Die neue Konkordiahütte

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Vorgeschichte und Bau.

Die im Frühjahr ( 12. April ) 1907 gegründete Sektion Grindelwald des S.A.C. sucht laut ihren Statuten die Aufgabe des Schweizer Alpen-Clubs zu erfüllen u.a. „ durch den Bau und die Unterhaltung einer neuen oder die Übernahme und Unterhaltung einer bestehenden Clubhütte ". Gleich zu Beginn seiner Amtstätigkeit hielt der Sektionsvorstand ( Präsident Herr G. Hasler ) Umschau nach einem geeigneten Feld der Tätigkeit in diesem Sinne. Als dringendste und zugleich würdigste Aufgabe wurde die Errichtung einer neuen Hütte am Konkordiaplatz erachtet. Am 4. Mai 1907 gab die Sektionsversammlung dem Vorstand den Auftrag, die territorialen und finanziellen Möglichkeiten eines solchen Projekts zu studieren. Als Standort für die neue Hütte wurde aus zwingenden Gründen der Platz unmittelbar neben der alten Konkordiahütte gewählt. Herr E. Cathrein von Brig trat von seinem dortigen Grundeigentum der Sektion Grindelwald den nötigen Baugrund ( 180 m2 ) unentgeltlich für alle Zeiten ab. Das Zentralkomitee in Solothurn begrüßte lebhaft das Vorhaben der Sektion, da die Verhältnisse am Konkordiaplatz längst einer Sanierung bedurft hätten, und stellte tatkräftige Unterstützung in Aussicht. Daraufhin beschloß am 3. Juli 1907 die Sektionsversammlung einstimmig die Ausführung des Projekts.

Bis zum Herbst waren die Arbeiten so weit gediehen, daß die Hütte zu Beginn der Sommersaison 1908 fix und fertig an Ort und Stelle gestanden hätte. Da aber die von der Delegiertenversammlung zu Bern bewilligte Subvention ungenügend war ( bestand doch die Sektion Grindelwald erst seit einem halben Jahre und besaß keinen Centime Vermögen !), so mußten die Arbeiten eingestellt werden. Erst als am 30. März 1908 von Herrn G. Hasler das schriftliche Anerbieten einlangte, er wolle die Kosten für die im Rohbau nahezu vollendete Hütte übernehmen, wenn die Hütte im laufenden Jahr am vorgesehenen Platz erstellt werde, konnte die Sektion Grindelwald weitere Schritte unternehmen. Nachdem eine Übereinkunft mit dem Zentralkomitee in Freiburg formell und materiell die Wege geebnet hatte, wurden die Arbeiten in fieberhafter Tätigkeit gefördert, um im Lauf des kommenden Sommers die Hütte unter Dach zu bringen. Am 18. Mai 1908, mitternachts, wurde in der Wohnung des Unterzeichneten der letzte Vertrag vom letzten Unternehmer unterschrieben.

Das Baumaterial der Hütte wurde am 21. Mai auf die Wengernalpbahn verladen und ging am andern Tag früh nach der Station „ Eismeer " ab. Acht Tage später folgte der größere Teil des Hütteninventars, und - Die neue Konkordiahütte.

schon am 25. Juni war die ganze große schwere Hütte das spaltenreiche, steile Mönchjoch hinauf, das stundenlange Ewigschneefeld hinunter und über den Konkordiaplatz zur Baustelle hinüber geschafft. Drei Tage später, an einem Montag, wurde die Materialkontrolle gemacht. Es fehlte nicht ein Stück! Am Schluß der nämlichen Woche war die Hütte fertig montiert und das Inventar, soweit es in der kurzen Zeit hatte beschafft werden können, in der Hütte deponiert. Am gleichen Tage, da der Baumeister, Chr. Bernet von Grindelwald, das Werkzeug aus der Hand legte, wurde die Kollaudation der Hütte vorgenommen.

Phot. F. Holzgang ( Sektion Grindelwald ).

Die Hütte ruht auf einer niedrigen Sockelmauer und ist achtfach im Grundfelsen verankert. Der Holzbau ist mit Schindeln gedeckt und verrandet und inwendig vertäfert. Erdgeschoß und Dachstock sind beide ebenso hell wie geräumig. Sie sind berechnet für 38 Personen; den letzten Sommer beherbergte die Hütte aber einmal 48 Personen in einer Nacht.

Diesen Frühling werden noch einige Ergänzungsarbeiten ausgeführt; die Plattform vor der Hütte wird bedeutend vergrößert und ein neuer Abort wird erstellt.

Kosten.

Die Hütte war auf Fr. 14,000 devisiert. Die bisherigen Kosten betragen:

Gottfr. Beclc.

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SftCAA Phot. J1. Holzgang ( Sektion Grindelvvald ).

1. Vorarbeiten und Konstruktion 2. Inventar

3. Transport

4. Verschiedenes

7,047. 40 1,209.95 5,055. 75 614. 70 Total Fr. 13,927. 80 Dazu kommen die Kosten für die Einweihung mit Fr. 192. 45. An die Baukosten hat die Sektion Grindelwald folgende größere Beiträge erhalten:

1. Subvention der Zentralkasse... Fr. 6,463. 90 2. Beitrag des Herrn G. Hasler.. „ 4,155. 15 3.E. Cathrein.. „ 1,000. 4.der Wengernalpbahn.. „ 250. 5. Führerverein Grindelwald „ 300. 6.Meiringen „ 120. 7.Lauterbrunnen...., 100. 8. Kur- und Verkehrsverein Grindelwald „ 100.Die Jungfraubahn hat die ganze Hütte, sowie sämtliches mit der Montierung und dem Transport der Hütte beschäftigte Personal gratis befördert, was einem Beitrag von mehreren Hundert Franken gleichkommt. ) Die neue Konkordialiülte.

Einweihung.

An einem strahlend-schönen Sonntag, am 25. Juli 1908, strömten aus allen Richtungen der Windrose nahezu 100 Personen zur Einweihung des neuen C. Heims nach dem Konkordiaplatz. Es waren solche deutscher und welscher Zunge, Schweizer, Deutsche, Österreicher, Franzosen. Das schöne Geschlecht zählte fünf Vertreterinnen, von denen drei via Mönchjoch, eine via Mönch und die fünfte via Eggishorn kamen.

Der größte Teil, fast die Hälfte aller Teilnehmer, wählte den Weg von Grindelwald her über die Eismeer-station. Da der Rest des Hütteninventars erst am voraufgegangenen Tag von Bern her auf der Kleinen Scheidegg ein- getroffen war, so mußten die gewandteren Berggänger mit allerlei Clubhüttenausrüstungsgegen-ständen sich beschweren. Diese Karawane sah deshalb mehr einer Schmugglerbande als einer zur frohen Hütteneinweihung pilgernden Berggesellschaft gleich.

Um 6 Uhr abends langte die letzte Partie vom Mönchjoch her in der Hütte an.

Zwischen 4 und 5 Uhr hatte Herr Pater Victor Cathrein die Einsegnung der Hütte vorgenommen. Um halb 8 Uhr, als die scheidende Sonne den Firnenkranz ringsum mit goldigem Licht überflutete, wurde der zweite Teil des Festakts abgewickelt. Der Unterzeichnete als Sektionspräsident skizzierte den raschen und glücklichen Verlauf der Hüttengeschichte und pries den herrlichen Standort der Hütte.

„ Wie glücklich hat doch jener Engländer im Jahre 18-57 den Namen für die schönste Gegend unserer Alpen gefunden! „ It is the Place de la Concorde of Nature !" rief der begeisterte Hochtourist. Die Gottfr. Beck.

Phot. F. Holzgang ( Sektion Grindelwald ).

wunderbare Harmonie dieser Gegend nur konnte den Vergleich mit jenem einzigartigen Pariser Platz hervorrufen.

„ Aber der Name hat auch einen tiefern Sinn. Auf alten Stichen ist das Hochgebirge dargestellt als ein unnahbares Schrecknis. Heutzutage ist es ein Wanderziel von Tausenden, die neue Spannkraft suchen für Willen und Gemüt. Früher ein Ort des Schreckens, ist das Hochgebirge heutzutage eine Schule sozialer Tugenden. Seine Pracht wie seine Schrecken stimmen die Herzen zusammen. Veranlagung und Milieu mögen die Menschen noch so sehr trennen drunten im Tal, draußen in der Ebene, hier im Hochgebirge finden sie sich in der stillen Bewunderung seiner Pracht, in der wortlosen Einsetzung des eigenen Lebens für den gefährdeten Kameraden, in der im Massenquartier geübten Selbstdisziplin. Wer hat nicht schon jene beseligende Nachwirkung empfunden der Höhenluft, die drunten im Getriebe des Alltags alles Kleinliche, alles Niedrige aus unserer Nähe scheucht!

„ Als eine Stätte, von der solche Höhenluft ausstrahlen wird, nehme ich dich in den Besitz der Sektion Grindelwald des Schweizer Alpenclubs, Konkordia-, Gustav Hasler-Hütte!1'Herr Bertrand de Reyff sprach im Namen des Zentralkomitees und beglückwünschte die Sektion Grindelwald zu ihrem schönen Werk.

Unser Bergpfarrer, Herr Gottfried Strasser, flehte hierauf den Segen des Himmels auf die Hütte herunter.

„ Allmächtiger Herr, die Berge sind dein, Die Firnen, die Gletscher, das Felsgestein, Das Leben und Weben überall, Des Lichtes Leuchten, des Sturmwinds Schall.

Dein auch ist die Stätte, auf der wir stehn Und rings deine Wunder, die herrrlichen, sehn.

Dir, gütiger Schirmherr, vertrauen wir an Das stattliche Werk, das wir freudig getan; Das Haus hier, das neue, bei Tag und bei Nacht Beschirm es in Gnaden vor feindlicher Macht, Vor Blitz und vor Feuer, vor Schneewucht und Sturm!

Lass nicht das Gebälke zernagen den Wurm.

Behüt es vor menschlichem Unverstand auch!

Lass walten darin echten Bergsteigerbrauch, Die Ordnungsliebe und Sauberkeit, Den Frohsinn zur Sommers- und Winterszeit.

Lass glückliche Fahrten von hier aus gelingen, Den eifrigen Hüttenwart springen und singen, Lass freundliche Nachbarschaft immer bestehen Und alles und jedes aufs beste ergehen.

Die Hütte lass tragen mit Ehren den Namen Konkordia, immer und ewiglich. Amen! ':

Auf dem Gletscher blauten die Schatten der Dämmerung, als die frohbewegte Berggemeinde die behagliche Hütte bezog, wo nun der von der Sektion Grindelwald offerierte Lunch serviert wurde nach folgendem Menu: Konkordiasuppe — Märjelen-See-Forellen mit Majonnaise — Hochwildbraten mit Renntiermoossalat — Firnkuchen mit Subventionen-und Geschenkekompott — Blitzwein, Ernte 1908.

Eine für diesen Tag eingerichtete Marconistation und eine Brief-taubenpost übermittelten während des Banketts Glückwünsche aus allen Teilen des Schweizerlandes, ja selbst von jenseits der schwarz-weiß-roten Grenzpfähle, während die Ballonpost von einem Mitglied der Sektion eine Kiste Champagner und von der Berner Alpenmilchgesellschaft in Stalden i. E. eine Kiste mit 24 Dosen flüssiger Milchschokolade überbrachte.

Laut und lange rauschten die Wogen des Frohsinns auf den nachtdunkeln Gletscher hinaus, bis endlich auch das letzte freudenmüde Auge sich schloß.

Von 3 Uhr morgens an rüsteten die ersten Partien zu neuer Bergfahrt auf die umliegenden Höhen und Pässe. Um halb 6 Uhr war die Hütte vereinsamt. Da zogen sie hin, die ein frohes alpines Ereignis auf kurze Stunden herzlich verbunden hatte, gegen das Finsteraarhorn, aufs Groß-Fiescherhorn, über das Mönchjoch, hinauf zum Mönch und zur Jungfrau, nach der Lötschenlücke, am Aletschhorn empor, nach dem Märjelensee hinunter, und alle trugen sie mit sich fort eine sonnigwarme Erinnerung an den glücklich schönen Tag.

Gottfr. Beck ( Sektion Grindelwald ).

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