Die Natur regelt sich von selbst

Zum Artikel Wild gefährdet den Bergwald, «Die Alpen» 02/2018

Ich wohne im Berggebiet im Obertoggenburg und habe als nebenberuflicher Wegmacher einer Alpstrasse mit ­Jägern, Landwirten, Älplern, Waldbesitzern und Forstpersonal Kontakt. Alle kämpfen um den eigenen Vorteil im Wald: die Waldbesitzer und die Forstwirtschaft um mehr Rendite, die Jäger um Abschuss (Rendite), die Naturschützer um mehr Schutz und die Waldbesucher um mehr Ruhe.

Hätte man die Beutegreifer nicht aus­gerottet, wäre alles noch im Lot und ausgewogen bei Schalenwild und Paarhufern und die Nahrungspyramide noch okay. Aber nein, man (Landwirtschaft und Jäger) ist wieder gegen die natürlichen Regulatoren namens Beutegreifer. In unserer Region klagt die Jägerschaft sogar, dass es angeblich viel weniger Rehe und Gämsen gebe, seit der Luchs vorhanden sei. Also genau das Gegenteil. Mit anderen Worten: Jeder Entscheid hat im Leben Gewinn- und Kostenseiten. Wir Menschen wollen aber immer mehr nur profitieren. Funktioniert auf die Natur übertragen so nicht (wir Menschen sind übrigens auch ­Natur). Also lassen wir es doch bleiben, immer Vormund der Natur sein zu ­wollen. Es funktioniert so einfach nicht! Wann merken wir dies endlich?! Begegnen wir doch der Natur einfach in Demut und Dankbarkeit und lassen die Ökosysteme und Lebensgemeinschaften so wie sie sind, dann regelt sich die Natur von selbst – auch zu unserer Zufriedenheit.

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