Die Jäger stören das Wild

Die Zahl der Menschen, die in der Natur Erholung suchen, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Und Wildruhezonen sollte man aus Rücksicht auf die Wildtiere berücksichtigen. Doch sind dies keine langfristigen Lösungen. In den verbreiteten Berichten über Störungen des Wildes wird die Jagd aber ausgeschlossen. Dabei ist die Jagd hauptsächlich an den verängstigten Wildtieren schuld. Jedes Jahr werden in der Schweiz über 70000 Huftiere, 10000 Murmeltiere, Feld- und Schneehasen abgeschossen. Auch Arten wie das Schneehuhn, das Birkhuhn oder die Waldschnepfe werden nicht geschont. Nun wird die Schuld daran den Scharen von Skifahrern, Wanderern, Pilzsuchenden und so weiter zugeschoben, dabei verursachen sie diese « Nebenwirkungen » der Jagd nicht, aber sie verstärken sie. Die eigentlichen Verursacher des Stresses für die Tiere, die Jäger, versuchen, mit Rückendeckung durch ihre Freunde aus der Politik und Presse von ihrem Verschulden abzulenken. Dabei prangern sie uns Bürgerinnen und Bürger als die Schuldigen an. Dabei ist die Menschenscheu der Wildtiere und ihre inzwischen übersteigerte Angst vor Skifahrern, Wanderern doch nur eine Nebenwirkung der Hobbyjagd. Die nach jägerischer Interessenlage ausgewiesenen Wildruhezonen sind nichts anderes als unsinnige Freiheitseinschränkungen und Schikanen für die Bevölkerung, von denen nicht die Tiere, sondern nur die Hobbyjäger profitieren. Stellungnahme des Bereichs Umwelt: Wildtiere brauchen ihre Ruhe. Bei Störungen durch die Jagd und andere Faktoren besteht etwa die Gefahr, dass Wildtiere im Herbst und Winter zu wenig Zeit für die Nahrungsaufnahme finden und zu viel Energie für unnötiges Fliehen aufwenden müssen. Wenn es um Störungen geht, darf aber keineswegs vergessen werden, dass unsere alpinen Ökosysteme durch den boomenden Wintersport in den letzten Jahrzehnten radikal verändert wurden. Weite, im Winter ehemals ruhige Gebiete werden heute zwischen Dezember und März von unzähligen von Natursportlerinnen und Natursportlern besucht. Verschiedene wissenschaftliche Studien zeigen, dass in den Alpen boomende Trendsportarten wie Schneeschuhlaufen, Variantenskifahren und Skitouren das Leben der Wildtiere gefährden und diese zurückdrängen. Zum ersten Mal weltweit konnten durch eine Studie auch die physiologischen Auswirkungen des Wintersports auf Wildtiere quantifiziert werden. Und genau bei diesem Problem setzt die Kampagne « Respektiere deine Grenzen » an. Sie hat nicht zum Ziel, etwas zu verbieten bzw. die Natursportler zu Sündenböcken zu machen. Sie will aufklären und sensibilisieren. Wer sich in der Natur aufhält, soll eigenverantwortlich, natur- und wildtierverträglich handeln. Petra Vögeli, Fachleiterin NatursportNaturschutz SAC

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