsgletscher mit einer Länge von 5,0-9,. " " .9 km m a 5 15 25 35 -45. 55 65 Topographie und die Charakteristik des Gletscherbetts zu bestimmen ( Knecht und Süsstrunk 1952, Röthlisberger 1967, Funk et al. 1994 ).

In den letzten Jahren wurde intensiv das Fliessverhalten untersucht. Dazu waren einerseits detaillierte Bewegungsmessungen an der Oberfläche, aber auch in bis ans Gletscherbelt reichende Bohrlöcher notwendig ( vgl. Figuren 5-7 ). Diese dienen zusammen mit der Oberflächen- und Gletscherbett-Topographie als Grundlage für numerische Model-lierungen ( Gudmundsson 1994 ).

Wissenschaft und Bergwelt Tabelle 3 Gletscher der Schweizer Alpen - Längenänderung 1996/1997 40 Nr.

Gletscher Längen- Nr.

Gletscher Längen- Nr. Gletscher Längen- änderung änderung änderunm] [m]

im] JB

Rhonegebiet ( II ) 46 Martinets n 79 Sulz 1 Rhone - 18 47 Sex Rouge 9 80 Glärnisch 2 l^H 2 Mutt n 48 Prapio St 81 Pizol

- 17,. " " .1!

3 Gries - 10,. " " .4 49 Pierredar n 114 Plattalva 1,6 _ 4 Fiescher - 13,. " " .2 106 Mittelaietsch - 295 Grosser Aletsch - 43 107 Bis n Rheingebiet ( Id )

Oberaletsch - 257 i 1 A 1 108 Orny n 82 Lavaz Kaitwasser + 14,. " " .3 83 Punteglias Tälliboden n Aaregebiet ( Ia ) 84 Lenta

- îî^^H

Ofental n 50 Oberaar 5,4 85 Vorab

- 9,8

10 Schwarzberg - 12 51 Unteraar - 30,. " " .8 86 Paradies

- 11,. " " .2 S

11 Allalin - 6 52 Gauli - 6 87 Suretta

- 13 ' ." " .9 fl

12 Kessjen n 53 Stein - 11 88 Porchabella

- 13,. " " .73

13 Fee ( Nord25,. " " .3 54 Steinlimmi - 9 89 Verstankla

- 1,8 |H

14 Gorner - 30,. " " .5 55 Trift ( Gadmen ) n 90 Suvretta

- io* |H

15 Zmutt 0 56 Rosenlaui n 91 Sardona 5,5 ™ 16 Findelen n 57 Oberer Grindelwald - 10 ca.

115 Scaletta n 1 / Ried - 14,. " " .7 58 Unterer Grindelwald - x 18 Lang - 35 59 Eiger - 13,. " " .4 Inngebiet ( V ) 19 Turtmann - 83,. " " .9 60 Tschingel - 3 92 Roseg - 62,. " " .8 20 Brunegg ( Turtm. E ) 5,5 61 Gamchi - 4,7 93 Tschierva - 25,. " " .4 21 Bella Tola + 26 62 Schwarz 1 94 Morteratsch - 10,. " " .8 22 Zinal - 14 63 Lämmern - 9 95 Calderas - 1,8 23 Moming - 36 64 Blümlisalp - 11 96 Tiatscha + 7,8 24 Moiry - 5 65 Rätzli - 52 ca.

97 Sesvenna - 6,9 25 Ferpècle - 10 109 Alpetli - 6,5 98 Lischana - 1,52 26 Mont Miné - 7 110 Lötschberg n 27 Aroila ( Mt. Collon7 111 Ammerten - 1,8 Addagebiet ( IV ) 28 Tsidjiore Nouve - 108 112 Dungel n 99 Cambrena - 52 29 Cheillon - 17 i ç 113 Gelten n 100 Palü - 7,1 5 U En Darrey + 1 3 101 Paradisino ( Campo4,. " " .5 31 Grand Desert - 0,6 Reussgebiet ( Ib ) 102 Forno - 24 32 Mont Fort ( Tortin20,. " " .52 66 Tiefen - 10,. " " .6 116 Albigna n 33 Tsanfleuron 5 67 Sankt Anna - 2,82 34 Otemma - 44,. " " .4 68 Kehlen - 28,. " " .6 Tessingebiet ( III ) 35 Mont Durand - 3,2 69 Rotfirn ( Nord6,. " " .9 103 Bresciana - 16,. " " .8 36 Breney - 27,. " " .1 70 Damma - 9,3 104 Basòdino - 6,7 37 Giétro - 7,5 71 Wallenbur + 0,4 105 Rossboden + 4,6 38 Corbassière - 12 72 Brunni - 8,77 117 Valleggia 0 39 Valsorey - 312 73 Hü fi - 24,. " " .3 118 Val Torta + 2,9 Tseudet - 532 74 Griess 5,5 119 Cavagnoli - 13,. " " .1 41 Boveyre n 75 Firnalpeli ( Ost172 120 Corno - 1,2 42 Saleina - 79,. " " .12 76 Griessen - l2 121 Croslina + 0,822 43 Trient 50 44 Paneyrosse 1,9 Linthgebiet ( Ic ) 45 Grand Plan Névé - 6,2 77 Biferten - 7,6 78 Limmern - 0,4 Abkürzungen:

Bemerkungen + wachsend x Betrag nicht bestimmt Gilt die Angabe für eine mehr- st stationär sn eingeschneit t jährige Zeitspanne, ist die Zahl der schwindend?

Ergebnis unsicher ( Luftbild ) Jahre angezeigt: -13 ,'42 = Schwund ca. ungefährer Wert n nicht beobachtet um 13,. " " .4 m in 2 Jahren.

Massenbilanzänderungen und Gletscherverhalten

Ein laufendes interdisziplinäres Forschungsprojekt vereint die modernsten Methoden sowohl der Glaziologie als auch der Geodäsie und Photogrammetrie mit dem Ziel, die Massenbilanz einfacher be- stimmen zu können. Der Zusammenhang zwischen den Massenbilanzänderungen und dem Verhallen der Gletscher ist vor allem im Hinblick auf das Verständnis von klimatischen Variationen von funda-mentalem Interesse. Damit wird nämlich der Zustand eines Gletschers viel umfassender beschrieben als dies mit der Messung von Vorstoss und [1/a] O.030 Finsteraargletscher Figur 7 Vertikale Dehnungsraten, berechnet anhand eines dreidimensionalen Fliess-modells, dargestellt als Isoflächen. Negative Werte zeigen die vertikale Stau-chung, positive Werte hingegen die vertikale Dehnung des Eises.

O.015 O.000 -0-015 -O.030 Rückzug der Zunge möglich ist. Die Bestimmung der Massenbilanz mit der glaziologischen Methode bedingt sehr aufwendige und kostspielige Feldmessungen. Fortschritte in der photogrammetrischen Auswertung von Luftbildern ermöglichen nicht nur, digitale Geländemodelle zu generieren, sondern auch direkt und mit hoher Präzision das Geschwindigkeitsfeld der Gletscheroberfläche zu ermitteln. In den Akkumulationsgebieten wurde erstmals ein « laser scanning»-System eingesetzt. Diese neue Methode liefert auch dort zuverlässige Resultate, wo photogrammetrische Auswertungen an ihre Grenzen stossen. Eines der zentralen Ziele ist es, die Massenbilanz durch die Kombination von Fern-erkundungsmethoden und dreidimensionalem nu-merischem Fliessmodell zu bestimmen.

Gleichzeitig sind vertiefte Studien zur Erforschung der noch ungenügend bekannten basalen Prozesse sowie der verschiedentlich festgestellten jahreszeitlichen Schwankungen ( Iken et al. 1983 ) der Fliessbewegung im Gang. Dabei interessiert in erster Linie die Entwicklung des subglazialen Was-serabflusssystems, denn es wird hier ein Einfluss auf die Struktur des Gletscherbettes, die basale Bewegung und die Fliessbewegung vermutet. Dazu wird der Zusammenhang zwischen den Schwankungen des Wasserdruckes, dem basalen Widerstand und der Oberflächengeschwindigkeit untersucht.

Literatur

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O.20 27 28 29 30 I 2! 3 4 5 27 28 29 30 1 2 AprilMai 8 9 10 11 12 13 14 15 Figuren 6a bis 6 c Beispiel von hochauflösen-den Bewegungsmessungen an der Oberfläche mit dem satellitenunterstützten GPS-System. Damit lassen sich kurzzeitige Schwankungen feststellen, wie die im Frühling bei beginnen- der Schneeschmelze wegen des Wassers hervorgerufene Hebung. Dargestellt sind für die vier GPS-Stationen ( A, B, C bzw. Z ) die Hebung ( a ), die horizontale ( b ) und die vertikale Geschwindigkeit ( c ).

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Zuo, Z., und Oerlemans, J. ( 1997 ): Contribution of glacier melt to sea-level rise since AD 1865: a regionally differentiated calculation. Climate Dynamics, 13,. " " .835-845. Als im Jahre 1894 die Gletschermessungen im Val Roseg begannen, gab es lediglich den Roseggletscher. Dieser hat sich seither um beinahe 2 km zurückgezogen. In seinem Vorfeld befindet sich heute ein See, der 1954 ausbrach. Im Jahr 1934 trennte sich der Tschierva- vom Roseg-Glet-scher. Aus der Westwand des Piz Morteratsch löste sich 1988 auf ca. 3200 m ü. M. ein 300 000 m3 grosser Felssturz. Das Material wurde auf der rechten Gletscherseite abgelagert.

Upine Geschichte, Cultur, Erzählungen

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beträgt 38 Jahre; 29,. " " .9 % der Mitglieder sind unter 30 und 10,. " " .1 % der Mitglieder über 60 Jahre alt.

Der CAI kann auf die Dienste einer ganzen Schar von Instruktoren, Tourenleitern und weiteren Experten zählen: 1060 für das klassische Bergsteigen, 930 für das Skitourenfahren, 82 für das Sportklettern, 233 für das Höhlenforschen, 698 für das Jugendbergsteigen, 524 für das Bergwandern, 185 für den Bereich Schnee und Lawinen und 7033 für das alpine Rettungswesen ( darunter 260 Rettungsposten ).

Der Club besitzt 737 Hütten und Biwaks.

Komplexe Realität Auf den ersten Blick scheint es einfach, ein Bild des CAI, wie er sich gegen Ende dieses Jahrhunderts präsen-

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