Die Leidenschaft für die Berge liegt in der Familie Ruedi Haller Frei (49), Barbara (47), Florian (11), Johanna (13) und Linus (7), SAC-Engiadina Bassa

Ruedi Haller war als Jugendlicher im SAC. Seit neustem ist er wieder dabei, als Mitglied der Sektion Engiadina Bassa.

Ruedi: Klettern ist unser Familiensport Nummer eins. Im Gegensatz zu Hockey, Biathlon, Geräteturnen, Fussball, Skifahren und Snowboarden mögen wir diesen Sport alle gleich gern.

Johanna: Seit einiger Zeit überlege ich mir, in die Kletter-JO des SAC einzutreten.

Ruedi: Ich war auch in deinem Alter, als ich dem SAC beitrat. Meine Mutter ermunterte mich dazu, weil ich als Kind extreme Höhenangst hatte. Ich konnte auf keiner Leiter stehen. «Besuch doch mal ein Kletterlager», sagte sie, «dann verlierst du die Angst.» Es nützte. Später war ich intensiv in den Bergen unterwegs. Ich erlebte die Anfänge des Sportkletterns, stand mit 18 auf dem Mont Blanc und bestieg das Weisshorn über den Nordgrat. Mehr als einmal kam mir die Mutter nach einer Expedition mit frischer Wäsche entgegen, damit ich umgehend zur nächsten aufbrechen konnte. Mit 24 trat ich aus dem SAC aus; die Interessen verlagerten sich. Das Handling ist geblieben. Das ist wie beim Velofahren. Diese Grundkenntnisse gebe ich jetzt meinen Kindern und Barbara weiter. Denn klettern wollen wir auch auf unserer Rundreise durch die USA, während der Sommerferien, wenn wir am Gannett Peak vorbeikommen. Das Besteigen der Berggipfel ist mir heute nicht mehr wichtig. Das hängt wohl mit meiner Arbeit im Nationalpark zusammen. Baumzonen finde ich interessanter. Von Berufes wegen bin ich als Geograf viel in den Bergen unterwegs. Auf die Idee, wieder dem SAC beizutreten, wäre ich nie gekommen, wenn da nicht diese Anfrage gewesen wäre, für den Frondienst in der Linardhütte. «Dann musst du Mitglied werden», hiess es, als ich mich bereit erklärte, jährlich eine Woche Hüttenwartsaufgaben zu übernehmen. Die Aufgabe reizte mich, weil ich erstens gern in den Bergen und zweitens leidenschaftlicher Hobbykoch bin. Drittens macht die ganze Familie mit.

Barbara: In der Hütte ist er der Chef und kocht auch richtig gut, bis zum selbst gemachten Dessert.

Linus: Seine gebrannte Creme ist köstlich! In der Hütte hat jeder seine Aufgaben. Ich zum Beispiel schaue mit dem Feldstecher, ob Gäste kommen, und nehme die Bestellungen auf.

Johanna: Ich serviere, und Florian kassiert, auch das Trinkgeld, was nicht wenig ist. In einer Berghütte, glaube ich, sind die Leute offener, sie erzählen mehr.

Florian: Einmal kamen 30 Leute gleichzeitig zum Essen. Und ich war allein mit meinem Vater. Da kam ich ganz schön ins Schwitzen. Hin und wieder lasse ich die Gäste einen Blick durchs Fernrohr werfen und erkläre ihnen die Berge.

Barbara: Ich bin lieber im Hintergrund und mache das Geschirr, in meinem Beruf als Apothekerin stehe ich genug an der Front. Im Gegensatz zu meinem Mann habe ich überhaupt keine Bergerfahrung. Mich interessiert eher die Landschaft unterhalb der Hütte. Der Anstieg ist botanisch sehr interessant. Es gibt dort den Gelben Fingerhut, das wusste ich gar nicht. Das inspirierte mich zu einem Projekt, mit dem ich in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der ZHAW Wädenswil starte. Als ETH-Dozentin für den Bereich Ethnopharmazie interessiert mich die Frage, ob es im Engadin Personen gibt, die über ein Wissen der hiesigen Wildkräuter verfügen und darüber, wie diese verwendet werden.

Ruedi: Die Woche in der Hütte ist für mich die erholsamste des ganzen Jahres. Obwohl ich von der Hütte aus meinen Arbeitsplatz und unser Haus erkennen kann, fühle ich mich nirgends so frei von allem. Ich kann in den Bergen die Stille hören. Diese vermisse ich am meisten, wenn ich auf Reisen bin.

Barbara: Und ich, als ausgewanderte Aargauerin, vermisse manchmal das Rascheln der Blätter im Herbst.

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